{"id":339203,"date":"2025-08-12T15:18:13","date_gmt":"2025-08-12T15:18:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339203\/"},"modified":"2025-08-12T15:18:13","modified_gmt":"2025-08-12T15:18:13","slug":"hitzeschutz-frankreich-zeigt-wie-es-besser-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339203\/","title":{"rendered":"Hitzeschutz: Frankreich zeigt wie es besser geht"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">B ei dem Gedanken an Hitze, welches Bild ploppt da im Kopf auf? Ein Eis, ein Sprung ins Schwimmbecken, Sonnencreme auf sandiger Haut? Wahrscheinlich. Eher unwahrscheinlich: der Gedanke an Kopfschmerzen, \u00dcbelkeit, Dehydrierung. Dass ab einer K\u00f6rpertemperatur von 40 Grad der Hitzetod droht. Die Gefahr, die von Hitze ausgeht, ist im kollektiven Bewusstsein in Deutschland kaum vorhanden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">\u00c4ltere Menschen, Kinder, Schwangere und chronisch Kranke sind besonders gef\u00e4hrdet. In diesem Sommer sind laut Robert-Koch-Institut bereits <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Themen\/Gesundheit-und-Gesellschaft\/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z\/H\/Hitze\/Bericht_Hitzemortalitaet.html\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">1.660 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben<\/a>. In den beiden Hitzesommern 2018 und 2019 waren es zusammengerechnet mehr als 15.000 Menschen. Hitze f\u00fchrt regelm\u00e4\u00dfig zu einer h\u00f6heren Sterberate in Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Klimawandel nicht umsonst als die \u201egr\u00f6\u00dfte Gesundheitsbedrohung f\u00fcr die Menschheit\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-3\" pos=\"3\">Vor f\u00fcnf Jahren, im September 2020, hat die Gesundheitsministerkonferenz der L\u00e4nder deshalb beschlossen, den Hitzeschutz in Deutschland auszubauen. Auf kommunaler Ebene sollte demnach \u201ebis 2025 eine fl\u00e4chendeckende Erstellung von Hitzeaktionspl\u00e4nen\u201c vorangetrieben werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"4\">Hitzeaktionspl\u00e4ne beinhalten langfristige Ma\u00dfnahmen stadtplanerischer Art, wie die Entsiegelung zubetonierter Fl\u00e4chen oder die Beschattung von Pl\u00e4tzen; aber auch akute Ma\u00dfnahmen, etwa dass \u00e4ltere Menschen bei Hitze ans Trinken erinnert werden oder im Sommer k\u00fchle R\u00e4ume zur Verf\u00fcgung stehen. Hitzeschutz bedeutet auch, Klimaanlagen in Notaufnahmen zu installieren, Kindern beizubringen, wie sie sich bei Hitze verhalten, und Warnungen zu verbreiten, wenn es gef\u00e4hrlich hei\u00df wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.png\" loading=\"lazy\" height=\"363\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>wochentaz<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">Dieser Text stammt aus der <strong>wochentaz<\/strong>. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist \u2013 und wie sie sein k\u00f6nnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">nat\u00fcrlich im Abo<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\" pos=\"5\">Wie steht es also um den Hitzeschutz in Deutschland?<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Die taz hat eine Umfrage in den insgesamt 401 Landkreisen und kreisfreien St\u00e4dten in Deutschland gemacht und gefragt, ob es einen Hitzeaktionsplan gibt. Von den 245 Landkreisen und kreisfreien St\u00e4dten, die an der Umfrage teilgenommen haben, gaben 65 an, Hitzeaktionspl\u00e4ne erarbeitet zu haben. \u201eFl\u00e4chendeckend\u201c wurde der Hitzeschutz also nicht ausgerollt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Moritz Ochsmann sitzt im Dachgeschoss des Deutschen Instituts f\u00fcr Urbanistik in Berlin-Mitte und sagt zu dem Umfrageergebnis: \u201eDa die Kommunen anzuprangern, das bringt nichts.