{"id":342597,"date":"2025-08-13T22:11:18","date_gmt":"2025-08-13T22:11:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342597\/"},"modified":"2025-08-13T22:11:18","modified_gmt":"2025-08-13T22:11:18","slug":"ocean-race-europe-die-startkollision-wer-hat-schuld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/342597\/","title":{"rendered":"Ocean Race Europe: Die Startkollision \u2013 wer hat Schuld?"},"content":{"rendered":"<p>Warum luvte Holcim PRB pl\u00f6tzlich an?<\/p>\n<p class=\"\">Holcim PRB lag klar voraus, leew\u00e4rtig versetzt zu Allagrande Mapei Racing, die schnell von hinten aufkamen. Ausl\u00f6ser der Kollision war ein relativ schnelles Anluven von Holcim PRB. Warum dieses Anluven passierte, ist unklar. War es eine falsche Kielstellung oder ein \u00dcberl\u00e4ufer auf der Genuaschot? <a href=\"https:\/\/www.yacht.de\/regatta\/the-ocean-race\/ocean-race-europe-wettlauf-gegen-die-zeit-crash-teams-kaempfen-ums-comeback\/\" class=\"\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Boris Herrmann meint<\/a>, in den Videos gesehen zu haben, dass der Kiel nach Lee geschwenkt war, andere meinten, ihn mittig gesehen zu haben. Das kann bei dem zun\u00e4chst leichten Wind von Vorteil sein.<\/p>\n<p class=\"\">Dann jedoch bekam das Boot eine st\u00e4rkere B\u00f6, f\u00fcr die zu viel Segelfl\u00e4che gesetzt war. Kommentator Timmy Kr\u00f6ger meint im Video mit den Aufnahmen unter Deck geh\u00f6rt zu haben, dass der Genuatrimmer rief \u201eich kann nicht \u00f6ffnen\u201c, was daf\u00fcr spr\u00e4che, dass es einen \u00dcberl\u00e4ufer auf der Schot gab.<\/p>\n<p class=\"\">Beide Aspekte, oder nur einer davon, f\u00fchrten offensichtlich dazu, dass zu viel Segeldruck entstand, das Gro\u00dfsegel von Holcim PRB invertierte bereits, das Profil w\u00f6lbe sich nach Luv, das Boot kr\u00e4ngte zu stark und das Leeruder konnte nicht mehr ausreichend Gegendruck erzeugen. Das Boot luvte unkontrolliert an.<\/p>\n<p>Der Crash aus allen Perspektiven<\/p>\n<p>H\u00e4tte Allagrande ausweichen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"\">Offensichtlich wurde das Team Allagrande Mapei Racing von diesem Anluven \u00fcberrascht. Es bretterte mit deutlich mehr Speed von hinten heran und in Holcim PRB hinein. Beide Boote erlitten erhebliche Sch\u00e4den. Nach dem Regelwerk scheint die Schuldfrage zun\u00e4chst eindeutig: Lee vor Luv. Holcim PRB hat in Lee liegend Wegerecht, Allagrande muss sich in Luv freihalten.<\/p>\n<p class=\"\">Konnte Allagrande das jedoch? Im Video ist zu sehen, dass auch Allagrande leicht anluvt. Das ist aber wahrscheinlich derselben B\u00f6 geschuldet, in der die Crew alle H\u00e4nde voll zu tun gehabt haben wird, das Boot unter Kontrolle zu halten. <\/p>\n<p class=\"\">Holcim PRB muss der ausweichpflichtigen Yacht im Gegenzug gen\u00fcgend Zeit und Raum geben, um sich freihalten zu k\u00f6nnen. Dieser Teil der Wegerechtsregeln dient dazu, Kollisionen zu vermeiden. <\/p>\n<p class=\"\">In den Luftaufnahmen ist zu sehen, dass vom ersten deutlichen Anluven von Holcim PRB bis zum Crash etwa zehn Sekunden vergehen. Das ist im normalen Regattageschehen, etwa bei Jollen, eine Ewigkeit. Aber auch f\u00fcr Imocas?