{"id":335989,"date":"2025-08-11T09:07:13","date_gmt":"2025-08-11T09:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335989\/"},"modified":"2025-08-11T09:07:13","modified_gmt":"2025-08-11T09:07:13","slug":"alena-fink-trauschel-politik-ist-kein-job-wie-jeder-andere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/335989\/","title":{"rendered":"Alena Fink-Trauschel: \u201ePolitik ist kein Job wie jeder andere\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ettlingen. <\/strong> Es ist einer jener Sommertage, an denen das Wetter pl\u00f6tzlich umschl\u00e4gt, und deshalb ist es ein Segen, dass der Zug, mit dem der Reporter kommt, zehn Minuten Versp\u00e4tung hat. Denn in dem Moment, da er in Ettlingen einrollt, bricht der Platzregen los und das gro\u00dfe Dach des Stadtbahnhofs besch\u00fctzt die Abgeordnete, den Fotografen und den Reporter, der unvern\u00fcnftigerweise ohne Regenschirm reist.<\/p>\n<p>Wozu auch ein Regenschirm, wenn die Sonne aufgeht, sobald Alena Fink-Trauschel erscheint? Die 26-j\u00e4hrige Freidemokratin geh\u00f6rt zu den Menschen, die immer ein freundliches Wort und einen lieben Blick f\u00fcr ihr Gegen\u00fcber haben, die stets wach und zugewandt erscheinen. Die ohne Punkt und Komma reden k\u00f6nnen. Und dies nahezu druckreif.<\/p>\n<p>Der Reporter nutzt die Gelegenheit, ein paar unverbindliche S\u00e4tze auszutauschen, bevor der Regen nachl\u00e4sst. Da tritt er gleich in ein Fettn\u00e4pfchen. Wie es ihrem Mann gehe, der lange Zeit pers\u00f6nlicher Referent des damaligen FDP-Landesvorsitzenden Michael Theurer war? \u201eWir leben in Scheidung\u201c, antwortet sie und dass eine Ehe nicht funktionieren k\u00f6nne, wenn es ausschlie\u00dflich um Politik geht.<\/p>\n<p>Rumms! Es ist doch nicht alles Sonnenschein im Leben der j\u00fcngsten Landtagsabgeordneten. Dabei waren die beiden sechs Jahre liiert. Auch die Hochzeit muss ein gro\u00dfes Fest gewesen sein. Und urspr\u00fcnglich war geplant, dass Fink ebenfalls Fink-Trauschel hei\u00dft, sobald das Namensrecht dies erlaubt, was seit Mai der Fall ist. Nun d\u00fcrfte Alena Fink-Trauschel stattdessen die erste H\u00e4lfte ihres Doppelnamens ablegen. Und wieder so hei\u00dfen, wie sie in Ettlingen alle kennen: Alena Trauschel.<\/p>\n<p>Von Daniel Born ist sie entt\u00e4uscht und r\u00e4t zu Mandatsverzicht<\/p>\n<p>\u201ePolitiker sein ist nicht ein Job wie jeder andere\u201c, sagt sie, als wir ein paar Minuten sp\u00e4ter in ihrem Lieblingscaf\u00e9 sind. Da geht es schon nicht mehr um ihr Privatleben, sondern um ihr Leben als Landtagsabgeordnete. Und um Daniel Borns Hakenkreuz-Blackout, das den Sozialdemokraten sein Amt als Landtagsvize kostete.<\/p>\n<p>Fink-Trauschel weist darauf hin, dass man sein Handeln im Zweifel sogar noch zwischen Wahlkabine und Wahlurne korrigieren k\u00f6nne. \u201eIch bin menschlich leider echt entt\u00e4uscht.\u201c Sie wisse nicht, wie sie Born im Landtag in Zukunft entgegentreten soll und r\u00e4t dem SPD-Politiker, auch noch sein Mandat abzugeben. Dabei habe sie ihn wegen seiner entspannten und umsichtigen Art und Weise, Sitzungen zu leiten, sehr gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>\u00dcber einen anderen, der nicht gerade im Ruf steht, \u00fcber allzu viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen zu verf\u00fcgen, berichtet sie dagegen nur Gutes. \u201eUli\u201c R\u00fclke, wie sie den FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich R\u00fclke nennt, besitze einen feinsinnigen Humor. Und er sei einer, der sich um einen k\u00fcmmert, wenn er das auch vielleicht nach au\u00dfen tr\u00e4gt. Er schaue sich die Menschen genau an, gehe auf sie ein. \u201eIch sage immer, er hat ein Elefantenged\u00e4chtnis. Und das meine ich absolut positiv.