{"id":342409,"date":"2025-08-13T20:32:16","date_gmt":"2025-08-13T20:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342409\/"},"modified":"2025-08-13T20:32:16","modified_gmt":"2025-08-13T20:32:16","slug":"kommunalwahlen-in-nrw-in-gelsenkirchen-muss-die-afd-kaum-wahlkampf-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342409\/","title":{"rendered":"Kommunalwahlen in NRW: In Gelsenkirchen muss die AfD kaum Wahlkampf machen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der gro\u00dfe gelbe Bagger auf dem Tr\u00fcmmerkegel greift nur kurz in die Fassade des heruntergekommenen Backsteinhauses im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck, schon st\u00fcrzt wieder ein St\u00fcck Mauer herunter. Mit einem breiten Wasserstrahl f\u00e4ngt ein Arbeiter die Staubwolke ab. Ein ganzer Block sogenannter Schrottimmobilien wird derzeit in der Stra\u00dfe Ahlmannshof abgerissen. Im Hintergrund ragt der alte F\u00f6rderturm der 1993 stillgelegten und zum Stadtteilpark umgebauten Zeche Consolidation in den Himmel.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vom gegen\u00fcberliegenden Gehsteig aus beobachtet Bundesarbeitsministerin <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"B\u00e4rbel Bas\" data-rtr-id=\"18c08717003c947dbef6294c2dff8bfb79c4f73c\" data-rtr-score=\"318.0379306344972\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/baerbel-bas\" title=\"B\u00e4rbel Bas\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00e4rbel Bas<\/a> (SPD) einige Augenblicke lang wortlos die Szene. Bas ist in Gelsenkirchen, um ihre sozialdemokratische Parteifreundin Andrea Henze im Kommunalwahlkampf zu unterst\u00fctzen und das Signal zu senden: \u201eWir sehen die Menschen und ihre Probleme.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vor wenigen Jahren noch war Gelsenkirchen f\u00fcr die SPD eine sichere Bank, regelm\u00e4\u00dfig erreichte sie bei Wahlen mehr als 50 Prozent. Die Zeiten sind vorbei. Im Februar konnte SPD-Mann Markus T\u00f6ns zwar sein Gelsenkirchener Bundestags\u00addirektmandat mit etwas mehr als 31 Prozent der Stimmen gegen seinen Konkurrenten von der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"AfD\" data-rtr-id=\"87b843b4a748f9fbc00b47fa4b20f8b6c9dfad29\" data-rtr-score=\"375.10822410393223\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/afd\" title=\"AfD\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">AfD<\/a> verteidigen. Doch bei den Zweitstimmen verdr\u00e4ngte die in Teilen rechtsextreme Partei die Sozialdemokraten knapp von Platz eins.<\/p>\n<p>Die AfD d\u00fcrfte erheblich hinzugewinnen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenn am 14. September in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen stattfinden, d\u00fcrfte die AfD vielerorts erheblich hinzugewinnen, gerade auch in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Gelsenkirchen\" data-rtr-id=\"8d9f3706c625e734905987356591f34bc24d662d\" data-rtr-score=\"316.53157986312493\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/gelsenkirchen\" title=\"Gelsenkirchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gelsenkirchen<\/a> \u2013 weil dort besonders viele B\u00fcrger von den anderen Parteien oder pauschal von \u201eder Politik\u201c entt\u00e4uscht sind. Die AfD bedient diese Stimmung mit Slogans wie \u201eW\u00e4hl die L\u00f6sung, nicht das Problem\u201c auf ihren Plakaten. Viel mehr Wahlkampf braucht sie gar nicht zu machen. Ihr Oberb\u00fcrgermeisterkandidat Norbert Emmerich scheint bessere Chancen zu haben, in die Stichwahl zu kommen als die CDU-Kandidatin Laura Rosen. Dabei wird der 73 Jahre alte Bankkaufmann kaum als ernsthafter Aspirant wahrgenommen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seit vielen Jahrzehnten wird Gelsenkirchen, wo in den besten Zeiten der Montanindustrie beinahe 400.000 Menschen lebten und das heute nur noch 260.000 Einwohner