{"id":340911,"date":"2025-08-13T07:03:16","date_gmt":"2025-08-13T07:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340911\/"},"modified":"2025-08-13T07:03:16","modified_gmt":"2025-08-13T07:03:16","slug":"jede-menge-kohle-fuer-chemnitz-kam-ueber-den-erzgebirgskamm-erzgebirge-tv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/340911\/","title":{"rendered":"Jede Menge Kohle f\u00fcr Chemnitz kam \u00fcber den Erzgebirgskamm | erzgebirge.tv"},"content":{"rendered":"<p>Entlang der Strecke Chemnitz-Fl\u00f6ha-Pockau-Reitzenhain wird 2025 das 150-j\u00e4hrige Bestehen der einst grenz\u00fcberschreitenden Eisenbahntrasse gefeiert. Auch auf b\u00f6hmischer Seite gilt ihr noch immer das Interesse.<\/p>\n<p><strong>Sebastiansberg.<\/strong> Von \u00fcppigem Gr\u00fcn \u00fcberwucherte Grundmauern waren jetzt neuerlicher Treffpunkt gestandener Erzgebirger. Der trostlos wirkende Schauplatz des einstigen Bahnhofs in Hora Svat\u00e9 \u0160ebesti\u00e1na (Sebastiansberg) \u00fcbt noch immer f\u00fcr Milan Bachor, Frantisek Trux und Jan Kadlec seinen Reiz aus: beruflich mit der tschechischen Eisenbahn \u010cesk\u00e9 dr\u00e1hy (\u010cD) verbunden, kennen sie dessen wechselvolle Geschichte. <\/p>\n<p>\u201eUngez\u00e4hlte Bilder habe ich mit meiner Praktika-Kamera vom Standort und der Trasse geschossen\u201c, sagt Milan Bachor, selbst Lokf\u00fchrer und leidenschaftlich anerkannter Fotograf. \u201eDer Heimat verbunden, verfolge ich, wie die Natur den einst florierenden Verkehrsweg \u00fcberwuchert hat. Durch die Kontakte mit Kollegen kenne ich das Geschehen, den Niedergang. In den 1960er-, Anfang der 1970er Jahre wurden noch Schadwagen auf der l\u00e4ngst unbedeutend gewordenen Strecke abgestellt. Denn die 1875 geschaffene, durchg\u00e4ngige Verbindung von Chomutov herauf \u00fcber die Grenze hin\u00fcber ins s\u00e4chsische Reitzenhain war als Folge des II. Weltkriegs im Mai 1948 zwischen diesen Stationen schon unterbrochen und von beiden L\u00e4ndern stillgelegt worden\u201c, so der B\u00f6hme.<\/p>\n<p>\u201eSebastiansberg wurde noch bis 1959 als Verlade- und Endstation betrieben. Damals transportierten wir Holz und Torf. Der Personenverkehr war auf die Stra\u00dfe gewechselt\u201c, f\u00fcgt Frantisek Trux hinzu, der selbst als Zugf\u00fchrer im Betriebsdienst hier unterwegs war. \u201eSchlie\u00dflich wurde der Verfall immer gr\u00f6\u00dfer und das endg\u00fcltige Aus der Strecke folgte im Oktober 1972. Die gesamte, in Krima von der Strecke Chomutov \u2013 Vejprty abzweigende 14,5 Kilometer lange Trasse mit Endpunkt Reizenhain wurde in den Jahren 1985\u20131987 abgebaut. Es finden sich nur noch Einschnitte der Bahnd\u00e4mme, verrottete Schwellen, einige Br\u00fcckenwiderlager und, wie in Sebastiansberg Bahnw\u00e4rterh\u00e4uschen. Teile der Anrainerfl\u00e4che sind auch im Einzugsbereich der Talsperre geflutet worden\u201c, berichtet der 69-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250812_bahn2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-123343\"  \/>Dieses Weichenw\u00e4rterh\u00e4uschen steht noch in Sebastiansberg. Foto: Uwe Schulze<\/p>\n<p>Mit Jan Kadlec wei\u00df ein dritter der Runde aus eigenem Erleben, welch wichtiges Unterfangen diese Bahnverbindung einst darstellte. \u201eDie wirtschaftliche Bedeutung war enorm. Dass das s\u00e4chsische Chemnitz als Wirtschaftsstandort mit dem englischen Manchester verglichen wurde und Mitteldeutschland prosperierte, basiert gerade aus der Zulieferung der hiesigen Braunkohle. Aus B\u00f6hmen kam der Energietr\u00e4ger der Zeit\u201c, so der 91-j\u00e4hrige Autor dreier renommierter Fachb\u00fccher zur Eisenbahngeschichte im Erzgebirge, darunter jener zwischen K\u0159imov \u2013 Reitzenhain.