{"id":335234,"date":"2025-08-11T01:39:21","date_gmt":"2025-08-11T01:39:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335234\/"},"modified":"2025-08-11T01:39:21","modified_gmt":"2025-08-11T01:39:21","slug":"kuenstliche-intelligenz-berlin-digitalexperiment-am-lebenden-reisenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335234\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 Berlin: Digitalexperiment am lebenden Reisenden"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img309827\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/309827.jpeg\" alt=\"Wer nicht in Eile ist, kann bei KI-Kiana am Flughafen Berlin-Brandenung (BER) ein Ticket kaufen.\"\/><\/p>\n<p>Wer nicht in Eile ist, kann bei KI-Kiana am Flughafen Berlin-Brandenung (BER) ein Ticket kaufen.<\/p>\n<p>Foto: Deutsche Bahn AG \/ Max Lautenschl\u00e4ger <\/p>\n<p>Kiana ist ein bisschen schwerh\u00f6rig. Erst im dritten Anlauf versteht sie die Frage nach Zugverbindungen vom Flughafen BER zum Bahnhof Berlin-Lichtenberg. Daf\u00fcr konnte man ihr die Frage auf Tschechisch stellen und sie antwortet auch auf Tschechisch. Irgendwann reagiert sie dann auch auf eine Nachfrage, wechselt aber unvermittelt ins Deutsche. Allerdings unverkennbar mit tschechischem Akzent.<\/p>\n<p>Seit Mai nimmt die Deutsche Bahn Reisende am Flughafen BER mit in die geheimnisvolle Welt der sogenannten K\u00fcnstlichen Intelligenz, eine Welt, die oft von gro\u00dfen Missverst\u00e4ndnissen und r\u00e4tselhaften Antworten gepr\u00e4gt ist. Kiana wird von der Deutschen Bahn als digitale Assistenz f\u00fcr Fahrplanausk\u00fcnfte und den Kauf von Fahrkarten bezeichnet.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/309828.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Lara Croft in z\u00fcchtig<\/p>\n<p>Eine hohe, schlanke S\u00e4ule mit gro\u00dfem Bildschirm, Mikrofon und Lautsprechern. Auf dem Bildschirm blinzelt einen Kiana an: Sie \u00e4hnelt der Videospielfigur Lara Croft \u2013 doch statt engem Tanktop und Waffen tr\u00e4gt Kiana eine wei\u00dfe Bluse und weinrote DB-Jacke.<\/p>\n<p>Die S\u00e4ule steht etwas versteckt unter einer Treppe im trubeligen Bereich der Bahnsteigzug\u00e4nge des Flughafenterminals. Ein hoher Ger\u00e4uschpegel pr\u00e4gt den Raum: Rollkofferklappern, Gespr\u00e4chsfetzen und viele andere Laute.<\/p>\n<p>Praktisch permanent steht Ivo Kosse neben Diana. Das ist der Grund daf\u00fcr, dass Kiana nur montags bis freitags zwischen 9 und 15 Uhr zur Verf\u00fcgung steht. Denn der Bahn-Mitarbeiter ist quasi ihr Aufpasser. Da die Technik m\u00e4\u00dfig funktioniert, hilft er Interessierten bei der Bedienung. Vor allem muss er sie ermuntern, immer wieder das Wunschziel zu wiederholen, immer etwas lauter als zuvor.<\/p>\n<p>Bessere Performance, mehr Sprachen<\/p>\n<p>\u00bbNein, ich laufe auch durch die Halle\u00ab, betont Kosse auf die Frage, ob er permanent neben der Kiana-S\u00e4ule stehe. \u00bbEs ist auf jeden Fall schneller geworden bei den Klassikern\u00ab, berichtet er \u00fcber die Entwicklung der Systemperformance bei Anfragen \u00fcber die vergangenen Monate am BER. Er halte es auch f\u00fcr \u00bbsehr wichtig\u00ab, dass mit der Zeit weitere Sprachen dazugekommen sind, \u00bbweil viele internationale Kunden hier sind\u00ab.<\/p>\n<p>Wenn man tats\u00e4chlich eine Fahrkarte kaufen will, muss man auf dem Touchscreen eine der drei angezeigten Verbindungen ausw\u00e4hlen. Die Sprachsteuerung funktioniert w\u00e4hrenddessen nicht. Ein Ticket bekommt man am Ende auch nicht. Stattdessen gibt es einen QR-Code. Scannt man ihn mit dem Handy, kann man seinen Fahrausweis schlie\u00dflich \u00fcber die Webseite der Bahn oder die App DB Navigator erwerben.