{"id":341497,"date":"2025-08-13T12:24:11","date_gmt":"2025-08-13T12:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341497\/"},"modified":"2025-08-13T12:24:11","modified_gmt":"2025-08-13T12:24:11","slug":"was-ueber-den-getoeteten-anas-al-sharif-bekannt-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341497\/","title":{"rendered":"Was \u00fcber den get\u00f6teten Anas al-Sharif bekannt ist"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Kontext<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.08.2025 12:40 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die israelische Armee hat den pal\u00e4stinensischen Journalisten Anas al-Sharif gezielt get\u00f6tet, weil er angeblich eine Hamas-Terrorzelle geleitet habe. Auch wenn alte Posts von ihm Sympathien f\u00fcr die Hamas nahelegen, fehlen konkrete Belege f\u00fcr diese Behauptung.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Alice Echtermann, Cristina Helberg und Melissa Yesil, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind am Sonntag mehrere Journalisten get\u00f6tet worden, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/israel-gazastreifen-al-jazeera-100.html\" title=\"Krieg im Nahen Osten: Al Jazeera meldet Tod von f\u00fcnf Journalisten in Gaza\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">darunter vier Mitarbeiter des katarischen Senders Al Jazeera<\/a>. Es soll ein gezielter Angriff auf ein Zelt f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten vor einem Krankenhaus in Gaza Stadt gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnter den get\u00f6teten Journalisten ist Anas al-Sharif, ein bekannter Al-Jazeera-Korrespondent und einer der wenigen Journalisten, die noch aus Gaza berichteten. Die Vereinten Nationen verurteilten die Ermordung scharf und bezeichneten sie als &#8222;schwerwiegenden Versto\u00df gegen das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht&#8220;.<\/p>\n<p>    IDF nennt al-Sharif Anf\u00fchrer einer Hamas-Terrorzelle<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKurz nach dem Angriff ver\u00f6ffentlichte die israelische Armee (IDF) <a href=\"https:\/\/x.com\/IDF\/status\/1954652255199887516\" title=\"X\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">auf X<\/a> verschiedene Vorw\u00fcrfe gegen den Journalisten: &#8222;Al-Sharif war der Anf\u00fchrer einer Hamas-Terrorzelle und f\u00fchrte Raketenangriffe auf israelische Zivilisten und IDF-Truppen aus. Geheimdienstinformationen und Dokumente aus Gaza, darunter Dienstpl\u00e4ne, Listen von Terroristentrainings und Gehaltsabrechnungen, beweisen, dass er ein Hamas-Agent war, der in Al Jazeera integriert war. Ein Presseausweis ist kein Schutzschild f\u00fcr Terrorismus.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDazu ver\u00f6ffentlichte das Milit\u00e4r Dokumente, die von der Hamas stammen sollen &#8211; angebliche Telefonlisten und K\u00e4mpferverzeichnisse. Doch ihre Echtheit kann nicht unabh\u00e4ngig \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie IDF hatte al-Sharif und f\u00fcnf weiteren Al-Jazeera-Journalisten bereits im Oktober 2024 Verbindungen zur Terrororganisation Hamas und dem Islamischen Dschihad unterstellt. Sowohl Al Jazeera als auch al-Sharif wiesen das stets zur\u00fcck. Einer der beschuldigten Journalisten, Ismail Abu Omar, war zuvor im Februar 2024 bei einem Angriff Israels <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/2\/13\/journalists-including-al-jazeera-reporter-injured-in-israel-gaza-strike\" title=\"Al Jazeera\u2019s Ismail Abu Omar, Ahmad Matar wounded in Israeli strike on Gaza\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">schwer verwundet worden<\/a>. Ein weiterer, Hossam Barel Abdul Karim Shabat, <a href=\"https:\/\/x.com\/IDF\/status\/1849088691450339461\" title=\"X\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">wurde im M\u00e4rz 2024 durch die IDF get\u00f6tet<\/a>.