{"id":340302,"date":"2025-08-13T01:15:39","date_gmt":"2025-08-13T01:15:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340302\/"},"modified":"2025-08-13T01:15:39","modified_gmt":"2025-08-13T01:15:39","slug":"beim-muetzenmacher-elblotsen-und-fleetenkieker-nach-mass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340302\/","title":{"rendered":"Beim M\u00fctzenmacher: Elblotsen und Fleetenkieker nach Ma\u00df"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Schifferm\u00fctzen sind ein St\u00fcck norddeutsche Kultur. In Hamburg, wo es einst zahlreiche Spezialwerkst\u00e4tten daf\u00fcr gab, h\u00e4lt allein Lars K\u00fcntzel von der Firma Walther Eisenberg die Tradition aufrecht.<\/strong><\/p>\n<p>Gleich links neben dem Eingang zum Laden des Hamburger M\u00fctzenmachers Lars K\u00fcntzel gr\u00fc\u00dft Boxlegende Max Schmeling \u2013 von einem Foto, auf dem der Sportler eine z\u00fcnftige Seglerm\u00fctze tr\u00e4gt. Auch viele andere Promis haben den urigen, prall gef\u00fcllten und dabei nur rund 60 Quadratmeter kleinen Ladenraum mit Werkstatt der Firma \u201eWalther Eisenberg \u2013 der M\u00fctzenmacher\u201c bereits betreten. Darunter der fr\u00fchere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der dort regelm\u00e4\u00dfig ein neues Ma\u00df-Exemplar seines Lieblingsmodells \u2013 und Markenzeichens \u2013 \u201eElblotse\u201c erstand.<\/p>\n<p>Seit 1892 gibt es das Fachgesch\u00e4ft f\u00fcr Herrenh\u00fcte, Kappen und M\u00fctzen bereits. Mittlerweile ist K\u00fcntzel der letzte Schifferm\u00fctzenmacher der Hansestadt.\u00a0Zur Kundschaft geh\u00f6ren nat\u00fcrlich nicht nur Promis, wie Inhaber K\u00fcntzel der Deutschen Presse-Agentur dpa sagt. Er verkaufe seine selbst gefertigten Schifferm\u00fctzen an M\u00e4nner aller Schichten und Altersklassen. \u201eGerade heute Morgen waren \u2013 in Begleitung von Aufpassern \u2013 drei zehnj\u00e4hrige Jungs da. Die wollten als Gruppe die Schlei umwandern und haben sich daf\u00fcr sogenannte Reepschl\u00e4germ\u00fctzen zugelegt\u201c, erz\u00e4hlt der 58-J\u00e4hrige mit bed\u00e4chtigem Hamburgischem Zungenschlag schmunzelnd der dpa.\u00a0<\/p>\n<p>Designer Karl Lagerfeld sorgt f\u00fcr Boom<\/p>\n<p>Und als der Stardesigner Karl Lagerfeld 2017 in der Elbphilharmonie eine maritime Chanel-Modenschau zeigte, h\u00e4tten sogar junge Frauen sein Gesch\u00e4ft in Scharen gest\u00fcrmt. Um Kopfbedeckungen zu ordern, wie sie einst Seefahrer, Lotsen und Hafenarbeiter zierten und sch\u00fctzten.<\/p>\n<p> M\u00fctzenmacher Lars K\u00fcnzel in seiner Werkstatt.  picture alliance\/dpa\/Christian Charisius<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/537370799.jpg\" alt=\"Lars K\u00fcnzel\" class=\"\" data-recalc-dims=\"1\"\/>M\u00fctzenmacher Lars K\u00fcnzel in seiner Werkstatt.<\/p>\n<p>Rund 80 Euro kostet eine M\u00fctze, je nach Aufwand. K\u00fcntzel h\u00e4lt in seinen verglasten Holzregalen, die bis an die Decke reichen und noch aus der Vorkriegszeit stammen, hunderte von ihnen vor. Und zwar in 18 Ausf\u00fchrungen \u2013 mal h\u00f6her, mal flacher, kleiner oder gr\u00f6\u00dfer \u2013, die etwa Elbsegler, Fleetenkieker, Elblotse, Prinz Heinrich, Kiel, Altona, Breslau oder auch Eckernf\u00f6rde hei\u00dfen. \u201eDas sind alles Traditionsmodelle, alte Formen, wie sie in Norddeutschland getragen wurden. Andere L\u00e4nder haben andere Formen \u2013 es gibt auch typisch griechische und franz\u00f6sische Schifferm\u00fctzen\u201c, erkl\u00e4rt K\u00fcntzel.