z\u00e4hlt, besonders fr\u00fch und heftig von Krisen getroffen. Gilt der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Schalke 04\" data-rtr-id=\"9e4fbb24488c0f6fdd03c41ec23a6d9014d2ebb6\" data-rtr-score=\"50.06495766152418\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/sport\/thema\/schalke-04\" title=\"Schalke 04\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">FC Schalke 04<\/a> \u2013 obwohl zur Spielzeit 2023\/24 wieder einmal in die zweite Liga abgestiegen \u2013 seinen Anh\u00e4ngern als deutscher Fu\u00dfballmeister der Herzen, dann ist Gelsenkirchen der Meister der H\u00e4rten. Keine Stadt hat unter der Montankrise so sehr gelitten wie Gelsenkirchen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wie nur wenige andere St\u00e4dte \u2013 \u00fcberwiegend ebenfalls im Ruhrgebiet \u2013 hat Gelsenkirchen ein zus\u00e4tzliches Problem obendrauf gepackt bekommen: die Armutsmigration aus S\u00fcdosteuropa. Deutschland profitiert erheblich von der Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit in der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Europ\u00e4ische Union\" data-rtr-id=\"9fc100f4f3574fbb952072eb333eee33a582a1ed\" data-rtr-score=\"35.17631365270851\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/europaeische-union\" title=\"Europ\u00e4ische Union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>. Noch mehr Fachkr\u00e4fte als ohnehin schon w\u00fcrden fehlen, wenn nicht auch aus Rum\u00e4nien und Bulgarien in den vergangenen Jahren so viele flei\u00dfige Leute nach Deutschland gekommen w\u00e4ren. Die Besch\u00e4ftigungsquote unter Rum\u00e4nen und Bulgaren liegt im deutschen Durchschnitt in etwa so hoch wie jene der Gesamtbev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Ruhrgebietskommunen wie Duisburg, Hagen und Gelsenkirchen ist das anders. Besonders niedrig ist der Wert in Gelsenkirchen \u2013 wo nur 13 Prozent der etwas mehr als 12.000 Rum\u00e4nen und Bulgaren sozialversicherungspflichtiger Arbeit nachgehen und wo die Arbeitslosenquote mit mehr als 15 Prozent besonders hoch ist und ohnehin schon viele Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen sind. Die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit habe sich aus Gelsenkirchener Perspektive zu einer \u201eSozialleistungsfreiz\u00fcgigkeit\u201c entwickelt, res\u00fcmierte die scheidende Oberb\u00fcrgermeisterin Karin Welge (<a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"SPD\" data-rtr-id=\"c2d4fa5cdfe3231ed958e72fcd36d6afd3774812\" data-rtr-score=\"114.5226771836214\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/spd\" title=\"SPD\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SPD<\/a>) vor einiger Zeit bitter. Immer wieder warnte sie davor, dass in Gelsenkirchen der soziale Friede in Gefahr sei.<\/p>\n<p>Skrupellose Gesch\u00e4ftemacher und ein mafi\u00f6ses Ausbeutungssystem<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Vor der Abrissbaustelle in Gelsenkirchen-Bismarck fasst Bundesarbeitsministerin Bas zusammen, was Armutsmigration mit Schrottimmobilien zu tun hat: Seit der EU-Osterweiterung gibt es skrupellose Gesch\u00e4ftemacher, die es verstehen, die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit gezielt f\u00fcr ein mafi\u00f6ses Ausbeutungssystem auszunutzen und den deutschen Staat gleich mehrfach zu melken. Sie kaufen heruntergekommene H\u00e4user, um sie dann zu horrenden Preisen vorwiegend an Roma-Familien zu vermieten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDie Menschen werden gezielt hierhin gelockt, erhalten eine Bruchbude, kriegen \u2013 wenn sie Gl\u00fcck haben \u2013 einen Miniarbeitsvertrag und erg\u00e4nzen dann mit Sozialleistungen, die ihnen am Ende abgezockt werden\u201c, sagt Bas. Es handle sich um komplette Strukturen. \u201eDenen geh\u00f6rt das Haus, von denen stammen die oft fingierten Arbeitsvertr\u00e4ge.