\u201c Ochsmann, 36, runde Brille, gescheiteltes Haar, forscht zur Anpassung von St\u00e4dten an den Klimawandel und zur Hitzevorsorge. Er spricht ohne Denkpausen: \u201eHitzeaktionsplanung und -vorsorge sind in Deutschland keine Pflichtaufgaben. Also gibt es daf\u00fcr keine finanziellen Mittel, die im Haushalt eingeplant sind.\u201c Genauso sei es mit Stellen, die m\u00fcssten erst geschaffen werden. Schwierig, wenn man bedenkt, dass viele Kommunen leere Kassen haben.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Im Katastrophen\u00adsommer 2003 sind die Franzosen in die Sommerferien gefahren, w\u00e4hrend viele alte Menschen in ihren \u00fcber\u00adhitzten Wohnungen starben<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">So geht es auch <a href=\"https:\/\/taz.de\/Interstellar-in-Darmstadt\/!6056950\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Darmstadt<\/a>. Die stark zubetonierte Stadt ist einer <a href=\"https:\/\/www.darmstadt.de\/fileadmin\/Dateistruktur2024\/01_LEBEN\/04_Umwelt\/02_Klimakrise-Was-macht-die-Stadt\/Klimaanpassung\/Stadtklimaanalyse\/Stadtklimaanalyse_Darmstadt_ThINK_Stand250110.pdf\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">aktuellen Stadtklimaanalyse<\/a> zufolge bereits jetzt extrem von der Klimaerhitzung betroffen. Michael Kolmer, Gr\u00fcnen-Stadtrat in Darmstadt, hat der taz-Umfrage eine Forderung hinzugef\u00fcgt: \u201eKlimaschutz und Klimaanpassung m\u00fcssen endlich kommunale Pflichtaufgaben werden!\u201c Am Telefon sagt er: \u201eWie 90 Prozent aller Kommunen haben wir eine extrem schwierige Haushaltssituation.\u201c Solange Klimaanpassungsma\u00dfnahmen und damit auch Hitzeschutz freiwillig seien, z\u00e4hlten sie in dieser Situation zu den potenziellen Sparposten. Der Bund m\u00fcsse Hitzeschutz zur Pflichtaufgabe erkl\u00e4ren und f\u00f6rdern, damit vor allem St\u00e4dte im Sommer lebenswert bleiben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">In vielen Kommunen sorge die angespannte Finanzlage daf\u00fcr, dass eine Person auf einer befristeten Stelle sitze und in einer eingespielten Verwaltung versuchen m\u00fcsse, Stimmen f\u00fcr den Hitzeschutz zu gewinnen, sagt Stadtforscher Moritz Ochsmann. \u201eDas hei\u00dft, man ist auf die intrinsische Motivation der Menschen angewiesen, im Gesundheitsamt, im Umweltamt, im Sozial- und Bauamt, auch im Gr\u00fcnfl\u00e4chenamt.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7857710\/1200\/wochentaz-Zukunft-Hitze-3.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/wochentaz-Zukunft-Hitze-3.jpeg\" alt=\"Illustration eines H\u00fcndchens, das unter einem Sonnenschirm liegt\" title=\"Illustration eines H\u00fcndchens, das unter einem Sonnenschirm liegt\" height=\"562\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Illustration:<br \/>\nJuliane Pieper<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"10\">Anders funktioniert es in Frankreich, dem europ\u00e4ischen Vorbild, wenn es um Hitzeschutz geht. W\u00e4hrend Hitzeschutzbeauftragte hierzulande nach dem Bottom-up-Prinzip, also von unten nach oben, f\u00fcr Hitzevorsorge werben m\u00fcssen, wurde den Kommunen im zentral regierten Nachbarland ein Hitzeaktionsplan \u00fcbergest\u00fclpt. Dass dort so durchgegriffen wurde, liegt am Hitzesommer 2003.<\/p>\n<p>      Hitzeschutz ins Leben integrieren<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"12\">Damals starben in Frankreich rund 15.000 Menschen an der Hitze. Frankreich war auf die Gesundheitskatastrophe nicht vorbereitet und der politische Druck war danach so hoch, dass schon ein Jahr sp\u00e4ter ein nationaler Hitzeplan eingef\u00fchrt wurde \u2013 verpflichtend f\u00fcr alle Kommunen im Land. Seitdem gilt von Juni bis Mitte September ein mehrstufiges Warnsystem, Feuerwehren und Krankenh\u00e4user sind in Hitzeperioden auf mehr Eins\u00e4tze und Pa\u00adti\u00aden\u00adt:in\u00adnen vorbereitet.