{"id":338040,"date":"2025-08-12T04:33:11","date_gmt":"2025-08-12T04:33:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338040\/"},"modified":"2025-08-12T04:33:11","modified_gmt":"2025-08-12T04:33:11","slug":"der-gipfel-von-alaska-offenbart-europas-bedeutungsverlust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338040\/","title":{"rendered":"Der Gipfel von Alaska offenbart Europas Bedeutungsverlust"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Warum ausgerechnet Alaska? Am Freitag will US-Pr\u00e4sident Donald Trump in dem Bundesstaat Kremlchef Wladimir Putin treffen. Haben die beiden M\u00e4nner diesen Ort gew\u00e4hlt, weil ihre Nationen dort fast aneinandersto\u00dfen? Von K\u00fcste zu K\u00fcste sind es nur 88 Kilometer, manche amerikanische Inseln erlauben bei gutem Wetter einen Blick auf die Berge Sibiriens. Handelt es sich also um ein Symbol der Ann\u00e4herung? Ein EU-Beamter vertritt \u2013 halb im Spa\u00df, halb im Ernst \u2013 eine andere These: \u201eAlaska\u201c, sagt er, \u201eliegt sch\u00f6n weit weg von Europa.\u201c <\/p>\n<p>Trump und Putin wollen am Freitag \u00fcber ein Ende des Krieges in der Ukraine sprechen. Ob der Pr\u00e4sident des Landes, Wolodymyr Selenskyj, dabei sein darf, h\u00e4lt die US-Regierung noch offen. Als sicher hingegen gilt schon: Die EU wird nicht eingeladen. Ihre Vertreter fordern zwar immer wieder, ein Deal zwischen Amerika und Russland m\u00fcsse Europa einschlie\u00dfen. Doch den Rest der Welt interessiert das wenig. <\/p>\n<p>Und so spricht die EU nun erst einmal mit sich selbst. Am Montag schalteten sich die Au\u00dfenminister der 27 Mitgliedstaaten zu einer Videokonferenz zusammen, Br\u00fcssels Top-Diplomatin Kaja Kallas hatte dazu eingeladen. Es ging darum, \u201en\u00e4chste Schritte\u201c zu planen, wie Diplomaten sagten. Aber die traurige Wahrheit lautet: Europas M\u00f6glichkeiten sind begrenzt. Denn Trump und Putin nehmen den Kontinent \u2013 \u00f6konomischer Gigant, aber milit\u00e4rischer Zwerg \u2013 nicht ernst. <\/p>\n<p>Floskeln ohne Folgen<\/p>\n<p>Man habe sich darauf geeinigt, sagte Kallas nach dem Treffen, an neuen Sanktionen gegen Russland und zus\u00e4tzlicher milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine zu arbeiten. N\u00f6tig zur Beendigung des Krieges seien \u201etransatlantische Einheit\u201c und \u201eDruck auf Russland\u201c. Es waren diplomatische Worth\u00fclsen, die Europas Hilflosigkeit nur noch zu unterstreichen scheinen. Floskeln ohne Folgen f\u00fcr die reale Welt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mittwoch l\u00e4dt der deutsche Kanzler Friedrich Merz (CDU) immerhin zu einem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6899f76aa4a1a521b7dd3f8e\/russlands-angriffskrieg-mit-trump-und-selenskyj-merz-laedt-am-mittwoch-zum-virtuellen-ukraine-gipfel.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article6899f76aa4a1a521b7dd3f8e\/russlands-angriffskrieg-mit-trump-und-selenskyj-merz-laedt-am-mittwoch-zum-virtuellen-ukraine-gipfel.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">virtuellen Treffen<\/a> ein, an dem auch Trump und Selenskyj teilnehmen sollen. Europa, so scheint es, wird am Rand eingebunden, per Telefon und Video. Aber sobald es ernst wird und sich die M\u00e4chtigen der Welt pers\u00f6nlich treffen, bleibt der Kontinent au\u00dfen vor.   <\/p>\n<p>In Alaska also wollen zwei Gro\u00dfm\u00e4chte \u00fcber das Schicksal eines europ\u00e4ischen Landes verhandeln \u2013 unter Ausschluss der EU. Dabei tr\u00e4gt die Staatengemeinschaft viele finanzielle Lasten. Seit dem Jahr 2024 lie\u00df sie der Ukraine mehr als 28 Milliarden Euro an Hilfen zukommen. Ein Teil davon waren Kredite, ein Teil Zusch\u00fcsse, die nicht zur\u00fcckgezahlt werden m\u00fcssen. Dennoch finden nun wom\u00f6glich entscheidende Gespr\u00e4che nicht in Br\u00fcssel oder Kiew statt, sondern am Rand der Arktis. Tausende Kilometer weit entfernt. <\/p>\n<p>Europa d\u00fcrfte erst dann wieder eine Rolle spielen, wenn frisches Geld gebraucht wird. Konkret: bei der Finanzierung des Wiederaufbaus der Ukraine. F\u00fcr die kommenden zehn Jahre beziffert die EU-Kommission den Bedarf auf mehr als 500 Milliarden Euro. Die Summe entspricht fast dem dreifachen der Wirtschaftskraft