<\/p>\n<p class=\"\">Diese Boote sind nicht f\u00fcr schnelle Man\u00f6ver vorgesehen. Einmal eingestellt, segeln sie, vor allem im Einhandmodus, stundenlang ohne weitere Ver\u00e4nderungen. Wer die Boote vor dem Start etwa bei den Speedruns beobachtet hat konnte sehen, dass beispielsweise die gro\u00dfe Genua J0 f\u00fcr eine Wende immer erst weggerollt und auf dem neuen Bug wieder ausgerollt werden muss. Es sind insgesamt so viele Leinen zu bedienen, dass jedes Man\u00f6ver durchgesprochen und schrittweise ausgef\u00fchrt werden muss. Zudem war auch an Bord von Allagrande in dieser Situation vermutlich reichlich Action.<\/p>\n<p>H\u00e4tte Allagrande Ausguck halten m\u00fcssen?<\/p>\n<p class=\"\">Dennoch erscheint ein Aufschie\u00dfer von Allagrande, um der Kollision zu entgehen, m\u00f6glich gewesen zu sein. Direkt nach der Kollision wird schlie\u00dflich hart angeluvt. Doch dazu h\u00e4tte die Crew das von unten heranschie\u00dfende Holcim-PRB-Boot auch sehen m\u00fcssen. Offenbar haben sie es nicht, jedenfalls zeigen die Aufnahmen keinerlei Versuch eines Ausweichens.<\/p>\n<p class=\"\">Allerdings ist es bei diesen Booten so, dass man in einer solchen Situation nichts in Lee wahrnimmt. Die riesige Genua liegt mit dem Unterliek fast auf dem Wasser und bildet ohne Fenster eine undurchsichtige Wand. Auch unter dem Gro\u00dfbaum kann man bei Kr\u00e4ngung von Luv aus nicht hindurchsehen. Das ist zwar bei allen gr\u00f6\u00dferen Regattayachten so, bei den Imocas kommt jedoch ein erschwerender Punkt hinzu.<\/p>\n<p class=\"\">Die Boote sind so gebaut, dass sie unter Deck bedient werden, um die Crew oder bei Solorennen den Skipper vor rauen Umweltbedingungen wir Sturm und \u00fcberkommende Seen, vor allem im Southern Ocean, zu sch\u00fctzen. Beim Ocean Race Europe wird mit vier Crewmitgliedern plus Bordreporter gesegelt. Zwei Crewmitglieder befanden sich unter Deck, um die Schoten und den Grinder zu bedienen, der Steuermann sa\u00df in Luv, zusammen mit dem Bordreporter, das verbleibende Crewmitglied befand sich ebenfalls am luvw\u00e4rtigen Ausguck mit Blick nach vorn. Keiner konnte die Lage in Lee \u00fcberschauen, dazu h\u00e4tte jemand achtern in Lee sitzen m\u00fcssen. Warum sa\u00df dort niemand?<\/p>\n<p>Sind die Skipper \u00fcberfordert?<\/p>\n<p class=\"\">Offensichtlich hat an Bord von Allagrande niemand mit einem Aufschie\u00dfer von Holcim PRB gerechnet. Was nicht ganz unerkl\u00e4rlich ist, wenn man sich die Vita der meisten Segler anschaut. Die wenigsten kommen aus dem Jollensegeln, wo solch enge und pl\u00f6tzliche Situationen normal sind und die Aktiven vorbereitet und geschult f\u00fcr so etwas. Es sind Langfahrtsegler, die, einmal unterwegs, oft \u00fcber mehrere Tage kein anderes Boot sehen und sich auf die Technik verlassen m\u00fcssen, wie AIS oder das im Masttopp montierte Anti-Kollisionssystem Oscar. <\/p>\n<p class=\"\">Nur hat diese Technik wohl im Wust an Zuschauerbooten, welche die Starter begleiteten, wenig gen\u00fctzt, wenn \u00fcberhaupt jemand Zeit hatte, auf die Monitore zu schauen.<\/p>\n<p class=\"\">Eine \u00e4hnliche Situation gab es bereits beim vorangegangenen Ocean Race Europe, als es vor Den Haag nach dem Start zur siebten und letzten Etappe <a href=\"https:\/\/www.yacht.de\/regatta\/the-ocean-race\/the-ocean-race-kollisionsdrama-vor-den-haag-wir-sind-am-boden-zerstoert\/\" class=\"\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">zur Kollision<\/a> zwischen den Spitzenreitern vom US-Team 11th Hour Racing und Team Guyot kam. Auch damals war unverst\u00e4ndlich, wie die ausweichpflichtige Crew von Guyot den Konkurrenten \u00fcbersehen konnte.