{"id":338277,"date":"2025-08-12T06:52:11","date_gmt":"2025-08-12T06:52:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338277\/"},"modified":"2025-08-12T06:52:11","modified_gmt":"2025-08-12T06:52:11","slug":"nationale-wasserstoffstrategie-ziele-werden-krachend-verfehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338277\/","title":{"rendered":"Nationale Wasserstoffstrategie: Ziele werden &#8222;krachend verfehlt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 12.08.2025 05:31 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Gr\u00fcner Wasserstoff gilt als ein Schl\u00fcssel zur Klimaneutralit\u00e4t, doch Deutschlands Pl\u00e4ne geraten ins Wanken. Milliardenprojekte werden gestoppt, die Industrie wartet auf Klarheit. Was m\u00fcsste jetzt passieren? <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Til Sch\u00e4bitz und Ben Arnold, MDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Gel\u00e4nde des ehemaligen Kraftwerks Thierbach im S\u00fcden von Leipzig wirkt wie eine Ma\u00dfnahme zur Renaturierung. Wo mehr als 30 Jahre lang Braunkohle verstromt wurde, w\u00e4chst Gras. Im morgendlichen Nebel steigen vereinzelt V\u00f6gel auf. Eine leicht zugewachsene Infotafel erinnert noch an ehrgeizige Pl\u00e4ne zur wirtschaftlichen Transformation.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Standort sei in einer &#8222;Sinnkrise&#8220;, sagt Oliver Urban, Oberb\u00fcrgermeister der nahegelegenen Stadt Borna. Fr\u00fcher sei die Region ein gro\u00dfer Wirtschaftsstandort gewesen. &#8222;150 Jahre Bergbaugeschichte sind zu Ende, ein Strich, alle arbeitslos.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm ehemaligen Kohle-Tagebaugebiet sollte deswegen auf gr\u00fcnen Wasserstoff gesetzt werden, als Energietr\u00e4ger der Zukunft. Doch diese Zukunft kommt vorerst nicht nach Thierbach. Das Unternehmen HH2E sollte auf dem Gel\u00e4nde eines der gr\u00f6\u00dften Wasserstoffkraftwerke Deutschlands bauen. Doch es ist insolvent &#8211; und kein Einzelfall. Thierbach steht nahezu idealtypisch f\u00fcr die aktuelle Situation des gr\u00fcnen Wasserstoffs in Deutschland.<\/p>\n<p>    Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGr\u00fcner Wasserstoff wird per Elektrolyse produziert. Mithilfe von Strom aus Erneuerbaren Energien wird Wasser in seine elementaren Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Sauerstoff wird in die Umgebung abgeleitet, der Wasserstoff aufgefangen. Im Gegensatz zu anderen nachhaltigen Energieformen wie Wind oder Solar kann dieser Wasserstoff besser gespeichert werden, wodurch er zeitunabh\u00e4ngig zur Verf\u00fcgung steht. Bei der Verbrennung von Wasserstoff wird kein CO2 freigesetzt &#8211; ein gro\u00dfer Vorteil zum Beispiel f\u00fcr die Transformation der energieintensiven Schwerindustrie oder den Flugverkehr.<\/p>\n<p>    Ehrgeizige Ziele<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKein Wunder also, dass die vorherigen Regierungen beim Errechnen ihrer Klimabilanzen gern auf gr\u00fcnen Wasserstoff setzten. Im Sommer 2020 wurde noch unter Angela Merkel die Erste Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Sp\u00e4testens w\u00e4hrend der Ampel-Regierung mit Robert Habeck als Wirtschafts- und Klimaschutzminister erfuhr die Technologie einen Hype mit F\u00f6rderungen in Milliardenh\u00f6he, teils ungeachtet des eigentlichen Entwicklungsstands der neuen Technologie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBis 2030 sollten in Deutschland insgesamt zehn Gigawatt Produktionsleistung installiert sein. Doch aktuell sind deutschlandweit gerade einmal 1,6 Prozent dieses Ziels umgesetzt. Der Ausblick ist eher d\u00fcster, es h\u00e4ufen sich die Projekte, die pausiert oder gar ganz abgesagt werden. Nur 200 Megawatt weitere Produktionsleistung sind derzeit im Bau. &#8222;Die Ziele f\u00fcr den Wasserstoffhochlauf im Jahr 2030 werden krachend verfehlt&#8220;, sagt der Kommissarische Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, Felix Matthes.