{"id":343491,"date":"2025-08-14T06:27:14","date_gmt":"2025-08-14T06:27:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343491\/"},"modified":"2025-08-14T06:27:14","modified_gmt":"2025-08-14T06:27:14","slug":"ausbeutung-am-kreuzfahrtschiff-so-hebeln-subunternehmen-arbeitsrecht-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343491\/","title":{"rendered":"Ausbeutung am Kreuzfahrtschiff: So hebeln Subunternehmen Arbeitsrecht aus"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/screenshot-29856.webp\" alt=\"Kreuzfahrtschiff in der Meyerwerft\" title=\"Kreuzfahrtschiff in der Meyerwerft | Screenshot\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Kreuzfahrtschiff: Werden Werftarbeiter in Wismar ausgebeutet (26 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 14.08.2025 06:48 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Auf der Meyer Werft in Wismar wird f\u00fcr den Disney-Konzern gerade eines der gr\u00f6\u00dften Kreuzfahrtschiffe der Welt fertig gebaut. Auch Anamaria Ciocia aus Rum\u00e4nien hat f\u00fcr kurze Zeit daran mitgearbeitet. Ihr Fall gibt Einblick in ein ausbeuterisches System.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Carolin Kock<\/p>\n<p class=\"\">\nAnfang Juli in der rum\u00e4nischen Hafenstadt Constan\u0163a: Anamaria Ciocia wohnt gleich neben dem Park G\u0103rii. Auf Kr\u00fccken ist sie zum Interview hierher gelaufen. Ihr rechtes Bein steckt in einer Kunststoffschiene mit der Aufschrift &#8222;Sana Hanse-Klinikum Wismar&#8220;. Die Rechnung hat sie dabei: Vier Tage bleiben ihr, um 900 Euro f\u00fcr die Schiene zu bezahlen. Bei ihrer Arbeit auf der Meyer Werft in Wismar hat sie sich am 24. Mai den Kn\u00f6chel gebrochen. Seit mehr als einem Monat wartet sie auf die Anerkennung des Arbeitsunfalls und auch auf mehrere Hundert Euro Lohn: &#8222;Ich habe so etwas nicht erwartet. Wir wurden wie Sklaven behandelt. Genau wie Sklaven. Und nicht nur wir, die meisten auf dieser Baustelle wurden so behandelt&#8220;, sagt Anamaria Ciocia \u00fcber ihre Woche in Wismar.<\/p>\n<p>    Litauische Firma rekrutiert f\u00fcr Auftrag in Wismar<\/p>\n<p class=\"\">\nIm Fr\u00fchjahr sind sie und ihr Mann auf die Facebook-Anzeige einer rum\u00e4nischen Vermittlungsagentur gesto\u00dfen. Gesucht werden Arbeitskr\u00e4fte f\u00fcr Werftjobs in ganz Europa. So sind sie in Kontakt mit der litauischen Firma Maviga Pro gekommen. Doch die bietet ihnen seinerzeit keinen Job in Litauen an, sondern in Wismar: &#8222;Wir wussten nicht, dass es um Deutschland geht. Es ist uns egal, wohin wir geschickt werden, wichtig ist, dass es Arbeit gibt.&#8220; Anamaria Ciocia unterschrieb einen 18-seitigen Arbeitsvertrag &#8211; auf Litauisch und Englisch. Drei Monate lang soll sie auf der Werft in Wismar als &#8222;Interior fitter&#8220; an der Innenausstattung des Disneyschiffes arbeiten. Ein Video von ihrer Unterkunft f\u00fcr die Zeit zeigte eine einfache, moderne Zwei-Raum-Wohnung mit Balkon.