\u201c Die Armutsfl\u00fcchtlinge sind also Opfer eines perfekten Ausbeutungssystems: Denn oft behalten die Kriminellen das geringe Einkommen, die aufgestockte Sozialhilfe, die vom Staat erstatteten Kosten f\u00fcr Miete, Heizung und auch das Kindergeld. Den Armutsfl\u00fcchtlingen, die oft weder lesen noch schreiben k\u00f6nnen, bleibt meist nur, was sie mit Schwarzarbeit verdienen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin der SPD, Andrea Henze, und Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas am 7. August in Gelsenkirchen\" height=\"2000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/die.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Die Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin der SPD, Andrea Henze, und Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas am 7. August in Gelsenkirchendpa<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Ergebnis dieser Zuwanderung sind \u00fcberf\u00fcllte Kitas, \u00fcberforderte Schulen und wachsender Frust in der Nachbarschaft, sagt Axel Barton, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gelsenkirchener Rat. \u201eEin Riesenproblem sind auch die M\u00fcllberge.\u201c T\u00e4glich m\u00fcsse die Stadtreinigung Dutzende wilde M\u00fcllhaufen entfernen, und am Tag darauf sehe es wieder genauso aus. \u201eLeider gibt es in meiner Partei immer noch Genossen, die das Problem besch\u00f6nigen und glauben, wir k\u00f6nnten diese Menschen integrieren. Diese Menschen wollen sich gar nicht integrieren lassen, weil sie in der Erwartung leben, dass sie wie seit Generationen am Rand der Gesellschaft leben, egal wo sie sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Barton verweist auf die hohe Fluktuation: W\u00e4hrend im vergangenen Jahr 8766 Personen aus S\u00fcdosteuropa neu nach Gelsenkirchen kamen, verlie\u00dfen 7652 die Stadt wieder. \u201eDiese Menschen ziehen in andere Kommunen weiter.\u201c Immer und immer wieder m\u00fcsse von Neuem mit der Integration begonnen werden. \u201eAbsurderweise m\u00fcssen sie nach Definition des Landes und des Bundes gar nicht inte\u00adgriert werden, weil sie im bestehenden Migranten-Verteilungsschl\u00fcssel als EU-B\u00fcrger gar nicht ber\u00fccksichtigt werden\u201c, sagt Barton, der seine Sorgen und N\u00f6te schon im Februar in einem dreizehnseitigen Brandbrief an die Bundesvorsitzenden von <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"CDU\" data-rtr-id=\"30eb8234582224cf91e66839fb0c63a8cca9d541\" data-rtr-score=\"25.704094652592506\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/cdu\" title=\"CDU\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CDU<\/a> und SPD aufgelistet hat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nach der Bundestagswahl sandte die Gelsenkirchener Verwaltung einen Forderungskatalog zu den Themen Altschulden, Armutsmigration und Abbruchh\u00e4user an die Unterh\u00e4ndler der Parteien, ausdr\u00fccklich auch stellvertretend f\u00fcr Kommunen mit \u00e4hnlichen Problemen.<\/p>\n<p>Bas will die \u201emafi\u00f6sen Strukturen\u201c zerschlagen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In ihrem Koalitionsvertrag versprachen Union und SPD dann immerhin, das Vorkaufsrecht bei Schrottimmobilien zu st\u00e4rken und konsequent gegen gro\u00df angelegten Sozialmissbrauch vorzugehen. B\u00e4rbel Bas, die aus Duisburg kommt und die Probleme von dort gut kennt, k\u00fcndigt auch in Gelsenkirchen an, die \u201emafi\u00f6sen Strukturen\u201c zu zerschlagen. Wie genau das gelingen soll, bleibt nebul\u00f6s. Sie spricht von besserem Datenaustausch zwischen den beteiligten Beh\u00f6rden wie Finanz\u00e4mtern, Jobcentern, Familienkassen und Sicherheitsbeh\u00f6rden. An der Ar\u00adbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit wolle niemand r\u00fctteln, sagt Bas.