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"13\">In den letzten 20 Jahren habe sich der Hitzeschutz in das Leben der Fran\u00adz\u00f6\u00ads:in\u00adnen integriert, sagt Moritz Ochsmann. Zwei Stichworte seien in Frankreich immer wieder gefallen: Ignoranz und Isolation. Diese zwei Faktoren w\u00fcrden die Hitze so verheerend machen. \u201eDamals sind die Franzosen in die Sommerferien gefahren, w\u00e4hrend viele alte Menschen allein zu Hause geblieben sind und in ihren \u00fcberhitzten Wohnungen starben\u201c, sagt Ochsmann. Die Hitzetoten wurden in Frankreich als eine soziale Katastrophe angesehen, als ein gemeinschaftliches Versagen.<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/q5kf46ry.sibpages.com\/\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/teamzukunft-3zu2-tazde5-1.png\" loading=\"lazy\" height=\"363\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Team Zukunft \u2013 der Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph\">Du liest einen Text aus unserem Zukunfts-Ressort. Wenn Du Lust auf mehr positive Perspektiven hast, <a href=\"https:\/\/q5kf46ry.sibpages.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">abonniere TEAM ZUKUNFT<\/a>, den konstruktiven Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien. Jeden Donnerstag bekommst du von uns eine Mail mit starken Gedanken f\u00fcr dich und den Planeten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last\"><strong>\ud83d\udc3e<\/strong> <a href=\"https:\/\/q5kf46ry.sibpages.com\/\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Melde dich jetzt f\u00fcr den TEAM ZUKUNFT Newsletter an \u2013 <strong>kostenlos<\/strong><\/a><\/p>\n<p> minHeightToScrollBackOnCloseReadmore){<br \/>\nsetTimeout(function() {<br \/>\n$el.closest(&#8218;.module&#8216;).style.scrollMarginTop = &#8217;47px&#8216;;<br \/>\n$el.closest(&#8218;.module&#8216;).scrollIntoView({ block: &#8217;start&#8216; });<br \/>\n}, readMoreAnimationTime);<br \/>\n};<br \/>\n&#8220; class=&#8220;link icon-link-wrapper textlink show_hide is-align-items-center is-flex mgt-medium typo-link-grey-onpage&#8220; :aria-expanded=&#8220;show === true&#8220; aria-controls=&#8220;accordion-panel-o57ty6b82t&#8220; :class=&#8220;{ &#8217;show true&#8216;: show  === true, &#8217;show false&#8216;: show  !== true  }&#8220; id=&#8220;accordion-header-o57ty6b82t&#8220;&gt;<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Aus diesem Grund hatte der soziale Aspekt von <a href=\"https:\/\/taz.de\/Steigende-Temperaturen\/!6091644\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitzeschutz in Frankreich<\/a> lange Priorit\u00e4t. In der Gesellschaft wurde ein Netz gesponnen, um w\u00e4hrend einer Hitzewelle aufeinander zu achten. Moritz Ochsmann kennt zahlreiche Beispiele: Bei Hitze fragten Postbotinnen oder Kassierer bei \u00e4lteren Menschen nach, wie es ihnen geht. In Apotheken werde der Blutdruck gemessen, ein Glas Wasser und ein Platz zum Ausruhen angeboten. \u201eAuch 8-j\u00e4hrige Sch\u00fc\u00adle\u00adr:in\u00adnen werden als Multiplikatoren eingesetzt, weil man herausgefunden hat, dass Eltern ihren Kindern in diesem Alter noch zuh\u00f6ren\u201c, sagt Ochsmann. Im Unterricht werde \u00fcber Hitzeschutz gesprochen, zu Hause erz\u00e4hlten die Kinder das Gelernte weiter.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"15\">Im ingenieurversessenen Deutschland seien die Menschen an hei\u00dfen Tagen weniger sensibel f\u00fcr ihr Umfeld. \u201eDer Diskurs hat sich hier sehr lange auf blau-gr\u00fcne Infrastruktur im \u00f6ffentlichen Raum konzentriert\u201c, sagt Ochsmann. Also auf eine Stadtplanung, die Wasser- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen in die St\u00e4dte integriert und sie so klimaresilienter macht. \u201eAber Studien zeigen, dass wir selbst bei einer gro\u00dffl\u00e4chigen Entsiegelung und Begr\u00fcnung der St\u00e4dte die Temperaturen nicht so weit herunterkriegen, dass keine gesundheitlichen Probleme mehr auftreten.