{"id":336440,"date":"2025-08-11T13:21:26","date_gmt":"2025-08-11T13:21:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/336440\/"},"modified":"2025-08-11T13:21:26","modified_gmt":"2025-08-11T13:21:26","slug":"geschichte-gaza-und-der-krieg-teil-2-grossbritanniens-schuldkonto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/336440\/","title":{"rendered":"Geschichte, Gaza und der Krieg, Teil 2: Gro\u00dfbritanniens Schuldkonto"},"content":{"rendered":"<p>Er ist wieder da, der aggressive europ\u00e4ische Antisemitismus. Auch die historischen Tatsachen sind zum Gegenstand von Verdrehungen geworden. Eine vierteilige Artikelreihe betrachtet die Ursachen des heutigen Konfliktes im Vorderen Orient.<\/p>\n<p>Um diesen Artikel zu lesen, schlie\u00dfen Sie eines unserer Angebote ab oder loggen sich als Abonnent ein. Alle Inhalte auf NWZonline und in der NWZ-Nachrichten-App stehen Ihnen dann uneingeschr\u00e4nkt zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Der britische Premier Keir Starmer hat jede Menge Probleme im eigenen Land. Anerkennung sucht er in der Au\u00dfenpolitik und ist neben dem Franzosen Emmanuel Macron treibende Kraft der antiisraelischen Politikwende in Europa. Warum? <\/p>\n<p>Neben aktuellen hat das historische Wurzeln, denn der Konflikt ist ohne das Handeln Gro\u00dfbritanniens zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht denkbar. Mit Israel hat man auf der Insel eine Rechnung offen, und das ist tief im politischen Unterbewusstsein verankert. <\/p>\n<p>Giftige Versprechen <\/p>\n<p>Das 19. Jahrhundert kannte keine britische Pal\u00e4stina-Politik. Es kannte \u00fcberhaupt keine Pal\u00e4stina-Politik, weil es so etwas wie \u201ePal\u00e4stina\u201c nicht gab. Die meisten Gro\u00dfm\u00e4chte au\u00dfer Frankreich trieben nur Politik mit dem Osmanischen Reich, zu dessen Bestand der Vordere Orient geh\u00f6rte. Bestimmende f\u00fcr die britische Politik war Konkurrenz mit Russland in der Region. Britische Regierungen waren bis 1915 traditionell daran interessiert, das Osmanische Reich als Gegengewicht zum Zarenreich zu erhalten und gleichzeitig so viel wie m\u00f6glich Einfluss auf seine Politik auszu\u00fcben, indem man verschiedene Ethnien des Vielv\u00f6lkerstaates besonders unterst\u00fctze. <\/p>\n<p>Das alles \u00e4nderte sich mit dem Kriegseintritt der Osmanen auf deutscher Seite in den Ersten Weltkrieg. Nun ging es um die Ausschaltung der T\u00fcrkei. Doch die Osmanen wehrten sich mit deutscher Hilfe zun\u00e4chst h\u00f6chst erfolgreich gegen die britische Invasion. An den Dardanellen erlebten die eine schwere Niederlage. Um den osmanischen Widerstand auch von innen zu brechen, versprach London sowohl der j\u00fcdischen Gemeinschaft (\u201eBalfour-Deklaration\u201c) als auch den Arabern (\u201eArabischer Aufstand\u201c\/\u201eLawrence von Arabien\u201c) Zugest\u00e4ndnisse und sogar Staatlichkeit. <\/p>\n<p>Aber erst 1918 gelang es einer aus \u00c4gypten vorr\u00fcckenden Armee, den osmanischen Widerstand zu brechen. Hauptkampfgebiete waren das heutige Israel und Gaza. Die Eroberung Jerusalems durch die Briten geriet zu einem gewaltigen Propaganda-Coup, der das Heilige Land nachhaltig im Bewusstsein der britischen \u00d6ffentlichkeit verankerte. <\/p>\n<p>Desastr\u00f6se britische Politik <\/p>\n<p>Nach dem Krieg ging es jedoch zun\u00e4chst um Geopolitik. London war bestrebt, so viel wie m\u00f6glich Territorium auf dem Weg zu seiner Kolonie Indien zu kontrollieren. Der K\u00fcstenbereich des Heiligen Landes hatte seit Jahrtausenden eine Br\u00fcckenfunktion. Das V\u00f6lkerbundsmandat von 1920 zementierte diese Kontrolle \u2013 und es geriet zum Desaster britischer Kolonialpolitik.