{"id":340172,"date":"2025-08-13T00:07:13","date_gmt":"2025-08-13T00:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340172\/"},"modified":"2025-08-13T00:07:13","modified_gmt":"2025-08-13T00:07:13","slug":"kino-doku-die-letzte-botschafterin-fuer-taliban-sind-frauen-keine-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340172\/","title":{"rendered":"Kino-Doku &#8222;Die letzte Botschafterin&#8220;: \u201eF\u00fcr Taliban sind Frauen keine Menschen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Manizha Bakhtari war die offizielle Botschafterin Afghanistans in Wien, als die Taliban in ihrer Heimat die Macht \u00fcbernahmen. Das geschah fast auf den Tag genau vor vier Jahren, am 15. August 2021. Frau Bakhtari wird von der Taliban-Regierung entlassen, erkennt aber deren Autorit\u00e4t nicht an. Sie gibt ihren Dienst nicht auf und setzt sich unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Rechte von M\u00e4dchen und Frauen in Afghanistan ein \u2013 auch wenn sie daf\u00fcr online Todesdrohungen erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>In der packenden Doku \u201eDie letzte Botschafterin\u201c (ab Freitag im Kino) begleitet die Linzer Filmemacherin Natalie Halla die Diplomatin bei ihren Bem\u00fchungen, den Botschaftsbetrieb in Wien aufrechtzuerhalten und den unterdr\u00fcckten Frauen in Afghanistan ihre Stimme zu verleihen \u2013 getreu ihrem Motto: \u201eFrieden ist nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern die Anwesenheit von Gerechtigkeit.\u201c<\/p>\n<p><strong>KURIER:<\/strong> <strong>Frau Botschafterin, Sie wollten urspr\u00fcnglich nicht an einem Filmprojekt \u00fcber Ihre Person teilnehmen. Was hat Sie bewogen, Ihre Meinung zu \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manizha Bakhtari:<\/strong> Als mich die Regisseurin Natalie Halla 2021 erstmals gefragt hat, befand ich mich im Schockzustand. Die Taliban hatten gerade die Regierung \u00fcbernommen, und ich wusste nicht, wie es mit der Botschaft und meinen Mitarbeitern weitergehen sollte. Es war eine sehr schwere Zeit. Zudem bin ich eine sehr sch\u00fcchterne und zur\u00fcckhaltende Person und es erschien mir unvorstellbar, als Hauptfigur in einem Film aufzutreten. Doch Natalie bestand darauf, mich pers\u00f6nlich zu treffen. Sie war mir von Anfang an h\u00f6chst sympathisch und hat mich \u00fcberzeugt, an ihrem Filmprojekt teilzunehmen. Schlie\u00dflich dachte ich mir: Okay, wir machen das f\u00fcr die Frauen und M\u00e4dchen in Afghanistan.<\/p>\n<p><strong>Tats\u00e4chlich ist Afghanistan aus den Schlagzeilen mehr oder weniger verschwunden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Ja, Afghanistan ist derzeit so gut wie vergessen, weil viele andere Krisen die Welt\u00f6ffentlichkeit besch\u00e4ftigen. Es herrscht die Meinung vor, dass sich Afghanistan selbst um die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft k\u00fcmmern muss. Das stimmt. Aber das ist sehr schwierig mit einer Gruppe wie den Taliban, die nicht an Verhandlungen glaubt \u2013 und schon gar nicht an Menschenrechte. F\u00fcr die Taliban sind Frauen keine Menschen.<\/p>\n<p><strong>Im Film gibt es eine Szene, in der die Vertreter der Taliban behaupten, dass Frauen im Rahmen der Scharia ihre Rechte zugesprochen bekommen. Doch tats\u00e4chlich d\u00fcrfen sie nicht einmal mehr in die Schule gehen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Scharia ist ein islamisches Recht, das in vielen muslimischen L\u00e4ndern \u2013 etwa Indonesien oder Malaysien \u2013 gilt, wo aber die Frauen nicht so behandelt werden wie in Afghanistan. Die Taliban haben ihre eigene Auslegung der Scharia. Anf\u00e4nglich haben sie ja beteuert, dass Frauen weiterhin in die Schule gehen und arbeiten d\u00fcrfen. Sie haben sich als eine neue, moderne Generation der Taliban ausgegeben, um die Welt\u00f6ffentlichkeit zu manipulieren. Aber heute sehen wir, dass das nicht stimmt. Auch die Universit\u00e4t wurde f\u00fcr Frauen geschlossen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt schockierende Bilder im Film, wo man Kleiderpuppen in Gesch\u00e4ften mit Frauenkleidern sieht, deren Gesichter aber mit einem Sack verh\u00fcllt sind.<\/strong><\/p>\n<p>Die Taliban versuchen, alle weiblichen Symbole \u2013 wie etwa Plakate von Bildern mit Frauen \u2013 aus der \u00d6ffentlichkeit zu verbannen. Sie wollen Frauen als Instrumente, als Sex-Objekte benutzen. Und wenn Frauen weder Bildung noch rechtliche Unterst\u00fctzung erhalten und schon im ganz jungen Alter an Taliban-F\u00fchrer verheiratet werden, haben sie keine Chance. Sie werden als Mitglieder im \u00f6ffentlichen Leben unsichtbar gemacht und ausgel\u00f6scht.