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"16\">Ochsmann hebt seine H\u00e4nde verteidigend in die Luft: \u201eMir wurde schon vorgeworfen, ich w\u00fcrde die stadtplanerischen Ma\u00dfnahmen kleinreden, aber so meine ich das nicht.\u201c Man br\u00e4uchte beides: mehr B\u00e4ume und ein soziales Miteinander bei Hitze.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">Ein weiteres Problem: Hitzeschutz ist in Deutschland nur Thema, wenn es hei\u00df ist. Moritz Ochsmann besch\u00e4ftigte sich das ganze vergangene Jahr damit. Aber erst als es hei\u00df wurde, klingelte sein Telefon. \u201eDann kamen die Presseanfragen rein, alle wollten was zu Hitze machen\u201c, er h\u00f6rte nur noch \u201eHitze, Hitze, Hitze\u201c. Zwei Wochen sp\u00e4ter herrschte wieder Ruhe, es war abgek\u00fchlt. \u201eWir warten mit der Ausstrahlung des Beitrags, bis es wieder hei\u00df ist\u201c, h\u00f6rte Ochsmann.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"18\">So funktioniert die Logik der Medien. Auch dieser Text erscheint im August. \u201eDas ist wie mit der Hochwasserdemenz\u201c, sagt Ochsmann. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal h\u00e4tten alle von Hochwasserschutz gesprochen. Einen Sommer sp\u00e4ter war es trocken \u2013 kaum einer h\u00e4tte mehr dar\u00fcber nachgedacht.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Oft ist den Menschen schon geholfen, wenn man ihnen zuh\u00f6rt<\/p>\n<p class=\"typo-fotocredit pt-xsmall\">\n            Sanit\u00e4ter, Deutsches Rotes Kreuz<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"19\">Auf der Suche nach Aktionen f\u00fcr Hitzeschutz bekommt man ein \u00e4hnliches Gef\u00fchl. Am 4. Juni, dem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Bundesweiter-Hitzeaktionstag\/!6012870\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bundesweiten Hitzeaktionstag<\/a>, da habe es eine Informationsveranstaltung gegeben, hei\u00dft es aus mehreren Landkreisen, aber jetzt seien Sommerferien.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"20\">Eine soziale Ma\u00dfnahme, die Pr\u00e4vention ins Wohnzimmer bringt, ist das Hitzetelefon. In Marzahn-Hellersdorf im Berliner Osten steht eines dieser Telefone auf einem Schreibtisch in einem wei\u00dfen Frachtcontainer. Im Inneren befindet sich das B\u00fcro von Markus Puppe, er ist Rettungsassistent und Einsatzleiter des Hitzeschutztelefons vom Deutschen Roten Kreuz Berlin-Nordost. Von Juni bis September k\u00f6nnen B\u00fcr\u00adge\u00adr:in\u00adnen hier rund um die Uhr anrufen, wenn sie Probleme mit der Hitze haben oder nach Verhaltenstipps suchen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-26\" pos=\"21\">Markus Puppe, 39, ein kr\u00e4ftiger Mann mit Halbglatze und sanfter Stimme, w\u00e4hlt die Nummer von Herrn L. \u201eDie Schutzfolie gibt es noch genau in einem Baumarkt in Berlin\u201c, sagt Puppe in den H\u00f6rer. Auf dem Computerbildschirm sind mehrere Tabs von unterschiedlichen Thermofolienherstellern ge\u00f6ffnet. \u201eWie viele Quadratmeter brauchen wir denn?\u201c, fragt er in den H\u00f6rer. \u201eNa, dann m\u00fcssen wir einen Termin zum Ausmessen machen. Wie sieht es n\u00e4chsten Montag bei Ihnen aus?