{"id":335953,"date":"2025-08-11T08:45:13","date_gmt":"2025-08-11T08:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335953\/"},"modified":"2025-08-11T08:45:13","modified_gmt":"2025-08-11T08:45:13","slug":"meyer-burckhardt-erzaehlt-von-seiner-beeindruckenden-grossmutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335953\/","title":{"rendered":"Meyer-Burckhardt erz\u00e4hlt von seiner beeindruckenden Gro\u00dfmutter"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.hna.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 11.08.2025, 10:34 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.hna.de\/autor\/bettina-fraschke-m3yqxoyfx.html\" title=\"Zur Autorenseite von Bettina Fraschke\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" fraschke=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bettina Fraschke<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/38987595-foto-von-christel-vollbrecht-aus-dem-buch-von-hubertus-meyer-burckhardt-hfe.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Foto von Christel Vollbrecht aus dem Buch von Hubertus Meyer-Burckhardt. \"\/>Christel Vollbrecht (1898-1988), Gro\u00dfmutter von Hubertus Meyer-Burckhardt).  \u00a9\u00a0Foto: Heyne-Verlag\/NH<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Kassels Promi Hubertus Meyer-Burckhardt hat ein lustiges, bewegendes Buch \u00fcber seine Kasseler Gro\u00dfmutter geschrieben und liest daraus. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In der Bar des Renthofs bestellt Fernsehmann und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt einen Tee zum Gespr\u00e4ch und erz\u00e4hlt, dass er am Vorabend dort ein Ehepaar aus London getroffen hat, mit ihnen ins Gespr\u00e4ch kam und begeistert war von der Souver\u00e4nit\u00e4t des Smalltalks, die den Briten eigen ist. Warum k\u00f6nnen die das nur so gut? Und was ist der Kern von Smalltalk? Das ist Eleganz, so sein Fazit. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sein Buch \u201eDie Sonne scheint immer, f\u00fcr die Wolken kann ich nichts\u201c erz\u00e4hlt von seiner Gro\u00dfmutter Christel Vollbrecht, mit der er in seinen Jugendjahren in Kassel viel Zeit verbrachte und von ihr f\u00fcrs Leben lernte. Er nannte sie Osi. Am 8. September liest er in der Hofbuchhandlung Vietor. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Herr Meyer-Burckhardt, wie kam es, dass Ihre verstorbene Gro\u00dfmutter sich wieder in Ihrem Leben eingenistet hat?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">In mir wuchs der Wunsch, der Frage nachzugehen, wer hat Dich als Kind am meisten inspiriert \u2013 nicht unbedingt am meisten geliebt? Niemand hat mich so beeinflusst wie meine Gro\u00dfmutter. In der Menschwerdung, in der Pers\u00f6nlichkeitswerdung. Ich bin in ein Alter gekommen, wo man Bilanz zieht. Und dazu kommt die Frage: Haben wir eine Entscheidungsfreiheit? Wir werden als Kind durch so viele Faktoren beeinflusst, der Spielraum, einen eigenen Weg  zu w\u00e4hlen, ist kleiner, als wir das annehmen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Hatten Sie als Kind eine Ahnung, dass Ihre Gro\u00dfmutter Sie so pr\u00e4gt?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich hatte das Gef\u00fchl, dass sie anders ist als alle anderen. Sie war unkonventionell. Sehr gro\u00dfz\u00fcgig, humorvoll, pointensicher. Sagt Ihnen die Weinstube Boos noch etwas?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Klar. Wilhelmsh\u00f6her Allee. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Da hat sie Hof gehalten. Sie war abenteuerlustig. Sie hat immer gesagt, Bausparer kann ich nicht leiden, die schw\u00e4nzen das Abenteuer. Sie hatte die Gabe, sich das Leben so zu bauen, dass es ihr Spa\u00df macht.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Findet man das als Teenager ein bisschen peinlich?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Mal so mal so. Ich war Statist am Staatstheater und sie hat mich gebeten, beim Intendanten Peter L\u00f6ffler einen Termin f\u00fcr sie zum Vortanzen auszumachen. Ich war 16 und habe gesagt, ich werde das nicht machen. Heute denke ich, warum eigentlich nicht? Sie dachte, Ausdruckstanz, das kann ich doch mal versuchen. Sie konnte in der Weinstube Boos w\u00e4hrend des Essens aufstehen und tanzen. Da war sie hemmungslos.  