{"id":339714,"date":"2025-08-12T19:56:19","date_gmt":"2025-08-12T19:56:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339714\/"},"modified":"2025-08-12T19:56:19","modified_gmt":"2025-08-12T19:56:19","slug":"berlin-leerer-blick-junger-leute-was-ist-der-gen-z-stare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/339714\/","title":{"rendered":"Berlin | Leerer Blick junger Leute: Was ist der \u00abGen Z Stare\u00bb?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Wenn eine Generation zuletzt besonders oft in den Schlagzeilen war, dann wohl die Gen Z &#8211; grob gesagt die von 1995 bis 2010 Geborenen. Zum Beispiel, weil es ihnen angeblich an guter Arbeitsmoral fehle. Oder weil sie faul sei. Jetzt sorgt die Generation wieder f\u00fcr viralen Gespr\u00e4chsstoff. Dieses Mal geht es um den sogenannten \u00abGen Z Stare\u00bb. Doch was ist das?\u00a0<\/p>\n<p>Gemeint ist ein vermeintlich starrer, ausdrucksloser Blick, der irgendwie genervt, fast schon zombiehaft wirkt. Das wird der jungen Generation aktuell oft unterstellt. Als prominente Beispiele erinnern etwa die Schauspielerinnen Jenna Ortega (22, \u00abWednesday\u00bb) oder Lily-Rose Depp (26, \u00abNosferatu\u00bb) in so mancher roten Teppich-Pose an diese \u00abMir ist alles egal\u00bb-Miene.<\/p>\n<p>Nutzer diskutieren den starren Blick<\/p>\n<p>Angeblich, so will es vor allem englischsprachigen Nutzern in den sozialen Medien auffallen, trete der besagte \u00abGen Z Blick\u00bb typischerweise im Kundenkontakt (mit \u00c4lteren) auf &#8211; etwa bei der Bedienung im Caf\u00e9 oder Restaurant.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn jemand einen Kaffee bestellt, quittiert die junge Generation am Tresen das mit einem teilnahmslosen Glotzen. So der Vorwurf. Klar, das erhitzt die Gem\u00fcter.<\/p>\n<p>Auf den Plattformen Tiktok und Instagram kursieren viele Videos, in dem die Gen Z selbst Stellung dazu nimmt oder den Blick satirisch weiterverbreitet. Viele Kunden seien so unfreundlich oder h\u00e4tten so absurde Bestellungen, dass einem nur der starre Blick \u00fcbrig bliebe, hei\u00dft es in manchen Clips.<\/p>\n<p>In einem Video tut ein Nutzer humorvoll so, als bediene er einen unfreundlichen Kunden. Dieser verlangt harsch nach einem Milchkaffee mit Kuhmilch, obwohl er laktoseintolerant ist. Die Reaktion der jungen Bedienung darauf: ein ungl\u00e4ubiger, starrer Blick. Andere Nutzer wiederum attestieren den J\u00fcngeren mangelnde soziale F\u00e4higkeiten (durch das Smartphone) oder schlichtweg Desinteresse. Sogar die \u00abNew York Times\u00bb griff das Thema auf.\u00a0<\/p>\n<p>Nicht wissenschaftlich belegt<\/p>\n<p>Ist an dem \u00abGen Z Stare\u00bb \u00fcberhaupt etwas dran? Und was k\u00f6nnte dahinterstecken? Vorneweg: Wissenschaftlich belegt ist er laut Experten (bislang) nicht.\u00a0<\/p>\n<p>Sozialwissenschaftlerin Gabriele Rohmann, Co-Leiterin des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, h\u00e4lt den starren Ausdruck f\u00fcr ein \u00abklischee- und vorurteilsbehaftetes Ph\u00e4nomen\u00bb. Sicherlich gebe es junge Menschen, die sich so verhielten oder die bei Social Media das Verhalten nachahmten.<\/p>\n<p>\u00abIch w\u00fcrde es aber nicht einer ganzen Generation generell zuschreiben\u00bb, so Rohmann. \u00abWir arbeiten t\u00e4glich mit Jugendlichen auch aus diesem Altersspektrum zusammen und da stellen wir immer wieder eine gro\u00dfe Heterogenit\u00e4t fest, wenn wir in eine Schulklasse gehen oder in ein Jugendzentrum.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Medienethikerin: Junge Generation wei\u00df, sich zu inszenieren<\/p>\n<p>Auch die Medienethikerin Claudia Paganini von der Universit\u00e4t Innsbruck ist eigenen Angaben zufolge sehr vorsichtig bei der Frage, ob es den starren Blick wirklich gibt, weil dazu keine entsprechenden Daten vorliegen. F\u00fcr plausibel h\u00e4lt Paganini, die zu Ph\u00e4nomenen der Mediennutzung forscht, allerdings eine m\u00f6gliche Grundannahme hinter dem Blick.