{"id":342475,"date":"2025-08-13T21:06:17","date_gmt":"2025-08-13T21:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342475\/"},"modified":"2025-08-13T21:06:17","modified_gmt":"2025-08-13T21:06:17","slug":"farge-rekum-sollte-vor-rund-hundert-jahren-luftkurort-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342475\/","title":{"rendered":"Farge-Rekum sollte vor rund hundert Jahren Luftkurort werden"},"content":{"rendered":"<p>\n     Bremer fahren zum Kuren nach Farge. Das h\u00e4tte damals eine Schlagzeile werden k\u00f6nnen. Oder auch: Hansest\u00e4dter lassen sich vor der eigenen Haust\u00fcr gesunde Luft um die Nase wehen. Weit h\u00e4tten sie es zum Erholungsort nicht gehabt. Immer an der Weser entlang bis Farge-Rekum. Bis zum Luftkurort Farge-Rekum, um genau zu sein. Den sollte es vor rund hundert Jahren n\u00e4mlich geben. Die Idee lag eigentlich nahe. Wo doch so viele Bremer aus der Stadt und Besucher aus dem Umland gen Farge str\u00f6mten, um an dem sch\u00f6nen Fluss die Sommerfrische zu genie\u00dfen. Wo die Strandb\u00e4der in Farge und Rekum ins erfrischende Nass lockten und wo in den schmucken Ausflugslokalen an der Wasserkante die St\u00fchle nicht lange unbesetzt blieben. In so manchen Privath\u00e4usern wurden sogar Fremdenzimmer angeboten. Warum die Sommerfrische also nur f\u00fcr einen Tag genie\u00dfen? Warum nicht den Koffer packen und in Farge-Rekum am idyllischen <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/landkreis-diepholz\/stadt-syke\/syke-bis-eystrup-niedersachsen-im-historischen-kaffkieker-erkunden-doc81el8ae9068dwiwz4xj\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weserstrand<\/a> ein bisschen l\u00e4nger bleiben?\n<\/p>\n<p>So war das in den 1920er- und 1930er-Jahren, erz\u00e4hlen J\u00f6rg Bolz und Arend Wessels. Beide kennen sich mit dem Blick in die Vergangenheit bestens aus. J\u00f6rg Bolz leitet im Kahnschifferhaus des Heimatvereins Farge-Rekum das Archiv. Arend Wessels ist sein Vorg\u00e4nger. Bei so viel Touristenstrom und sommerlich-frischer Freude dr\u00e4ngte sich der Gedanke f\u00f6rmlich auf: Farge-Rekum sollte Luftkurort werden. Mit diesem Pr\u00e4dikat h\u00e4tte man nicht nur exponiert f\u00fcr sich werben k\u00f6nnen, es w\u00e4re auch Kurtaxe in die Gemeindekasse geflossen. Dass es letztlich nur bei der Idee blieb und der immerhin zehn Jahre w\u00e4hrende Traum vom gesundheitsf\u00f6rdernden Farger Klima ein reines Luftschloss war, l\u00e4sst sich kurz und knapp und im buchst\u00e4blichen Sinne mit den Worten &#8222;So&#8217;n Schiet&#8220; beschreiben.<\/p>\n<p>Dabei sahen die Bedingungen geradezu paradiesisch aus. Die Archivunterlagen beim Heimatverein Farge-Rekum berichten von einem &#8222;Strand mit sch\u00f6nem wei\u00dfen Sand&#8220; in Farge und Rekum. Aufgesp\u00fclt worden war er im Zuge der Weservertiefungen. Allein in Rekum war der Strand zwei Kilometer lang. Im Grunde reichte der Weserstrand damals noch von Vegesack bis Harriersand, wei\u00df J\u00f6rg Bolz. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hatte am Ufer in Farge einen wachsamen Blick auf die Badeg\u00e4ste, unter denen auch nicht wenige Nichtschwimmer waren. Auch Ordnung musste sein. &#8222;Zu Saisonbeginn wurde der Strand abgeharkt und sauber gemacht.&#8220; In den Unterlagen des Heimatarchivs ist zu lesen, dass der \u00f6rtliche Heimatverein die Gemeinde im Jahr 1934 aufforderte, &#8222;f\u00fcr die mehreren Tausend Besucher der Str\u00e4nde in Farge Toiletten aufzubauen&#8220;. Das Strandleben boomte. Die Wirte frohlockten. Die von Charlotte Freiwald er\u00f6ffnete alkoholfreie Gastst\u00e4tte erlebte ebenso gro\u00dfen Zuspruch wie der Sommergarten am Gasthaus &#8222;Am Weserstrand&#8220;.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" data-w=\"1200 1 Landscape\" alt=\"Wer nach Farge kam, kehrte auch im Sommergarten der Gastst\u00e4tte \u201dAm Weserstrand\u201d ein.\" class=\"inline-gallery__image withsrc\" style=\"max-height:unset;aspect-ratio:16\/9\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Landscapedoc81wlfe7fd1e1e0ss235r-jpg.