{"id":338663,"date":"2025-08-12T10:25:13","date_gmt":"2025-08-12T10:25:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338663\/"},"modified":"2025-08-12T10:25:13","modified_gmt":"2025-08-12T10:25:13","slug":"stuttgart-album-zur-aussengastro-blechmusik-und-buttermilch-stuttgarts-lange-liebe-zur-freiluftkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/338663\/","title":{"rendered":"Stuttgart-Album zur Au\u00dfengastro: Blechmusik und Buttermilch \u2013 Stuttgarts lange Liebe zur Freiluftkultur"},"content":{"rendered":"<p>Sonne, Aussicht, ein k\u00fchles Getr\u00e4nk \u2013 in Stuttgart sitzt man gern im Freien, das war schon vor 300 Jahren so. Unser Stuttgart-Album blickt auf die Geschichte der Freiluftgastronomie.<\/p>\n<p>Blechmusik in lauen Sommern\u00e4chten, Buttermilch unter schattigen B\u00e4umen, ein Blick \u00fcber den Kessel \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> hat eine lange Tradition des Drau\u00dfensitzens. Die Geschichte der Freiluftkultur reicht weit zur\u00fcck. Um das Jahr 1725 finden sich erste dokumentierte Hinweise \u2013 kurioserweise in einer Beschwerde eines Pfarrers. Zwei Gartenwirtschaften seien ihm ein Dorn im Auge gewesen. Gl\u00fccksspiel und S\u00e9par\u00e9es sollen dort f\u00fcr ein \u201e\u00fcbel beleumundetes\u201c Treiben gesorgt haben, wie der Historiker Ulrich Gohl herausgefunden hat. Auch das zeigt: Die Liebe der Stuttgarter zum Drau\u00dfensitzen ist keine neue Erscheinung \u2013 und schon damals sorgte sie f\u00fcr Diskussionen.<\/p>\n<p>Dichter beschreibt das Lebensgef\u00fchl der Drau\u00dfenhocker im Jahr 1907 <\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Freiluftgastronomie zur festen Gr\u00f6\u00dfe. Besonders beliebte Treffpunkte waren die Ausflugslokale in Cannstatt und Berg, oft in der N\u00e4he der Mineralb\u00e4der. Auch bewirtete Innenh\u00f6fe, Vereinsgastst\u00e4tten vom Sch\u00fctzen- bis zum S\u00e4ngerheim, Brauereig\u00e4rten und Gasth\u00e4user an den H\u00e4ngen rund um die Stadt luden zum Verweilen ein. Besonders beliebt war das Waldhaus auf dem Hasenberg, das bis heute darauf wartet, aus dem Dornr\u00f6schenschlaf erweckt zu werden. <\/p>\n<p>Stuttgart war ber\u00fchmt \u2013 oder vielleicht auch ber\u00fcchtigt \u2013 f\u00fcr seine Drau\u00dfenhocker. W\u00e4hrend anderswo im pietistisch gepr\u00e4gten W\u00fcrttemberg eher Zur\u00fcckhaltung herrschte, lebten die Stuttgarter ihre Geselligkeit unter freiem Himmel aus. Der Volksdichter Eduard Paulus fasste dieses Lebensgef\u00fchl 1907 in einem Gedicht zusammen:<\/p>\n<p>An den Bergen hangen G\u00e4rten, <\/p>\n<p>Blechmusik durchdr\u00f6hnt die Nacht,<\/p>\n<p>Und hier sitzt der Kern des Volkes.<\/p>\n<p>Und benebelt sich mit Macht.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.01887d28-459a-415a-9f93-fb30fd6c65bc.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Karlsh\u00f6he in den 1970ern.    Foto: Archiv    <\/p>\n<p>Einen neuen Schub erhielt die Au\u00dfengastronomie zur Bundesgartenschau 1961. Auf der Karlsh\u00f6he entstand nach Pl\u00e4nen des Architekten Rolf Gutbrod ein Ensemble aus Milchbar, Terrasse, Treppenanlage und \u00dcberdachung \u2013 heute alles denkmalgesch\u00fctzt.<\/p>\n<p> Die Karlsh\u00f6he hie\u00df fr\u00fcher Reinsburgh\u00fcgel <\/p>\n<p>Mitten im Gr\u00fcnen entstand ein moderner Treffpunkt f\u00fcr die Jugend: Bei Buttermilch, Milchshakes und F\u00fcrst-P\u00fcckler-Eis verabredete sich die Nachkriegsgeneration nach der Schule \u2013 von Komasaufen wusste keiner was, der Rock\u2019n\u2019Roll war das neue Lebensgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Parallel entstand auf dem Killesberg eine beinahe identische Milchbar \u2013 beide galten als Symbol f\u00fcr das neue, offene Stuttgart, das Gr\u00fcnfl\u00e4chen in die Stadt integrieren wollte.