{"id":341985,"date":"2025-08-13T16:43:22","date_gmt":"2025-08-13T16:43:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341985\/"},"modified":"2025-08-13T16:43:22","modified_gmt":"2025-08-13T16:43:22","slug":"leopoldina-empfiehlt-besseren-schutz-von-kindern-und-jugendlichen-newsportal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/341985\/","title":{"rendered":"Leopoldina empfiehlt besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen | Newsportal"},"content":{"rendered":"<p>Die Nutzung sozialer Medien ist f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland l\u00e4ngst allt\u00e4glich. Viele von ihnen zeigen dabei ein riskantes, manche sogar ein suchtartiges Nutzungsverhalten. Zwar kann die Nutzung sozialer Medien positive Effekte f\u00fcr Heranwachsende haben \u2013 bei intensiver Nutzung k\u00f6nnen jedoch negative Auswirkungen auf das psychische, emotionale und soziale Wohlbefinden auftreten, wie Depressions- und Angstsymptome, Aufmerksamkeits- oder Schlafprobleme.<\/p>\n<p>In einem am 13. August 2025 ver\u00f6ffentlichten Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlagen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deshalb die Anwendung des Vorsorgeprinzips vor. In dem Papier \u201eSoziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen\u201c geben sie Handlungsempfehlungen, um Kinder und Jugendliche vor negativen Folgen sozialer Medien zu sch\u00fctzen, beispielsweise durch altersabh\u00e4ngige Zugangs- und Funktionsbeschr\u00e4nkungen. Zu den Beteiligten geh\u00f6ren Prof. Dr. Silvia Schneider, Professorin f\u00fcr Klinische Kinder- und Jugendpsychologie und Direktorin des Forschungs- und Behandlungszentrums f\u00fcr psychische Gesundheit (FBZ) der Ruhr-Universit\u00e4t, und Privatdozentin Dr. Julia Brailosvskaia, Au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Professorin am FBZ.<\/p>\n<p>Zusammenhang zwischen Nutzung sozialer Medien und psychischer Belastung<\/p>\n<p>Das Diskussionspapier gibt einen Einblick in die aktuelle Studienlage zum Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der Gro\u00dfteil der verf\u00fcgbaren Evidenz ist korrelativer und nicht kausaler Natur: Querschnittstudien belegen einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und einer zunehmenden psychischen Belastung. Einige L\u00e4ngsschnittstudien \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume hinweg liefern zudem Hinweise darauf, dass die intensive Nutzung sozialer Medien urs\u00e4chlich f\u00fcr diese Belastungen sein kann. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich deshalb f\u00fcr die Anwendung des Vorsorgeprinzips aus: Es besagt, dass vorbeugende Ma\u00dfnahmen ergriffen werden sollten, wenn es Hinweise auf m\u00f6gliche sch\u00e4dliche Auswirkungen gibt, auch wenn wissenschaftlich noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt ist, wie gro\u00df das Risiko tats\u00e4chlich ist.\u00a0<\/p>\n<p>Laut der Forschenden besteht politischer Handlungsbedarf zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, da die m\u00f6glichen Gef\u00e4hrdungen durch eine intensive Social-Media-Nutzung erheblich sind. Die Forschenden formulieren im Diskussionspapier konkrete Handlungsempfehlungen, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren sozialer Medien zu sch\u00fctzen und sie gleichzeitig zu einem reflektierten und kompetenten Umgang mit ihnen zu bef\u00e4higen. Sie sprechen sich daf\u00fcr aus, dass Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Accounts einrichten d\u00fcrfen. F\u00fcr 13- bis 15-j\u00e4hrige Jugendliche sollten soziale Medien nur nach gesetzlich vorgeschriebener elterlicher Zustimmung nutzbar sein. F\u00fcr 13- bis 17-J\u00e4hrige sollen soziale Netzwerke zudem altersgerecht gestaltet werden \u2013 beispielsweise bei den algorithmischen Vorschl\u00e4gen, durch ein Verbot von personalisierter Werbung oder durch die Unterbindung besonders suchterzeugender Funktionen wie Push-Nachrichten und endloses Scrollen. Die Forschenden empfehlen au\u00dferdem, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschlie\u00dflich Klasse 10 nicht zuzulassen.<\/p>\n<p>Vielversprechende Ans\u00e4tze\u00a0<\/p>\n<p>Das Diskussionspapier erl\u00e4utert auch die m\u00f6gliche Umsetzung der Altersgrenzen und altersgerechten Einschr\u00e4nkungen auf Social Media. Hier sehen die Autorinnen und Autoren vor allem auf EU-Ebene M\u00f6glichkeiten der Regulierung. Die deutsche Bundesregierung sollte sich dort f\u00fcr entsprechende gesetzliche Regelungen einsetzen. Ein vielversprechender Ansatz ist bereits die geplante Einf\u00fchrung der \u201eEUDI-Wallet\u201c, die einen datenschutzkonformen digitalen Altersnachweis erm\u00f6glichen soll. Um einen reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu f\u00f6rdern, schlagen die Autoren vor, einen digitalen Bildungskanon in Kitas und Schulen zu verankern, der Kinder und Jugendliche auf Themen des digitalen Lebens vorbereitet. Die Kompetenzen von Lehr- und Erziehungsfachkr\u00e4ften sollten gest\u00e4rkt werden, um riskantes oder suchtartiges Nutzungsverhalten fr\u00fchzeitig erkennen und adressieren zu k\u00f6nnen. Niedrigschwellige Public-Health-Kampagnen sollten Familien zudem \u00fcber die Einfl\u00fcsse sozialer Medien auf die psychische Gesundheit sowie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten einer positiven Gestaltung der Social-Media-Nutzung informieren. Dar\u00fcber hinaus bedarf es weiterer Forschung, um die Wirkmechanismen der Nutzung sozialer Medien in dieser Altersgruppe besser zu verstehen und die Effektivit\u00e4t der Schutzma\u00dfnahmen zu evaluieren.<\/p>\n<p>Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die <a href=\"https:\/\/www.leopoldina.org\/leopoldina-home\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leopoldina<\/a> unabh\u00e4ngige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplin\u00e4re Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Ver\u00f6ffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der j\u00e4hrlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 L\u00e4ndern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegr\u00fcndet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabh\u00e4ngige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.<\/p>\n<p>Publikationen in der Reihe \u201eLeopoldina-Diskussion\u201c sind Beitr\u00e4ge der genannten Autorinnen und Autoren. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die M\u00f6glichkeit, flexibel und ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanst\u00f6\u00dfe zu geben oder Diskurse anzuregen und hierf\u00fcr auch Empfehlungen zu formulieren. Die in Diskussionspapieren vertretenen Thesen und Empfehlungen stellen daher keine inhaltliche Positionierung der Akademie dar.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Nutzung sozialer Medien ist f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland l\u00e4ngst allt\u00e4glich. 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