{"id":337255,"date":"2025-08-11T21:02:13","date_gmt":"2025-08-11T21:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337255\/"},"modified":"2025-08-11T21:02:13","modified_gmt":"2025-08-11T21:02:13","slug":"die-verfuehrungskunst-des-queeren-malers-navot-miller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337255\/","title":{"rendered":"Die Verf\u00fchrungskunst des queeren Malers Navot Miller"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">M\u00fcssen K\u00fcnstler gute Verf\u00fchrer sein? Bevor ich eine von Navot Millers pinkgl\u00fchenden Malereien in echt gesehen hatte, strahlten sie mir bereits auf Instagram entgegen. Ohne dem sch\u00f6nen Mann Mitte 30 jemals begegnet zu sein, sah ich ihn schon auf Fotos und Videos, die Galeristen, PRs und Freunde gepostet hatten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Ich sah seine nicht ganz so j\u00fcdisch-orthodoxen, blondgef\u00e4rbten Schl\u00e4fenlocken und die markante Brille mit dem dicken Rahmen. Navot Miller ist eine schillernde Figur, stellte ich fest, und fragte mich dabei: M\u00fcssen Gegenwartsk\u00fcnstler in Berlin genauso verf\u00fchrerisch sein, wie Influencer auf Instagram? Ist Navot Millers bunte Kunst Instagram-Kunst?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Das erste Mal fragte ich mich das im September 2023. Navot bewarb gerade seine Wandmalerei \u201eLago di Homo\u201c im C\/O Berlin mit einem l\u00e4ssigen Social-Media-Trailer. Durch meinen Newsfeed kursierten Aufnahmen von ihm beim Malen, von halbnackten M\u00e4nnerk\u00f6rpern am Comersee, und dar\u00fcbergelegt, der Sound einer Sprachnachricht, in der Navot in melancholischem Ton mit einem unbekannten Adressaten flirtet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Beim Anschauen des Trailers hatte ich das Gef\u00fchl, dass in diesem Video, in Navots suggestiv fl\u00fcsternder Stimme etwas lag, das mich anschrie: Der Schein tr\u00fcgt! Achtung, gleich passiert die Katastrophe! Ein Badeunfall? Der Break-Up nach der Sommerliebe? Ein Nuklearkrieg? Nichts davon passierte. Kurz danach, am 7. Oktober 2023, \u00fcberfiel die Hamas Israel: die echte Katastrophe.<\/p>\n<p>      Navot kam zum Studium nach Berlin<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">2013 war Navot von dort nach Berlin gekommen, um Architektur zu studieren \u2013 und um endlich grenzenlos schwul sein zu k\u00f6nnen, anders als in seinem ultrareligi\u00f6sen Heimatdorf im Westjordanland. Gut eine Dekade lang hatte Navot den Berlin-Traum eines queeren Expats gelebt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Er wohnte im <a href=\"https:\/\/taz.de\/Stadtgeschichte\/!5306535\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunsthaus KuLe<\/a> in der Auguststra\u00dfe, experimentierte an der Kunsthochschule Wei\u00dfensee mit neuen Medien und im <a href=\"https:\/\/taz.de\/Queere-Szene-und-Nahost\/!6019494\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00f6bel-Olfe<\/a> am Kotti mit den M\u00e4nnern. Dann, vor kurzem, habe er Berlin endg\u00fcltig verlassen, wie er im Gespr\u00e4ch sagt. Seit dem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Schwerpunkt-Nahost-Konflikt\/!t5007999\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">7. Oktober<\/a> sei ihm klar gewesen: \u201ethe good days are over.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Seine aktuelle Ausstellung findet trotzdem in Berlin statt. Bei der <a href=\"https:\/\/dittrich-schlechtriem.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Galerie Dittrich &amp; Schlechtriem<\/a>. F\u00fcr die hat Navot wieder mal einen seiner Instagram-Trailer erstellt. Die Ausstellung tr\u00e4gt den symptomatischen Titel \u201eParadise\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Nach <a href=\"https:\/\/taz.de\/Marcel-Proust\/!t5630618\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marcel Proust<\/a> und seinem verlorenen Paradies muss ich Navot erst gar nicht fragen, meinem effekthascherischen Versuch kommt er zuvor: Ja, in der Ausstellung gehe es auch um Verlust \u2013 um die good days, die er hier in Berlin als schwuler Jude vor dem 7. Oktober erlebt habe. Dann f\u00fcgt er hinzu: \u201eNur werde ich nicht gern in Schubladen gesteckt.\u201c Seine Kunst soll mehr sein als ein Identit\u00e4tskonflikt in bunten Bildern. Und? Ist sie das?