{"id":339021,"date":"2025-08-12T13:41:19","date_gmt":"2025-08-12T13:41:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339021\/"},"modified":"2025-08-12T13:41:19","modified_gmt":"2025-08-12T13:41:19","slug":"sven-druehl-im-museum-wiesbaden-vor-oder-nach-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339021\/","title":{"rendered":"Sven Dr\u00fchl im Museum Wiesbaden \u2013 Vor oder nach den Menschen"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/kunst\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_kunst\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunst<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 12.08.2025, 15:25 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/judith-von-sternburg-xaw4z3af4.html\" title=\"Zur Autorenseite von Judith von Sternburg\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" von=\"\" sternburg=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Judith von Sternburg<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/39291463-ausstellungsansicht-2Bfe.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Ausstellungsansicht\"\/>Alter und neuer Meister: Blick in die Ausstellung von Sven Dr\u00fchl in Wiesbaden.  \u00a9\u00a0Museum Wiesbaden \/ Christoph Boeckheler<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Das Museum Wiesbaden gibt Gelegenheit, durch die k\u00fchlen, ruhigen Landschaften des K\u00fcnstlers und Sammlers Sven Dr\u00fchl zu spazieren. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die logische Weiterentwicklung der weiten Gegend unterm sanft verf\u00e4rbten Abendhimmel und zum rei\u00dfenden Bach zwischen schroffem Gestein, die die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhundert als Muster von Kunst \u00fcber die Sofas und in die K\u00f6pfe brachten, muss keine expressionistische Farbfl\u00e4che und keine Apokalypse sein. Sven Dr\u00fchl, 1968 in Nassau an der Lahn geboren, experimentiert seit vielen Jahren mit ganz anderen M\u00f6glichkeiten. Im Zentrum geht es offenbar darum, malerische Eindr\u00fccke mit unmalerischen, gar antimalerischen Methoden zu erzielen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Lack (im Sinne von Autolack) und Silikon kommen dabei ins Spiel, geschnitten, gerissen, gepresst. Das Ergebnis ist vermutlich nicht aus jener  irgendwie tiefgreifenden Empfindung geboren, die eine erhabene oder einfach sch\u00f6ne Landschaft hervorrufen mag und einst als Impuls f\u00fcr den sch\u00f6pferischen Vorgang galt. Experiment und Kalk\u00fcl d\u00fcrften eher eine Rolle spielen, was aber Spekulation ist. Diese entsteht, w\u00e4hrend man in einem kleinen, instruktiven Film dem K\u00fcnstler im Atelier zuschauen kann. <\/p>\n<p>Der Raum selbst: eine attraktive Schlucht<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Zu sehen sind dann aber \u00fcberaus sinnliche Bilder, zudem im Museum Wiesbaden sinnlich geh\u00e4ngt. Die Fl\u00e4che im  Untergeschoss mit seinen hohen W\u00e4nden, durch eingezogene Zusatzw\u00e4nde noch steiler wirkend, l\u00e4sst die Betrachterin und auch den Betrachter wie in einer Schlucht und an diversen Aussichtspunkten auf die gro\u00dfz\u00fcgig, aber nicht k\u00e4rglich verteilten Arbeiten blicken. Die meisten Bilder tragen als Titel absurd lange Abk\u00fcrzungen: mystifizierend und wie aus Versuchsreihen, aber zu welchen Versuchen?<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Selbst wenn Dr\u00fchls Arbeiten also etwas Abstraktes haben, steht man doch eindeutig vor Landschaften. Und, ja, dahinter kann auch ein Himmel ergl\u00fchen. Oder sehr blau sein, oder sehr \u2013 gr\u00fcn. Hochgebirge, schwappendes Meer, W\u00fcstenei.  Zum Lack gesellt sich manchmal \u00d6lmalerei. Das Matte, das das Gl\u00e4nzende umschlie\u00dft, darf man sich etwa als Pf\u00fctze im Herbstlaub vorstellen, in der sich ein wei\u00dfgrauer Himmel mit kahlem Ge\u00e4st spiegelt. Oder wie der Blick aus einer H\u00f6hle ins glei\u00dfende Licht schneeiger Bergzipfel. Gelegentlich wird man sich an japanische Comic-Landschaften erinnert f\u00fchlen, ohnehin an eine K\u00fcnstlichkeit, n\u00e4mlich die einer unwahrscheinlichen \u00dcberklarheit. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Diese Arbeiten aber suchen den interessierten und friedfertigen Anschluss an Vorbilder eben des vorvergangenen Jahrhunderts. Sie stellen sich ihnen nicht ver\u00e4chtlich entgegen, wie es den akademischen oder salonhaften, kurzum n\u00e4mlich auch routinierten und schlie\u00dflich \u00fcberholten Tendenzen seinerzeit geschah. Und zu Recht geschah. Blo\u00df ist das alles nun auch schon wieder eine Weile her. Dr\u00fchls Arbeiten sind stattdessen eine unaggressive Fortsetzung mit neuen Mitteln,  handgemachten, nicht am Computer generierten.