des Landes. <\/p>\n<p>All das reiht sich in eine Folge von Ereignissen ein, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben, aber am Ende dasselbe offenbaren: einen dramatischen Bedeutungsverlust der Europ\u00e4ischen Union. <\/p>\n<p>Eine Reihe von Niederlagen<\/p>\n<p>So verhandelte die Pr\u00e4sidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, Ende Juli in Schottland mit Trump \u00fcber neue Z\u00f6lle \u2013 und stimmte einem Deal zu, den viele sp\u00e4ter als Schmach bezeichneten: Absenkung fast aller europ\u00e4ischen S\u00e4tze auf null, Erh\u00f6hung der amerikanischen auf 15 Prozent. Zudem versprach von der Leyen, die EU werde den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren \u00d6l und Gas f\u00fcr 750 Milliarden Dollar abkaufen. <\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Die Player in Nahost \u2013 etwa Israel und der Iran \u2013 schauen vor allem auf Amerika und Russland. Die EU spielt f\u00fcr sie kaum eine Rolle. W\u00e4hrend europ\u00e4ische Politiker wie Emmanuel Macron zum Beispiel immer neue Verhandlungen mit den Machthabern in Teheran um ihr Atomprogramm fordern, lie\u00df Trump an einem Tag im Juni Nuklearanlagen von B2-Bombern angreifen. <\/p>\n<p>Vergangene Woche dann unterschrieben der Regierungschefs Armeniens und der Pr\u00e4sident Aserbaidschans <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68969242204e050eae23424c\/Friedensabkommen-zwischen-Aserbaidschan-und-Armenien-USA-sichern-sich-Transitkorridor-Rechte.html?icid=search.product.onsitesearch\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68969242204e050eae23424c\/Friedensabkommen-zwischen-Aserbaidschan-und-Armenien-USA-sichern-sich-Transitkorridor-Rechte.html?icid=search.product.onsitesearch&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einen Friedensvertrag<\/a> \u2013 und zwar im Wei\u00dfen Haus. Die beiden L\u00e4nder hatten in den vergangenen Jahren vor Europas Haust\u00fcr zwei Kriege gegeneinander gef\u00fchrt, es ging um die Kontrolle der Region Bergkarabach. Der EU blieb jetzt nur, die Einigung in einer offiziellen Mitteilung \u201eherzlich\u201c zu begr\u00fc\u00dfen. <\/p>\n<p>Handelspolitik, Nahost, Kaukasus, jetzt die Ukraine \u2013 \u00fcberall gibt Donald Trump den Ton an, \u00fcberall bleibt die EU au\u00dfen vor. Wie ein Zuschauer am Rand eines Spielfelds, der immer wieder etwas hereinruft, aber ignoriert wird.<\/p>\n<p>Viele in Br\u00fcssel f\u00fcrchten, dass Amerika und Russland am Freitag die Ukraine aufteilen, gegen den Willen Selenskyjs und gegen den Willen der EU. Trump schlug am Wochenende vor, die Regierung solle Land abtreten, er sprach von einem \u201eAustausch von Gebieten zum Wohle beider Seiten\u201c. <\/p>\n<p>In einem extremen Szenario droht die Ukraine ein F\u00fcnftel ihres Territoriums zu verlieren, f\u00fcr Selenskyj bisher ein Tabu. Er k\u00f6nnte eine Abtretung auch nicht allein entscheiden, daf\u00fcr m\u00fcsste die Verfassung ge\u00e4ndert werden \u2013 was innenpolitische Verwerfungen ausl\u00f6sen d\u00fcrfte. Trump besteht trotzdem darauf. Selenskyjs Haltung in dieser Frage habe ihn \u201eein bisschen gest\u00f6rt\u201c,<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article689a0ef1a557b470b23be426\/vor-treffen-mit-putin-wir-werden-versuchen-territorium-fuer-die-ukraine-zurueckzuholen-sagt-trump.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article689a0ef1a557b470b23be426\/vor-treffen-mit-putin-wir-werden-versuchen-territorium-fuer-die-ukraine-zurueckzuholen-sagt-trump.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> sagte der US-Pr\u00e4sident am Montag <\/a>im Wei\u00dfen Haus. \u201eDenn es wird irgendeinen Gebietstausch geben.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/stefan-beutelsbacher\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Stefan Beutelsbacher<\/b><\/a> <b>ist Korrespondent in Br\u00fcssel. Er berichtet \u00fcber die Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik der EU. Zuvor war er US-Korrespondent in New York.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum ausgerechnet Alaska? Am Freitag will US-Pr\u00e4sident Donald Trump in dem Bundesstaat Kremlchef Wladimir Putin treffen. 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