{"id":336233,"date":"2025-08-11T11:24:18","date_gmt":"2025-08-11T11:24:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/336233\/"},"modified":"2025-08-11T11:24:18","modified_gmt":"2025-08-11T11:24:18","slug":"the-lure-of-the-image-mit-triggerwarnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/336233\/","title":{"rendered":"The Lure of the Image mit Triggerwarnungen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Das Fotomuseum Winterthur wirft einen Blick auf die Nutzung und Wirkung von Fotografie im digitalen Raum. Dabei f\u00fcrchtet es sich selber vor der Macht der Bilder. Aber nur selektiv.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Blick in die Ausstellung \u00abThe Lure of the Image \u2013 Wie Bilder im Netz verlocken\u00bb im Fotomuseum Winterthur.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"4200\" height=\"3150\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/9a36a356-a429-41c4-9df2-8617dbc4b51e.jpg\" loading=\"eager\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Blick in die Ausstellung \u00abThe Lure of the Image \u2013 Wie Bilder im Netz verlocken\u00bb im Fotomuseum Winterthur. <\/p>\n<p>Conradin Frei \/ Fotomuseum Winterthur<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24ac99i1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">In der gegenw\u00e4rtigen Ausstellung des Fotomuseums Winterthur geht es um ein spannendes und sehr aktuelles Thema: die Verf\u00fchrungskraft der Bilder im Internet. Die Bilderflut im Netz ist immens und \u00fcbt einen grossen Reiz auf uns aus. Sie fesselt, beeinflusst die Wahrnehmung, t\u00e4uscht auch und f\u00fchrt nicht selten in die Irre.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29vskoo1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das Fotomuseum befasst sich seit gut zehn Jahren mit Fotografie im digitalen Raum. Es interessiert sich f\u00fcr die Wirkung, die Fotos auf Social Media, in Dating-Apps, digital mit Gesichtsfilter manipulierte Selfies auf Websites, Memes und Bildsymbole wie Emojis sowie KI-generierte Fotografien auf uns aus\u00fcben. Jetzt zeigt es 14 Werkgruppen von internationalen Kunstschaffenden, die sich mit genau diesen Fragestellungen auseinandersetzen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24amt8r0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aber gleich zu Beginn, noch bevor man sich von den Bildern dieser Ausstellung verf\u00fchren lassen kann und in ihren Bann geschlagen wird, warnt das Fotomuseum Winterthur seine Besucher vor der Macht der Bilder, die es zum Thema seiner Ausstellung macht. Sie k\u00f6nnen \u00abf\u00fcr einige Besuchende beunruhigend oder verst\u00f6rend wirken\u00bb, heisst es da. Als ob man nicht genau deswegen in eine solche Ausstellung ginge. Dabei bleibt es aber nicht.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29spbk51\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">So ist Jon Rafmans Videoinstallation mit der Warnung versehen, dass sie Darstellungen enthalten von \u00abphysischer und sexualisierter Gewalt, Waffen, psychischem und physischem Leid, Suizid oder Selbstverletzung, Blut und anderen K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten sowie Tod, die Menschen jeglichen Alters sowie Tiere betreffen\u00bb. Man fragt sich, in welcher Welt die Ausstellungsmacher in Winterthur leben, w\u00e4hrend Rafman uns genau dies zeigt: die Welt, in der wir leben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29oirel1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Sein Video-Triptychon zeigt sogenannte \u00abCursed Images\u00bb, also im Internet zirkulierende, \u00abverfluchte Bilder\u00bb. Da sind maskierte Menschen zu sehen, verletzte H\u00e4nde, blutende Tierkadaver oder blutverschmierte Neugeborene. Oft streifen diese Bilder auch sexuelle Themen. Deren Urheber sind unbekannt, die Motive erscheinen in deplatzierten Zusammenh\u00e4ngen, deren urspr\u00fcnglicher Kontext fehlt. Auch die Perspektiven sind oft verzerrt. Und digitale Fehler entstellen das Sujet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29op6gv1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Rafman animiert seine gefundenen Bilder, er verleiht ihnen leichte Bewegungen und unterlegt sie mit einer Tonspur. Das tr\u00e4gt zu deren unheimlicher Wirkung bei. Dass sie aus ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext gerissen sind, wird dem Betrachter indes schnell klar. Auch, dass sie zugleich schockieren und faszinieren k\u00f6nnen. Die irritierende Wirkung solcher Bilder hat etwas sowohl Abstossendes wie auch Anziehendes. Rafman sch\u00f6pft seine Bilder aus dem digitalen Sumpf eines kollektiven Unbewussten und l\u00e4sst uns damit in unheimliche Abgr\u00fcnde blicken.<\/p>\n<p>Erste Hilfe<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24lllpg0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein anderes Beispiel f\u00fcr das offensichtliche Unwohlsein der Kuratoren, was ihre eigene Ausstellung betrifft, ist der Beitrag \u00ab#Ingrid\u00bb von Zo\u00e9 Aubry (geb. 1993). Die Schweizer K\u00fcnstlerin setzt sich in ihrer wandf\u00fcllenden Bildergalerie von idyllischen Str\u00e4nden, Sonnenunterg\u00e4ngen und Blumenwiesen indirekt mit Gewalt gegen Frauen auseinander. Der Titel ihres Beitrags bezieht sich auf Ingrid Escamilla Vargas, eine junge Mexikanerin, die 2020 von ihrem Ehemann brutal ermordet wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Hommage an das Opfer und Weckruf zugleich: \u00ab#Ingrid\u00bb von Zo\u00e9 Aubry, 2022.