<\/p>\n<p class=\"\">Anscheinend sind entweder die Crews nicht ausreichend geschult f\u00fcr das Segeln mit diesen Booten in engen Boot-gegen-Boot Situationen, oder aber die Boote sind einfach so anspruchsvoll zu segeln, dass die Crew mit zu vielen Aufgaben gleichzeitig konfrontiert wird. Nicht umsonst hatten die Skipper vor dem Start vor genau solchen Situationen gewarnt.<\/p>\n<p>Hatte Allagrande ausreichend Raum zum Freihalten?<\/p>\n<p class=\"\">Ein weitere Frage, welche die Jury besch\u00e4ftigen k\u00f6nnte, ist die Enge des Kurses. In Luv aller Boote lag eine Armada an Zuschauerbooten. Einige der anderen Teams hielten sich wohlweislich weit in Lee dieser Flotte. Allagrande lag am weitesten in Luv, gesch\u00e4tzte 100 Meter in Lee der Flotte, einige Begleit- und Presseboote noch dazwischen. Es kann gut sein, dass die Crew von Allagrande zwar gesehen hat, dass der eigene Kurs recht dicht am Kielwasser von Holcim PRB lag, und nur deren Kielwasser konnten sie sehen. Dass sie sich aber nicht noch weiter nach Luv trauten, um nicht zu dicht an die Zuschauer- und Begleitboote zu geraten. Und damit in Kauf nahm, nicht mehr auf den Konkurrenten reagieren zu k\u00f6nnen, falls es n\u00f6tig sein sollte.<\/p>\n<p class=\"\">Nach der Kollision war dann auch zu sehen, dass Holcim PRB in den Wind schoss und vorerst in die Zuschauerboote hineinfuhr, die wild auseinanderstoben. <\/p>\n<p class=\"\">Insofern w\u00e4re f\u00fcr die Jury auch zu erw\u00e4gen, ob es sich bei der Zuschauerflotte um ein Hindernis handelte, von dem sich Allagrande freihalten wollte. In diesem Fall w\u00e4re dann wieder die Frage, ob Holcim PRB sie wegen des Aufschie\u00dfers am Freihalten hinderte.<\/p>\n<p class=\"\">Es ist also keine leichte Aufgabe f\u00fcr die Jury, ihre Entscheidung, und vor allem die Begr\u00fcndung, d\u00fcrfte interessant werden.<\/p>\n<p>Lehren aus der Kollision?<\/p>\n<p class=\"\">Es ist nat\u00fcrlich immer leicht, vom Sofa aus und im Nachhinein zu urteilen. Aber da es nun schon zum zweiten Mal zu einer folgenschweren Kollision kam, die Einfluss auf den Rennverlauf nahm und in diesem Fall wohl nehmen wird, stellt sich schon die Frage, wie so etwas zu vermeiden ist. An der Art zu starten, mit kurzer Linie und umringt von Zuschauerbooten, k\u00f6nnte man etwas \u00e4ndern, die Boote weiter drau\u00dfen starten lassen, wo mehr Platz gewesen w\u00e4re. Das w\u00fcrde aber auch viel vom Reiz der Veranstaltung nehmen, der sich gerade aus dieser N\u00e4he zu den Fans begr\u00fcndet.<\/p>\n<p class=\"\">Aber wie w\u00e4re es mit einem zus\u00e4tzlichen Beobachter an Bord? Ein Crew- oder Jurymitglied, das in Lee sitzt und die Konkurrenz beobachtet? Und dann, nach einer gewissen zuvor festgelegten Distanz, wenn sich alles entzerrt hat, von Bord springt? So wie es Kiels Oberb\u00fcrgermeister von Bord der \u201cMalizia\u201d kurz vor dem Start tat? Allerdings best\u00fcnde dann auch die Gefahr, von einem von hinten kommenden Teilnehmer \u00fcberfahren zu werden.<\/p>\n<p class=\"\">Auch in diesem Punkt wird es also f\u00fcr die Veranstalter noch einiges zu \u00fcberlegen geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum luvte Holcim PRB pl\u00f6tzlich an? 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