{"id":33730,"date":"2025-04-15T11:22:39","date_gmt":"2025-04-15T11:22:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33730\/"},"modified":"2025-04-15T11:22:39","modified_gmt":"2025-04-15T11:22:39","slug":"nordamerika-trumps-angriffe-auf-us-universitaeten-eine-chance-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33730\/","title":{"rendered":"Nordamerika: Trumps Angriffe auf US-Universit\u00e4ten: Eine Chance f\u00fcr Europa?"},"content":{"rendered":"<p>Man sollte eine gute Krise nie ungenutzt verstreichen lassen. Je verr\u00fcckter Amerika erscheint, desto attraktiver wirkt Europa auf einen Gro\u00dfteil der Welt. Man kann davon ausgehen, dass der Einfluss der USA auf Kultur und soziale Einstellungen zuk\u00fcnftig abnehmen wird und ihre Soft Power ebenso wie ihre Finanzkraft schnell verblassen werden. Europa d\u00fcrfte zum Zufluchtsort f\u00fcr all jene werden, die sich entt\u00e4uscht und abgesto\u00dfen von Trumps Amerika abwenden.<\/p>\n<p>Kaum etwas zieht weltweit <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Learning_mobility_statistics#:~:text=There%20were%201.66%20million%20students,%25%20of%20the%20EU%20total\" target=\"_blank\" class=\"external-link\" rel=\"noreferrer noopener\">so gro\u00dfes Interesse<\/a> auf sich wie Europas Hochschulen: 1,66 Millionen internationale Studierende sind an Universit\u00e4ten innerhalb der EU eingeschrieben. Den gr\u00f6\u00dften Anteil zieht dabei Deutschland an: 23,3 Prozent aller ausl\u00e4ndischen Studierenden entscheiden sich f\u00fcr ein Studium dort. Es folgen Frankreich mit 16 Prozent und die Niederlande mit zehn Prozent. Doch nicht nur die gro\u00dfen Mitgliedstaaten profitieren von dieser internationalen Nachfrage: Einige kleinere L\u00e4nder setzen \u00fcberraschend stark auf internationale Studierende. In Luxemburg stammen rund drei Viertel der Studentinnen und Studenten aus dem Ausland, in Lettland sind es immerhin 27 Prozent. Und auf Malta kommen sogar drei von vier Promovierenden aus dem Ausland.<\/p>\n<p>Amerika zieht eine Million ausl\u00e4ndische Studierender an. Dies ist zwar weniger als in der EU, aber eine reife Frucht, die nur darauf wartet, von europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten gepfl\u00fcckt zu werden. Unter Pr\u00e4sident Trump hat sich das akademische Klima in den Vereinigten Staaten merklich verschlechtert: Die wiederholten Angriffe auf US-Universit\u00e4ten, K\u00fcrzungen bei Stipendien sowie Einschnitte in der Forschungsf\u00f6rderung treiben selbst einige der renommiertesten Wissenschaftler zur Abwanderung \u2013 auf der Suche nach L\u00e4ndern, die ihre Ideen, Daten und Erkenntnisse willkommen hei\u00dfen. Am h\u00e4rtesten jedoch trifft es ausl\u00e4ndische Forschende und internationale Studierende. Sie wurden zur Zielscheibe restriktiver Ma\u00dfnahmen, die weltweit Schockwellen ausgel\u00f6st haben. Donald Trump tut scheinbar alles, um zuk\u00fcnftige Studierende aus dem Ausland davon abzuhalten, in die USA zu kommen \u2013 und treibt sie so in Richtung Europa, Kanada oder Asien.