{"id":334631,"date":"2025-08-10T19:47:16","date_gmt":"2025-08-10T19:47:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/334631\/"},"modified":"2025-08-10T19:47:16","modified_gmt":"2025-08-10T19:47:16","slug":"straftaeter-in-bremen-wie-recherchiert-man-zu-den-jungen-raeubern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/334631\/","title":{"rendered":"Straft\u00e4ter in Bremen: Wie recherchiert man zu den &#8222;Jungen R\u00e4ubern&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 10. August 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nJ\u00e1nos Kereszti<\/p>\n<p>Dem Reporter war von Anfang an klar: Diese Reportage wird nicht einfach.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Ein Jahr lang hat buten un binnen-Reporter J\u00e1nos Kereszti zu jungen Straft\u00e4tern recherchiert, die die Polizei als &#8222;Junge R\u00e4uber&#8220; bezeichnet. Seine Erfahrungen fasst er hier zusammen.<\/p>\n<p>Es ist Fr\u00fchjahr 2024. In einem anatolischen Restaurant in der Bremer Innenstadt sitze ich mit Mohamed, 20 Jahre, und Jawad, 19, an einem Tisch. Beide tragen Trainingsanz\u00fcge, gleiches Modell, gleiche Farbe. Sie sind enge Freunde, fast wie Br\u00fcder. Beide kommen aus Nordafrika und haben sich auf ihrer Reise durch Europa kennengelernt, wie sie sagen. \u00dcberpr\u00fcfen kann ich das nicht, aber sp\u00e4ter werden es mir andere aus ihrem Umfeld genauso erz\u00e4hlen. Sie haben ohne Eltern tausende Kilometer auf eigene Faust zur\u00fcckgelegt, Grenzen \u00fcberquert und auch Gesetze gebrochen. Beide waren im Gef\u00e4ngnis. Diebstahl, versuchte gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung, versuchter Raub mit Waffen. <\/p>\n<p>Sie geh\u00f6ren zur Gruppe, die bei der Polizei als \u201eJunge R\u00e4uber\u201c betitelt ist. Viel ist \u00fcber diese Gruppe berichtet und gesprochen worden. Junge Straft\u00e4ter, die in Gruppen Menschen \u00fcberfallen und Goldketten, Uhren und Handys rauben. Aber mit ihnen hat noch kein Journalist geredet. Warum werden sie straff\u00e4llig? Mit welchen Zielen und Tr\u00e4umen kommen sie nach Deutschland? Wie denken sie \u00fcber ihre Taten?<\/p>\n<p><strong>Die ganze Y-Kollektiv-Dokumentation gibt es \u00fcber diesen <\/strong><a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/y-kollektiv\/jung-kriminell-chancenlos-ein-jahr-mit-einer-jugendgang\/ard\/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlLzZlNjMzM2M5LWM0OGEtNGEyMy1iYTVjLTA2MTZmNGMyZmQ5ZC9lcGlzb2RlL3VybjphcmQ6c2hvdzo2MjA5YjVhYmQ4ODZhN2Fj\" class=\"text-link\"><strong>Link<\/strong><\/a><strong> in der ARD-Mediathek zu sehen.<\/strong><\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re Mohamed und Jawad, dass mich diese Fragen als Journalist interessieren und dass ich sie interviewen m\u00f6chte. Wir hatten uns bereits vorher kennengelernt. Der Kontakt ist \u00fcber Dritte zustande gekommen. Ich habe auch mehr als zehn andere junge M\u00e4nner aus Nordafrika getroffen, aber zu Mohamed und Jawad hat sich genug Vertrauen aufgebaut, dass der Kontakt gehalten hat. Mohamed ist gerade erst aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen worden. Er hat fast zwei Jahre abgesessen. <\/p>\n<p>Eine Fernsehreportage? Sie z\u00f6gern, aber schlie\u00dflich sagen sie zu, weil sie ihre Geschichte erz\u00e4hlen wollen. Eine Geschichte, wie ich sie bei meiner Recherche auch von anderen jungen Nordafrikanern oft h\u00f6re: Armut und Perspektivlosigkeit zu Hause, dann eine Flucht ohne Eltern nach Europa; in losen Gruppen durch Spanien, Frankreich und weitere L\u00e4nder bis nach Deutschland. Sie haben gelernt sich durchzuschlagen, Formulare ausf\u00fcllen und Antr\u00e4ge ordnungsgem\u00e4\u00df stellen eher nicht.