{"id":334220,"date":"2025-08-10T16:02:16","date_gmt":"2025-08-10T16:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/334220\/"},"modified":"2025-08-10T16:02:16","modified_gmt":"2025-08-10T16:02:16","slug":"fluechtlinge-in-hamburg-die-bilanz-der-fluechtlingsunterkunft-im-nobelviertel-harvestehude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/334220\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge in Hamburg: Die Bilanz der Fl\u00fcchtlingsunterkunft im Nobelviertel Harvestehude"},"content":{"rendered":"<p>Als 2015 im Hamburger Nobelviertel Harvestehude eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft er\u00f6ffnet werden sollte, gab es Klagen von Anwohnern und schlimmste Prophezeiungen. Schlie\u00dflich zogen 190 Menschen ein. Jetzt wurde die Einrichtung geschlossen. Eine Bilanz.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ein Sonntag Mitte Juni. Vor der Fl\u00fcchtlingsunterkunft stehen vier M\u00e4dchen und zwei Jungen, alle um die zw\u00f6lf Jahre alt, alle aus <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256419008\/Abschiebungen-Massive-Aufwertung-von-islamistischem-Terror-Hofreiter-kritisiert-Abschiebeflug.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256419008\/Abschiebungen-Massive-Aufwertung-von-islamistischem-Terror-Hofreiter-kritisiert-Abschiebeflug.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Afghanistan<\/a>. Sie fotografieren sich mit ihren Handys, rempeln sich spa\u00dfhaft an. Und beobachten feixend, wie zwei M\u00e4nner unter Schnauben und Fluchen einen Schrank nach drau\u00dfen bugsieren. Nachdem die beiden es geschafft haben, hieven sie das M\u00f6belst\u00fcck in einen Kleintransporter. <\/p>\n<p>\u201eHier ziehen jetzt jeden Tag Leute aus\u201c, erkl\u00e4rt eines der M\u00e4dchen in akzentfreiem Deutsch, \u201edas Erdgeschoss ist schon leer\u201c. N\u00e4chste Woche, erz\u00e4hlt sie, komme ihre Familie dran, das sei sehr schade. Hier sei alles toll gewesen: die sch\u00f6nen H\u00e4user und das viele Gr\u00fcn ringsum, der kurze Schulweg, der gro\u00dfe Spielplatz, die Freundinnen, die netten Betreuerinnen. Ob das in der neuen Einrichtung, in die sie jetzt ziehen m\u00fcssten, \u00e4hnlich sei, sie wisse es nicht. Aber sie habe ein bisschen Angst. <\/p>\n<p>Leise, von der \u00d6ffentlichkeit fast unbemerkt, ist in Hamburg ein Kapitel zu Ende gegangen, das vor rund zehn Jahren mit gro\u00dfem Get\u00f6se begann: die Errichtung eines Fl\u00fcchtlingsheims im noblen Stadtviertel Harvestehude, in einer der reichsten Gegenden der Hansestadt. <\/p>\n<p>Zoff in der Nachbarschaft<\/p>\n<p>Die Ansiedlung von Migranten zwischen alten Villen und neuen luxuri\u00f6sen Stadth\u00e4usern, noch dazu in unmittelbarer N\u00e4he der Alster, l\u00f6ste heftige Kontroversen aus. Gegner und Bef\u00fcrworter des Projekts gingen in Zeitungen und im Netz aufeinander los. Das schmucklose F\u00fcnfzigerjahre-Haus, ein zu Wohnzwecken umgebautes ehemaliges Kreiswehrersatzamt, geriet bundesweit ebenso in die Schlagzeilen wie die Adresse: Sophienterrasse 1. Letztlich ging es um die Frage: Wie gerecht sollen die Folgen der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256350498\/eu-bericht-zahl-der-asylantraege-in-deutschland-drastisch-gesunken.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256350498\/eu-bericht-zahl-der-asylantraege-in-deutschland-drastisch-gesunken.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fl\u00fcchtlingskrise<\/a> auf alle Mitglieder der Gesellschaft verteilt werden?  <\/p>\n<p>Ende Juli zogen die letzten Fl\u00fcchtlinge aus. Noch in diesem Jahr soll das Geb\u00e4ude, das 2015 f\u00fcr f\u00fcnf Millionen Euro renoviert wurde, abgerissen werden. Die Migranten wurden auf andere Heime verteilt, mussten teilweise in weit entfernte Randbezirke ziehen.