<\/p>\n<p>Die Worte von Carmen Maria Parrino beim Pressetermin am Donnerstag kontrastieren etwas zur Nutzererfahrung: \u00bbWir wollen eine KI entwickeln, die unsere Kunden und Kundinnen dort unterst\u00fctzt, wo sie es am meisten brauchen, n\u00e4mlich an den Bahnsteigen, hier am Flughafen und da, wo ein Ticketkauf n\u00f6tig ist\u00ab, so die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin f\u00fcr Nahverkehr im DB Vertrieb. Im DB-Reisezentrum seien die Sto\u00dfzeiten und das Thema Sprache eine Herausforderung. Gerade am Flughafen spreche \u00fcber die H\u00e4lfte der Kundschaft kein Deutsch. Immerhin neun Sprachen beherrscht Kiana.<\/p>\n<p>Eher Dart spielen als Intelligenz<\/p>\n<p>Und wo irgendetwas mit Innovation lauert, zumal in der nachrichtenarmen Saure-Gurken-Zeit, ist die Politik nicht weit. In diesem Fall Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU). Sie hat ein Zitat des verstorbenen britischen Physikers Stephen Hawking mitgebracht, demzufolge <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192806.ki-im-gaza-krieg-deutschland-profitiert-von-gaza-als-tech-testlabor.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00fcnstliche Intelligenz das Beste oder das Schlimmste<\/a> sein k\u00f6nne, das der Menschheit je passiert ist. Das ist vielleicht etwas hoch gegriffen angesichts dessen, was Kiana derzeit ist: umst\u00e4ndlich und langsam.<\/p>\n<p>Das System arbeitet mit einem Large-Language-Modell. Letztlich bedeutet das, dass es auf Basis eines riesigen Bergs an Beispiels\u00e4tzen eine Wahrscheinlichkeit berechnet, was die menschliche Person eigentlich wissen will. Letztlich hat das etwas von Dart spielen, wo auch ein Profi h\u00e4ufiger mal das Ziel verfehlt.<\/p>\n<p>Noch in ihrer Zeit als Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg vor anderthalb Jahren hat Bonde gesagt, dass sie Kiana in Berlin haben wolle. Was nicht verwundert, wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, dass sie mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lieber \u00fcber Dinge \u00bbwie eine Teststrecke f\u00fcr Flugtaxis, Magnetschwebebahnen, Seilbahnen f\u00fcr neue Stadtquartiere und autonomes Fahren\u00ab spricht als \u00fcber erhebliche Betriebsprobleme der Berliner S-Bahn wegen gro\u00dfer M\u00e4ngel in der Infrastruktur.<\/p>\n<p>Miteinander auch mit dem Flugzeug<\/p>\n<p>Sie schafft es sogar, ihrem Mantra des \u00bbMiteinanders\u00ab im Verkehr, das sich in Berlin vor allem im brutalen Ausbremsen der Verkehrswende zeigt, eine neue Facette zu geben: \u00bbUnd was ich so entscheidend finde, dass wir jetzt hier im Flughafen stehen, das ist eigentlich etwas, was nicht das Verkehrsmittel der DB ist. Flugverkehr ist nicht der Verkehr, den die DB eigentlich anbietet, sondern Schienenverkehr ist der Verkehr, den die DB anbietet. Aber wir sehen hier, es geht nicht um ein Nebeneinander, sondern es geht um ein Miteinander\u00ab, so Bonde.<\/p>\n<p>Die Verkehrssenatorin brennt f\u00fcr Innovationen jenseits konkreter Bedarfe und M\u00f6glichkeiten. \u00bbWo w\u00fcrden wir stehen, wenn nicht irgendjemand mal den Mut gehabt h\u00e4tte, auch an Autos, Stra\u00dfenbahnen oder Schieneninfrastruktur zu denken\u00ab, fragt sie und wei\u00df auch gleich die Antwort: \u00bbDann w\u00e4ren wir heute immer noch mit Kutschen unterwegs.\u00ab Insofern sei es \u00bbganz, ganz wichtig, dass wir uns auf diesen Weg machen, dass wir uns auf den Weg der KI machen und neue Formate einbringen\u00ab.