{"id":337375,"date":"2025-08-11T22:16:23","date_gmt":"2025-08-11T22:16:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337375\/"},"modified":"2025-08-11T22:16:23","modified_gmt":"2025-08-11T22:16:23","slug":"klassischer-pianist-freut-sich-auf-konzert-im-docks-das-wird-spannend-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/337375\/","title":{"rendered":"Klassischer Pianist freut sich auf Konzert im Docks: \u201eDas wird spannend f\u00fcr alle\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Rauskommen aus seiner k\u00fcnstlerischen Komfortzone? Leon Gurvitch (46) ist immer offen f\u00fcr Neues. Der umtriebige, in Belarus geborene Komponist, Pianist und Dirigent, seit 24 Jahren zu Hause in Hamburg, \u00fcberschreitet gern mal Grenzen. Mit der MOPO sprach der international erfolgreiche K\u00fcnstler \u00fcber sein j\u00fcngstes Vorhaben, mit <a href=\"https:\/\/www.eventim.de\/event\/leon-gurvitch-waves-piano-unplugged-klaviermusik-im-club-neu-erleben-docks-hamburg-20167940\/?srsltid=AfmBOooBCY93ol3lCeYEAGahFAixSJF5LLaKkbCmrnVGYpzI4DUQ8fYQ\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201ePiano unplugged\u201c<\/a> erstmals klassische Klaviermusik ins Docks am Spielbudenplatz zu bringen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>MOPO: Klassik im Kiez-Club \u2013 was hat Sie auf diese Idee zu diesem Event gebracht?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Leon Gurvitch<\/strong>: Na ja, der Versuch, Musik aus ihrer \u00fcblichen Umgebung rauszuholen, ist an sich nichts Ungew\u00f6hnliches. Rock- und Popbands spielen in klassischen Konzerts\u00e4len. Warum also sollte klassische Musik nicht ebenfalls an ungew\u00f6hnlichen Orten zu h\u00f6ren sein? Die Idee, im Docks aufzutreten, entstand durch ein Gespr\u00e4ch mit dem Chef des Musikclubs.<\/p>\n<p><strong>Und was steht nun auf dem Programm?<\/strong><\/p>\n<p>Ein unterhaltsamer Abend, der nicht nur f\u00fcr Klassikfans interessant sein d\u00fcrfte. Ich spiele eigene moderne klassische Kompositionen, die eing\u00e4ngig, rhythmisch und melodisch sind, aber trotzdem anspruchsvoll. Zudem f\u00fchre ich als Moderator durch das Programm. Es wird einen DJ geben, der sp\u00e4ter die Beats zu meiner Musik auflegt, und die Leute k\u00f6nnen sich w\u00e4hrend der gesamten Veranstaltung frei bewegen, tanzen, sich mit Getr\u00e4nken versorgen, miteinander ins Gespr\u00e4ch kommen.<\/p>\n<p><strong>Wie gespannt sind Sie selbst auf dieses Experiment?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr. Ein Klavierkonzert in einer Location, die \u00fcberhaupt nicht auf klassische Musik ausgerichtet ist, auf die Beine zu stellen, ist schon aufwendig und zeitintensiv. Zum einen, was die technische Vorbereitung und die Lichteffekte angeht. Und zum anderen, weil ich mich auf eine ganz andere B\u00fchne einstellen muss. Das wird wirklich eine gro\u00dfe Premiere, spannend f\u00fcr alle, die dabei sind.<\/p>\n<p><strong>Angst, dass es schiefgehen k\u00f6nnte, kennen Sie aber nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich habe in meinem Leben immer schon Sachen gemacht, von denen andere dachten, sie k\u00f6nnen nicht funktionieren. Gro\u00df beispielsweise war die Skepsis, als ich mein Projekt \u201eSilentium\u201c in der Elbphilharmonie zusammen mit dem Hamburger Kammerballett und dem Choreografen Edvin Revazov umsetzte \u2013 und dann war die Auff\u00fchrung, die im Mai stattfand, in k\u00fcrzester Zeit ausverkauft. Insofern bin ich auch jetzt zuversichtlich. Aber nat\u00fcrlich bereiten wir uns sehr gr\u00fcndlich vor und hoffen, dass viele Hamburgerinnen und Hamburger die Veranstaltung annehmen werden.<\/p>\n<p><strong>Was erhoffen Sie sich von diesem Sprung ins kalte Wasser?