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>Wer nach Farge kam, kehrte auch im Sommergarten der Gastst\u00e4tte \u201dAm Weserstrand\u201d ein.<\/p>\n<p>                    Foto:<br \/>\n     Heimatverein Farge-Rekum <\/p>\n<p>Am F\u00e4hranleger in Farge, den auch die Fahrgastschiffe mit Besuchern aus der Stadt ansteuerten, prangte in gro\u00dfen Lettern das Schild &#8222;Strandbad Farge&#8220;. Ein Foto zeigt sommerlich gekleidete Damen und Herren, die auf dem Anleger ans Ufer str\u00f6men. Ein anderes Foto zeigt Badeg\u00e4ste, wie sie vom eigens aufgebauten Sprungturm in die Fluten springen. Auch in Rekum prangte \u00fcber dem F\u00e4hranlager ein Strandbad-Schild. Dass es dort einen eigenen Anleger gab, den ebenfalls die Ausflugsdampfer direkt von Bremen aus ansteuern konnten, sei dem &#8222;r\u00fchrigen Wirt Friedrich Freese&#8220; zu verdanken gewesen. Er betrieb seit 1933 die alkoholfreie Gastst\u00e4tte &#8222;Weserlust&#8220; mit Sommergarten und versorgte die G\u00e4ste mit Speisen und Getr\u00e4nken. Um den Fremdenverkehr anzukurbeln und &#8222;um den heimatlichen Ort in einem guten Licht dastehen zu lassen&#8220;, brachte der Heimatverein au\u00dferdem ein Reklameblatt f\u00fcr Farge-Rekum heraus. Etliche Fotos warben darin f\u00fcr die Lage an der Unterweser. Texte priesen Sehensw\u00fcrdigkeiten wie die mit Reet gedeckten Fachwerkh\u00e4user und enthielten Tipps f\u00fcr Ausfl\u00fcge.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" data-w=\"1200 1 Landscape\" alt=\"F\u00fcr die Sommerg\u00e4ste wurde am Strandbad Farge eigens ein Sprungturm aufgebaut.\" class=\"inline-gallery__image withsrc\" style=\"max-height:unset;aspect-ratio:16\/9\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Landscapedoc81wlhnbohsl18m9lmg3v-jpg.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>F\u00fcr die Sommerg\u00e4ste wurde am Strandbad Farge eigens ein Sprungturm aufgebaut.<\/p>\n<p>                    Foto:<br \/>\n     Heimatverein Farge-Rekum <\/p>\n<p>Also alles schick in Farge-Rekum. Zumindest f\u00fcr die Augen. F\u00fcr die Nasen allerdings muss der Besuch in der Sommerfrische an der Unterweser wohl eher eine Zumutung gewesen sein. &#8222;Schon seit Beginn der 1920er-Jahre&#8220;, erz\u00e4hlen J\u00f6rg Bolz und Arend Wessels, &#8222;wurde hier intensive Schweinemast betrieben.&#8220; 1932 gab es sechs hauptberufliche M\u00e4ster mit bis zu 700 Schweinen im Jahr, schrieb Arend Wessels in einem Text \u00fcber den Fremdenverkehr in Farge-Rekum. Hinzu kamen noch die Bauern- und Nebenerwerbsh\u00f6fe. Eine bei\u00dfende Duftwolke von Ammoniak muss \u00fcber dem Dorf gelegen haben. So war es ein eher k\u00fchnes Vorhaben, Farge-Rekum in dieser Hochphase der Schweinem\u00e4sterei zu einem Luftkurort machen zu wollen. Die beiden M\u00e4nner fragen sich, wie man diese Tatsache so ausblenden konnte. Inzwischen locken entlang der Weser im Bremer Norden auch keine lang gestreckten wei\u00dfen Str\u00e4nde mehr. Die Ufer sind l\u00e4ngst weitgehend befestigt worden, seit zu viel Sand in die Fahrrinne eingetragen wurde, erz\u00e4hlt J\u00f6rg Bolz. Zudem r\u00e4t die DLRG heutzutage vom Baden in der Weser dringend ab. So sucht kaum noch jemand in Farge-Rekum die Sommerfrische. Dabei w\u00fcrden sich die Nasen heute gar nicht mehr r\u00fcmpfen. Auch die Zeit der Schweinem\u00e4ster ist hier l\u00e4ngst Vergangenheit.<\/p>\n<p>                        <a href=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/\" id=\"home\" class=\"button primary-primary font-size-15_1 m-0a customEvent\" data-layer-event-name=\"customEvent\" data-layer-trigger=\"click\" data-layer-category=\"artikelscoring\" data-layer-action=\"startseite_button\" data-layer-label=\"doc81sxzyq78gm17jvy5hoe\" data-layer-value=\"https:\/\/www.weser-kurier.de\/bremen\/stadtteil-blumenthal\/1\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bremer fahren zum Kuren nach Farge. 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