<\/p>\n<p>    Die Unterkunft: &#8222;Der Dachboden eines Viehstalls&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nDoch vor Ort war alles anders als erwartet. Kurz vor Mitternacht kamen Anamaria Ciocia und ihr Mann an der Unterkunft an: &#8222;Es war stockdunkel. Ich konnte nicht sehen, um was f\u00fcr ein Geb\u00e4ude es sich handelte. Erst am Morgen haben wir erkannt, wo wir eigentlich untergebracht waren. Es war tats\u00e4chlich der Dachboden eines Viehstalls.&#8220; Am n\u00e4chsten Morgen um 6 Uhr, erz\u00e4hlt sie, wurden sie von einem Vorarbeiter zur Werft gebracht, bekamen dort ihre Zugangskarten und Arbeitsausr\u00fcstung &#8211; nicht von Maviga Pro, sondern von der Firma NIT, der Naval Interior Team GmbH. Bei den NIT-Mitarbeitern sprach Anamaria Ciocia den prek\u00e4ren Zustand ihrer Unterkunft an: &#8222;Sie sagten uns, wir sollen Geduld haben, wir w\u00fcrden am Ende des Tages zu einer anderen Unterkunft gebracht.&#8220; Und noch etwas war vor Ort anders: Statt die Innenausstattung zu bauen, sollten Anamaria Ciocia und ihre Kollegen nun M\u00fcll vom Schiff tragen &#8211; \u00fcber Treppen von Deck zu Deck.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/screenshot1938892.webp\" alt=\"Lkw auf einem Autobahn-Rastplatz\" title=\"Lkw auf einem Autobahn-Rastplatz | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Auf deutschen Stra\u00dfen sind mutma\u00dflich Tausende LKW-Fahrer illegal unterwegs. Ihre Auftraggeber betreiben Lohndumping und prellen die Sozialkassen. Ermittler sind frustriert, weil sie wenig ausrichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    Rum\u00e4nische Kollegen reisen vorzeitig ab<\/p>\n<p class=\"\">\nAm Ende des ersten Tages wurde sie in die neue Unterkunft gefahren, in der schon ihre Kollegen untergebracht sind &#8211; ein Dachboden in der Bahnhofstra\u00dfe in Schwaan: &#8222;Es war voll mit Bettwanzen und M\u00e4usen. Es war grauenhaft.&#8220; Drei ihrer rum\u00e4nischen Kollegen reisten daraufhin freiwillig zur\u00fcck nach Hause. Das ver\u00e4nderte die Stimmung auf der Werft: &#8222;Sie waren sehr ver\u00e4rgert dar\u00fcber. Wenn wir etwas gefragt haben, wurde uns nur sehr unh\u00f6flich geantwortet, eine Zusammenarbeit war nicht mehr m\u00f6glich.&#8220; Wenn Anamaria Ciocia \u00fcber die Personen spricht, die f\u00fcr ihre Unterkunft und auf der Baustelle zust\u00e4ndig waren, kann sie nicht sagen, wer f\u00fcr welche Firma gearbeitet hat &#8211; Maviga Pro oder NIT.\u00a0<\/p>\n<p>    Subunternehmerketten umgehen Arbeitsrechte<\/p>\n<p class=\"\">\nAnamaria Ciocia gelangte \u00fcber eine Kette von Subunternehmen nach Wismar: F\u00fcr den Innenausbau des Schiffes hat die Meyer Werft einen Werkvertrag mit der Firma NIT geschlossen. NIT hat daf\u00fcr die litauische Firma Maviga Pro beauftragt. Die wiederum rekrutierte daf\u00fcr Anamaria Ciocia und ihre Kollegen aus Rum\u00e4nien. Dass ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte \u00fcber drei bis vier L\u00e4ndergrenzen hinweg vermittelt werden, komme immer h\u00e4ufiger vor, erkl\u00e4rt Mirela Caravan vom Nationalen Gewerkschaftsblock in Bukarest, denn f\u00fcr die Generalunternehmer habe das Vorteile: &#8222;Das liegt eindeutig daran, dass der Subunternehmer Arbeitskr\u00e4fte zu einem niedrigeren Preis anbietet. Sie nutzen Schlupfl\u00f6cher und missbrauchen so die Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit innerhalb der Europ\u00e4ischen Union.