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Man k\u00f6nnte sich vorstellen, dass daraus Dr\u00fchls Respekt und sein Interesse an hergebrachten handwerklichen Fertigkeiten r\u00fchren. Er ist au\u00dferdem ein erfahrener Maler, der nicht zur\u00fccktaucht in die alte Zeit, aber seine Felsbrocken und -br\u00f6ckchen doch auch \u201eklassisch\u201c mit \u00d6l auf die Leinwand bringt. Dass ihre Umrisse mit feinen Silikonlinien nachgezogen sind, wirkt dann wie ein k\u00fchles, ruhiges Bekenntnis dazu, nicht das Vergangene zur\u00fcckzuw\u00fcnschen. Dr\u00fchl ist wohl ein Antinostalgiker mit Langzeitged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Denn die Alten sind immer mit dabei. Die ansehnliche Ausstellung, die bereits in Luzern im Hans Erni Museum gezeigt wurde,  geh\u00f6rt im Museum Wiesbaden zu den Feiern zum 200. Geburtstag des Hauses. Der Titel \u201eFaszination 19. Jahrhundert\u201c passt zur Stadt wie zur Sammlung perfekt. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/39291462-ausstellungsansicht-PHBG.jpg\" loading=\"lazy\"   height=\"733\" width=\"1100\" alt=\"Ausstellungsansicht. \"\/>Ausstellungsansicht.  \u00a9\u00a0Museum Wiesbaden \/ Christoph Boeckheler<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Dr\u00fchl ist nicht nur als K\u00fcnstler t\u00e4tig, er ist auch Sammler, Buchautor, Dozent, der nach seiner kunstwissenschaftlichen Promotion in Frankfurt unter anderem eine Gastprofessur in China hatte (das Asiatische interessiert ihn, wie man auch hier sieht, aber woanders noch mehr). F\u00fcr die Schau hat er Bilder seiner Sammlung mitgebracht \u2013 das Museum h\u00e4ngte auch noch etwas eigenes dazu \u2013, meist kleinformatiger als die eigenen Arbeiten. Aber man kann gut erkennen, was ihn daran interessiert: wie man Stillstand und Bewegung in der Natur auf die Kunst \u00fcbertragen kann, kleine und gro\u00dfe Formationen, bewegteres und weniger bewegtes Wasser. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Keine Menschen nirgends. Vielleicht ist auch darum der Besuch in der Ausstellung selbst an einem sehr belebten Samstag wie ein Ausflug ins weitl\u00e4ufige und doch wuchtige Freie. An einen jener Orte, an denen man sich gelegentlich die Frage stellt, ob der Mensch noch nicht erschienen oder seine Zeit bereits abgelaufen ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Verg\u00e4nglichkeit ist auch f\u00fcr Dr\u00fchl ein Thema.  In Wiesbaden kann man es sich an bildhauerischen Arbeiten ansehen, den gerade noch handlichen Bronzemodellen von Bergen. Das ist eigentlich ganz unverf\u00e4nglich. Erst die Titel machen klar, dass es sich um die Darstellung von Erosionen handelt. Das Matterhorn ver\u00e4ndert sich. Das ist einerseits normal, aber ein Forschungsteam der ETH Z\u00fcrich beobachtet seit Jahren, wie schnell das auf einmal geht. Bei Dr\u00fchl ist die ber\u00fchmte Silhouette kaum noch wiederzuerkennen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Museum Wiesbaden:<\/strong> bis 28. September. Katalog (Hatje Cantz) im Museum f\u00fcr 29,90 Euro.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/www.museum-wiesbaden.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"id-import-Link id-pageApi-Link--externalDomain\" data-id-ec=\"{&quot;sht&quot;:&quot;Container&quot;,&quot;shn&quot;:&quot;Story&quot;,&quot;p&quot;:{&quot;containerType&quot;:&quot;Paragraph&quot;,&quot;displayType&quot;:&quot;Paragraph InlineLink&quot;,&quot;type&quot;:&quot;INLINE_LINK&quot;,&quot;value&quot;:&quot;www.museum-wiesbaden.de&quot;,&quot;variant&quot;:&quot;standardLink&quot;,&quot;sponsored&quot;:false,&quot;linkHref&quot;:&quot;https:\/\/www.museum-wiesbaden.de\/&quot;,&quot;storyElementPosition&quot;:25,&quot;storyElementCount&quot;:25}}\">www.museum-wiesbaden.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Kunst Stand: 12.08.2025, 15:25 Uhr Von: Judith von Sternburg DruckenTeilen Alter und neuer Meister: Blick in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":339022,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,2052,14,15,12,4544],"class_list":{"0":"post-339021","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wiesbaden","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-hessen","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-wiesbaden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115016085610794456","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=339021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339021\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/339022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=339021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=339021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=339021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}