{"id":341505,"date":"2025-08-13T12:28:17","date_gmt":"2025-08-13T12:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341505\/"},"modified":"2025-08-13T12:28:17","modified_gmt":"2025-08-13T12:28:17","slug":"malen-gegen-die-lebensangst-chemnitz-feiert-edvard-munch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341505\/","title":{"rendered":"Malen gegen die Lebensangst: Chemnitz feiert Edvard Munch"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Chemnitz. Edvard Munch (1863\u20131944) hat in seinen Bildern Ambivalenz und innere Zerrissenheit visualisiert wie kein anderer, seelische Zust\u00e4nde fassbar gemacht. Die Kunstsammlungen Chemnitz beweisen derzeit, dass seine Werke bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben \u2013 f\u00fcr das Publikum und als Inspirationsquell f\u00fcr andere K\u00fcnstler. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die emotional aufgeladenen Gem\u00e4lde und Grafiken thematisieren Krankheit, Trauer, Tod, Melancholie und Einsamkeit, sprechen in ihrer reduzierten, expressiven Formensprache und der intensiven schwerm\u00fctigen Farbigkeit von mentalen Leiden, die tief in pers\u00f6nlichen \u00c4ngsten verankert sind. \u201eIn meiner Kunst habe ich versucht, mir das Leben und seinen Sinn zu erkl\u00e4ren. Ich hatte auch die Absicht, anderen zu helfen, das eigene Leben zu verstehen\u201c, bekannte der K\u00fcnstler. <\/p>\n<p>Angst vor N\u00e4he wie vor Einsamkeit <img decoding=\"async\" alt=\"Edvard Munch: Abend. Melancholie I (1896, Farbholzschnitt, Museum der bildenden K\u00fcnste Leipzig).\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/6IB577ZLFZDJJGPE4YXLI3EDSU.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Captionstyled__Caption-sc-skimq-0 iFEFhG\">Edvard Munch: Abend. Melancholie I (1896, Farbholzschnitt, Museum der bildenden K\u00fcnste Leipzig).<\/p>\n<p class=\"Copyrightstyled__Copyright-sc-1yiiexl-0 kSntKS\">Quelle: Museum der bildenden K\u00fcnste Leipzig<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Munch, der mit f\u00fcnf Jahren seine Mutter, sp\u00e4ter seine Lieblingsschwester verlor, litt an einer problematischen psychischen Konstitution, die mehrfach in Kliniken behandelt wurde. Krankheiten und komplizierte Partnerschaften, die Angst vor N\u00e4he wie vor Einsamkeit verdichteten sich zu einer seelischen Gemengelage, die sich in eindrucksvollen Bildl\u00f6sungen entlud. Dabei gelang es dem norwegischen K\u00fcnstler, der zum Wegbereiter des Expressionismus avancierte, sich durch Arbeit als Therapie weitgehend zu stabilisieren. Seine radikale Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen beleuchtet der Katalog zur Ausstellung in profunden Beitr\u00e4gen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die gro\u00df angelegte Schau hinterfragt unter dem Aspekt der Selbstreflexion Fragilit\u00e4t und Facettenreichtum des Ich. Da lassen im Bildnis des Wilhelm le Fevre Grimsgaard unterk\u00fchltes Kolorit und eine schemenhaft angedeutete Frauengestalt das unbew\u00e4ltigte Lebensmotiv N\u00e4he und Distanz in Beziehungen anklingen, w\u00e4hrend der \u201eM\u00f6rder in der Allee\u201c eher innere Qualen spiegelt. <\/p>\n<p>Edvard Munch: \u201eIch sehe alle Menschen hinter ihren Masken &#8230;\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Auch die Darstellungen von Krankheit und Verlorenheit im Rausch versch\u00e4rfen Momente der Selbstbefragung. Krankenbetten, Leichenwagen, das namenlose Erschrecken, das sich in den ikonischen Versionen des \u201eSchrei\u201c Bahn bricht, hat seine tiefsten Wurzeln in traumatischen Kindheitserlebnissen, dem fr\u00fchen Sterben der Mutter. \u201eIch sehe alle Menschen hinter ihren Masken, l\u00e4chelnde, ruhige Gesichter bleicher Leichname, rastlos einen gewundenen Weg dahineilend, der im Grab endet\u201c, liest man in seinen Aufzeichnungen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Mit \u201eAlpha und Omega\u201c schuf der K\u00fcnstler nach schwerem Zusammenbruch eine Grafikmappe zu einem eigenen Prosagedicht, das \u00fcber die Liebe und die t\u00f6dliche Entfremdung eines Paares sinniert. Das selbe Thema wie die Lithografien nimmt auch das Gem\u00e4lde \u201eZwei Menschen. Die Einsamen\u201c auf. Mann und Frau in einer \u00f6den Meerlandschaft als Reflexion ihrer