\u201c Gleichzeitig sei er \u201eeben auch sehr zielorientiert\u201c. Und wenn er bisweilen \u00fcbers Ziel hinausschie\u00dfe, liege das auch daran, dass \u201edas Plenum und das Rednerpult einen immer wieder vor eine Herausforderung\u201c stellten.<\/p>\n<p>R\u00fclke, der nicht nur die Fraktion, sondern auch die Partei in Baden-W\u00fcrttemberg anf\u00fchrt, hat beim Nominierungsparteitag in Pforzheim die Devise ausgegeben, dass die kommende Landtagswahl \u201edie Mutter aller Wahlen\u201c werde. Wenn die FDP nicht einmal in ihrem Stammland \u00fcber die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde komme, sei es um sie geschehen.<\/p>\n<p>Fink-Trauschel sieht das genauso. Sie macht sich keine Illusionen, ist ohnehin Realistin, hatte schon das Ende der Ampel kommen sehen. Auch mit ihrem politischen Traum k\u00f6nnte es eines Tages vorbei sein. Doch sie ist guter Dinge, dass sie auch au\u00dferhalb des Landtags eine Stelle finden w\u00fcrde, etwa bei einem Verband; schlie\u00dflich ist sie nicht nur Landtagsabgeordnete, sondern studiert parallel noch Politik, Verwaltungswissenschaft und Soziologie und steht kurz vor dem Abschluss.<\/p>\n<p>Bislang sei die Stimmung allerdings besser als die Umfragen, die die FDP zuletzt bei f\u00fcnf Prozent sahen. Alles oberhalb der omin\u00f6sen Prozenth\u00fcrde w\u00fcrde f\u00fcr Fink-Trauschel reichen, denn sie steht auf der Landesliste auf Platz drei, direkt hinter R\u00fclke und dem parlamentarischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Jochen Hau\u00dfmann, was sie auch Christian Jung verdankt. Der Bruchsaler FDP-Abgeordnete, der aus demselben Bezirk stamme, hat nicht gegen sie kandidiert.<\/p>\n<p>Zu den Liberalen fand Fink-Trauschel schon in jungen Jahren<\/p>\n<p>Zur FDP fand Fink-Trauschel schon in jungen Jahren. Zur Freisprechungsfeier eines ihrer Br\u00fcder, die beide gelernte Schreiner sind, war Christian Lindner pers\u00f6nlich erschienen. Kein Wunder, waren die Liberalen damals doch gerade aus dem Bundestag geflogen, und ihr Chef hatte jede Menge Zeit. Der Auftritt muss sehr \u00fcberzeugend gewesen sein, was kaum verwundert, gilt doch Lindner als bester Redner seiner Partei.<\/p>\n<p>Die Idee der Freiheit hat sie seither nicht losgelassen. F\u00fcr sie geh\u00f6rt dazu auch, dass Frauen keine Quote brauchen. Wichtiger sei, sie f\u00fcr Politk zu begeistern. \u201eNat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mich freuen, wenn wir mehr Frauen h\u00e4tten\u201c, sagt sie. \u201eMan muss aber auch klar sagen: Es gibt viele Frauen, die zwar bereit sind, vor Ort zu kandidieren, die aber nicht bereit sind, vorne auf einer Liste zu stehen.\u201c<\/p>\n<p>Sie war die erste in der Familie, die politisch aktiv wurde \u2013 und zog den Rest mit. Bei der Kommunalwahl 2024 standen auch ihre Eltern auf der Liste und die Schw\u00e4gerin. Allerdings nur auf den hinteren Pl\u00e4tzen, damit der FDP keine Stimmen verloren gingen.<\/p>\n<p>Im Gemeinderat sitzt sie nun nur ein paar St\u00fchle entfernt von ihrem ehemaligen Rektor, mit dem sie, als sie noch Sch\u00fclersprecherin war, so manchen Streit ausgefochten hat. Etwa um die Mensa, die nun, da sie das Gymnasium l\u00e4ngst verlassen hat, endlich fertig geworden ist.<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tte sich auch vorstellen k\u00f6nnen, Medizin zu studieren<\/p>\n<p>Auf dem Weg zu ihrer alten Schule laufen wir \u00fcber die Gleise und sehen den Stadtbahnhof wieder. L\u00e4ngst scheint die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, der Platzregen ist nur noch eine ferne Erinnerung. Doch Alena Fink-Trauschel erz\u00e4hlt noch so eine Geschichte, die so recht nicht zum Image einer jungen Frau zu passen scheint, der alles gelingt. Sie w\u00e4re damals, mit 19 Jahren, \u201esehr gerne zur Bundeswehr gegangen und h\u00e4tte dort Medizin studiert\u201c. Doch f\u00fcr Humanmedizin reichte der Abischnitt nicht und Zahn- oder Veterin\u00e4rmedizin waren nicht so ihr Ding.