<\/p>\n<p>    Was zeigen die Dokumente?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer in den Dokumenten beschriebene al-Sharif soll &#8222;Soldat&#8220; und &#8222;Teamleiter&#8220; sein, geboren am 3. Dezember 1996 und verheiratet. Das Geburtsdatum und Beziehungsstatus sind nach NDR-Recherchen korrekt, diese Informationen sind im Netz leicht zu finden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWeiter hei\u00dft es einem Dokument, im April 2017 habe er bei einer Explosion w\u00e4hrend einer \u00dcbung Verletzungen an Ohr und Auge erlitten. Seitdem habe er eine starke H\u00f6rminderung im linken Ohr, eine Sehbeeintr\u00e4chtigung des linken Auges, dazu Schwindel und Kopfschmerzen. Das l\u00e4sst sich auf Basis \u00f6ffentlicher Informationen nicht \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAu\u00dferdem soll er seit 2013 bei der Hamas sein &#8211; damals w\u00e4re al-Sharif erst 16 Jahre alt gewesen. Die Dokumente haben wir \u00fcbersetzt und von verschiedenen Experten f\u00fcr Nahost und Terrorismus einordnen lassen. Eine Beurteilung bleibt schwierig, die Echtheit l\u00e4sst sich nicht abschlie\u00dfend verifizieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn den Ver\u00f6ffentlichungen der IDF hei\u00dft es stets, al-Sharif habe sich als Journalist &#8222;ausgegeben&#8220; &#8211; tats\u00e4chlich zeigt eine Auswertung von al-Sharifs Social-Media-Kan\u00e4len aber, dass er in den vergangenen Wochen und Monaten t\u00e4glich journalistisch gearbeitet hat. Er ver\u00f6ffentlichte im Minutentakt Beitr\u00e4ge \u00fcber Geschehnisse im Gazastreifen und tauchte mehrfach im Programm von Al Jazeera auf.<\/p>\n<p>    Umstrittene Beitr\u00e4ge in sozialen Netzwerken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn sozialen Netzwerken wird w\u00e4hrenddessen auch \u00fcber \u00c4u\u00dferungen und Fotos von al-Sharif diskutiert, die seine N\u00e4he zur Hamas belegen sollen. Neben Telegram betrieb al-Sharif Kan\u00e4le auf X, WhatsApp, Instagram und Facebook, die Beitr\u00e4ge darin reichen Jahre zur\u00fcck. Seine Karriere als Journalist begann er 2019.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine Analyse seiner Ver\u00f6ffentlichungen auf Telegram zeigt, dass al-Sharif in der Vergangenheit mutma\u00dflich Sympathien f\u00fcr die Hamas gehegt haben k\u00f6nnte. Er benutzte h\u00e4ufig gr\u00fcne Herz-Emojis im Zusammenhang mit Beitr\u00e4gen \u00fcber die Terrororganisation (Gr\u00fcn ist die Farbe der Hamas). 2021, kurz vor einer anstehenden Wahl, berichtete er intensiv \u00fcber deren Wahlliste und ver\u00f6ffentlichte ein Foto, auf dem er l\u00e4chelnd vor einer Menschenmenge mit gr\u00fcnen Flaggen posiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnmittelbar nach seinem Tod wurde im Netz vielfach ein Beitrag von al-Sharif verbreitet, den er am 7. Oktober 2023 ver\u00f6ffentlichte &#8211; w\u00e4hrend des blutigen Angriffs der Hamas auf Israel. Der Post wurde gel\u00f6scht, stammt aber nach Recherchen des NDR tats\u00e4chlich aus seinem Telegram-Kanal. Darin hie\u00df es: &#8222;9 Stunden und die Helden ziehen immer noch durch das Land, t\u00f6ten und nehmen gefangen&#8230; Oh Gott, wie gro\u00dfartig du bist.&#8220;<\/p>\n<p>    Selfies zeigen al-Sharif mit Hamas-Funktion\u00e4ren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWenige Stunden nach seinem Tod kursierten im Netz au\u00dferdem zahlreiche Bilder, die al-Sharif mit verschiedenen Hamas-Funktion\u00e4ren zeigen sollen. Avichay Adraee, der arabische Sprecher der IDF, teilte auf X drei Bilder von al-Sharif mit Yahya Sinwar. Nach Recherchen des NDR ver\u00f6ffentlichte al-Sharif zwei dieser Bilder selbst zwischen 2017 und 2021. Sie stammen offenbar von einem Pressetermin im M\u00e4rz 2021 &#8211; anl\u00e4sslich der Wiederwahl Sinwars als F\u00fchrer der Hamas im Gazastreifen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Dritte von Adraee ver\u00f6ffentliche