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin neugierig, wie klassische Musik in ungezwungener Club-Atmosph\u00e4re ankommt. Klassik muss ja nicht unbedingt in einem steifen Umfeld mit Krawattenzwang stattfinden. Vielen Leuten gef\u00e4llt das. Das habe ich bereits erlebt, als ich vor einiger Zeit auf einem Festival spielte, das in einer Werft stattfand. Mit \u201ePiano unplugged\u201c m\u00f6chte ich herk\u00f6mmliche Konzertformen hinterfragen und klassische Klaviermusik in einen Kontext stellen, der ihr neues Leben einhaucht. Ganz bewusst spricht dieses Programm ein urbanes junges, kulturhungriges Publikum an, das sich jenseits \u201eakademischer\u201c R\u00e4ume bewegt. Ihm m\u00f6chten wir die T\u00fcr \u00f6ffnen zu einer neuen Erfahrung des Musikh\u00f6rens \u2013\u00a0 intuitiv, direkt, sinnlich. Die Musik entfaltet sich nicht wie im Konzertsaal aus der Distanz. Sondern ohne Barriere zwischen K\u00fcnstler und Publikum.<\/p>\n<p><strong>Wann standen Sie eigentlich das erste Mal im Rampenlicht?<\/strong><\/p>\n<p>Mit sechs Jahren habe ich zu musizieren angefangen. Als ich mein erstes Konzert gab, war ich sieben. Seitdem bin ich auf der B\u00fchne. Meine Mutter, selbst Pianistin, schickte mich in Minsk auf eine Schule mit Schwerpunkt Musik, an der man viele Pr\u00fcfungen ablegen, in Wettbewerben bestehen und sich eigentlich st\u00e4ndig beweisen musste.<\/p>\n<p><strong>\u00dcben, \u00fcben, \u00fcben \u2013 fanden Sie das als Kind nicht schrecklich?<\/strong><\/p>\n<p>Geliebt habe ich es nicht. Aber danach wurden wir gar nicht gefragt. Wir Sch\u00fcler hatten nur die Wahl, entweder das Pensum eisern durchzuziehen oder die Schule zu verlassen. Ich hielt durch, auch weil ich relativ fr\u00fch neben der klassischen Ausbildung weitere Genres, vor allem den Jazz, entdeckte und merkte, wie viel Spa\u00df ich am Improvisieren hatte.<\/p>\n<p><strong>2001 kamen Sie nach Hamburg. Um zu studieren?<\/strong><\/p>\n<p>Unter anderem. Tats\u00e4chlich war es so, dass viele junge K\u00fcnstler und Studenten in den 90er Jahren aufgrund der politisch und wirtschaftlich angespannten Situation in Belarus \u00fcberlegten, wie sie im Westen oder in Amerika studieren k\u00f6nnten. Denn gro\u00dfe Perspektiven boten sich uns nicht. Um als K\u00fcnstler weiterzukommen, braucht man die Freiheit, sich uneingeschr\u00e4nkt und ohne Angst ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen. Diese Freiheit aber vermisste und suchte ich. Nat\u00fcrlich war mir durchaus bewusst, dass der Neuanfang in einem fremden Land, ohne Unterst\u00fctzung von Familie und Freunden, steinig sein w\u00fcrde. Und so war es auch.<\/p>\n<p>Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich in Hamburg, wo ich zun\u00e4chst auf einem Fl\u00fcchtlingsschiff in Altona und sp\u00e4ter in einem Wohnheim landete, aus der Misere herauskam. Doch ich hatte auch Riesengl\u00fcck. Im Unterschied zu anderen Kollegen, die aus der Musikbranche ausscheiden und in andere Berufe wechseln mussten, war es immer die Musik, die mich auch in den allerschwierigsten Situationen gerettet hat. Gl\u00fccklicherweise bin ich durch die strenge Schulzeit in Minsk so breit aufgestellt, dass ich auch nicht nur als Pianist und Komponist, sondern auch als Dirigent, Arrangeur, Big-Band- und Chorleiter arbeiten kann.<\/p>\n<p><strong>Freiheit ist ein Thema, das Sie auch k\u00fcnstlerisch besch\u00e4ftigt\u2009\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Meine Botschaft lautet, dass wir alle in Frieden und Freiheit leben wollen, was in der Kunst ja auch gut funktioniert. In meinem Ensemble treffen Musikerinnen und Musiker, egal welcher Nationalit\u00e4t, aufeinander und alle k\u00f6nnen sehr gut und ohne Konflikte miteinander umgehen. Unsere Sprache ist die Musik. Sie kann, neben ihrer Vorbildfunktion eines friedlichen Umgangs miteinander, vielleicht auch unsere Rettung sein \u2013 vor dem Gef\u00fchl, fremd zu sein,\u00a0vor Ausgrenzung. Um Grenz\u00fcberschreitung und k\u00fcnstlerische Freiheit geht es letztendlich auch bei unserem Experiment im Docks \u2013 einem Abend f\u00fcr offene Ohren und offene Herzen.<\/p>\n<p><strong>Docks<\/strong>: 5.9., 20 Uhr, ab 28,50 Euro<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" class=\"vg_wort_pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/vgzm.1021513-mopo-1608368.gif\" alt=\"\" style=\"width: 1px; height: 1px; position: absolute; pointer-events: none;\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rauskommen aus seiner k\u00fcnstlerischen Komfortzone? 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