<\/p>\n<p>Mitte Juni herrscht noch Aufbruchstimmung in der Unterkunft, die bald keine mehr sein wird. Koffer stehen herum, in einer Flurecke sitzt eine Puppe. Die W\u00e4nde sind \u00fcber und \u00fcber mit Graffiti bemalt. Im Treppenhaus riecht es nach Essen. Die syrische Familie im ersten Stock, die sich seit drei Jahren eine gro\u00dfe Wohnung mit zwei anderen Familien teilt, kann noch drei Wochen bleiben, wei\u00df nicht so recht, ob sie sich \u00fcber den bevorstehenden Umzug freuen soll.  <\/p>\n<p>Die junge Frau, Mutter von zwei minderj\u00e4hrigen S\u00f6hnen, bangt um die Fortsetzung ihres Deutschkurses, ihr Mann trauert dem kurzen Weg zum <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus688c814470c66b1de3ab20c6\/zuwanderung-und-arbeitsmarkt-am-meisten-sorge-macht-uns-die-gruppe-die-erst-ein-paar-jahre-in-deutschland-ist.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus688c814470c66b1de3ab20c6\/zuwanderung-und-arbeitsmarkt-am-meisten-sorge-macht-uns-die-gruppe-die-erst-ein-paar-jahre-in-deutschland-ist.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gem\u00fcseladen<\/a> nach, wo er als Ein-Euro-Jobber stundenweise Tomaten und Bananen verkauft. Doch es gibt auch Positives: In der neuen Unterkunft soll die Familie eine kleine Wohnung nur f\u00fcr sich allein bekommen, mit eigenem Badezimmer und eigener Toilette. Endlich.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: 2014 suchen mehr als 5000 Migranten Zuflucht in Hamburg. \u00dcber 43 Prozent der Einheimischen lehnen jedoch eine weitere Aufnahme von Zuwanderern ab, die Stimmung ist gereizt. Bei den bevorstehenden B\u00fcrgerschaftswahlen Anfang 2015, bei denen der damalige Regierende B\u00fcrgermeister Olaf Scholz die absolute SPD-Mehrheit verteidigen will, spielt das Thema eine gro\u00dfe Rolle.  <\/p>\n<p>Viele Genossen sind stinksauer, dass ausgerechnet in Au\u00dfenbezirken wie Wilhelmsburg, Harburg, Wandsbek und Billstedt immer neue Unterk\u00fcnfte entstehen \u2013 \u00fcberall da, wo die Sozis traditionsgem\u00e4\u00df die meisten Stimmen holen. Mit der Platzierung des Heims mitten im Villenviertel soll ein deutlich sichtbares Zeichen f\u00fcr eine gerechtere Verteilung gesetzt werden. Olaf Scholz stimmt dem Plan sofort zu: \u201eAuch wenn\u2018s \u00c4rger gibt, das machen wir.\u201c Und es gibt \u00c4rger.<\/p>\n<p>Gegner des Projekts werfen der Stadt vor, sie wolle aus ideologischen Gr\u00fcnden den Charakter des Viertels knacken, ein Exempel statuieren. Warnen vor Drogenhandel, Krawallen und n\u00e4chtlichen Schl\u00e4gereien. Anwohner \u00e4ngstigten sich \u00f6ffentlich um ihre Sicherheit, Hausbesitzer um die Grundst\u00fcckspreise. Bei einer Anwohnerversammlung prophezeit der damalige <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256307894\/Umfrage-AfD-erreicht-in-Brandenburg-Hoechstwert-SPD-verliert-deutlich.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256307894\/Umfrage-AfD-erreicht-in-Brandenburg-Hoechstwert-SPD-verliert-deutlich.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AfD<\/a>-Politiker Markus Wegner, heute CDU: \u201eDas wird ein Horror-Haus!\u201c.  <\/p>\n<p>Eine \u00c4rztin warnt: \u201eZu viele Arme treffen auf zu viele Reiche.\u201c Auch die Bef\u00fcrworter sind nicht zimperlich. Von herzlosen \u201eAlstermillion\u00e4ren\u201c ist die Rede, von \u201eSch\u00f6nen und Reichen\u201c, die auf ihrer Wohlstandsinsel unter sich bleiben wollen, sich dem Gemeinwohl verweigern. Es geht auch um Gut und B\u00f6se. Wer daf\u00fcr ist, gilt als mitf\u00fchlend, wer dagegen, als herzloser Egoist.  <\/p>\n<p>So richtig hoch kochen die Emotionen, als ein Verwaltungsgericht der Klage von mehreren Grundst\u00fcckseigent\u00fcmern aus der Nachbarschaft stattgibt und einen vorl\u00e4ufigen Baustopp verh\u00e4ngt. Grundlage dazu ist ein Bebauungsplan von 1955, der eine \u201esoziale Einrichtung\u201c in diesem Wohngebiet nicht vorsieht.