Bild zeigt al-Sharif in enger Umarmung mit Sinwar und soll den Terrorismusvorwurf belegen. Die Oberbekleidung Sinwars und die einer weiteren Person passen zu Pressefotos des Besuchs des Vorsitzenden des Katarischen Komitees f\u00fcr den Wiederaufbau Gazas, Mohammed Al-Emadi, in Gaza im Januar 2019. Al-Sharif selbst teilte bei Telegram lediglich drei zuvor ver\u00f6ffentlichte Pressefotos. Ob er an der Veranstaltung tats\u00e4chlich teilnahm, l\u00e4sst sich nicht verifizieren. Das Originalfoto mit Sinwar war nicht auffindbar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf dem Telegram-Kanal von al-Sharif findet sich aber noch ein viertes Selfie mit Sinwar, ver\u00f6ffentlicht im September 2020, und ein Selfie mit dem Hamas-Politiker Mahmoud al-Zahar aus dem Jahr 2017. Der Hintergrund der Aufnahmen bleibt offen. Im Januar 2019 dokumentierte al-Sharif auf seinem Telegram-Kanal zudem einen Besuch des Hamas-Funktion\u00e4rs Fathi Hamad und schrieb dazu: &#8222;Ich hatte heute Abend die Ehre, #A_Fathi_Hammad, Mitglied des Politb\u00fcros der Bewegung, in meinem Haus zu empfangen. Vielen Dank f\u00fcr diesen Besuch.&#8220;<\/p>\n<p>    Keine Belege f\u00fcr aktive Mitgliedschaft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin Beleg, dass al-Sharif aktiv eine Terrorzelle der Hamas geleitet habe, ist all dies nicht. Ab Dezember 2023 arbeitete al-Sharif als Korrespondent f\u00fcr Al Jazeera, anschlie\u00dfend finden sich solche Beitr\u00e4ge nicht mehr in seinen Kan\u00e4len. <a href=\"https:\/\/x.com\/anasalsharif0\/status\/1948118003934982362\" title=\"X\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">2024 wehrte er sich gegen die Vorw\u00fcrfe auf X<\/a>: &#8222;Ich bin ein Journalist ohne politische Zugeh\u00f6rigkeit. Meine einzige Mission ist es, \u00fcber die Wahrheit vor Ort zu berichten &#8211; so wie sie ist, ohne Vorurteile.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nChristopher Resch, Sprecher f\u00fcr Nahost von Reporter ohne Grenzen, schreibt auf Anfrage: &#8222;Wir kennen Anas al-Sharifs Arbeit seit l\u00e4ngerem und standen als Organisation immer wieder auch direkt mit ihm in Kontakt. Uns sind keine Hinweise auf eine aktive terroristische T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Hamas bekannt. Die Belegf\u00fchrung der israelischen Armee halten wir nach den aktuell verf\u00fcgbaren Informationen f\u00fcr nicht ausreichend, um damit eine gezielte T\u00f6tung zu begr\u00fcnden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAl-Sharifs Beitr\u00e4ge in sozialen Netzwerken seien ebenfalls kein ausreichender Beleg, dass er seinen v\u00f6lkerrechtlichen Schutzstatus als Journalist verlieren k\u00f6nnte, so Resch. Dieser Schutz durch die Genfer Konvention sei dann verloren, wenn sich ein Journalist aktiv an Kampfhandlungen beteilige. Eine Voreingenommenheit allein gen\u00fcge daf\u00fcr nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kontext Stand: 13.08.2025 12:40 Uhr Die israelische Armee hat den pal\u00e4stinensischen Journalisten Anas al-Sharif gezielt get\u00f6tet, weil er&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":341498,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[739,13,411,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-341497","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-gaza","9":"tag-headlines","10":"tag-israel","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-top-news","15":"tag-top-meldungen","16":"tag-topmeldungen","17":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115021444926223931","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341497"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341497\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/341498"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341497"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341497"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}