\u00a0<\/p>\n<p>1992 hat er das Gesch\u00e4ft vom Gr\u00fcnder-Enkel Claus Eisenberg \u2013 heute rund 90 Jahre alt \u2013 \u00fcbernommen. Als gerade ausgelernter Maschinenbauer. \u201eDoch zu dem Beruf hatte ich keine Meinung\u201c, sagt der M\u00fctzenmacher. \u201eUnd als mein Vater, der hier Kunde war, und Herr Eisenberg, der einen Nachfolger suchte, meinten, ich solle mich mal umgucken, habe ich das getan. Und mich von Letzterem ein Jahr lang einarbeiten lassen. Als Ausbildungsberuf war das schon damals irgendwie out.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Seit 1997 keine Ausbildung im Handwerk mehr<\/p>\n<p>\u201eSeit 1997 werden keine M\u00fctzenmacher mehr ausgebildet\u201c, sagt auf dpa-Anfrage Christiane Engelhardt, Sprecherin der Handwerkskammer Hamburg. Sie erg\u00e4nzt: \u201eDas Handwerk der Modisten jedoch, also die Hutmacherei, wird weiterhin gelehrt \u2013 und ausgebildete Modisten k\u00f6nnten auch Schifferm\u00fctzen herstellen.\u201c Ob, welche und wie viele Unternehmen dies aber tats\u00e4chlich tun, sei nicht bekannt, da die Handwerkskammer die Produktpaletten ihrer Betriebe nicht erfasse.<\/p>\n<p>Was hat K\u00fcntzel gereizt? \u201eEs ist die Mischung \u2013 Handwerk, Einkauf, Menschen, d\u00fct un dat\u201c, sagt der 58-J\u00e4hrige. Au\u00dferdem habe er es oft mit Wassersportlern zu tun. Das sei sch\u00f6n, da er selbst segle, auf der Ostsee und im Mittelmeer.\u00a0 Eine M\u00fctze, zumeist auf individuellem Kundenwunsch, nach den alten Original-Schnittmustern anzufertigen, dauere etwa zwei Stunden.<\/p>\n<p> Von Elbsegler bis Fleetenkieker: Bei \u201eM\u00fctzen Eisenberg\u201c gibt es zahlreiche Modelle.  picture alliance\/dpa\/Christian Charisius<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/540349931.jpg\" alt=\"M\u00fctzen Eisenberg\" class=\"\" data-recalc-dims=\"1\"\/>Von Elbsegler bis Fleetenkieker: Bei \u201eM\u00fctzen Eisenberg\u201c gibt es zahlreiche Modelle.<\/p>\n<p>Dazu braucht es wenige Grundmaterialien: F\u00fcr den sogenannten Deckel dunkelblaues, auch mal schwarzes Marine-Strichtuch \u2013 eine gewalkte und gek\u00e4mmte Schurwolle, die wie Loden Wind und Wasser abh\u00e4lt.\u00a0 Dazu Vlies sowie Futterstoff aus Viskose \u2013 und Leder f\u00fcr das Schwei\u00dfband im Inneren. Dann einen mit Litze verkleideten Kunststoffrand und den kleinen Schirm, der das Gesicht sch\u00fctzt. An die fertige Kopfbedeckung n\u00e4ht K\u00fcntzel von Hand hinten noch eine kleine Schleife \u2013 und innen auf den Futterstoff sein traditionsreiches Firmenlabel.<\/p>\n<p>Mehr als 100 Jahre alte N\u00e4hmaschinen<\/p>\n<p>Die Materialien stammen fast alle von (s\u00fcd-)deutschen Herstellern. Der Hamburger f\u00fcgt sie an seinen insgesamt f\u00fcnf Pfaff-N\u00e4hmaschinen zusammen, von denen drei mehr als 100 Jahre alt sind. \u201eUrspr\u00fcnglich hatten die einen Pedalantrieb, doch ich habe sie auf Elektrik umger\u00fcstet\u201c, sagt er.