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3000\" height=\"2251\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Hommage an das Opfer und Weckruf zugleich: \u00ab#Ingrid\u00bb von Zo\u00e9 Aubry, 2022. <\/p>\n<p>Zo\u00e9 Aubry<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24mja1n0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aktivistinnen gingen auf die Strasse und protestierten gegen die voyeuristische und sensationsheischende Berichterstattung, nachdem die Beh\u00f6rden Fotos des verst\u00fcmmelten Opfers an die Presse weitergegeben hatten. Die Protestwelle setzte sich in den sozialen Netzwerken fort, unter anderem mit einer Initiative, die zum Ziel hatte, die im Internet kursierenden Fotos des Opfers mit sch\u00f6nen Bildern zu \u00fcberschreiben. Die Aktion #IngridEscamillaVargas verkn\u00fcpfte Online-Suchen nach den entw\u00fcrdigenden Fotografien des Mordopfers mit harmlosen Ansichten von Landschaften und Blumen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24n0v550\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wie eine Archivarin hat Zo\u00e9 Aubry die Fotografien dieses Online-Widerstands gesammelt. Ihr Bilderreigen ist nicht zuletzt auch eine Hommage an das Opfer sowie ein Weckruf, dem Thema Femizid gr\u00f6ssere Beachtung zu schenken.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29p26241\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Nun w\u00fcrde man eigentlich denken, dass es die Aufgabe eines Museums ist, diese eindr\u00fcckliche Arbeit gut zu pr\u00e4sentieren. Das Museum indes stellt dem Werk eine Art Care-Team zur Seite. Neben der Bilderwand ist ein QR-Code angebracht, \u00fcber dem zu lesen steht: \u00abWenn Sie selbst von Gewalt betroffen sind oder Personen kennen, die Hilfe brauchen, finden Sie hier Anlaufstellen f\u00fcr Beratung und Unterst\u00fctzung in der Schweiz: stopfemizid.ch\/kontaktliste.\u00bb<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24ngveb1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Man fragt sich, warum das Fotomuseum eine Ausstellung macht, bei der es der Institution offensichtlich nicht ganz geheuer zu sein scheint. F\u00fcrchtet man sich vor Protest und Kritik?<\/p>\n<p>Israelfeindliche Klischees<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29ta4b51\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Allerdings finden es die Kuratoren wiederum unn\u00f6tig, darauf hinzuweisen, dass der Beitrag der italienisch-pal\u00e4stinensischen K\u00fcnstlerin Noura Tafeche (geb. 1987) israelfeindliche bis antisemitische Stereotype bedient. So mischt Noura Tafeche in ihrer Videoinstallation niedliche japanische Kawaii-Elemente mit gewaltt\u00e4tig-milit\u00e4rischer Gaming-\u00c4sthetik. Dabei greift sie wiederholt auf Videomaterial zur\u00fcck, auf welchem sich junge israelische Soldatinnen auf Tiktok t\u00e4nzerisch in Szene setzen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29u5eb10\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Tafeches Arbeit basiert auf einer vierj\u00e4hrigen Recherche zu sozialen Netzwerken und digitalen Gemeinschaften. Dabei hat die K\u00fcnstlerin ein Archiv von rund 30\u00a0000 Dateien aus digitalen Plattformen angelegt. Die Verkn\u00fcpfung von japanischer Niedlichkeits-\u00c4sthetik mit der Selbstinszenierung israelischer Soldatinnen wirkt indes ziemlich konstruiert. Vor allem, wenn damit der Befund erbracht werden soll, dass h\u00fcbsche Armee-Influencerinnen zur Verherrlichung milit\u00e4rischer Gewalt beitr\u00fcgen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j29tf82t1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In ihrem Beitrag unterstellt die K\u00fcnstlerin der \u00abZionist Offence Force\u00bb, wie sie die israelischen Verteidigungsstreitkr\u00e4fte in polemischer Umdeutung des offiziellen Namens \u00abIsrael Defence Force\u00bb (IDF) nennt, propagandistische Absichten mit Mitteln weiblicher Erotik. Ihr Werk entstand \u00fcbrigens vor dem 7.\u00a0Oktober 2023, also vor Beginn des Kriegs in Gaza.<\/p>\n<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j24lu3fq0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das findet das Fotomuseum Winterthur offensichtlich unproblematisch. Darin und in den zahlreichen Triggerwarnungen zeigt sich eine heute verbreitete Haltung \u00f6ffentlicher Kulturinstitutionen. Man biedert sich dem Zeitgeist an, der f\u00fcr alle m\u00f6glichen Befindlichkeiten von potenziellen Opfern und Minderheiten Safe Spaces vorsieht. Und zu diesem Zeitgeist geh\u00f6rt auch, dass klischeebehaftete antiisraelische Haltungen kein Problem darstellen.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j24m2mng0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">\u00abThe Lure of the Image \u2013 Wie Bilder im Netz verlocken\u00bb, Fotomuseum Winterthur, bis 12.\u00a0Oktober.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Fotomuseum Winterthur wirft einen Blick auf die Nutzung und Wirkung von Fotografie im digitalen Raum. 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