{"id":340882,"date":"2025-08-13T06:47:11","date_gmt":"2025-08-13T06:47:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340882\/"},"modified":"2025-08-13T06:47:11","modified_gmt":"2025-08-13T06:47:11","slug":"selfie-wahn-in-museen-wenn-das-perfekte-foto-wichtiger-wird-als-das-original","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340882\/","title":{"rendered":"Selfie-Wahn in Museen: Wenn das perfekte Foto wichtiger wird als das Original"},"content":{"rendered":"<p>Ego-Schnappschuss vor dem Gem\u00e4lde: In der Instagram-Manie dreht sich alles nur noch um das originellste Foto \u2013 auch in den gro\u00dfen Kunstmuseen. Dabei wird so manches Kunstwerk besch\u00e4digt. Doch sind wirklich nur die Touristen schuld?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit dem Sommer f\u00fcllen sich die Museen in ganz Europa. Ganz vorne dabei sind nat\u00fcrlich der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/louvre-museum\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/louvre-museum\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Louvre<\/a>, der Prado und die Uffizien \u2013 die weltber\u00fchmten Giganten unter den Musentempeln.<\/p>\n<p>Es gibt mindestens drei Gr\u00fcnde, weshalb Menschen in die Kunstpal\u00e4ste str\u00f6men: Sie m\u00f6chten die Kunst genie\u00dfen, der Mittagshitze in den klimatisierten Museumss\u00e4len entfliehen oder ein Selfie mit einem m\u00f6glichst ber\u00fchmten Kunstwerk machen. All dies sind respektable Gr\u00fcnde, eine meist von den Steuerzahlern finanzierte Kunstinstitution zu besuchen.<\/p>\n<p>Es gibt allerdings ein Problem mit dem letztgenannten Grund: Im Bem\u00fchen um ein m\u00f6glichst originelles Selfie, das man mit der Welt teilen m\u00f6chte, h\u00e4ufen sich die Unf\u00e4lle, bei denen Kunstwerke besch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p>Spektakul\u00e4r sind die Videos der Sicherheitskameras, die der Palazzo Maffei in Verona Mitte des Jahres online stellte. Zu sehen ist ein Paar, das vorgibt, sich auf einen mit Swarovski-Steinen \u00fcberzogenen Stuhl des K\u00fcnstlers Nicola Bolla zu setzen. In einer unbequemen Hockstellung kippt der Mann jedoch nach hinten, sodass der Stuhl unter seinem Gewicht zusammenbricht. Kein W\u00e4chter war in der N\u00e4he. Bis heute wurde das Paar nicht gefunden.<\/p>\n<p>Ein Griff ins Gem\u00e4lde<\/p>\n<p>Auch die Uffizien in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/florenz-staedtereise\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/florenz-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Florenz, <\/a>die j\u00e4hrlich fast f\u00fcnf Millionen Besucher verzeichnen, mussten ein Foto-Opfer beklagen: Ein junger Mann wollte unbedingt vor dem Bildnis des F\u00fcrsten Ferdinando de\u2019 Medici posieren. Dabei griff er in das Gem\u00e4lde und zerriss die Leinwand.<\/p>\n<p>\u201eDas Problem der Besucher, die Museen betreten, um Memes zu erstellen oder Selfies f\u00fcr soziale Medien zu machen, ist weitverbreitet\u201c, erkl\u00e4rte Museumsdirektor Simone Verde in einer Mitteilung. \u201eWir werden Verhaltensweisen unterbinden, die nicht mit dem Zweck unserer Institutionen und dem Respekt vor dem kulturellen Erbe vereinbar sind.\u201c<\/p>\n<p>Wegen der Menschenmassen, unkontrollierbarer Selfie-Fotografen und eklatantem Personalmangel traten die Mitarbeiter des Pariser Louvre vor Kurzem sogar in den Streik. Sch\u00e4tzungen zufolge kommen von den rund neun Millionen Besuchern pro Jahr fast 80 Prozent wegen Leonardo da Vincis weltber\u00fchmter \u201eMona Lisa\u201c. Und nat\u00fcrlich wollen alle ein Foto mit der geheimnisvoll l\u00e4chelnden Dame.<\/p>\n<p>\u201eDas Problem, dass <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tourismus\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Touristen<\/a> Kunstwerke besch\u00e4digen, tritt immer h\u00e4ufiger auf\u201c, zitiert die \u201eNew York Times\u201c Marina Novelli, Leiterin des Sustainable Travel and Tourism Advanced Research Center an der Universit\u00e4t Nottingham. Ihrer Analyse zufolge wollten Museumsbesucher fr\u00fcher bestimmte Bilder oder Objekte besichtigen \u2013 heute jedoch haben viele eine Bucket-Liste der Werke, vor denen sie fotografiert werden m\u00f6chten. Statt Kunstpostkarten zu kaufen, fertigt inzwischen jeder mit dem Handy seine ganz pers\u00f6nliche Ansichtskarte an.<\/p>\n<p>Museumsdirektor Verde von den Uffizien hat mehr Schutz f\u00fcr die Kunstwerke und strengere Verhaltensregeln f\u00fcr die Besucher angek\u00fcndigt. Der \u00dcbelt\u00e4ter war \u00fcber ein Podest gestolpert, dessen Zweck es eigentlich war, das Publikum auf Abstand zu halten. \u201eDie Besucher schauen auf die Gem\u00e4lde, nicht auf den Boden\u201c, sagt Silvia Barlacchi, eine Mitarbeiterin des Museums. Die Abstandshalter sind damit zu Stolperfallen geworden.<\/p>\n<p>Zu sp\u00e4t kommt die Mitteilung des Palazzo Maffei, \u00fcber den glitzernden Stuhl von Nicola Bolla einen Plexiglaskasten st\u00fclpen zu wollen. Die Leiterin des Hampton Court Palace, in dem Heinrich VIII. einst residierte, Rachel Mackay, fragt: \u201eBin ich die Einzige, die hier die Schuld beim Museum sieht?\u201c<\/p>\n<p>Ihrer Meinung nach h\u00e4tte die Leitung des Palazzo von Anfang an den zerbrechlichen Stuhl nicht ungesch\u00fctzt auf einen niedrigen Sockel stellen d\u00fcrfen, sondern eine Barriere errichten m\u00fcssen. \u201eDen Besuchern die Schuld daf\u00fcr zu geben, dass sie die Kunst nicht respektieren, ist genau die Denkweise, die dazu f\u00fchrt, dass die Leute eher das Weite suchen, wenn sie einen Fehler machen, als ihn dem Personal zu gestehen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ego-Schnappschuss vor dem Gem\u00e4lde: In der Instagram-Manie dreht sich alles nur noch um das originellste Foto \u2013 auch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":340883,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,15323,29,214,3359,30,355,1794,95581,2147,63108,4026,14641,215],"class_list":{"0":"post-340882","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-balken-inbox","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-florenz","13":"tag-germany","14":"tag-italien","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-kunstmuseen-ks","17":"tag-museen","18":"tag-selfie","19":"tag-spanien","20":"tag-staedteportraets","21":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115020119772645085","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=340882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340882\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/340883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=340882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=340882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=340882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}