<\/p>\n<p>    &#8222;Sehr viel teurer&#8220; als erwartet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDass der Wasserstoffhochlauf in Deutschland derart stockt, liegt an verschiedenen, durchaus komplexen Faktoren. Die neue Technologie muss sich als Energietr\u00e4ger erst am Markt etablieren. Daf\u00fcr muss ein gesamter Wirtschaftskreislauf mit Produktionsst\u00e4tten, einer Pipeline-Infrastruktur zur Verteilung und mit Verbrauchern in der Industrie von Grund auf hochgefahren werden. All das braucht vor allem Geld und Planbarkeit. Doch genau das sind die zentralen Probleme.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMatthes zufolge ist der gr\u00fcne Wasserstoff &#8222;sehr viel teurer&#8220; als in den Prognosen angenommen. Zugleich seien mit dem vorzeitigen Scheitern der Ampelregierung F\u00f6rdermittel weggebrochen oder gar nicht erst genehmigt worden, die die Kostenl\u00fccke h\u00e4tten schlie\u00dfen sollen. Habecks Gesetzesentw\u00fcrfe kamen nicht mehr zur Abstimmung.<\/p>\n<p>    Das Henne-Ei-Problem<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDieses Dilemma wirkt sich auf alle Teile des Kreislaufes aus und f\u00fchrt zu einem klassischen Henne-Ei-Problem: Durch die Mehrkosten ist der gr\u00fcne Wasserstoff f\u00fcr industrielle Gro\u00dfverbraucher aktuell unwirtschaftlich. Sogar Umstellungspl\u00e4ne wie bei den Stahlwerken von ArcelorMittal in Bremen und Eisenh\u00fcttenstadt werden zur\u00fcckgezogen, trotz zugesicherter F\u00f6rdermittel in H\u00f6he von 1,3 Milliarden Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOhne feste Abnehmer z\u00f6gern potenzielle Wasserstoffproduzenten wie die mitteldeutschen Energiekonzerne EnviaM, Mibrag und LEAG mit dem Aufbau von Standorten. Wird weniger gr\u00fcner Wasserstoff produziert, bleibt der Preis hoch. Nach Ansicht vieler Beteiligter m\u00fcsste diese Unsicherheit politisch abgefangen werden.<\/p>\n<p>    Scheitern der Ampel als Unsicherheitsfaktor<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nW\u00e4hrend der Amtszeit der Ampelregierung sei die Marschrichtung noch recht klar gewesen: Deutschland solle m\u00f6glichst schnell klimaneutral werden und setze dabei auf gr\u00fcnen Wasserstoff als &#8222;Universall\u00f6sung&#8220;, beschreibt Falko Ueckerdt vom Potsdam Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung. Die Kosten: erstmal zweitrangig. So sei ein umfassender Hype um Wasserstoff entstanden, teilweise ohne klare Priorisierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMit dem Scheitern der Ampelregierung im Herbst 2024 bahnte sich ein Kurswechsel in der Energiepolitik an, der f\u00fcr Unsicherheit sorgt. Als Reaktion zog sich zum Beispiel die Foresight-Group als Investor bei HH2E zur\u00fcck. Es war der Moment, der die ambitionierten Tr\u00e4ume auf dem ehemaligen Kraftwerksgel\u00e4nde in Thierbach platzen lie\u00df.<\/p>\n<p>    Fehlender \u00dcberblick<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWie viele Wasserstoffprojekte in Deutschland zur\u00fcckgezogen oder abgesagt wurden, l\u00e4sst sich kaum \u00fcberblicken. Gleiches gilt f\u00fcr die Kosten. Die Bundesregierung f\u00f6rdert den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mit drei Einzelpl\u00e4nen, insgesamt 28 Titeln und 45 Programmen und\/oder Einzelma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Elektrolyse-Projekte zur Wasserstoffproduktion sind zwar als Wasserstoff-Kompass \u00f6ffentlich einsehbar, doch dieser beinhalte teils auch sehr alte Projekte, die nicht mal in die Planung gegangen seien, teilt zum Beispiel das Unternehmen Enertrag mit, das verschiedene Produktionsst\u00e4tten errichten will. Anscheinend sei &#8222;jede Ank\u00fcndigung zur Pr\u00fcfung eines Standortes schon als Projekt aufgenommen&#8220; worden. Welche dieser Pr\u00fcfungen schlie\u00dflich erfolglos blieben oder abgebrochen wurden, l\u00e4sst sich nur in Einzelf\u00e4llen herausfinden, da keine Meldepflicht bei den L\u00e4ndern bestehe.