<\/p>\n<p>So werden ausl\u00e4ndische Studenten wegen geringf\u00fcgiger Verst\u00f6\u00dfe wie Falschparken oder Geschwindigkeits\u00fcberschreitungen ausgewiesen. Berichten zufolge wurden abrupt <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/391209ea-5400-4afd-91af-ecc5526351a8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">500 Studentenvisa<\/a> widerrufen. Einige Studenten landeten in Abschiebezentren, andere wurden aufgefordert, sich \u201efreiwillig abzuschieben\u201c. In der Folge warnten amerikanische Universit\u00e4ten ihre Millionen ausl\u00e4ndischen Studierenden bereits eindringlich davor, das Land zu verlassen \u2013 aus Angst, sie k\u00f6nnten bei ihrer R\u00fcckkehr an der Grenze abgewiesen werden. Dies sendet ein deutliches Signal an alle, die derzeit erw\u00e4gen, in den USA zu studieren: Willkommen ist man hier nicht mehr. Nach indischen Studenten stellen chinesische Studierende die zweitgr\u00f6\u00dfte Gruppe an amerikanischen Hochschulen. Wie realistisch ist es, dass neue Kohorten weiterhin in die USA str\u00f6men? K\u00f6nnte Europa als Studienort k\u00fcnftig nicht weitaus attraktiver erscheinen?<\/p>\n<p>Britische Universit\u00e4ten sind in hohem Ma\u00dfe auf internationale Studierende angewiesen, die deutlich h\u00f6here Studiengeb\u00fchren zahlen als einheimische. Mittlerweile tragen sie rund 23 Prozent zur Finanzierung der Hochschulen bei. Tats\u00e4chlich stellen internationale Studierende nach dem Finanzsektor den zweitgr\u00f6\u00dften Exportfaktor Gro\u00dfbritanniens dar. Ihr wirtschaftlicher Beitrag bel\u00e4uft sich auf beeindruckende 40 Milliarden Pfund j\u00e4hrlich. Dieses Geld ist nicht nur eine abstrakte Zahl: Es bildet das R\u00fcckgrat vieler Universit\u00e4tsst\u00e4dte, insbesondere im strukturschw\u00e4cheren Norden des Landes, wo es an vergleichbaren Einkommensquellen mangelt. Dar\u00fcber hinaus muss das Vereinigte K\u00f6nigreich, wie ganz Europa, Arbeitskr\u00e4fte anwerben, und daf\u00fcr sind Universit\u00e4tsstudenten bestens geeignet. Die alternde Bev\u00f6lkerung und die sinkende Geburtenrate machen es notwendig, Fachkr\u00e4fte aus aller Welt zu gewinnen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Es wird einen globalen Wettbewerb um Arbeitskr\u00e4fte geben.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es wird einen globalen Wettbewerb um Arbeitskr\u00e4fte geben. Doch wie in vielen anderen L\u00e4ndern ist Einwanderung ein heikles Thema, das oft die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die extreme Rechte st\u00e4rkt. Im britischen Kabinett herrschen derzeit Spannungen: Der Innenminister, der f\u00fcr die Senkung der steigenden Einwanderungszahlen verantwortlich ist, st\u00f6\u00dft auf den Widerstand von Kollegen, die dringend Bauarbeiter f\u00fcr ein ambitioniertes Infrastrukturprogramm sowie Pflegekr\u00e4fte f\u00fcr die Betreuung einer wachsenden Zahl \u00e4lterer, gebrechlicher Menschen ben\u00f6tigen. Dieser Konflikt ist nicht nur auf Gro\u00dfbritannien beschr\u00e4nkt, sondern spiegelt sich auch in vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wider.<\/p>\n<p>Die internationalen Einwanderungsstatistiken der Vereinten Nationen umfassen alle Personen, die sich ein Jahr lang in einem Land aufhalten. Das bedeutet, dass sie alle ausl\u00e4ndischen Studierenden einschlie\u00dfen, was die Gesamtzahl deutlich erh\u00f6ht. Aber Studierende sind keine Migranten: Die meisten kehren in ihr Heimatland zur\u00fcck. Es ist an der Zeit, sie aus den UN-Zahlen herauszunehmen und nur dann hinzuzuf\u00fcgen, wenn sie \u00fcber ihr urspr\u00fcngliches Studentenvisum hinaus bleiben. Da 40 Prozent der \u201eEinwanderer\u201c im Vereinigten K\u00f6nigreich tats\u00e4chlich Studierende sind, treiben sie die Zahlen k\u00fcnstlich in die H\u00f6he und erm\u00f6glichen es der extremen Rechten, unbegr\u00fcndete \u00c4ngste zu sch\u00fcren.