Als ich mit ihr einmal in ein Gartenrestaurant ging, sah sie einen Mann mit wei\u00dfen Socken und sagte ihm: Das hat keinen Stil. Ihr Berliner Dialekt milderte das. Meine Gro\u00dfmutter vermochte es, Menschen so zu beleidigen, dass die sich trotzdem geschmeichelt f\u00fchlten, nur weil sie das Wort an sie richtete. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie ist sie vorgegangen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Sie hat sich Formulierungen auf Karteikarten aufgeschrieben. Bemerkungen, die jemand im Vorbeigehen gesagt hatte. Sie war eine Standup-Queen, auch wenn man das Wort damals nicht kannte.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was hat sie dazu bef\u00e4higt?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das hat der liebe Gott ihr geschenkt. Wenn du als kleines Kind geliebt wirst, bist du zu tollk\u00fchneren Dingen f\u00e4hig als wenn du geh\u00f6rt hast, du kannst nichts. Sie muss eine gro\u00dfe emotionale Substanz mitbekommen haben. Eine Frau, die zwei Weltkriege \u00fcberlebt hat. Die als B\u00fcrgertochter begann und in einer Sozialwohnung geendet ist, in der Wilhelmsh\u00f6her Allee. Sie wohnte dort allerdings wie eine K\u00f6nigin, etwas Glamour war immer dabei. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie haben Sie Ihren Alltag mit der Oma verbracht?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wenn ich Sorgen hatte, Fahrrad geklaut, Lehrer doof, Freundin liebt mich nicht, was man mit 14 so hat, war ihre Antwort: Jungchen, wat willste, det ist das Leben. Wo sie recht hat. Sie hat einmal in mein Leben direkt eingegriffen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie das?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Auf dem Messeplatz war der Zirkus. Meine Gro\u00dfmutter hat mich mitgenommen. Als ich diese Wohnwagen der Artisten sah, war es um mich geschehen. Ich wollte gar nicht mehr in die Arena, ich wollte zu den Artisten. Die Charaktereigenschaft, die mich am meisten auszeichnet bis heute, ist das Fernweh. Der beste Freund meiner Gro\u00dfmutter war der Globus. Manchmal ist sie mit dem D-Zug nach W\u00fcrzburg gefahren und kam dann mit einer Flasche Wein oder K\u00e4se zur\u00fcck. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Hat sie sich auch politisch ge\u00e4u\u00dfert?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Sie war konservativ, hat aber die Rechten gehasst. Als in der Weinstube Boos jemand gesagt hat, d\u00fcrfen wir nicht mal wieder auf das deutsche Volk stolz sein, hat sie erwidert: Junger Mann, wenn sie unbedingt auf ihr Volk stolz sein wollen, empfehle ich ihnen den Beruf des Imkers. Das hat die einfach so rausgehauen. Sie hat es sich nie verziehen, dass sie in der NS-Zeit den Juden nicht geholfen hat. Mit Respekt und Reue sa\u00df sie onduliert und im Kost\u00fcm vor \u201eDalli Dalli\u201c mit Hans Rosenthal. Und sie hat in den 70ern recherchiert, welche Gesch\u00e4fte j\u00fcdische Inhaber hatten, und hat dort eingekauft. Und sie sagte immer, wenn du einen Krieg verlierst, dann ist Neese. Hei\u00dft: einfach Klappe halten. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">K\u00f6nnen Sie sich noch an viele Begebenheiten und Ausspr\u00fcche erinnern?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, aber meine Gro\u00dfmutter hatte auch nichts gegen eine gute Schwindelei, die unterhalt\u3220samer sein konnte als die pure Wahrheit. Ihr letzter Satz war: Sei nicht zu spie\u00dfig in deiner Ehrlichkeit. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was waren Ihre Quellen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich habe B\u00fccher von ihr, in denen waren Kommentare drin. Und ich hatte so Kalender von der Shell-Tankstelle, die habe ich f\u00fcr Notizen genutzt, zum Beispiel, wenn ich einen tollen Film gesehen habe. Da stand auch: Osi erz\u00e4hlt von der Pedik\u00fcre. Meine Notizen waren nicht reflektierend, wie man es mit 50 macht, wenn man etwas vom Leben versteht. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Pedik\u00fcre?