<\/p>\n<p>      Farben und Perspektiven<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Bunt sind seine gro\u00dfformatigen Bilder auf jeden Fall. Fast immer malt Navot, der sich selbst gar nicht als Maler sieht, in den vier Grundfarben Rot, Gelb, Gr\u00fcn und Blau \u2013 plus Pink. Sein Farbspiel wirkt kindlich und naiv, K\u00f6rper werden darin pl\u00f6tzlich lila und schlaksig, Perspektiven flach, wie bei den Fauvisten. Einen Identit\u00e4tskonflikt kann ich auf den ersten Blick nicht finden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Allgemein ist Navots Kunst eher konfliktscheu, daf\u00fcr ziemlich immersiv. Oft erstrecken sich seine geometrischen Farbornamente \u00fcber den Rand der Bilder hinaus, f\u00fcllen ganze Ausstellungsw\u00e4nde und ziehen einen durch die verl\u00e4ngerten Perspektiven in die Bildr\u00e4ume rein. Seine hypnotisierende Farbpalette kopiert Navot teilweise von den Color Codes poppiger Kinderspielzeuge.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">Er verwendet also einen Marketingtrick, der nicht nur die Aufmerksamkeit von Kindern affektvoll frisst. Ich sto\u00dfe wieder auf die Anfangsfrage: Ist Navot Miller ein Instagram-K\u00fcnstler? Wie ein Influencer wirkt er zumindest in unserem Videocall.<\/p>\n<p>      Der K\u00fcnstler als Influencer<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"15\">Nach seiner Ausstellungser\u00f6ffnung hat sich Navot zur Erholung an die spanische <a href=\"https:\/\/taz.de\/Bebauung-an-spanischen-Kuesten\/!6030104\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Costa Brava<\/a> zur\u00fcckgezogen, baut dort mit anderen Queers ein altes Castel zum Retreat um. Gekonnt agil bewegt er jetzt die Handykamera im Takt seiner Kopfbewegungen \u2013 die rosa und gr\u00fcnen Fresken hinter ihm verwischen zu einem Farbenmeer.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7863198\/1200\/NM030725-4-2.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/NM030725-4-2.jpeg\" alt=\"Eine Installationsansicht in der Galerie, ein Duschvorhang liegt auf dem Boden an der Wand h\u00e4ngt ein Bild in grellen Farben\" title=\"Eine Installationsansicht in der Galerie, ein Duschvorhang liegt auf dem Boden an der Wand h\u00e4ngt ein Bild in grellen Farben\" height=\"504\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Die Installation dringt in den Raum. \u201eThe Chill (Mat, Elliot &amp; Kevin in Zipolite)\u201c, 2025<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nCourtesy der K\u00fcnstler und die Galerie Foto: Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"16\">Mich, sein Publikum, spricht Navot klar und direkt an, setzt rhetorische Pausen ein, l\u00e4sst seinen Blick dabei nachdenklich durchs Off streichen, um dann umso hyperaktiver und unterhaltsamer zu seinen Erz\u00e4hlungen zur\u00fcckzukehren: \u201eIch liebe Shows! Seit ich in New York lebe, h\u00e4nge ich nur noch mit Leuten vom Broadway ab.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">Es macht Sinn, dass Navot das sagt. Die ganze Idee dieses Textes zielt darauf ab, dass er das sagt. Er muss das sagen. Und pl\u00f6tzlich bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Idee mit ihm als virulentem Showman und der Instagram-Tauglichkeit seiner Kunst so passend ist.<\/p>\n<p>      Die Performance endet nie<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-23\" pos=\"19\">Klar, Navot performt permanent. Seine Show bei Dittrich &amp; Schlechtriem er\u00f6ffnete er mit einer salon-artigen Enth\u00fcllung seiner Malereien, riss publikumswirksam seidene Duschvorh\u00e4nge von den Bildern, die Online-Verwertung des Happenings war vorprogrammiert. Genauso bei seiner Ausstellung \u201eA Pink Shul\u201c im Sp\u00e4tsommer 2024.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"20\">Vor sein omnipink koloriertes Synagogenpanorama installierte er eine Gebetbank zum Niederknien, tauchte den gesamten Galerieraum von Wannsee Contemporary in die titelgebende Farbe. Wieder gelang ihm damit der algorithmische Durchbruch, zumindest in Berliner Kunstkreisen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"21\">Trotzdem ist Navot ein ernstzunehmender Mensch. Zum Beispiel, wenn es um die politischen Bedingungen seiner Existenz als schwuler Jude geht. Dann sagt er schmerzhaft realistisch: \u201eIch wei\u00df nicht, wie lange ich noch Rechte haben werde.\u201c Auch Avi Feldman, der <a href=\"https:\/\/wannsee-contemporary.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Wannsee Contemporary<\/a> betreibt, betont, dass er sich mit niemandem so ehrlich streiten kann, wie mit Navot.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7863198\/1200\/NM030725-26-3.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/NM030725-26-3.jpeg\" alt=\"Ein Bild h\u00e4ngt gerahmt von einem gestreifften Duschvorhang inder Galerie, es zeigt zwei duschende M\u00e4nner\" title=\"Ein Bild h\u00e4ngt gerahmt von einem gestreifften Duschvorhang inder Galerie, es zeigt zwei duschende M\u00e4nner\" height=\"498\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Vor der Dusche ist in der Dusche. \u201eThe Shower (Kevin and Elliot in Zipolite)\u201c, 2025<\/p>\n<p>Foto:<br \/>\nCourtesy der K\u00fcnstler und die Galerie Foto: Jens Ziehe<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-27\" pos=\"22\">Und dann war da ja auch noch mein treffsicheres Gef\u00fchl, damals, bei Navots Social-Media-Trailer f\u00fcrs <a href=\"https:\/\/co-berlin.org\/de\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">C\/O<\/a>, als sich dieser mysteri\u00f6se Schatten \u00fcber die fr\u00f6hliche Inszenierung legte. Okay, ein letzter Blick auf Navots Kunst: Was soll die Show?