<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6ge euch euer Kaviar im Halse stecken bleiben\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Schande f\u00fcr Hamburg\u201c, kommentiert der Norddeutsche Rundfunk (NDR) das Urteil, die Fronten verh\u00e4rten sich immer mehr. \u201eM\u00f6ge euch euer Kaviar im Halse stecken bleiben\u201c, postet der Hamburger Schauspieler Stephan Schad im Forum von Spiegel online in Richtung Kl\u00e4ger, \u201eihr kotzt mich an\u201c. Schlie\u00dflich gelingt nach langem juristischem Gezerre im September 2015 ein Kompromiss. <\/p>\n<p>Stadt und Kl\u00e4ger vereinbaren, dass nicht 220 Menschen in das Heim einziehen, sondern nur 190. Und zwar vorwiegend <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256312638\/Migrationspolitik-Kommunen-befuerworten-Aussetzung-des-Familiennachzugs-und-fordern-weitere-Verschaerfungen.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256312638\/Migrationspolitik-Kommunen-befuerworten-Aussetzung-des-Familiennachzugs-und-fordern-weitere-Verschaerfungen.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familien<\/a>. Au\u00dferdem wird festgeschrieben: Die Unterkunft muss nach zehn Jahren schlie\u00dfen, in den n\u00e4chsten 50 Jahren darf an dieser Stelle keine Sozialeinrichtung mehr installiert werden. Untergebracht werden nur Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder einem absehbaren Anspruch darauf. Im Januar 2016 treffen die ersten Bewohner ein.<\/p>\n<p>\u201eGegen den Zuzug von Fl\u00fcchtlingsfamilien hatten wir von Anfang an nichts\u201c, rechtfertigt sich einer der fr\u00fcheren Kl\u00e4ger, der namentlich nicht genannt werden will, \u201edie regulieren sich selbst, die wollen, dass ihre Kinder in die Schule gehen und etwas lernen\u201c. Die urspr\u00fcnglich zus\u00e4tzlich geplante Einquartierung von Menschen aus prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen sei jedoch ein Unding gewesen und mit Recht verhindert worden. <\/p>\n<p>Dies w\u00e4re jedoch nie objektiv dargestellt worden, Leute wie er seien \u00f6ffentlich als Fl\u00fcchtlingsfeinde gebrandmarkt, als \u201eNazis in Nadelstreifen\u201c verunglimpft worden. Das Get\u00f6se um das Heim, insbesondere der Presserummel, habe seinerzeit gro\u00dfen Schaden angerichtet. \u201eMein Haus war mit einem Schlag 20 Prozent weniger wert\u201c, sagt er. Nachbarn sei es ebenso ergangen. <\/p>\n<p>Wie f\u00e4llt seine Bilanz nach zehn Jahren aus? Durchweg positiv, meint der fr\u00fchere Kl\u00e4ger. Bef\u00fcrchtungen vor Randale, offenen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256315612\/drogen-im-koffer-portugiese-transportiert-mehr-als-fuenf-kilogramm-kokain-mit-dem-bus-durch-europa.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256315612\/drogen-im-koffer-portugiese-transportiert-mehr-als-fuenf-kilogramm-kokain-mit-dem-bus-durch-europa.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Drogendeals<\/a> und Gewalt h\u00e4tten sich nicht best\u00e4tigt. Klar, hin und wieder sei die Polizei anger\u00fcckt, \u00c4rger um n\u00e4chtlichen L\u00e4rm und herumfliegenden M\u00fcll habe es auch schon mal gegeben. <\/p>\n<p>Andererseits: Die Gegend, bewohnt von vielen alten Menschen, sei bunter und lauter geworden. Und, wegen der zahlreichen Kinder, \u201eviel, viel j\u00fcnger\u201c. Er erinnere sich an eine Silvesterfeier, als er vor seinem Haus mit \u00fcber 50 Kindern um die Wette geknallt habe, \u201edas war ein Riesenspa\u00df\u201c. Tats\u00e4chlich passierte rund um das zun\u00e4chst so umstrittene Heim Erstaunliches: Die Bewohner avancierten zu den wohl am besten umhegten und betreuten Fl\u00fcchtlingen Hamburgs.