<\/p>\n<p>    Bundesregierung will auch auf Wasserstoff aus Erdgas setzen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWenig Klarheit herrscht auch beim zust\u00e4ndigen Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWE). Ministerin Katherina Reiche war ab der Gr\u00fcndung des Nationalen Wasserstoffrats selbst Vorsitzende, bis sie ins Kabinett berufen wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf Nachfrage teilt ihr Ministerium mit, dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft &#8222;beschleunigt und pragmatischer ausgestaltet&#8220; werden solle. Dabei will die Regierung &#8222;alle Farben&#8220; nutzen &#8211; neben dem CO2-neutralen gr\u00fcnen Wasserstoff also auch blauen oder grauen Wasserstoff aus Erdgas. Bei dessen Produktion entsteht CO2, das entweder an die Umwelt abgegeben oder im Boden verpresst wird.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDazu soll bis 2032 ein bundesweites Wasserstoff-Kernnetz aufgebaut werden. Der derzeitige Stand des Wasserstoff-Hochlaufs werde au\u00dferdem gerade durch ein Monitoring \u00fcberpr\u00fcft. Zu konkreten F\u00f6rdersummen und -pl\u00e4nen gab es auf mehrfache Anfragen hin keine Antwort, auch ein Interview wurde abgelehnt.<\/p>\n<p>    Klimaschutzziele gef\u00e4hrdet?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Kommissarische Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats, Matthes, kann den Kurswechsel der neuen Bundesregierung zumindest teilweise verstehen. Wie bei anderen Technologien brauche es auch beim Wasserstoff &#8222;\u00dcbergangsprozesse&#8220; statt &#8222;von null auf einen weitgehend perfekten Zustand zu springen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nFalko Ueckerdt vom Potsdam Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung bef\u00fcrchtet hingegen, dass aufgrund fehlenden politischen Durchhalteverm\u00f6gens und zu geringer F\u00f6rdergelder die Klimaschutzziele gef\u00e4hrdet werden.<\/p>\n<p>    Hoffen auf neuen Investor<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr das ehemalige Kraftwerksgel\u00e4nde in Thierbach gibt Oberb\u00fcrgermeister Urban die Hoffnung noch nicht auf: Wenn irgendwo gr\u00fcner Wasserstoff produziert werden k\u00f6nne, dann m\u00fcsse es an dieser Stelle sein. Die Genehmigung sei da. Der derzeit gr\u00f6\u00dfte Solarpark Europas ist nur wenige Kilometer entfernt und k\u00f6nnte gr\u00fcnen Strom liefern. Es fehle eben nur das Geld, so Urban. Deswegen hoffen er und die gesamte Region nun auf einen neuen Investor und einen Wirtschaftskreislauf, der aufgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 12.08.2025 05:31 Uhr Gr\u00fcner Wasserstoff gilt als ein Schl\u00fcssel zur Klimaneutralit\u00e4t, doch Deutschlands Pl\u00e4ne geraten ins Wanken.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":338278,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[95016,13,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-338277","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-gruener-wasserstoff","9":"tag-headlines","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-schlagzeilen","13":"tag-top-news","14":"tag-top-meldungen","15":"tag-topmeldungen","16":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115014477002712893","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/338277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=338277"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/338277\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/338278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=338277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=338277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=338277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}