seelischen Leere. Sie stehen voneinander nur einen halben Meter entfernt, doch Munch zeigt dem Betrachter: Die beiden trennen Welten. Das Gem\u00e4lde, begonnen 1906, ist als Leihgabe aus den USA nach Chemnitz gekommen, um bei der glanzvollsten Ausstellung der Kulturhauptstadt 2025 seine Geschichte zu erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein Munch-Gem\u00e4lde kehrt f\u00fcr die Ausstellung zur\u00fcck<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Der damalige Museumsdirektor Friedrich Schreiber-Weigand hatte vier Jahre lang alles darangesetzt, das Bild f\u00fcr Chemnitz zu erwerben. Der Deal gelang 1928. Neun Jahre sp\u00e4ter wurden 82 Werke des norwegischen K\u00fcnstlers in deutschen Museen von den Nationalsozialisten als \u201eentartet\u201c verunglimpft. Die Stadt verkaufte das Werk an den Hamburger Kunsth\u00e4ndler Hildebrand Gurlitt, den Mann, der sich Hitler mit dem Verkauf diffamierter Kunst ins Ausland andiente und schwer ins Zwielicht geriet. Das Bild h\u00e4ngt jetzt inmitten von Landschaften, nordischen Schneew\u00e4ldern, die innere Zust\u00e4nde spiegeln. Unterwegs sind in diesen Szenerien immer auch Menschen, die nicht zueinander finden und aufrecht die B\u00fcrde ihrer Einsamkeit tragen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In der Schau unterstreicht eine Reihe von Arbeiten Munchs Beziehung zu Chemnitz. 1905 wurde er dem Textilfabrikanten Herbert Esche als tiefgr\u00fcndiger Portr\u00e4tist f\u00fcr Bildnisse der Familienmitglieder empfohlen. Auch die aus Chemnitz stammenden Begr\u00fcnder der Dresdner K\u00fcnstlervereinigung \u201eBr\u00fccke\u201c, darunter Karl Schmidt-Rottluff, lie\u00dfen sich namentlich von der markant verknappten Formensprache seiner Holzschnitte befl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Positionen von Marina Abramovic bis Neo Rauch<img decoding=\"async\" alt=\"Neo Rauch: \u201eKeine Angst&quot; (2020, \u00d6l auf Leinwand, 50 x 100 cm, Privatsammlung Essen).\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/RKOFUNC4FFBTDOUGBNYX5WT3UM.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Captionstyled__Caption-sc-skimq-0 iFEFhG\">Neo Rauch: \u201eKeine Angst&#8220; (2020, \u00d6l auf Leinwand, 50 x 100 cm, Privatsammlung Essen).<\/p>\n<p class=\"Copyrightstyled__Copyright-sc-1yiiexl-0 kSntKS\">Quelle: \u00a9 Galerie Eigen + Art Leipzig\/Berlin, David Zwirner \/ VG Bild-Kunst, Bonn 2025 \/ Uwe Walter, Berlin<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Ausstellung vereint 140 Gem\u00e4lde, Grafiken, Fotografien, Skulpturen und Videoinstallationen \u2013 Arbeiten aus dem Bestand der Chemnitzer Kunstsammlungen wie nationale und internationale Leihgaben. Munchs Grundton von Einsamkeit, Melancholie und Verlorenheit greifen im Kreis seiner Zeitgenossen unter anderem Landsmann Christian Krohg mit seiner trostlos ersch\u00f6pften Schneiderin auf, die selten gezeigten Caf\u00e9haus-Gem\u00e4lde von Marianne Werefkin aus dem Umfeld der M\u00fcnchner Gruppe \u201eBlauer Reiter\u201c, und das Selbstbildnis Egon Schieles, das Verletzlichkeit und innere Anspannung offenbart.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">In der Auswahl von rund 20 zeitgen\u00f6ssischen Positionen wurde der Fokus auch auf Chemnitzer Kunst von Michael Morgner, Osmar Osten, Steffen Volmer, Irene B\u00f6sch und der fr\u00fch verstorbene Maja Wunsch gerichtet. Angst und diffuse Bedrohung thematisieren Werke unter anderem von Marina Abramovic, Georg Baselitz, Andy Warhol und Paula Rego. Herausgegriffen seien beispielsweise Lenka Falusiova aus Tschechien, die in minuti\u00f6ser Genauigkeit eine beklemmend unheimliche Seelenlandschaft kreiert, Neo Rauch, der seine Behauptung \u201eKeine Angst\u201c in einer mysteri\u00f6sen Szenerie ad absurdum f\u00fchrt, und der niederl\u00e4ndische Fotograf Erwin Olaf, der eine moderne K\u00fcche als tristen Ort des Wartens und der Hoffnungslosigkeit entlarvt.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Info: <\/b>Edvard Munch. Angst: Bis 2. November, Kunstsammlungen Chemnitz (Theaterplatz 1), ge\u00f6ffnet Di, Do\u2013So 11\u201318 Uhr, Mi 11\u201319.30 Uhr; kunstsammlungen-chemnitz.de<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Chemnitz. 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