&#8220; Subunternehmerketten h\u00e4tten h\u00e4ufig zur Folge, dass die nationalen Arbeitsnormen umgangen werden, sagt Mirela Caravan.<\/p>\n<p>    Unfall auf Deck 5<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/screenshot-29862.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/screenshot-29862.webp\" alt=\"Anamaria Ciocia aus Rum\u00e4nien im Gespr\u00e4ch\" title=\"Anamaria Ciocia st\u00fcrzte w\u00e4hrend der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff in der Meyer Werft, krankenversichert war sie aber nicht. | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Anamaria Ciocia st\u00fcrzte w\u00e4hrend der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff in der Meyer Werft, krankenversichert war sie aber nicht.<\/p>\n<p class=\"\">\nMehrere Tage lang trug Anamaria Ciocia gro\u00dfe M\u00fclls\u00e4cke von Deck zu Deck &#8211; mindestens zehn Stunden lang ohne Mittagspause, erz\u00e4hlt sie. Vor allem Deck 5 und 6 des Schiffes seien mit Ger\u00fcsten vollgestellt gewesen &#8211; so eng, dass sie sich kaum habe bewegen k\u00f6nnen. &#8222;Als ich die Treppe hinuntersteigen wollte, stolperte ich \u00fcber einen Sack, der sich zwischen dem Ger\u00fcst und der Stufe verhakte und trat um.&#8220; Schon am Abend seien ihr Kn\u00f6chel und Fu\u00df sichtbar angeschwollen. Trotzdem habe ein Vorarbeiter am n\u00e4chsten Tag angeordnet, dass sie weiterarbeiten soll. Zuf\u00e4llig bekam sie in dieser Zeit von einem anderen Werftarbeiter die Nummer des Schweriner Vereins &#8222;CORRECT &#8211; Arbeit und Leben&#8220;.<\/p>\n<p>    Verantwortung wird verlagert<\/p>\n<p class=\"\">\nStefanie Albrecht und ihr Team helfen ausl\u00e4ndischen Arbeiterinnen und Arbeitern dabei, ihre Rechte durchzusetzen. Mit einigen Branchen haben sie immer wieder zu tun: Paketdienste, Baugewerbe, Reinigungsfirmen und Werften. Werkvertr\u00e4ge seien dort notwendig, denn f\u00fcr viele Bauabschnitte brauche es spezialisierte Firmen. Doch die Subunternehmerketten w\u00fcrden es ihr immer h\u00e4ufiger erschweren, herauszufinden, wer rechtlich \u00fcberhaupt verantwortlich ist &#8211; meist eben nicht der Auftraggeber: &#8222;Wenn der Lohn nicht gezahlt wird, wenn die Unterkunftsbedingungen nicht stimmen, wenn ein Arbeitsunfall passiert, um all das muss man sich dann nicht mehr k\u00fcmmern. Das ist aber schon die Verantwortung derjenigen, die von der Arbeit dieser Menschen profitieren&#8220;, sagt Stefanie Albrecht.<\/p>\n<p>    Albrecht: &#8222;Betroffene gab es in allen Stadien des Schiffes&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nWas Anamaria Ciocia und ihren Kollegen passiert ist, sei kein Einzelfall. Seit der Beratungsverein 2019 gegr\u00fcndet wurde, suchten Werftarbeiter bei ihr Hilfe &#8211; unabh\u00e4ngig davon, welche Werft gerade den Bau der heutigen &#8222;Disney Adventure&#8220; vorantrieb. Bei Baubeginn 2018 war es noch die &#8222;Global One&#8220;, unter der Leitung der MV Werften. Nach deren Insolvenz 2022 und dem Kauf des Schiffes durch den Disney-Konzern hat die Meyer Werft es weitergebaut. &#8222;Vom