<\/p>\n<p>Die EU und das Vereinigte K\u00f6nigreich sollten ihre Bem\u00fchungen, Studierende anzuziehen, die sich vor Trumps Amtszeit f\u00fcr Amerika entschieden h\u00e4tten, rasch intensivieren. Es ist an der Zeit, mehr in eine gro\u00df angelegte Werbekampagne zu investieren. Einiges davon geschieht bereits, wie etwa die EU-Werbekampagne\u00a0Study in Europe, welche die EU als Ziel f\u00fcr die Hochschulbildung bewirbt und die Vielfalt der Studieng\u00e4nge in Europa vorstellt. Die Initiative European Universities\u00a0unterst\u00fctzt ausl\u00e4ndische Studierende h\u00e4ufig mit finanziellen Zusch\u00fcssen, w\u00e4hrend das Erasmus-Programm die internationale Zusammenarbeit und den Wissensaustausch st\u00e4rkt. Nach dem Brexit hat das Vereinigte K\u00f6nigreich jedoch das Erasmus-Programm verlassen und stattdessen das eigene Turing-Programm ins Leben gerufen, das deutlich schlechter ausgestattet ist und keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Studiengeb\u00fchren bietet \u2013 ein Schritt im Rahmen des \u201eNeustarts\u201c mit der EU. Es gibt jedoch die Hoffnung, dass Gro\u00dfbritannien irgendwann wieder dem Erasmus-Programm beitreten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht nur um die Finanzierung oder darum, Menschen anzuziehen, um unsere schrumpfenden Bev\u00f6lkerungen wieder aufzuf\u00fcllen. Universit\u00e4ten sind kulturelle Zentren, die liberale, demokratische Ideen und soziale Einstellungen verbreiten. Als Soft Power sind sie bemerkenswert wirksam: Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Umfrage ergab erstaunlicherweise, dass <a href=\"https:\/\/www.hepi.ac.uk\/2023\/08\/22\/over-one-quarter-of-the-worlds-countries-are-headed-by-someone-educated-in-the-uk-and-another-quarter-are-headed-by-someone-educated-in-the-us-hepi-2023-soft-power-index\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mehr als ein Viertel der L\u00e4nder der Welt (58)<\/a> Staatsoberh\u00e4upter hatten, die an britischen Universit\u00e4ten ausgebildet worden waren. Dies ist ein globaler Einfluss und eine Reichweite, die sich auf keine andere Weise erwerben lassen.<\/p>\n<p>Dies bietet eine einmalige Gelegenheit, die \u00fcberm\u00e4chtige amerikanische Kultur, die schon viel zu lange dominiert, zu schw\u00e4chen. Es geht nicht nur um Universit\u00e4ten, sondern auch um Kunst und Unterhaltung, die eine zus\u00e4tzliche finanzielle Unterst\u00fctzung durch europ\u00e4ische Regierungen verdienen, um eine echte Alternative zu den USA zu f\u00f6rdern \u2013 einem Land, das uns zunehmend fremd geworden ist. Wir finden keine Gemeinsamkeit mehr mit jenen, die Donald Trump gew\u00e4hlt haben. Europa ist der nat\u00fcrliche Zufluchtsort f\u00fcr all jene Amerikaner, die sich in ihrem eigenen Land nicht mehr zu Hause f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Dies ist eine gemeinsame Ver\u00f6ffentlichung von Social Europe\u00a0und dem\u00a0IPG-Journal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Man sollte eine gute Krise nie ungenutzt verstreichen lassen. 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