{"id":33867,"date":"2025-04-15T12:39:08","date_gmt":"2025-04-15T12:39:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33867\/"},"modified":"2025-04-15T12:39:08","modified_gmt":"2025-04-15T12:39:08","slug":"vereinigtes-koenigreich-der-britische-staat-rettet-stahlwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/33867\/","title":{"rendered":"Vereinigtes K\u00f6nigreich \u2013 Der britische Staat rettet Stahlwerk"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img304349\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304349\" alt=\"Das British Steel-Werk in Scunthorpe bleibt vorerst in Betrieb, wird aber nicht verstaatlicht.\"\/><\/p>\n<p>Das British Steel-Werk in Scunthorpe bleibt vorerst in Betrieb, wird aber nicht verstaatlicht.<\/p>\n<p>Foto: picture alliance\/dpa\/PA Wire\/Peter Byrne<\/p>\n<p>Es war zwar Wochenende und die Osterparlamentsferien hatten l\u00e4ngst begonnen, dennoch sa\u00dfen die britischen Unterhausabgeordneten am Samstag dicht gedr\u00e4ngt auf den gr\u00fcnen B\u00e4nken. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190515.grossbritannien-labour-zurueck-zum-kahlschlag.html?sstr=starmer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Labour-Premier Keir Starmer<\/a> hatte zu einer Notfallsitzung gerufen mit nur einem Tagesordnungspunkt: die Rettung des Stahlwerks in der nordenglischen Stadt Scunthorpe.<\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1119312.liquidator-fuer-british-steel.html?sstr=scunthorpe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu British Steel geh\u00f6rende Werk<\/a> ist seit langer Zeit in Schwierigkeiten. Der chinesische Stahlkonzern Jingye, der British Steel 2020 \u00fcbernahm, lie\u00df Ende M\u00e4rz verlauten, die Anlage mache jeden Tag rund 700\u2009000 Pfund (rund 800\u2009000 Euro) Verlust. Die Regierung verhandelte in den vergangenen Wochen mit Jingye \u00fcber ein staatliches Hilfspaket; London hatte offenbar 500\u2005Millionen Pfund angeboten. Aber die Gespr\u00e4che blieben ergebnislos \u2013 Jingye leitete bereits Schritte ein, um Scunthorpe zu schlie\u00dfen. Rund 2700 Arbeitspl\u00e4tze waren dadurch bedroht.<\/p>\n<p>Eilgesetz in Rekordzeit verabschiedet<\/p>\n<p>So sprang die Regierung in die Bresche. In Rekordzeit durchlief die Gesetzesvorlage am Samstag alle n\u00f6tigen Stationen, am fr\u00fchen Abend hatte der K\u00f6nig seine Zustimmung gegeben. Damit ist das Stahlwerk zwar nicht formell in staatlicher Hand, aber die Regierung hat die Kontrolle \u00fcber den Betrieb. Kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes berieten staatliche Vertreter vor Ort in Scunthorpe mit der lokalen Betriebsleitung, wie die Produktion aufrechtzuerhalten sei. Vor allem muss die Versorgung des Werkes mit Koks und Eisenerz sichergestellt werden. M\u00fcssten die Hoch\u00f6fen aus Mangel an Brennmaterial abgestellt werden, w\u00e4ren viel Zeit und Geld erforderlich, sie wieder zu starten.<\/p>\n<p>\u00bbHeute hat meine Regierung British Steel gerettet\u00ab, sagte der Premierminister, nachdem das Gesetz in trockenen T\u00fcchern war. \u00bbUnsere Industrie ist der Stolz unseres Landes \u2013 und ich will, dass sie auch unsere Zukunft ist.\u00ab Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds will nun einen Partner aus dem Privatsektor suchen, der Scunthorpe mitfinanziert. Dennoch bleibt eine echte Verstaatlichung in den kommenden Wochen die wahrscheinlichste L\u00f6sung. Die Regierung k\u00f6nnte auf die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung z\u00e4hlen: Laut einer Umfrage von Anfang April sind 57\u2005Prozent der Briten f\u00fcr eine Verstaatlichung von British Steel, nur 9\u2005Prozent sind dagegen.<\/p>\n<p>Kritik an chinesischem Eigent\u00fcmer<\/p>\n<p>In Bezug auf das Verh\u00e4ltnis zu China wirft die dramatische Rettungsaktion jedoch Fragen auf. Denn Jingye steht im Verdacht, absichtlich auf eine Stilllegung des Werkes hingearbeitet zu haben.<\/p>\n<p>Scunthorpe ist die einzige britische Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr hochwertigen Stahl, wie er etwa f\u00fcr die Fertigung von Eisenbahnschienen oder Tragbalken verwendet wird. F\u00fcr den Industriestandort Gro\u00dfbritannien ist das Werk also von gro\u00dfer Bedeutung. Wird es geschlossen, <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1187526.stahlbranche-ueberfluss-macht-krise.html?sstr=stahlindustrie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">m\u00fcsste der Stahl importiert werden, zum Beispiel aus China<\/a>. Genau das sei der Plan gewesen, sagte Roy Rickhuss von der Gewerkschaft Community Union gegen\u00fcber der BBC: \u00bbSie wollten die Hoch\u00f6fen schlie\u00dfen und Stahl aus China importieren, um es dann in unseren Werken zu walzen.\u00ab Aus diesem Grund habe Jingye keine neuen Materialien bestellt.<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304350\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Minister Reynolds wollte dies zwar nicht best\u00e4tigen, aber auch er kritisierte Jingye scharf: \u00bbVielleicht war es Sabotage, vielleicht war es Vernachl\u00e4ssigung.\u00ab Auf jeden Fall sei im Laufe der Verhandlungen klar geworden, dass der chinesische Konzern entschlossen war, die Hoch\u00f6fen abzustellen. Reynolds versprach Konsequenzen: Wenn es k\u00fcnftig um Investitionen chinesischer Unternehmen in wichtigen britischen Sektoren geht, dann werde er \u00bbdie Latte des Vertrauens hoch ansetzen\u00ab.<\/p>\n<p>Spannungen zwischen China und Gro\u00dfbritannien<\/p>\n<p>Der Fall Scunthorpe verkompliziert die geplante Ann\u00e4herung zwischen Gro\u00dfbritannien und China. Nach einer langen Periode der Distanz hatte Starmer vergangenes Jahr angek\u00fcndigt, ein \u00bbkonsistentes, dauerhaftes und respektvolles\u00ab Verh\u00e4ltnis anzustreben. Sein Treffen mit Staatschef Xi Jinping im November war der erste pers\u00f6nliche Austausch auf dieser politischen Ebene seit sechs Jahren.<\/p>\n<p>Ohnehin ist f\u00fcr viele Politiker und Strategen in London fraglich, wie weit die Ann\u00e4herung gehen soll. In den vergangenen Jahren sorgten mehrere Skandale rund um chinesische Spione in den britischen Machtzentren f\u00fcr Unruhe. Die Beh\u00f6rde f\u00fcr Cybersicherheit warnt zudem seit vielen Jahren, dass chinesische Hacker eine Bedrohung f\u00fcr die britische Infrastruktur darstellen. Auch der Thinktank Chatham House h\u00e4lt es f\u00fcr entscheidend, dass Gro\u00dfbritannien ein sch\u00e4rferes Bewusstsein daf\u00fcr entwickelt, wie \u00bbPeking Informationen sammelt und seinen Einfluss vergr\u00f6\u00dfert\u00ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das British Steel-Werk in Scunthorpe bleibt vorerst in Betrieb, wird aber nicht verstaatlicht. 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