<\/p>\n<p>Die Karlsh\u00f6he hie\u00df einst Reinsburgh\u00fcgel. 1889 bekam die Anh\u00f6he zum 25-Jahr-Thronjubil\u00e4um von K\u00f6nig Karl ihren heutigen Namen. Der Versch\u00f6nerungsverein Stuttgart hatte den ehemaligen Steinbruch zuvor in einen Park verwandelt \u2013 mit einmaliger Aussicht auf Kessel, Neckartal und Schurwald. Heute z\u00e4hlt der Biergarten Tschechen und S\u00f6hne zu den sch\u00f6nsten Aussichtspl\u00e4tzen in Stuttgart. <\/p>\n<p>Der Name geht auf eine Anekdote aus dem 19. Jahrhundert zur\u00fcck: Der Baumeister des Schwabtunnels, ein Tscheche, soll hier in seiner Mittagspause selbst gebrautes Bier ausgeschenkt haben. \u201eGehen wir hoch zum Tschechen und seinem Bier\u201c \u2013 so entstand die Legende.<\/p>\n<p>Wenig bekannt ist, dass sich auf der Karlsh\u00f6he einst die Sommerresidenz der Industriellenfamilie Siegle befand. 1909 erbaut, wurde die Villa 1961 im Zuge der Bundesgartenschau abgerissen \u2013 um Platz zu machen f\u00fcr neue gr\u00fcne Visionen. Auch das ist Teil der Geschichte der Au\u00dfengastronomie in Stuttgart: Wandel und Aufbruch, Tradition und Moderne.<\/p>\n<p>Dass der Begriff \u201eBiergarten\u201c sich in Stuttgart \u00fcbrigens erst in den 1980er Jahren durchsetzte, lag wohl am bayerischen Einfluss mit seinem Wei\u00dfbier. Doch das Bed\u00fcrfnis, drau\u00dfen zusammenzukommen, war in Stuttgart l\u00e4ngst verankert. <\/p>\n<p> Der Name der Wielandsh\u00f6he geht auf die Mosterei von August Wieland zur\u00fcck <\/p>\n<p>Ein weiteres Kapitel Stuttgarter Au\u00dfengastronomie schrieb die Wielandsh\u00f6he. 1880 hatte der Wirt August Wieland an der Alten Weinsteige eine Mosterei er\u00f6ffnet, die bald zu einem beliebten Ausflugslokal unter dem Namen Wielandsh\u00f6he wurde \u2013 mit Liegewiese, Panorama und bodenst\u00e4ndiger K\u00fcche. Zwischen 1930 und 1975 pr\u00e4gte die Familie Seitz hier die Gastlichkeit mit Aussicht. <\/p>\n<p>Nach 16 Jahren Leerstand fand sich 1991 ein mutiger Neuanfang: Der Spitzenkoch Vincent Klink hauchte dem Ort neues Leben ein \u2013 heute gilt das Sternerestaurant Wielandsh\u00f6he als eine der besten Adressen der Stadt. Und noch immer l\u00e4sst es sich hier bei Weinschorle oder Apfelsaft drau\u00dfen mit Blick auf den Kessel wunderbar verweilen.<\/p>\n<p>Wo der Kessel dampft, sitzt man eben gern im Freien.<\/p>\n<p>Diskutieren Sie mit unter: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Album.Stuttgart\/?locale=de_DE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.facebook.com\/Album.Stuttgart.<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sonne, Aussicht, ein k\u00fchles Getr\u00e4nk \u2013 in Stuttgart sitzt man gern im Freien, das war schon vor 300&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":338664,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[4657,95127,1634,3364,29,30,1441,8078,8077,95128],"class_list":{"0":"post-338663","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-stadtreporter","9":"tag-aussengastronomie-frueher","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-stuttgart","15":"tag-stuttgart-frueher","16":"tag-stuttgart-album","17":"tag-wielandshoehe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115015314677396025","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/338663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=338663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/338663\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/338664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=338663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=338663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=338663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}