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst entz\u00fcndete sich der Konflikt um j\u00fcdische Landk\u00e4ufe. Im Mandatsgebiet geh\u00f6rte mehr als 70 Prozent des Landes dem Staat. Der Rest war Eigentum von Gro\u00dfgrundbesitzern, die allerdings fast nie auf ihrem Land lebten, sondern in den gro\u00dfen St\u00e4dten. Das wiederum hatte zum Niedergang der Landwirtschaft gef\u00fchrt. Gro\u00dfgrundbesitzer verkauften ihr nutzloses Land also bereitwillig an j\u00fcdische K\u00e4ufer, die es mit modernen Methoden nutzbar machten. <\/p>\n<p>Hinzu kam seit 1918 beschleunigte j\u00fcdische Einwanderung. Gleichzeitig wanderten seit 1922 mehrere Hunderttausend Araber aus \u00c4gypten, Transjordanien und dem Libanon ein \u2013 angezogen von der Prosperit\u00e4t j\u00fcdischer Unternehmen. Doch die Konflikte versch\u00e4rften sich. 1920, 1921, 1929 und 1936 fielen Araber \u00fcber ihre j\u00fcdischen Nachbarn her und massakrierten sie. Die Vernichtung der j\u00fcdischen Gemeinde in Hebron 1929 erinnerte in ihrer Brutalit\u00e4t an die Ereignisse des 7. Oktober 2023. <\/p>\n<p>Londons antij\u00fcdische Wende <\/p>\n<p>Die Briten reagierten mit einer antij\u00fcdischen Wende: 1939 schr\u00e4nkten sie Landverk\u00e4ufe an Juden und die j\u00fcdische Einwanderung massiv ein \u2013 ausgerechnet mitten im beginnenden Holocaust. Die j\u00fcdische Gemeinschaft hielt im Rahmen des Kampfes gegen Nazideutschland zun\u00e4chst eine Art Burgfrieden ein. Erst Ende 1944 begannen j\u00fcdische Milizen gegen die Besatzungsmacht vorzugehen. 1947 war die Lage f\u00fcr die Briten schlie\u00dflich unhaltbar. Indien war auf dem Weg in die Unabh\u00e4ngigkeit, und Gro\u00dfbritannien vom Krieg ersch\u00f6pft. Regelrecht panisch fl\u00fcchteten die britischen Truppen, die letzten im Juni 1948. Es folgten arabische Invasion und israelischer Sieg. <\/p>\n<p>In den kommenden Jahren verh\u00e4ngte London ein Quasi-Waffenembargo gegen Israel, das sich in st\u00e4ndige K\u00e4mpfe mit seinen arabischen Nachbarn verwickelt sah. Trotzdem kam es 1956 zu gemeinsamer Aktion gegen \u00c4gypten, etwas, das angesichts der gespannten Verh\u00e4ltnisse eigentlich undenkbar war. \u00c4gyptens Pr\u00e4sident Nassar hatte den Suezkanal verstaatlicht. Das ber\u00fchrte britische Interessen. Gleichzeitig hatte er sich von der Sowjetunion aufr\u00fcsten lassen. Das war eine existenzielle Bedrohung Israels. Nur diese \u00dcberschneidung der Interessen machte gemeinsames Agieren gegen \u00c4gypten m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten 50 Jahre waren dann jedoch gekennzeichnet vom sinkenden internationalen Gewicht Gro\u00dfbritanniens, das Israel gelegentlich unterst\u00fctzte und gelegentlich kritisierte. <\/p>\n<p>Antisemitismus in Mode<\/p>\n<p>Und heute? Der britische Einfluss im Nahen Osten ist minimal. Keir Starmer ist jedoch in seiner Israelpolitik innenpolitisch getrieben. Massive Einwanderung aus islamischen L\u00e4ndern und die damit einhergehende Popularisierung antiisraelischer Narrative hat die W\u00e4hlerbasis seiner Labour-Partei ver\u00e4ndert. 2023 hatte es die h\u00f6chste Anzahl an antisemitischen Vorf\u00e4llen seit Beginn der Erfassung gegeben. <\/p>\n<p>In der Partei selbst waren und sind antisemitische Haltungen popul\u00e4r. Das speiste sich vor allem aus dem linken Fl\u00fcgel der Partei. Man erinnere sich an den zeitweiligen Parteichef Jeremy Corbin. Starmer will also vor allem \u201eisraelkritische\u201c W\u00e4hlerschichten an sich binden, indem er ihre Narrative in Au\u00dfenpolitik \u00fcbersetzt. <\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" class=\"profile\" src=\"&#10;    &#10;&#10;&#10;        &#10;&#10;&#10;&#10;&#10;&#10;                    &#10;            &#10;&#10;&#10;&#10;                https:\/\/imgneu.nwzonline.de\/image\/027d-170d7cf06740-18203dff250e-1000\/414,1-1,med,50,50,1_354_531_150_150_0.486569_0_0_0.486569_0_-41.28991\/image.webp&#10;&#10;\" alt=\"Dr. Alexander Will\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er ist wieder da, der aggressive europ\u00e4ische Antisemitismus. 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