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Meine Gro\u00dfmutter hat mich geschult. Wenn wir im Restaurant Pinocchio waren, hat sie mich aufmerksam gemacht, guck mal, dieser junge Mann hat gepflegte H\u00e4nde. Im Sommer hat sie Leute in Sandalen angesprochen und ihnen Gutscheine f\u00fcr eine Pedik\u00fcre zugesteckt: Tut ihnen ganz gut. Ich gebe zu, ich habe mit F\u00fc\u00dfen und H\u00e4nden auch eine Macke.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sicher ein hilfreicher Hinweis f\u00fcr Jungerwachsene. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Meine Gro\u00dfmutter hatte ein ganz traditionelles M\u00e4nnerbild: John Wayne. Aber sie wollte auch, dass Frauen ihr Geld selber verdienen. Sie hat meinen Respekt, denn sie war menschlich und humorvoll. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wenn Sie Geschichten Ihrer Osi erz\u00e4hlen: Wie viel Freiheit erlauben Sie sich?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich habe nichts geschrieben, wo meine Gro\u00dfmutter sagen w\u00fcrde, Kleener, das stimmt nicht. Aber ich habe Dinge aus der Erinnerung geschrieben. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Haben Sie ein Beispiel?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Wir sind zur Er\u00f6ffnung des Elbtunnels gefahren. Mitte der 70er. Da war sie geradezu exaltiert.  Dann habe ich sie um 11 Uhr in Hamburg abgesetzt und um 16 wieder eingesammelt. Ich schreibe im Buch, ich wei\u00df nicht, was sie gemacht hat, ich wei\u00df es aber. Das ist nicht korrekt. Aber Diskretion. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Was hat sie gepr\u00e4gt?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\"> 1898 geboren, hat sie zwei Weltkriege mitgemacht, einen Mann, der im Ersten Weltkrieg einen Kopfschuss erlitt. 1939\/40 sind sie in Kassel angekommen, sie wollten aber weiter Richtung franz\u00f6sische Grenze. Sie war \u00fcberzeugt: Wer Wein trinkt, wird kein Nazi. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Die Art Ihrer Osi, sich mit Leuten zu verbinden, Nachbarn auf eine Stulle reinbitten oder in der Weinstube auf Leute zugehen, ist weit weg von heute, wo man sich einigelt vor dem Handy. Wie blicken Sie auf diese Entwicklung?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Es gab damals viel weniger Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Man ging h\u00e4ufiger in die Kneipe. Meine Osi hat immer darauf bestanden, dass ich ungesund esse. Vern\u00fcnftige Leute haben Angst vorm Leben. Als mir im Waldhotel Sch\u00e4ferberg durch die Mischung Bockw\u00fcrstchen und Bienenstich mal schlecht wurde, reichte sie mir verschw\u00f6rerisch ein Underberg-Fl\u00e4schchen. Da war ich 13. Bei meinen Gro\u00dfeltern stand immer eine Flasche Wein \u2013 ich w\u00fcrde sagen, Humor und Alkohol haben diese Ehe zusammengehalten. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Die Generation war kriegstraumatisiert.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ja, es gab keine Therapeuten, meine Osi hat oft erz\u00e4hlt, dass sie versch\u00fcttet war. Ich konnte das Wort als Jugendlicher nicht erfassen. Die Deutschen waren au\u00dferdem traumatisiert, weil sie Hitler nachgelaufen waren. Es gab das Gef\u00fchl, das war ja Hitlerdeutschland, das war irgendwie ein anderes Land. Aber es waren nun mal die Deutschen, die ihn gew\u00e4hlt haben. So ein Denken hat meine Gro\u00dfmutter immer ganz fuchsig gemacht. Det war ooch Deutschland. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Worauf reagieren die Leute bei Ihren Lesungen am meisten?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Dass meine Gro\u00dfmutter und damit das Buch Zuversicht und Optimismus ausstrahlen. Dass sie sich was getraut hat, sie war cool, Leute sagen mir, wir seien heute so verklemmt. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Woran w\u00fcrden Sie das festmachen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Uns fehlt die Leichtigkeit des Seins. So eine Haltung, \u201ekomm, wir machen heute mal einen drauf\u201c. Neulich sagte mir ein Soziologe, unsere Zeit ist davon gepr\u00e4gt, dass wir die Unvernunft abgeschafft haben.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wir trinken Smoothies statt Wei\u00dfburgunder.