\u00a0<\/p>\n<p>Noch vor der Er\u00f6ffnung gr\u00fcndete die Anw\u00e4ltin Hendrikje Blandow-Schlegel den Verein \u201eFl\u00fcchtlingshilfe Harvestehude\u201c, dem sich spontan Nachbarn aus der n\u00e4heren und weiteren Umgebung anschlossen. Zeitweise k\u00fcmmerten sich \u00fcber 250 ehrenamtliche Helfer um die Migranten, darunter Lehrer, \u00c4rzte, Kirchenleute, Journalisten. <\/p>\n<p>Die Helfer reparierten mit den Bewohnern Fahrr\u00e4der, kochten mit ihnen, paukten mit ihnen die deutsche Sprache, spielten mit ihnen Fu\u00dfball, organisierten Hausaufgabenhilfe, begleiteten sie bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen, richteten eine Teestube als zentralen Treffpunkt ein. Fast schien es, als wollten die Anwohner des Viertels aller Welt beweisen, dass die Erz\u00e4hlung von den kaltherzigen Wohlstandsb\u00fcrgern nichts als b\u00f6swillige Nachrede sei.<\/p>\n<p>\u201eIch habe noch nie so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen erlebt\u201c, berichtet Unterkunftsleiterin Caroline Smolny, die zuletzt die Abwicklung organisierte. Die Frau mit dem energischen Auftreten hat schon in vielen Hamburger Unterk\u00fcnften, gearbeitet und dabei erlebt, wie feindselig manche Einheimische anderswo auf die Nachbarschaft von Migranten reagieren, sie erinnert sich an Schm\u00e4hungen, an ausgekippten M\u00fcll, an angedrohte Gewalt, an ein Klima der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article688e72ac8c8eec4efca1bfa0\/grossbritannien-rechte-und-linke-demonstranten-geraten-vor-asylunterkuenften-aneinander.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article688e72ac8c8eec4efca1bfa0\/grossbritannien-rechte-und-linke-demonstranten-geraten-vor-asylunterkuenften-aneinander.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angst<\/a>. Nichts davon in Harvestehude. <\/p>\n<p>Die Gefl\u00fcchteten, vorwiegend Familien aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, h\u00e4tten so gut wie nie \u00c4rger erregt. Reibereien habe es eher innerhalb des Hauses gegeben, wenn etwa verschiedene religi\u00f6se \u00dcberzeugungen aufeinandergeprallt seien oder es Zoff um laute Musik gegeben habe. Wenn sie Bekannten \u00fcber ihre Erfahrungen berichte, sto\u00dfe sie bisweilen auf Erstaunen: \u201eManche Menschen k\u00f6nnen nicht glauben, dass reiche Nachbarn nett sind.\u201c<\/p>\n<p>Vereinsgr\u00fcnderin Blandow-Schlegel hat eine simple Erkl\u00e4rung. In b\u00fcrgerlichen Stadtteilen lebten oft Menschen ohne allzu gro\u00dfe Existenzsorgen, darunter auch viele interessierte, offene und fitte \u00c4ltere. Nicht mehr berufst\u00e4tig, mit viel Zeit. Die h\u00e4tten nat\u00fcrlich mehr Mu\u00dfe, M\u00f6glichkeiten und Bereitschaft zu sozialem Engagement als Leute, die in einen schlecht bezahlten Job selbst um die Existenz k\u00e4mpfen m\u00fcssten. Und sie k\u00f6nnten ihrem Leben einen neuen Sinn geben. Eine Win-win-Situation sozusagen.\u00a0 <\/p>\n<p>Michael Wiese \u00fcbernahm vor neun Jahren die Patenschaft f\u00fcr einen jungen Eritreer, der vor dem Milit\u00e4rdienst in seiner Heimat geflohen war. Der pensionierte Berufsschullehrer umsorgte seinen Sch\u00fctzling, einen der wenigen Alleinstehenden im Heim, viele Jahre lang. Nahm ihn zur Familie nach Hause, versuchte, ihm Normalit\u00e4t jenseits des Heimalltags zu vermitteln. Motivierte ihn zum Durchhalten bei Deutschkursen, bremste seine Ungeduld, wenn schnelle Erfolge ausblieben, beriet ihn bei seinem Asylverfahren. <\/p>\n<p>Heute bestreitet der Mann, der schon vor l\u00e4ngerer Zeit die Unterkunft verlassen hat, seinen Lebensunterhalt als Lagerarbeiter. Obwohl es manchmal m\u00fchsam war, es auch Frust gab, hat der pensionierte Lehrer sein jahrelanges <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/article252035542\/Bildung-Alle-Kinder-sind-fuer-Geschichten-zu-begeistern-Wir-muessen-sie-nur-abholen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/article252035542\/Bildung-Alle-Kinder-sind-fuer-Geschichten-zu-begeistern-Wir-muessen-sie-nur-abholen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Engagement<\/a> nie bereut. R\u00fcckblickend erkl\u00e4rt er: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, meine F\u00e4higkeiten und Kompetenzen sinnvoll eingesetzt zu haben. Das macht mich zufrieden.