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch die Regeln f\u00fcr die Umsetzung will sie ver\u00e4ndern. \u201eDas Ziel der Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit kann nicht das Aufstocken mit Sozialleistungen sein. Wenn jemand f\u00fcr einen F\u00fcnf-Stunden-Arbeitsvertrag nach Deutschland kommt, find ich das schr\u00e4g.\u201c Die Bundesarbeitsministerin spielt auf die aktuelle Verdienstuntergrenze an. Auf den Vorschlag ihres Genossen Barton, Armutsmigranten k\u00fcnftig nach dem K\u00f6nigsteiner Sch\u00fcssel \u00fcber ganz Deutschland zu verteilen, geht Bas ebenso wenig ein wie die SPD-Oberb\u00fcrgermeisterkandidatin in Gelsenkirchen, Andrea Henze.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die 49 Jahre alte Henze ist seit 2021 Dezernentin f\u00fcr Arbeit, Soziales und Gesundheit in Gelsenkirchen und also auch vertraut mit dem Problemkn\u00e4uel Pro\u00adblemimmobilien. Ihr Slogan im Oberb\u00fcrgermeisterwahlkampf, in dem sie auch von den Gr\u00fcnen unterst\u00fctzt wird, hei\u00dft \u201eAnpacken. Aufsteigen.\u201c Der Gelsenkirchener Selbstwahrnehmung, die Stadt der tausend H\u00e4rten zu sein, setzt sie ein verwegenes Versprechen entgegen: einen \u201eAufstiegsplan\u201c. Die Stadt brauche das Gef\u00fchl des Aufstiegs, glaubt Henze.<\/p>\n<p>\u201eAufbruch durch Abriss\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWir sehnen uns wieder nach einem Aufstieg. Nicht nur auf Schalke in K\u00f6nigsblau.\u201c Schritt f\u00fcr Schritt soll es aufw\u00e4rtsgehen \u2013 mit neuen Kitas und Schulen, die sie \u201eF\u00f6rdert\u00fcrme f\u00fcr Zukunft\u201c nennt, durch Ansiedelung von Unternehmen und Mittelstandsf\u00f6rderung, durch mehr Sicherheit, Sauberkeit und Zusammenhalt. Konsequent gehe man gegen windige Gesch\u00e4fte mit Problemimmobilien vor, sagt Henze.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Bismarck f\u00e4llt Henze vor der Baustelle ein weiterer Slogan ein: \u201eAufbruch durch Abriss.\u201c Denn dort, wo sich gerade dr\u00f6hnend der Abrissbagger dreht, soll bald mit dem Bau einer neuen Kita begonnen werden, um den Stadtteil aufzuwerten. Das sei ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie man aus einer schweren Krise einen Aufbruch schaffen k\u00f6nne, findet Henze, w\u00e4hrend gegen\u00fcber wieder ein St\u00fcck Schrottimmobilie auf den Tr\u00fcmmerkegel kracht. \u201eEs ist selbstverst\u00e4ndlich ein \u00dcbergang, der nicht einfach ist. Deshalb haben wir ein gro\u00dfes Fest organisiert, eine Abrissparty, um bei den Anwohnern um Verst\u00e4ndnis zu werben und \u00fcber die Entwicklungsperspektiven f\u00fcr ihr Viertel zu reden.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein Haus wird in Gelsenkirchen abgerissen\" height=\"3000\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ein-haus-wird-in-gelsenkirchen.jpg\" width=\"2250\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Ein Haus wird in Gelsenkirchen abgerissenReiner Burger<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wie viel noch zu tun ist beim \u201eAufbruch durch Abriss\u201c in der geschrumpften, vom Leerstand geplagten Stadt, macht ein Blick auf die Zahlen deutlich: Mehr als 500 Schrottimmobilien gibt es in Gelsenkirchen. Dass die klamme Kommune das Problem in gro\u00dfem Ma\u00dfstab an\u00adgehen kann, ist der \u201eZukunftspartnerschaft\u201c zu verdanken, die sie Ende 2022 mit dem Land <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Nordrhein-Westfalen\" data-rtr-id=\"c8c1fa5f9579aec6992d0d6b5f8d1767f9890151\" data-rtr-score=\"20.212417352975294\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/nordrhein-westfalen\" title=\"Nordrhein-Westfalen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nordrhein-Westfalen<\/a> und dem Bund eingegangen ist. Seither hat Gelsenkirchen allein vom Land 30 Mil\u00adlionen Euro bekommen, um heruntergekommene H\u00e4user kaufen zu k\u00f6nnen, um sie abzurei\u00dfen oder zu modernisieren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eDie wichtigste Botschaft an die Menschen ist: Wir geben euch nicht auf!