<\/p>\n<p>      Bilder wie Momentaufnahmen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-29\" pos=\"24\">\u201eMir wird schnell langweilig,\u201c sagt Navot in unserem Videocall. \u201eUnd mich inspirieren alte Film-Trailer.\u201c Seine Bilder seien f\u00fcr ihn Momentaufnahmen seines Lebens, collagiert aus Fotos und Videos, die er mit seinem Handy macht. Eigentlich so, wie seine Instagram-Trailer. Navots Stars: Meistens enge Freunde und Liebhaber, die aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nicht mehr Teil seines Lebens seien, so sagt er. Mit dem Malen wolle er sie zur\u00fcckholen \u2013 das verlorene Paradies, you know?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\" pos=\"25\">Deshalb also die biedermeierlichen Interieurs, in denen sich ausgefickt schlappe M\u00e4nner auf Betten zu sch\u00fctzenden K\u00f6rperkn\u00e4ueln falten. Deshalb die Naturszenen mit Navots Freunden als arglosen Wanderv\u00f6geln, die vor gewaltigen Gebirgskulissen abh\u00e4ngen, oder <a href=\"https:\/\/taz.de\/Daniel-Craig-in-Luca-Guadagninos-Queer\/!6031308\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">als irrlichternde Ayahuasca-Hippies<\/a> am sch\u00e4umenden Meer stehen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-31\" pos=\"26\">Was genau aber Navots Innerlichkeitsparadiese bedroht, bleibt unsichtbar. Nur eines sp\u00fcrt man immer: die Perspektive des Danach. Von der aus schauen wir auf Navots gemalte Safe Spaces, wie in die Puppenzimmer einer Modellwelt, im Wissen, dass diese Welt eigentlich nicht mehr existiert. Ein schales Gef\u00fchl.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-32\" pos=\"27\">Darin \u00e4hnelt Navot <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ausstellung-von-David-Hockney\/!5847239\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">David Hockney<\/a>, dem Einsamkeitsmaler der Hollywood Hills. Auch Navots Figuren drehen sich introvertiert vom Betrachter weg \u2013 schlie\u00dfen ihn aus. Ihre Blicke gehen sehnsuchtsvoll \u00fcber den Bildrand hinaus, weisen wage auf das, was uns noch unbekannt ist: die Zukunft. Beides sind Gesten aus dem Repertoire der Romantik.<\/p>\n<p>      Das offene, unsichere Niemandsland<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-34\" pos=\"29\">Durch <a href=\"https:\/\/taz.de\/Demontage-des-Klischees-vom-Mythos\/!293699\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Edward Hopper<\/a> und seine popul\u00e4ren Amerika-Miniaturen sind sie auch zum beliebten Stilmittel filmischer Suggestion geworden und damit zur Inspiration f\u00fcr Navot. Verf\u00fchrung bedeutet hier nicht \u00fcberw\u00e4ltigendes Immersionsspektakel, sondern enigmatische Verweigerung \u2013 das Ende der Show, nur wollen wir sie dann erst recht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\" pos=\"30\">Als ich durch Navots Ausstellung \u201eParadise\u201c gehe, fallen mir sofort die am Boden liegenden Duschvorh\u00e4nge auf. Auch hier ist die Show schon gelaufen. Auf den Bildern begegnen mir die nackten M\u00e4nner, die Navot am Er\u00f6ffnungsabend enth\u00fcllt hat; ein melodramatischer Soundtrack schallt \u00fcber eine kleine Musikbox in den Ausstellungsraum und zerrt mich schonungslos in die gew\u00fcnschte Gef\u00fchlslage von Navots weicher Bilderwelt. Billige Verf\u00fchrung, denke ich mir, Instagram-Kunst.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-36\" pos=\"31\">Dann bricht die Musik f\u00fcr einen Moment ab. Ich stehe vor einem der Gem\u00e4lde, starre die entbl\u00f6\u00dften K\u00f6rper an und f\u00fchle mich pl\u00f6tzlich so, als w\u00e4re ich derjenige, der nackt vor ihnen steht \u2013 ein ertappter Voyeur. Rausgeworfen aus der w\u00e4rmenden Immersion, entfremdet von der scheinbar heilen Welt der Bilder, finde ich auch in meine nicht mehr zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\" pos=\"32\">Ich dissoziiere. Einen Augenblick lang stecke ich in dieser Zwischenwelt fest und checke erst jetzt: Das ist der Ort, an den Navots Verf\u00fchrungskunst mich eigentlich bringen will. In dieses offene, unsichere Niemandsland, das Kunstberlin mal war und das Instagram nie sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcssen K\u00fcnstler gute Verf\u00fchrer sein? 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