\u00a0<\/p>\n<p>Die junge Generation habe gelernt, in viel breiteren Kontexten auf die eigene Inszenierung zu achten &#8211; also auch etwa im Kundenkontakt im Caf\u00e9. \u00abIch halte es schon f\u00fcr plausibel, dass sich einfach die Bewertung, welche Orte \u00f6ffentlich und deswegen relevant f\u00fcr mein Verhalten sind, wirklich ver\u00e4ndert hat\u00bb, erl\u00e4utert sie.<\/p>\n<p>Pokerface in vielen Alltagssituationen<\/p>\n<p>\u00abJunge Menschen rechnen nicht nur damit, dass ihre Mimik relevant sein k\u00f6nnte, wenn sie neue Menschen auf einer Party kennenlernen, sondern potenziell \u00fcberall dort, wo sich Kameras auf sie richten k\u00f6nnen\u00bb. Sie seien in einer Zeit aufgewachsen, in der man durchgehend digital dokumentiert werden k\u00f6nne.\u00a0<\/p>\n<p>Heutzutage k\u00f6nne jeder Gesichtsausdruck in der \u00d6ffentlichkeit fotografiert, bei Social Media hochgeladen werden und dann viral gehen, sagt die Expertin. \u00abDeswegen ist eine gewisse Vorsicht oder Reserviertheit &#8211; eine Art Pokerface beim Gesichtsausdruck &#8211; durchaus nachvollziehbar, denke ich.\u00bb<\/p>\n<p>Nicht jede Auff\u00e4lligkeit direkt als \u00abGen Z Ph\u00e4nomen\u00bb labeln<\/p>\n<p>F\u00fcr sehr gewagt wiederum h\u00e4lt die Professorin die These, dass Menschen, die stark mit Smartphones und neuen Medien aufwachsen, weniger Mimik im Gespr\u00e4ch an den Tag legten, weil sie diese im Chat weniger br\u00e4uchten. \u00abDas ist sehr evolution\u00e4r gedacht, dass F\u00e4higkeiten, die nicht mehr relevant sind, verk\u00fcmmern. Das Hauptproblem, das ich hier sehe, ist der sehr kurze Zeitraum f\u00fcr so eine Ver\u00e4nderung.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Zwischen Generationen l\u00e4gen Spannen von etwa 15 Jahren. Dass sich die Mimik etwa zwischen der Gen Z und den Babyboomern (ungef\u00e4hr die von 1965 bis 1979 Geborenen) derart schnell und deutlich ver\u00e4ndere, ist aus Paganinis Sicht unwahrscheinlich. Sie glaube zudem nicht, dass der Blick ein Ausdruck der Gef\u00fchlsk\u00e4lte sei.<\/p>\n<p>Auch R\u00fcdiger Maas, Generationenforscher und Autor des Buches \u00abKonflikt der Generationen\u00bb, sieht eine vorschnelle Einordnung als generationenspezifisches Ph\u00e4nomen kritisch. \u00abWir m\u00fcssen aufpassen. Da warne ich vor, jede Auff\u00e4lligkeit, die jemand in Social Media entdeckt hat, sofort als Gen Z-Ph\u00e4nomen wahrzunehmen\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Und: Abgesehen davon l\u00e4sst es sich im Zweifel schnell kl\u00e4ren, falls man mit einem starren Blick konfrontiert wird &#8211; auch von \u00e4lteren Generationen. Sozialwissenschaftlerin Rohmann sagt: \u00abMeistens ist es doch mit einem freundlichen Gespr\u00e4ch getan. Damit kann man schon eine ganze Menge bewirken\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Wenn eine Generation zuletzt besonders oft in den Schlagzeilen war, dann wohl die Gen Z&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":339715,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,19011,30,1724,198,1940,1938,3795],"class_list":{"0":"post-339714","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-generationen","14":"tag-germany","15":"tag-gesellschaft","16":"tag-internet","17":"tag-nachrichten-aus-berlin","18":"tag-news-aus-berlin","19":"tag-telekommunikation"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115017559849121728","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=339714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/339714\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/339715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=339714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=339714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=339714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}