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht h\u00e4tte ich l\u00e4nger dar\u00fcber nachdenken sollen\u201c, sagt sie, \u201eob ich mich nicht auch f\u00fcr Zahnmedizin oder \u00c4hnliches h\u00e4tte erw\u00e4rmen k\u00f6nnen.\u201c Oder sich in der Schule mehr reinknien m\u00fcssen, dann h\u00e4tte es vielleicht auch au\u00dferhalb der Bundeswehr zu einem Medizinstudienplatz gereicht. Dann k\u00f6nnte sie jetzt \u00c4rztin werden, also denselben Beruf ergreifen wie ihre Eltern.<\/p>\n<p>Dagegen stehe, dass sie Sch\u00fclersprecherin gewesen sei und in der Musikschule viele Instrumente gelernt habe. Sprich: Dass man im Leben eben nicht alles haben kann, einen Super-Abischnitt und jede Menge Spa\u00df. Sie macht einen Strich darunter. \u201eIch glaube, es hat mir schlussendlich nicht geschadet.\u201c<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl zu scheitern oder zumindest etwas nicht zu erreichen, ist ihr also nicht fremd. Politik ist ein hartes Gesch\u00e4ft und es gibt immer nur Zeitvertr\u00e4ge \u2013 anders in der Schreinerei oder in der Arztpraxis.<\/p>\n<p>Doch andererseits ist das Leben ja auch immer f\u00fcr eine positive \u00dcberraschung gut. Vielleicht f\u00fcr die FDP am 8. M\u00e4rz 2026, dem Tag der Landtagswahl. Ein anderes Ereignis bewegt die Familie allerdings derzeit viel mehr. Die Schw\u00e4gerin erwartet ihr erstes Kind. Fink-Trauschel macht deshalb dieses Jahr kaum Urlaub. Sie kocht f\u00fcrs Wochenbett und bereitet den Wahlkampf vor. Und freut sich riesig, dass sie bald Tante wird.<\/p>\n<p>Weitere Sommergespr\u00e4che:<\/p>\n<p><a data-mce-href=\"https:\/\/www.staatsanzeiger.de\/nachrichten\/politik-und-verwaltung\/dorothea-kliche-behnke-eine-sozialdemokratin-aus-einer-unternehmerfamilie\/\" href=\"https:\/\/www.staatsanzeiger.de\/nachrichten\/politik-und-verwaltung\/dorothea-kliche-behnke-eine-sozialdemokratin-aus-einer-unternehmerfamilie\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dorothea Kliche-Behnke: Eine Sozialdemokratin aus einer Unternehmerfamilie | Staatsanzeiger BW<\/a><\/p>\n<p><a data-mce-href=\"https:\/\/www.staatsanzeiger.de\/nachrichten\/politik-und-verwaltung\/der-papa-war-sozialdemokrat-doch-carola-wolle-sieht-ihren-platz-in-der-afd\/\" href=\"https:\/\/www.staatsanzeiger.de\/nachrichten\/politik-und-verwaltung\/der-papa-war-sozialdemokrat-doch-carola-wolle-sieht-ihren-platz-in-der-afd\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Papa war Sozialdemokrat, doch Carola Wolle sieht ihren Platz in der AfD | Staatsanzeiger BW<\/a><\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>Alena Fink-Trauschel wurde 1999 geboren \u2013 als drittes und j\u00fcngstes Kind einer \u00c4rztefamilie. Sie wuchs in Ettlingen auf und machte 2017 am dortigen Albertus-Magnus-Gymnasium Abitur. Sie studierte Politik und Soziologie, zun\u00e4chst in Heidelberg, dann an der Fernuni Hagen. Ihre beiden Br\u00fcder sind gelernte Schreiner.<\/p>\n<p>2021 wurde Fink-Trauschel als j\u00fcngste Abgeordnete in den Landtag von Baden-W\u00fcrttemberg gew\u00e4hlt. Dort geh\u00f6rt sie als eine von zwei Frauen der 18-k\u00f6pfigen FDP-Fraktion an. Sie ist die Sprecherin f\u00fcr berufliche Bildung, Europa, Frauen, Musik und LSBTTIQ. Auf der Landesliste f\u00fcr die Landtagswahl am 8. M\u00e4rz 2026 steht sie auf Platz drei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ettlingen. 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