\u201c<\/p>\n<p>      Isolation durch Hitze<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-28\" pos=\"23\">Die durchsichtige Folie werde an Fensterscheiben geklebt und k\u00f6nne die Raumtemperatur um 9 bis 12 Grad senken, erkl\u00e4rt Markus Puppe, als er das Telefonat beendet hat. Um das Ehepaar L. hat er sich schon im letzten Sommer gek\u00fcmmert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-29\" pos=\"24\">Die beiden seien \u00fcber 90. Frau L. habe mehrere Schlaganf\u00e4lle erlebt und sei kaum mehr mobil. Sie wohnen in einem selbstgebauten Haus, \u201esehr sch\u00f6n, aber kaum isoliert\u201c, erz\u00e4hlt Markus Puppe. Letzten Sommer sei das Schlafzimmer auf 40 Grad hochgeheizt. \u201eDie sind in dem Ding gefangen\u201c, sagt Puppe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-30\" pos=\"25\">Da ist sie, die Isolation, von der in Frankreich nach der Hitzekatastrophe so viel gesprochen wurde. Zwei alte Menschen, die abgeschieden in ihrem Haus leben. Letztes Jahr h\u00e4tten sie dem Paar eine Klimaanlage vom Roten Kreuz ausgeliehen. L\u00e4ngerfristig sollen die Folien die Hitze aus dem Schlafzimmer halten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-31\" pos=\"26\">Markus Puppe \u00fcbergibt das Hitzetelefon an seinen Kollegen. Er f\u00e4hrt gleich mit dem Auto raus, um nach den obdachlosen Menschen im Bezirk zu schauen, ihnen Wasser und K\u00e4ppis zu geben und etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Es klingelt, Frau S. ruft an. Die 59-J\u00e4hrige macht sich Sorgen, wegen der Hitzewelle, von der im Fernsehen so viel gesprochen werde. Seit Tagen sei ihr etwas schummerig.<\/p>\n<p><a class=\"slides icon maximize_opahov large pswp-slides pl-0\" href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/7857710\/1200\/wochentaz-Zukunft-Hitze-1.jpeg\" data-pswp-width=\"\" data-pswp-height=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/wochentaz-Zukunft-Hitze-1.jpeg\" alt=\"Illustration einer Frau mit gro\u00dfem Sonnenhut, die ihren hund mit einer Dusche k\u00fchlt\" title=\"Illustration einer Frau mit gro\u00dfem Sonnenhut, die ihren hund mit einer Dusche k\u00fchlt\" height=\"747\" type=\"image\/jpeg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Illustration:<br \/>\nJuliane Pieper<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-33\" pos=\"27\">\u201eGeht es Ihnen akut schlecht?\u201c, fragt der Kollege. In Notf\u00e4llen rufen Sie aus dem Container direkt einen Krankenwagen. \u201eHaben Sie Herzrasen?\u201c Am Ende der Leitung ist ein Nein zu h\u00f6ren. \u201eSehr gut. K\u00f6nnen Sie querl\u00fcften? Haben Sie heute schon genug getrunken?\u201c Der Sanit\u00e4ter vereinbart einen Beratungsbesuch mit der Frau am n\u00e4chsten Vormittag. \u201eOft ist den Menschen schon geholfen, wenn man ihnen zuh\u00f6rt\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-34\" pos=\"28\">An der Wand h\u00e4ngen ausgedruckte Grafiken, auf denen die Anrufzahlen mit der jeweiligen Tagestemperatur angegeben sind. Im Schnitt rufen zehn bis zwanzig Menschen am Tag an. Bei \u00fcber 30 Grad sind es 50 bis 60 Anrufe. Puppes Kollege ist froh, dass es diesen Sommer noch nicht so viele hei\u00dfe Tage gab. \u201eDas sind alles Lernstunden f\u00fcr uns, wenn es n\u00e4chstes Jahr kritischer wird\u201c, sagt er.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-35\" pos=\"29\">Wenn das Rote Kreuz f\u00fcr eine Hitzeberatung vorbeikommt, k\u00f6nnen die Sanit\u00e4ter den Blutdruck und Blutzucker messen. Bei \u00e4lteren Menschen l\u00e4sst sich auch leicht testen, ob die Person dehydriert ist, erkl\u00e4rt Markus Puppe. Er zieht die Haut auf seiner Handfl\u00e4che hoch und l\u00e4sst sie wieder los. Wenn die zusammengequetschte Haut stehen bleibt und sich erst langsam wieder entfaltet, hat die Person zu wenig Wasser getrunken.<\/p>\n<p>      Tipps f\u00fcr die hei\u00dfen Tage<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-37\" pos=\"31\">Au\u00dferdem geben sie einfache Tipps f\u00fcr hei\u00dfe Tage. Nummer 1: Anst\u00e4ndig l\u00fcften, also morgens und am sp\u00e4ten Abend und wenn m\u00f6glich querl\u00fcften.