{"id":337257,"date":"2025-08-11T21:03:10","date_gmt":"2025-08-11T21:03:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337257\/"},"modified":"2025-08-11T21:03:10","modified_gmt":"2025-08-11T21:03:10","slug":"opfer-tod-in-venedig-www-siegessaeule-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337257\/","title":{"rendered":"(Opfer-)Tod in Venedig \u2014 www.siegessaeule.de"},"content":{"rendered":"<p data-block-key=\"rtqtq\">Die Novelle \u201eOpferkunst\u201c ist das Erstlingswerk des bisexuellen Berliner Autors Jonathan Guggenberger. Es handelt von der letzten Performance eines K\u00fcnstlers namens Aaron Geldorf auf der Biennale in Venedig 2024 \u2013 wo dieser sich als mediales Kunsthappening selbst in Brand setzt<\/p>\n<p data-block-key=\"bdj10\">Wie Jesus an ein Holzkreuz genagelt. Bekleidet nur mit einer feuerfesten Kufiya um die H\u00fcfte. Kurz vor seinem Tod l\u00e4sst Aaron Geldorf per Fernbedienung \u00fcber sich in Leuchtbuchstaben die Worte aufleuchten: \u201ePalestine will set us free! Palestine will live forever!\u201c Geldorfs enger Freund Enzo Bamberger, ein renommierter deutscher Kulturjournalist, erlebt diesen Feuertod live mit und ist zutiefst verst\u00f6rt. Von verschiedenen Zeitungen bekommt er den Auftrag, \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der Aktion zu schreiben. In tagebuchartigen R\u00fcckblicken erz\u00e4hlt er, wie er Geldorf kennen- und lieben lernte, von der gemeinsamen gl\u00fccklichen Zeit in angesagten Galerien in Berlin, Partys im Berghain, Ficken 3000 und vom gemeinsamen Jetset-Leben. Er f\u00fchrt uns zur\u00fcck zum 7. Oktober 2023 und der Frage, was danach mit Geldorf passierte.<\/p>\n<p data-block-key=\"rajj\"><b>Guggenberger verwebt dabei gekonnt reale Ereignisse, beispielsweise Details von der documenta fifteen, mit den fiktiven, \u00fcberspitzten Handlungen seiner Story. <\/b>Die \u00c4hnlichkeit der Argumentationsmuster mit denen polemisch verk\u00fcrzter Social-Media-Posts in Bezug auf Pal\u00e4stina\/Israel l\u00f6st dabei so manches Mal G\u00e4nsehaut aus.<\/p>\n<blockquote class=\"content-block--quote\"><p>\u201eIdeologie muss sexy sein, muss auf der Ebene von intensiven Gef\u00fchlen ankommen, sonst w\u00fcrde sie gar nicht so ziehen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p data-block-key=\"rtqtq\"><b>Als das Buch im Herbst 2024 erschien, berichteten fast alle Mainstreammedien dar\u00fcber. Die schwule bzw. queere Handlungsebene wurde in den Besprechungen allerdings rigoros ignoriert<\/b>, w\u00e4hrend LGBTIQ*-Medien den Titel gar nicht auf dem Schirm hatten. Im SIEGESS\u00c4ULE-Gespr\u00e4ch sagt Guggenberger r\u00fcckblickend: \u201eDieser Erz\u00e4hlstrang wurde vom politischen Rahmen des Buches total \u00fcberschattet. Dabei ist er mir unheimlich wichtig gewesen \u2013 auch, um mich dar\u00fcber den politischen Themen des Buches zu n\u00e4hern.\u201c<\/p>\n<p data-block-key=\"4ev0r\">Man merkt dem Text an, dass Guggenberger zu Strategien politischer Mobilisierung und Antisemitismus in sozialen Medien an der Hebrew University in Jerusalem forschte. Beispielsweise in der Figur des Enzo, der immer aus voller \u00dcberzeugung glaubt, allen moralisch \u00fcberlegen zu sein und f\u00fcr die \u201eeinzig richtige Sache\u201c zu k\u00e4mpfen. Im jungen, radikalen K\u00fcnstler Aaron meint er seinen Erl\u00f6ser f\u00fcr alles Elend der Welt gefunden zu haben. Bis die Dinge eskalieren. <\/p>\n<p data-block-key=\"7fhdh\">\u201eIch denke, ohne Sex, ohne Liebe und ohne Missbrauch von Liebe versteht man Antisemitismus nicht\u201c, so Guggenberger zu SIEGESS\u00c4ULE. \u201eGenauso wenig die Attraktivit\u00e4t von propal\u00e4stinensischem Protest, sei es in Teilen der queeren Community oder der Kunstwelt.\u201c Und weiter: \u201eIdeologie muss sexy sein, muss auf der Ebene von intensiven Gef\u00fchlen ankommen, sonst w\u00fcrde sie gar nicht so ziehen.\u201c<\/p>\n<blockquote class=\"content-block--quote\"><p>Guggenberger seziert in seiner Novelle treffend die spalterischen und aktionistisch vereinfachten Diskurse der letzten Jahre.<\/p><\/blockquote>\n<p data-block-key=\"rtqtq\">Guggenberger seziert in seiner Novelle ziemlich treffend die spalterischen und aktionistisch vereinfachten Diskurse der letzten Jahre. Ihm ist ein au\u00dferordentlich sch\u00f6ner, b\u00f6ser Text \u00fcber die aktuellen polarisierenden Kontroversen gelungen, die auch die LGBTIQ*-Community auseinanderrei\u00dfen. <\/p>\n<p data-block-key=\"8b3qp\">Heute sagt er resigniert: \u201eEs scheint, als ob die Probleme, mit denen ich mich im Buch auseinandersetze, schon gar nicht mehr beachtet werden, zumindest nicht im Kulturbereich. K\u00fcnstler*innen, die fast zwei Jahre lang gegen staatliche Institutionen gehetzt, Kampagnen wie Strike Germany unterst\u00fctzt haben oder zum Boykott ihrer israelischen Kolleg*innen aufriefen, werden von denselben Institutionen gerade rehabilitiert. Haben wir in der Kultur etwas gelernt?\u201c Seine Antwort: \u201eNein, leider nicht. Falsche Ideen setzen sich weiter durch.\u201c Was ihm als Autor bleibe, sei: \u201eBetrauern, dass die K\u00f6rper, der Sex und die Kunst von hotten Ideologen aufgefressen werden.\u201c Ihm ist ein Buch gelungen, das mit seinen \u00dcberzeichnungen helfen kann, die eigene Ohnmacht gegen\u00fcber den derzeitigen Zumutungen emotionaler Manipulationen ein bisschen besser auszuhalten. <\/p>\n<p data-block-key=\"430c1\"><b>Jonathan Guggenberger: <\/b><a href=\"https:\/\/edition-tiamat.de\/books\/opferkunst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><b>\u201eOpferkunst\u201c<\/b><\/a><b>,<br \/>Edition Tiamat, 256 Seiten, 20 Euro<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Novelle \u201eOpferkunst\u201c ist das Erstlingswerk des bisexuellen Berliner Autors Jonathan Guggenberger. 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