<\/p>\n<p>12 Monate Recherche mit vielen R\u00fcckschl\u00e4gen<\/p>\n<p>Mohamed und Jawad sehen sich als Opfer, geben gleichzeitig aber zu Straftaten begangen zu haben. Sie beklagen Chancen- und Perspektivlosigkeit in Deutschland. Deshalb seien sie kriminell geworden. Dar\u00fcber wollen sie im Interview reden. Sie stimmen zu. Mir ist klar: Diese Reportage wird nicht einfach. Dass sie mich die n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate mit vielen R\u00fcckschl\u00e4gen besch\u00e4ftigen wird, ahne ich nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/junge-raeuber-in-bremen-interview-100~_v-512x288_c-1753704238303.jpg\" data-gallery-entry-for=\"junge-raeuber-bremen-kriminalitaet-100\" data-size=\"1920x1080\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Sino, ein 23-J\u00e4hriger, nach Deutschland migrierter Marokkaner, unterh\u00e4lt sich mit TV-Reporter J\u00e1nos Kereszti \u00fcber das Ph\u00e4nomen der &quot;Jungen R\u00e4uber&quot;.\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Sino, ein 23-J\u00e4hriger, nach Deutschland migrierter Marokkaner, unterh\u00e4lt sich mit TV-Reporter J\u00e1nos Kereszti \u00fcber das Ph\u00e4nomen der &quot;Jungen R\u00e4uber&quot;.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/junge-raeuber-in-bremen-interview-100~_v-512x288_c-1753704238303.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/junge-raeuber-in-bremen-interview-100~_v-640x360_c-1753704238303.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Sino, ein 23-J\u00e4hriger, nach Deutschland migrierter Marokkaner, unterh\u00e4lt sich mit TV-Reporter J\u00e1nos Kereszti \u00fcber das Ph\u00e4nomen der &#8222;Jungen R\u00e4uber&#8220;.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Es beginnt damit, dass Mohamed vor dem ersten Interview nicht mehr erreichbar ist, keine Reaktion auf meine Anfragen. Ich erfahre, er wurde wieder festgenommen. Er soll einem M\u00e4dchen ein Handy abgezogen haben und sitzt in U-Haft. Jawad und seine Freunde sind vorsichtig. Ein Interview am Hillmannplatz klappt, zusammen mit seinem Kumpel Sino.<\/p>\n<p>Kampf um jede Drehminute<\/p>\n<p>Danach rei\u00dft der Kontakt immer wieder ab. Verl\u00e4ssliche Verabredungen sind schwierig. Ich k\u00e4mpfe um jede Drehminute. Auch um jeden Beleg, der die Aussagen der Jungs best\u00e4tigt oder widerlegt. \u00dcber die Monate merke ich, dass sie mir nur einen kleinen Einblick in ihr Leben geben. Das ist mehr als vielen anderen, aber ist es genug f\u00fcr eine Reportage? Im Fr\u00fchjahr 2025, nach einem Jahr Arbeit und vielen H\u00f6hen und Tiefen, sind die Redaktion und ich der Meinung, dass wir genug f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung haben.<\/p>\n<p>Sommer 2025, ich treffe Mohamed und Jawad wieder. Wir sprechen \u00fcber den Film. Sie sind aufgebracht. Sich selbst in Verbindung mit ihrer kriminellen Vergangenheit zu sehen, st\u00f6rt sie. Sie sagen, das h\u00e4tten sie doch hinter sich gelassen und seien nun auf dem richtigen Weg.<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nY-Kollektiv, 28. Juli 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 10. August 2025. 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