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-38\" pos=\"32\">Da f\u00e4llt dem Sanit\u00e4ter Herr W. ein. Ein \u00e4lterer Herr, der allein lebt und im letzten Sommer h\u00e4ufig Probleme mit dem Kreislauf hatte. Seine Fenster w\u00fcrden alle Richtung S\u00fcden zeigen, also habe er keine M\u00f6glichkeit querzul\u00fcften. Sie kamen auf die Idee, bei der Nachbarin gegen\u00fcber zu fragen, ob sie \u00fcber den Hausflur l\u00fcften k\u00f6nnen. Wenn beide Haust\u00fcren offen sind, kann ein Luftzug entstehen. Seitdem schauen Herr W. und die \u00e4ltere Dame gegen\u00fcber nacheinander.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-39\" pos=\"33\">Der zweite Tipp: Rollos vor den Fenstern anbringen, aber von au\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-40\" pos=\"34\">Drittens: Die Luftfeuchtigkeit im Raum ein bisschen erh\u00f6hen. Durch einen W\u00e4schest\u00e4nder, indem man Zimmerpflanzen mit Wasser bespr\u00fcht, oder mit einem Luftbefeuchter. So einer steht auf Markus Puppes Schreibtisch in Form eines Eisbergs und st\u00f6\u00dft hin und wieder kleine wei\u00dfe W\u00f6lkchen aus.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-41\" pos=\"35\">Viertens: Minztee trinken, der senke die K\u00f6rpertemperatur.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-42\" pos=\"36\">Markus Puppe geht zum Auto und kontrolliert, ob im Kofferraum noch gen\u00fcgend Wasserflaschen sind. Dann f\u00e4hrt er zu einem Wohnblock, wo neuerdings ein alter Mann in den B\u00fcschen leben soll. Manchmal rufen besorgte An\u00adwoh\u00adne\u00adr:in\u00adnen beim Hitzetelefon an und geben Bescheid, wenn in ihrer Nachbarschaft eine Person auf der Stra\u00dfe lebt und es sehr hei\u00df ist. Dann schaut Puppe nach dem Gesundheitszustand der Menschen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-43\" pos=\"37\">Der Mann sitzt zusammengesunken auf einer Parkbank und starrt in die Luft. Puppe kniet sich neben ihn, gibt ihm ein Wasser und eine Kappe, mit der er sich vor der Sonne sch\u00fctzen kann. Als N\u00e4chstes f\u00e4hrt Puppe zu einem Brunnen, wo er immer wieder einen Mann ohne Obdach besucht. Er l\u00e4uft den Platz im Uhrzeigersinn ab, aber findet ihn nicht. \u201eDie Bauarbeiter sind da\u201c, sagt er, \u201eda hat er sich bestimmt verzogen.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-44\" pos=\"38\">Wissenschaftler Moritz Ochsmann hat die Hoffnung, \u201edass wir keine Katastrophe wie in Frankreich erleben m\u00fcssen, bevor wir ins Handeln kommen\u201c. Solidarit\u00e4t an hei\u00dfen Tagen beginnt mit einer einfachen Frage in der Nachbarschaft: Wie geht es dir heute? Hast du genug getrunken? Mit offenen Augen f\u00fcr Menschen, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Klimagerechtigkeit-in-Berlin\/!6093956\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die von der Hitze am st\u00e4rksten betroffen sind<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-45\" pos=\"39\">Markus Puppe will heute Abend noch mal zum Brunnen gehen und schauen, ob der Mann doch zur\u00fcckgekommen ist. Dann hat er eine Flasche Wasser dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"B ei dem Gedanken an Hitze, welches Bild ploppt da im Kopf auf? Ein Eis, ein Sprung ins&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":339204,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-339203","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115016467338061683","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=339203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339203\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/339204"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=339203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=339203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=339203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}