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Optimieren uns. Das ist ja alles auch gut. Meine Gro\u00dfmutter hat bis 90 den deutschen Winzern auf die Beine geholfen und t\u00e4glich eine Packung Lord geraucht, die in der flachen Packung. Stichwort Unvernunft. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Sie sagen ja, Mut und Unerschrockenheit waren wom\u00f6glich die herausstechendsten Eigenschaften Ihrer Gro\u00dfmutter. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Das ist die Voraussetzung, gl\u00fccklich zu werden und sein eigenes Leben zu finden. Sie hat gesagt: Wenn de richtig leben willst, biste manchmal peinlich. Als ich mich nicht traute, ein M\u00e4dchen anzurufen, weil sie vielleicht nicht mit mir reden will, hat sie gesagt, Jungchen, det kann passieren. Wenn du leben willst, kannst du nicht vermeiden, dass du mal peinlich bist. Sie hat ermuntert zum Leben. Ert\u00fcchtigt. Wir haben heute weniger die F\u00e4higkeit zur puren Freude.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Ist Freude denn peinlich?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Vielleicht sind wir zu verw\u00f6hnt. Von der Stabilit\u00e4t unserer Existenz. Was ja gut ist. Aber es f\u00fchrt zu wenig ins Abenteuer. Die Euphorie entsteht eher, wenn die Amplituden gr\u00f6\u00dfer sind \u2013 ich verliere etwas, ich gewinne etwas. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie kann man Mut und Unerschrockenheit Ihrer Gro\u00dfmutter erlernen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Jetzt wird\u2018s pathetisch. Ich muss Menschen m\u00f6gen und an sie und ihre guten Seiten glauben. Aber es gibt einen Unterschied zu fr\u00fcher.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Der w\u00e4re?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Immer haben die J\u00fcngeren von den \u00c4lteren lernen k\u00f6nnen, aber das ist jetzt umgekehrt. Gerade bei allem, was technologisch m\u00f6glich ist. Schon die Globalisierung der Gehirne und der Lebenserfahrungen sind etwas Neues. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">K\u00f6nnen die Jungen nicht trotzdem viel von \u00c4lteren lernen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich bin neugierig, wohin die die Welt f\u00fchren. Ich habe im Schnitt noch zehn Jahre, ich bin 69. Es ist die gr\u00f6\u00dfte \u00dcbung, zu lernen, nicht zu urteilen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie machen Sie das?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ich beobachte und frage. Ich bin mir bewusst, dass alte Ideen immer verdr\u00e4ngt wurden. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Hat Ihnen auch das Ihre Gro\u00dfmutter vermittelt?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Ihr gr\u00f6\u00dftes Erbe in mir ist, am Neuen und an der Ferne interessiert zu sein. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-question\">Wie blicken Sie auf Kassel?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-answer\">Es war f\u00fcr mich die Stadt der ersten Male. Von dort das erste Mal in die Welt aufgebrochen, erstes Mal Sex, das erste eigene Auto. Habe hier immer Melancholie in mir. Als ob Sie einen Menschen treffen, der fr\u00fcher wichtig war. Sie m\u00f6gen ihn noch, aber man ist in unterschiedliche Richtungen gegangen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Stand: 11.08.2025, 10:34 Uhr Von: Bettina Fraschke DruckenTeilen Christel Vollbrecht (1898-1988), Gro\u00dfmutter von Hubertus Meyer-Burckhardt). \u00a9\u00a0Foto:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":335954,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-335953","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115009259108774662","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/335953","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=335953"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/335953\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/335954"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=335953"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=335953"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=335953"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}