\u201c, sagt Bundesarbeitsministerin Bas. Einer \u00e4lteren Frau, die sich dar\u00fcber beschwert, dass sich der Abriss der H\u00e4userzeile schon so lange hinzieht, versichert Bas: \u201eEs wird bald besser.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dann muss Bas weiter. Ihre Termine sind eng getaktet. Zeit f\u00fcr ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch mit Anwohnern bleibt nicht. Uwe Schmelz hat gar nicht mitbekommen, dass die Ministerin im Viertel war. \u201eIst nicht schlimm, es bringt uns ja nix, dass sie hier gro\u00dfe Reden schwingt\u201c, sagt er. Gelsenkirchen-Bismarck sei im besten Sinne multikulti gewesen. \u201eDoch dann gab\u2019s die Freiz\u00fcgigkeit auch f\u00fcr S\u00fcdosteurop\u00e4er.\u201c Der Abriss von Problemimmobilien sei ein Lichtblick f\u00fcr das Viertel. \u201eDenn hier haben wir auch sehr viel guten Wohnraum.\u201c Trotzdem h\u00e4tten die allermeisten im Viertel die Hoffnung verloren, dass sich nun wirklich etwas zum Besseren wendet. Weil immer noch so viel M\u00fcll herumliegt. Weil Gro\u00dffamilien jetzt im Sommer manchmal bis ein Uhr in der Nacht in l\u00e4rmenden Rudeln die Stra\u00dfe bev\u00f6lkern.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin und Freunden hat Schmelz die B\u00fcrgerinitiative \u201eKehrwoche\u201c gegr\u00fcndet. Sie k\u00fcmmert sich um die Brache, auf der sich nach dem Abriss eines Eckhauses an der Robergstra\u00dfe der M\u00fcll immer h\u00f6her t\u00fcrmte. Nach und nach soll sich die Fl\u00e4che in einen Stadtgarten verwandeln. Der Zaun steht, es gibt schon Hochbeete, einen Ger\u00e4teschuppen. \u201eUnd einen Bauwagen haben wir gerade gekauft. Von der Stadt bekommen wir nicht viel Hilfe, die hat ja kein Geld\u201c, sagt Schmelz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Uwe Schmelz von der B\u00fcrgerinitiative \u201eKehrwoche\u201c\" height=\"2250\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/uwe-schmelz-von-der.jpg\" width=\"3000\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Uwe Schmelz von der B\u00fcrgerinitiative \u201eKehrwoche\u201cReiner Burger<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Neben dem G\u00e4rtnern gibt es ein Sommerprogramm: Regelm\u00e4\u00dfig macht das \u201eKunst- und Kulturmobil\u201c (Kukumo) der Kunstschule Gelsenkirchen auf der Fl\u00e4che Station f\u00fcr die Kinder aus den herunter\u00adgekommenen H\u00e4usern gegen\u00fcber. F\u00fcr deren Eltern organisieren Schmelz und seine Mitstreiter \u201eB\u00fcrgergespr\u00e4che\u201c, als N\u00e4chste sind Streifenbeamte der Polizeiwache Bismarck zu Gast. Nur zehn bis zw\u00f6lf Kinder k\u00e4men zum Kukumo oder zu den Stra\u00dfenputzaktionen, erz\u00e4hlt Schmelz. \u201eZiemlich entt\u00e4uschend. Trotzdem: Aufgeben gilt nicht!\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u00dcber den M\u00fcll, den jemand letzte Nacht direkt unter das Schild \u201eAblagern von M\u00fcll und Schutt verboten!\u201c am Zaun gelegt hat, mag sich Schmelz ebenso wenig aufregen wie \u00fcber das abgemeldete schrottreife Auto, das schon seit Tagen auf dem Gehsteig steht. Auf der Windschutzscheibe klebt eine orangefarbene Bu\u00dfgeldandrohung. Am Ende wird wieder die Stadt das Auto verschrotten m\u00fcssen, weil der letzte Eigent\u00fcmer nicht auffindbar ist.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eViele Alteingesessene sind resigniert, erwarten nichts mehr, weil es einfach zu viele Armutsmigranten sind\u201c, sagt Schmelz. \u201eDeshalb f\u00fcrchte ich, dass viele die AfD w\u00e4hlen, selbst Leute mit Migrationshintergrund.