<\/p>\n<p>\u201eAus diesem Zwecke war zun\u00e4chst die bereits 1872 er\u00f6ffnete Trasse \u00fcber den Erzgebirgskamm als \u00e4lteste zwischen Vejprty (Weipert) nach Chomutov (Komotau) begr\u00fcndet worden. Die enorme Nachfrage nach Kohle und der wirtschaftliche Austausch begr\u00fcndeten den Bau dieser Verbindungen. 1906 beispielsweise wurden \u00fcber die Grenz\u00fcberg\u00e4nge Weipert und Reitzenhain knapp 500.000 Tonnen Braunkohle aus dem nordb\u00f6hmischen Revier herauftransportiert\u201c, so der Absolvent der Eisenbahn-Universit\u00e4t Prag, der sp\u00e4ter als Abteilungsleiter in der regionalen Verkehrsbeh\u00f6rde in Chomutov beruflich mit dieser einstigen Lebensader betraut war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"614\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20250812_bahn3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-123344\"  \/>Ein Br\u00fcckenwiderlager zwischen Sebastiansberg und Reitzenhain. Einst gab es drei Stahlkonstruktionen auf diesem St\u00fcck.  Foto: Uwe Schulze<\/p>\n<p>\u201eDie Bu\u0161t\u011bhrader-Eisenbahngesellschaft erhielt die Konzession und war Betreiber der eingleisigen Strecken. Die von Chomutov \u00fcber Krima nach Reitzenhain f\u00fchrende, betrugt reichlich 37 Kilometer und wurde drei Jahre sp\u00e4ter gebaut, war aber k\u00fcrzer als jene \u00fcber die Route Weipert -Krima\u201c, so Kadlec. Aus diesem Grund und der geringeren Steigung sowie der gr\u00f6\u00dfere Achslastf\u00e4higkeit wurde sie zur wichtigeren Verbindung im Grenzverkehr. Der Bahnhof Reitzenhain entwickelte sich dabei zum bedeutenden Knotenpunkt der zugleich am schnellsten zu befahrenden Trasse zwischen Leipzig und Prag, zwischen S\u00fcd- und Nordeuropa. Von 1938 bis 1945 befuhr die Strecke Komotau-Chemnitz sogar ein Schnellzugpaar, der fr\u00fch im Egertal startete und abends zur\u00fcckgekehrt war.<\/p>\n<p>\u201eDas 2025 gefeierte Streckenjubil\u00e4um verfolgen wir ebenso mit Aufmerksamkeit\u201c, so Jan Kadlec, der zur\u00fcckliegend wie im Kulturhaus Steinbach wiederholt Vortr\u00e4ge dazu hielt. Auch ein Stammtisch bringt die tschechischen Lokf\u00fchrer noch regelm\u00e4\u00dfig einmal im Monat zusammen. (hy)<\/p>\n<p><strong>Tipp: 22. bis 24. August: Bahnfest am Bahnhof Reitzenhain:<\/strong><\/p>\n<p>Gef\u00fchrte Rundg\u00e4nge \u00fcber das ehemalige Bahnhofsgel\u00e4nde, Ausstellung zum Grenzbahnhof Reitzenhain und der Strecke bis Krimov, Vortr\u00e4ge, Buchlesungen, Bus-Pendelverkehr zwischen Bahnhof Reitzenhain und Krimov (Tschechien).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Entlang der Strecke Chemnitz-Fl\u00f6ha-Pockau-Reitzenhain wird 2025 das 150-j\u00e4hrige Bestehen der einst grenz\u00fcberschreitenden Eisenbahntrasse gefeiert. 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