\u201c<\/p>\n<p>Die Durchsetzung des Projekts in Harvestehude sei erfolgreich verlaufen, res\u00fcmiert Anw\u00e4ltin Blandow-Schlegel: \u201eEs gab nur ganz wenige Probleme.\u201c Deshalb sei es h\u00f6chste Zeit, solche Unterk\u00fcnfte in allen Vierteln Hamburgs zu realisieren, ohne R\u00fccksicht auf Wohlstandsinseln: \u201eDas ist ein Gebot der Stunde.\u201c <\/p>\n<p>Doch das ist kompliziert. Zwar schw\u00f6rt ein Sprecher der Sozialbeh\u00f6rde, es gebe keinen Stadtteil, \u201ewo wir sagen, da trauen wir uns nicht hin.\u201c In der Praxis jedoch sind Heime in betuchten Gegenden nach wie vor eine gro\u00dfe Ausnahme. \u201eWo immer etwas geplant ist, wird von Anliegern geklagt\u201c, wei\u00df Unterkunftsleiterin Smolny.<\/p>\n<p>Aktuell leben in Hamburg mehr als 44.000 Gefl\u00fcchtete in \u00f6ffentlichen Unterk\u00fcnften. Nur eine einzige Einrichtung liegt in einem wohlhabenden <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus6880e620d4f446684ee8ae7f\/integration-die-ghettos-muessen-weg-wie-daenemarks-harte-migrationspolitik-in-der-praxis-funktioniert.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus6880e620d4f446684ee8ae7f\/integration-die-ghettos-muessen-weg-wie-daenemarks-harte-migrationspolitik-in-der-praxis-funktioniert.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quartier<\/a>. Erst k\u00fcrzlich scheiterte die Errichtung einer Migranten-Unterkunft im elbnahen Ortsteil Hochkamp an einer Besonderheit: Die Gr\u00fcnder des Villenviertels verf\u00fcgten vor \u00fcber 100 Jahren, dass dort nur Einfamilienh\u00e4user mit park\u00e4hnlichen G\u00e4rten gebaut werden d\u00fcrfen. \u00dcber die Einhaltung dieser sogenannten \u201eHochkamp-Klausel\u201c wacht seit 1918 ein eigens daf\u00fcr gegr\u00fcndeter Verein.\u00a0<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge willkommen<\/p>\n<p>Im feinen Klein-Flottbek dagegen konnte sich die Stadt durchsetzen. Derzeit entstehen auf dem Parkplatz vor dem Botanischen Garten, dem \u201eLoki-Schmidt-Garten\u201c, Container-H\u00e4user f\u00fcr 144 Gefl\u00fcchtete. Zwar sammelten auch dort Gegner des Projekts viele Unterschriften, drohten mit Klagen. Die wurden aber nie erhoben. <\/p>\n<p>Stattdessen propagierten Bef\u00fcrworter den Slogan: \u201eFlottbek ist bunt\u201c, gr\u00fcndeten eine \u201eB\u00fcrgerinitiative pro Unterkunft\u201c, klebten Plakate mit der Aufschrift \u201eRefugees Welcome\u201c an ihre Balkone und k\u00fcndigten an, den Migranten mit Rat und Tat zu helfen. K\u00f6nnte Klein-Flottbek ein zweites Harvestehude werden? \u201eIch w\u00fcrde mich dar\u00fcber freuen\u201c, sagt die Vereinsvorsitzende Blandow-Schlegel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als 2015 im Hamburger Nobelviertel Harvestehude eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft er\u00f6ffnet werden sollte, gab es Klagen von Anwohnern und schlimmste&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":334221,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[94301,29,94302,7883,30,692],"class_list":{"0":"post-334220","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-auslaenderunterkuenfte-ks","9":"tag-deutschland","10":"tag-fluechtlinge-geo-aufnahmeland-ks","11":"tag-fluechtlingskrise","12":"tag-germany","13":"tag-hamburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115005315081060506","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/334220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=334220"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/334220\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/334221"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=334220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=334220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=334220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}