<\/p>\n<p>Von Susan Sontag zur Fahrkarte<\/p>\n<p>Distanzierter zeigt sich Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW). Auch er hat ein Zitat mitgebracht \u2013 von der verstorbenen US-amerikanischen Autorin, Kulturkritikerin und Regisseurin Susan Sontag: \u00bbIch war nicht \u00fcberall bisher auf Reisen, aber auf meiner Liste stehen viele Orte.\u00ab F\u00fcr die Allgemeinheit hei\u00dfe das, die Liste der Reiseziele, die sich Menschen vornehmen, sei beinahe unendlich, erl\u00e4utert er.<\/p>\n<p>Er muss dann noch weiter ausholen, um zu erl\u00e4utern, dass eben Informationen zu Verbindungen und Fahrkartenpreisen f\u00fcr Reisende wichtig seien, um zu erkl\u00e4ren: \u00bbUnd da bin ich mir sicher, die Deutsche Bahn hat hier mit dem Start von Kiana einen weiteren Schritt nach vorne gemacht.\u00ab Tabberts gewisse Ratlosigkeit angesichts des Termins ist mit H\u00e4nden greifbar. Noch verst\u00e4rkt durch ein heiter-ironisches Zucken, das seine Augenlider umspielt, als andere sprechen.<\/p>\n<p>\u00bbIch m\u00f6chte keine Prognose abgeben, wann das Produkt so weit reif ist, als dass wir es bundesweit ausrollen k\u00f6nnten. Die H\u00fcrden dazu sind an unterschiedlichen Stellen schon gar nicht so klein\u00ab, r\u00e4umt DB-Vertriebschefin Carmen Maria Parrino ein und betont immer wieder, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt. Kiana sei ein Test, um au\u00dferhalb des Labors festzustellen, was in der Realit\u00e4t nicht funktioniert und was angepasst werden m\u00fcsste.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>Rund tausend Dialoge gab es seit Mai. F\u00fcnf bis zehn Prozent m\u00fcndeten in einen Fahrkartenkauf. Also nicht mal einer pro Tag.<\/p>\n<p>&#13;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine ernsthafte Entlastung des Reisezentrums, an dem immerhin zwei von vier Schaltern besetzt sind, scheint Kiana bisher nicht zu sein. Rund tausend Dialoge habe es seit Aufstellung im Mai gegeben, verr\u00e4t Parrino. Etwa f\u00fcnf bis zehn Prozent dieser Dialoge m\u00fcndeten in einen Fahrkartenkauf. Also nicht einmal einer pro Tag. Noch bis Mitte Oktober kann das digitale Spielzeug am Flughafen BER getestet werden.<\/p>\n<p>Es ist nicht der erste Versuch der DB, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193018.inklusive-ki-ethik-eine-frage-der-technik.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KI<\/a>-Assistent*innen auf die Kundschaft loszulassen. 2019 wurde \u00bbSemmi\u00ab im Reisezentrum des Berliner Hauptbahnhofs aufgestellt. Der Kopf einer Schaufensterpuppe, auf den ein Gesicht projiziert worden war, eingefasst von einer schwarzen muschelartigen Schale. Bereits der Pressetermin geriet zum Desaster \u2013 auch hier wurden die Fragen oft nicht verstanden.<\/p>\n<p>Kurz nach dem Pressetermin am Donnerstag ger\u00e4t der S-Bahnverkehr am BER komplett aus dem Tritt. Grund ist ein Feuerwehreinsatz wegen Rauchentwicklung an einer S-Bahn zwischen Altglienicke und Adlershof: Eine Bremse hatte sich festgefahren. Das internationale Flughafenpublikum wird mit Ansagen informiert \u2013 allesamt auf Deutsch. Eine automatische \u00dcbersetzung k\u00f6nnte hier echten Mehrwert f\u00fcr die ratlosen Reisenden generieren. Aber das ist ja ein anderer Gesch\u00e4ftsbereich der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193044.streckensanierung-bahn-ersatzverkehr-zwischen-hamburg-und-berlin-laeuft-stabil.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DB<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer nicht in Eile ist, kann bei KI-Kiana am Flughafen Berlin-Brandenung (BER) ein Ticket kaufen. 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