{"id":341216,"date":"2025-08-13T09:53:10","date_gmt":"2025-08-13T09:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341216\/"},"modified":"2025-08-13T09:53:10","modified_gmt":"2025-08-13T09:53:10","slug":"puppenkiste-streit-theater-sind-kreativ-bei-der-finanzierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341216\/","title":{"rendered":"Puppenkiste-Streit: Theater sind kreativ bei der Finanzierung"},"content":{"rendered":"<p>Urmel und Jim Knopf stellen sich Herausforderungen nicht nur auf der B\u00fchne, sondern derzeit auch vor Gericht: Die Augsburger Puppenkiste, ber\u00fchmt aus dem Fernsehen seit den 1950er-Jahren, will ein Urteil zu ihren F\u00f6rdergeldern nicht hinnehmen. <\/p>\n<p>Nach einer Niederlage vor dem Verwaltungsgericht Augsburg zieht das Theater weiter vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Im Mittelpunkt steht das Jahr 2022, in dem das Augsburger Aush\u00e4ngeschild keinen einzigen Euro der beantragten 250.000 Euro erhielt.<\/p>\n<p>Kein Geld f\u00fcr 2022 \u2013 Streit um B\u00fcrokratie<\/p>\n<p>Die Regierung von Schwaben begr\u00fcndete die Ablehnung damit, der Haushaltsplan sei zu wenig detailliert. Theaterchef Klaus Marschall nennt das \u00fcberzogen. Sein Anwalt kritisierte, dass der hohe Papier- und Zahlenaufwand ein kleines Theater wie die Puppenkiste besonders belaste. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab: Auch andere gef\u00f6rderte B\u00fchnen m\u00fcssten \u00e4hnlich genaue Unterlagen einreichen.<\/p>\n<p>Das Prinzip<\/p>\n<p>Neben den st\u00e4dtischen und staatlichen gibt es auch freie Theater in Bayern, wie die Augsburger Puppenkiste. Sie k\u00f6nnen Zusch\u00fcsse beim Freistaat Bayern und ihrer Kommune beantragen. Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen sie sich aber selbst darum k\u00fcmmern, dass sie gen\u00fcgend Geld in der Kasse haben. Die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung ist zwar ein mehr oder weniger fester Posten, aber nicht der gr\u00f6\u00dfte in den Haushaltspl\u00e4nen. <\/p>\n<p>Mehrere Geldquellen notwendig<\/p>\n<p>Das Augsburger Sensemble-Theater steckt gerade in den Proben f\u00fcr die neue Saison, die Ende September wieder beginnt. Das Programm des kleinen Hauses kommt beim Publikum an, die Vorstellungen sind zu 95 Prozent ausgelastet, sagt Leiter Sebastian Seidel. <\/p>\n<p>Er z\u00e4hlt auf, worauf die Kalkulation beruht: einmal die F\u00f6rderung durch die Stadt Augsburg. Hat sie Geld bewilligt, kann er auch einen Antrag beim Freistaat stellen. Dazu kommen Sponsoren und Einnahmen aus Seminaren. Auch der Barbetrieb im Theater sp\u00fclt Geld in die Kasse. Seidel sagt aber: &#8222;Die Haupteinnahmequelle sind unsere eigenen Zuschauer, das macht den gr\u00f6\u00dften Teil in unserem Budget aus und davon lebt das ganze Theater.&#8220;<\/p>\n<p>Kartenverkauf h\u00e4lt den Theatermotor am Laufen<\/p>\n<p>Mit dem Geld aus den verkauften Eintrittskarten finanziert das Sensemble die laufenden Ausgaben. Die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung durch Stadt und Freistaat ist eine Art Betriebskostenzuschuss. Damit decken sie beispielsweise Fix-Kosten wie Strom und Miete f\u00fcr die eigene Theaterb\u00fchne ab. <\/p>\n<p>Das Freilandtheater in Bad Windsheim f\u00e4ngt knapp 70 Prozent der j\u00e4hrlichen Kosten mit Eintrittsgeldern auf, die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung macht nur etwa sieben Prozent des Etats aus. Im Gegenzug m\u00fcssen sie auch keine Miete bezahlen, weil sie das Fr\u00e4nkische Freilandmuseum als B\u00fchne nutzen und zus\u00e4tzlich Besuchergruppen erschlie\u00dfen, sagt der k\u00fcnstlerische Leiter, Christian Laubert. So g\u00fcnstig wie Bad Windsheim kommt wahrscheinlich keine Stadt an ein Theater, vermutet Laubert. <\/p>\n<p>Kleine Theater scheitern an F\u00f6rderkriterien<\/p>\n<p>Theaterb\u00fchnen abseits gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte stehen vor Problemen: <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/freie-kulturszene-in-bamberg-will-gerechtere-unterstuetzung,URN2eT7\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erst muss die Kommune Geld bereitstellen<\/a>, dann kann auch der Freistaat noch eine Summe drauflegen. Die \u00f6ffentlichen F\u00f6rdergelder sind zudem an verschiedene Auflagen gekn\u00fcpft und kleine Theater auf dem Land k\u00f6nnen diese Anforderungen kaum erf\u00fcllen, sagt Anne Schuester, ebenfalls Leiterin des Sensemble. Unter anderem muss die B\u00fchne mindestens f\u00fcnf Jahre erfolgreich arbeiten und mindestens 90 eigenproduzierte Veranstaltungen im Jahr spielen. <\/p>\n<p>&#8222;Das hei\u00dft, keine Lesungen, keine Konzerte, kein Impro-Theater, sondern vorwiegend St\u00fccke oder eigenproduzierte Performances&#8220;, so Schuester. Dann aber seien die Chancen schon recht gut, dass das Ministerium die F\u00f6rderung bewilligt. <\/p>\n<p>Keine Regel ohne Ausnahme<\/p>\n<p>F\u00fcr M\u00fcnchen gelten andere F\u00f6rderbestimmungen, weil sich dort viele staatliche B\u00fchnen finden. Somit ist alleine die Stadt zust\u00e4ndig f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der freien Theater. Auch f\u00fcr N\u00fcrnberg gibt es eigene Regeln. Auch Kinder- und Jugendtheater werden seit einiger Zeit nicht mehr mit B\u00fchnen f\u00fcr Erwachsene gleichgestellt. <\/p>\n<p>Und freie Theater ohne eigene B\u00fchne m\u00fcssen ebenfalls andere F\u00f6rdert\u00f6pfe anzapfen, sagt Wolfram Hauck, Leiter der Theatergruppe &#8222;Die Stelzer&#8220; aus Landsberg am Lech, unter anderem, weil sie wegen der fehlenden Spielst\u00e4tte wesentlich geringere Dauerkosten haben. Sein Haus wird projektbezogen gef\u00f6rdert. Aber auch dann muss er alle m\u00f6glichen Quellen anzapfen, darunter den Kulturfonds Bayern und verschiedene Stiftungen wie den Fonds Darstellende K\u00fcnste.<\/p>\n<p>Bayern kein schlechtes Pflaster f\u00fcr freie Theater<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich, darin sind sich alle einig, ist die Situation f\u00fcr freie Theater in Bayern nicht so schlecht. Und um <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/geplante-kuerzungen-freie-kunstszene-fuerchtet-um-existenz,URAQS2w\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">finanzielle Durststrecken<\/a> zu \u00fcberbr\u00fccken, d\u00fcrfen freie Theater seit der Corona-Pandemie R\u00fccklagen f\u00fcr drei Monate bilden. Sofern die Einnahmen daf\u00fcr reichen. Weitere positive Folge der Pandemie-Zeit: Vorher h\u00e4tten viele politische Gremien nicht gewusst, wie sich die Theaterszene finanziert. Das konnte man jetzt \u00e4ndern, sagt Seidel. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Urmel und Jim Knopf stellen sich Herausforderungen nicht nur auf der B\u00fchne, sondern derzeit auch vor Gericht: Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":341217,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,54906,79361,772,3364,29,548,663,3934,6586,30,13,1015,80,4156,14,15,2339,12,7727,94],"class_list":{"0":"post-341216","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-augsburger-puppenkiste","10":"tag-bayerischer-verwaltungsgerichtshof","11":"tag-bayern","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europe","17":"tag-forderung","18":"tag-germany","19":"tag-headlines","20":"tag-justiz","21":"tag-kultur","22":"tag-mittelfranken","23":"tag-nachrichten","24":"tag-news","25":"tag-oberbayern","26":"tag-schlagzeilen","27":"tag-schwaben","28":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115020851041646634","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341216"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341216\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/341217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}