\u201c F\u00fcr ihn komme das aber unter keinen Umst\u00e4nden infrage. Und wenn im ersten Wahlgang die AfD viele Stimmen bekomme, seien wieder alle erschrocken, prophezeit Schmelz. \u201eFrau Henze wird es im zweiten Durchgang, weil sich dann auch die anderen demokratischen Parteien f\u00fcr sie aussprechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Aufstieg ist keine Utopie\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">An einem anderen Tag ist Henze mit Fraktionschef Barton in dessen Wahlkreis in Buer mit dem Bollerwagen auf Tour durch Schreberg\u00e4rten und zu Vereinen. Die Chance, dort Leute zu treffen, die sich dazu motivieren lassen, zur Wahl zu gehen, sich f\u00fcr ihren \u201eAufstiegsplan\u201c interessieren, ist in Buer gr\u00f6\u00dfer als in anderen Gelsenkirchener Vierteln. Nein, verwegen finde sie ihren Slogan \u201eAnpacken. Aufsteigen\u201c ganz und gar nicht, sagt Henze. \u201eDas ist das Motto, das sich durch mein eigenes Leben zieht.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Henze stammt aus Dessau in Sachsen-Anhalt. Nach der Wende machte sie in Ludwigshafen am Rhein eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, sp\u00e4ter holte sie ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach, studierte, zog allein ihre Tochter gro\u00df, stieg in Dessau bis zur Chefin der st\u00e4dtischen Wirtschaftsf\u00f6rderung auf, wechselte zur\u00fcck in den Westen, wurde Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Jobcenters in Hagen, leitete die Sozial\u00e4mter in Duisburg und Bochum und wurde schlie\u00dflich Dezernentin f\u00fcr Arbeit, Soziales und Gesundheit in Gelsenkirchen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eGelsenkirchen hat den Aufstieg verdient! Und wir schaffen den Aufstieg\u201c, sagt Henze, als sie beim Verein \u201eGr\u00fcn\u00adlabor\u201c auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Steinkohlenzeche Hugo angekommen ist. In den vergangenen zehn Jahren haben Ute und Peter Boeff und die rund zwanzig weiteren aktiven Mitglieder dort eine Gar\u00adtenoase geschaffen, die besonders gern von Familien aus einer nahen Hochhaussiedlung genutzt wird. F\u00fcr Kinder bieten die Ehrenamtler Spiel- und Lernangebote wie Koch- oder Pflanzenbestimmkurse an. \u201eAuch weil es solch herausragendes Engagement in der Stadt gibt, ist der Aufstieg keine Utopie\u201c, glaubt Henze.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Peter Boeff unterrichtete bis zur Pensionierung an der legend\u00e4ren DFB-Eliteschule Berger Feld Latein und Sport. Auch alle, die sp\u00e4ter ganz gro\u00df rausgekommen sind, hat Boeff unterrichtet: Manuel Neuer, Julian Draxler, Mesut \u00d6zil. Namen, die an die bislang letzte gro\u00dfe Zeit erinnern, bevor die K\u00f6nigsblauen den Anschluss an die nationale Spitze verloren und vor etwas mehr als vier Jahren in die 2. Liga ab\u00adstiegen. Schalke 04 gelang zwar der direkte Wiederaufstieg \u2013 um den Klassenerhalt in der Saison darauf wieder zu verspielen. Schafft Gelsenkirchen den Aufstieg?Boeff \u00fcberlegt einen Moment. \u201eIm Fu\u00dfball jedenfalls nicht mehr so schnell.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der gro\u00dfe gelbe Bagger auf dem Tr\u00fcmmerkegel greift nur kurz in die Fassade des heruntergekommenen Backsteinhauses im Gelsenkirchener&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":342410,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[3364,29,548,663,3934,3658,30,13,14,15,1209,12],"class_list":{"0":"post-342409","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-gelsenkirchen","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115023363697054478","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/342409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=342409"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/342409\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/342410"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=342409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=342409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=342409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}