\u00a0 Bei seinem gem\u00fctlich aussehenden Tun in der extrem engen Werkstatt h\u00f6rt K\u00fcntzel gern Musik \u2013 und wirft bisweilen einen Blick auf seine beiden, in Osteuropa geretteten Bulldoggen Hannes und Alma, die tiefenentspannt im Hundekorb liegen.\u00a0Und im Gespr\u00e4ch mit der dpa plaudert der bekennende Lokalpatriot aus alteingesessener Familie noch etwas mehr aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen.<\/p>\n<p>\u201eManche Kunden sparen auf eine M\u00fctze, es gibt aber auch reiche Hanseaten, die unbedingt eine haben m\u00fcssen \u2013 und f\u00fcr J\u00e4ger fertige ich neuerdings in Gr\u00fcn.\u00a0So ein gutes St\u00fcck h\u00e4lt in der Regel viele Jahre. \u201eIch nehme auch Reparaturauftr\u00e4ge entgegen\u201c, erz\u00e4hlt K\u00fcntzel, der mindestens so lange weitermachen will, bis seine Frau in zehn Jahren in Rente geht. Wenn sich dann ein Nachfolger f\u00e4nde, w\u00fcrde er sich freuen, erkl\u00e4rt der kinderlose Chef. Doch allzu viele Gedanken mache er sich \u00fcber das Thema nicht. Seit der Corona-Zeit, die er recht gut \u00fcberstanden habe, sei das Gesch\u00e4ft ohnehin ruhiger geworden.<\/p>\n<p>Vertreter m\u00fcssen mit Kopfbedeckung ankommen<\/p>\n<p>Obwohl er gelegentlich auch an Filmproduktionen sowie via Internet sogar nach Asien und Amerika verkaufe. Fr\u00fcher habe er auch viel an Messen wie der damaligen \u201eHanseboot\u201c in seiner Stadt teilgenommen \u2013 inzwischen reist K\u00fcntzel nur noch zur \u201eBoot Tulln\u201c in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Dabei seien seine schlichten Schifferm\u00fctzen doch ein Kulturgut, ein St\u00fcck Hamburg. \u201eUnd eine Kopfbedeckung macht das Bild vom Menschen erst vollkommen\u201c, meint der Experte augenzwinkernd. Um zum Schluss noch eine berufsspezifische Marotte zu verraten, die er vom Vorg\u00e4nger Eisenberg \u00fcbernommen habe \u2013 der sei dabei allerdings noch rigoroser gewesen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/hamburg\/schirmmacherin-in-hamburg-damit-es-trommelt-wenn-es-regnet\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburgerin mit besonderem Job: Sie sorgt daf\u00fcr, dass Sie nicht nass werden<\/a><\/p>\n<p>\u201eWenn zu mir in den Laden Vertreter oder andere H\u00e4ndler kommen, die keine Kopfbedeckung tragen, dann habe ich ein Problem. Denen kaufe ich fast nie etwas ab\u201c, erkl\u00e4rt K\u00fcntzel, der sein Haus nicht ohne M\u00fctze \u2013 einen weichen, anschmiegsamen Fleetenkieker \u2013 verl\u00e4sst. Auch da ist er eben norddeutsch-konsequent, Hamburgs letzter real existierender Schifferm\u00fctzenmacher.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" class=\"vg_wort_pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/vgzm.1021513-mopo-1608716.gif\" alt=\"\" style=\"width: 1px; height: 1px; position: absolute; pointer-events: none;\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schifferm\u00fctzen sind ein St\u00fcck norddeutsche Kultur. 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