<\/p>\n<p><strong>Sie waren von Beruf Journalistin. Warum haben Sie sich f\u00fcr den diplomatischen Dienst entschieden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Ich habe Journalismus und persische Literatur studiert. 2007 erhielt ich die Einladung des Au\u00dfenministeriums, f\u00fcr sie zu arbeiten. Damals war ich eine junge Frau und in Afghanistan recht popul\u00e4r, weil ich B\u00fccher geschrieben und Interviews ver\u00f6ffentlicht hatte. Au\u00dferdem ist mein Vater (der Dichter Wasef Bakhtari, Anm.) in Afghanistan eine sehr bekannte Pers\u00f6nlichkeit. Ich habe damals an der Universit\u00e4t in Kabul gearbeitet und meinen Job geliebt. Aber trotzdem bin ich dann Botschafterin geworden. Und gerade die Gleichberechtigung von Frauen und Fragen der Gender-Gerechtigkeit haben mich immer schon interessiert.<\/p>\n<p><strong>Was ist Ihr beruflicher Status? Sie akzeptieren die Autorit\u00e4t der Taliban-Regierung, die Sie abberufen hat, nicht, doch nun hat Russland sie anerkannt.<\/strong><\/p>\n<p>Das macht mir nat\u00fcrlich Sorgen. Andererseits bedeutet das auch, dass viele andere L\u00e4nder genau deswegen die Regierung nicht anerkennen werden. Aber die geopolitische Lage kann sich nat\u00fcrlich immer ver\u00e4ndern. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich werde meinen Kampf weiter fortf\u00fchren. Die Bev\u00f6lkerung in Afghanistan ist am wichtigsten. Wenn sie die Taliban-Regierung nicht als legitim akzeptiert, ist es egal, ob die Welt sie anerkennt oder nicht.<\/p>\n<p><strong>Im Film sieht man auch ein Hochzeitsvideo von Ihnen und Ihrem Mann. Ihre Ehe wurde von den Eltern arrangiert. Ihre T\u00f6chter w\u00fcrden das aber heute nicht mehr akzeptieren, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, das w\u00fcrden sie nicht. Aber arrangierte Hochzeiten sind Teil unserer Kultur \u2013 und manchmal funktionieren sie und manchmal nicht. Bei Liebeshochzeiten ist es genauso: Manche gehen gut aus, manche nicht. Was meinen Mann und mich betrifft, so sind wir uns bei der Hochzeit als vollkommen Fremde gegen\u00fcbergetreten. Eines Tages haben unsere M\u00fctter entschieden, dass wir beide einen guten Match ergeben w\u00fcrden. Ich war zwar verbl\u00fcfft, aber nicht dagegen, weil ich in niemand anderen verliebt war. H\u00e4tte es jemand anderen gegeben, w\u00e4re meine Familie sicher offen daf\u00fcr gewesen. Mein Mann und ich sind sehr verschieden, und die ersten vier, f\u00fcnf Jahre haben wir uns viel gestritten. Aber \u00fcber die Jahre haben wir eine starke Freundschaft aufgebaut und zu einem sch\u00f6nen Zusammenleben miteinander gefunden. Ich glaube, dass Freundschaft in einer Ehe sehr wichtig ist, vielleicht sogar wichtiger als Liebe.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr den Film?<\/strong><\/p>\n<p>Der Film ist eine Einladung an alle, die ihn sehen, \u00fcber Afghanistan nachzudenken. Er soll uns daran erinnern, nicht auf die Millionen von M\u00e4dchen und Frauen zu vergessen, die unter dem Taliban-Regime leiden. Es w\u00e4re ein Erfolg, wenn Leute dar\u00fcber nachdenken, was sie f\u00fcr die Frauen tun k\u00f6nnen \u2013 und sei es nur ein Beitrag in den sozialen Medien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Manizha Bakhtari war die offizielle Botschafterin Afghanistans in Wien, als die Taliban in ihrer Heimat die Macht \u00fcbernahmen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":340173,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[1778,29,214,30,95,1777,215],"class_list":{"0":"post-340172","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cinema","9":"tag-deutschland","10":"tag-entertainment","11":"tag-germany","12":"tag-kino","13":"tag-movie","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115018546887172636","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=340172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340172\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/340173"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=340172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=340172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=340172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}