Zusammenbau des Rumpfes, \u00fcber die Reinigung des Schiffes, beim Innenausbau, bei der Elektrik, also in jedem Stadium dieses Schiffes gab es Menschen aus dem Ausland, die \u00fcber Subunternehmer besch\u00e4ftigt und nicht korrekt behandelt wurden&#8220;, sagt Stefanie Albrecht. Immer wieder h\u00e4tten ganze Gruppen von Rum\u00e4nen, Bulgaren und Griechen Hilfe gesucht, weil sie ihren Lohn nicht erhalten haben oder weil sie unerwartet von einem Tag auf den anderen gek\u00fcndigt wurden.<\/p>\n<p>    Diagnose: Kn\u00f6chelbruch<\/p>\n<p class=\"\">\nVon ihrer Verletzung h\u00e4tten vor Ort sowohl Mitarbeiter von Maviga Pro als auch von NIT etwas mitbekommen, sagt Anamaria Ciocia. Doch erst eine Mitarbeiterin von CORRECT sei schlie\u00dflich mit ihr zum Betriebsarzt und dann ins Krankenhaus gefahren, um ihren Fu\u00df r\u00f6ntgen zu lassen. Diagnose: Kn\u00f6chelbruch. Im Krankenhaus habe sie erfahren, dass sie nicht krankenversichert ist. Sie br\u00e4uchte eine sogenannte A1-Bescheinigung vom Arbeitgeber als Nachweis. Auch auf Nachfrage bekommt sie diese von Maviga Pro nicht. Alle Dokumente seien bei den &#8222;zust\u00e4ndigen Stellen&#8220;, schreibt man ihr via Messenger. Auf dem Rezept f\u00fcr die 900 Euro teure Schiene steht &#8222;Selbstzahler&#8220;. Als CORRECT sich telefonisch bei Maviga Pro nach der Krankenversicherung erkundigt, habe die Firma zun\u00e4chst sogar bestritten, dass Anamaria Ciocia \u00fcberhaupt f\u00fcr sie arbeite.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/mvfoto1370.webp\" alt=\"ARCHIV - 23.11.2021, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Mit Blaulicht f\u00e4hrt ein Rettungswagen der Feuerwehr in Richtung Klinikum.\" title=\"ARCHIV - 23.11.2021, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Mit Blaulicht f\u00e4hrt ein Rettungswagen der Feuerwehr in Richtung Klinikum. | dpa, Jens B\u00fcttner\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Insgesamt 69 besonders schwere und t\u00f6dliche Arbeitsunf\u00e4lle gab es im Jahr 2024. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben.<\/p>\n<p class=\"\">\nVon einem Tag auf den anderen seien sie und ihre Kollegen aufgefordert worden, die Unterkunft in Schwaan zu r\u00e4umen und ihre Zugangskarten abzugeben. Als sie aus dem Krankenhaus kam, sollte Anamaria Ciocia direkt in den Bus zur\u00fcck nach Rum\u00e4nien steigen: &#8222;Was w\u00e4re passiert, wenn mir ein St\u00fcck Eisen auf den Kopf gefallen w\u00e4re und ich dort gestorben w\u00e4re? H\u00e4tten sie dann auch gesagt, dass ich nicht f\u00fcr sie gearbeitet habe?&#8220; Die Antwort darauf findet sich auf Seite 7 ihres Arbeitsvertrages: &#8222;Der Arbeitnehmer wird dar\u00fcber informiert, dass er gegen Unf\u00e4lle versichert ist\/sein kann (oder nicht versichert ist \u2013 nach Wahl des Arbeitgebers) und stimmt zu, dass im Falle seines Todes UAB MAVIGA PRO der Beg\u00fcnstigte ist.&#8220;<\/p>\n<p>    Kosten sparen bei der Sozialversicherung<\/p>\n<p class=\"\">\nDass ausl\u00e4ndische Unternehmen Arbeitskr\u00e4fte &#8222;entsenden&#8220;, ist legal, selbst wenn die Arbeiter aus einem anderen Land kommen. Doch Anamaria Ciocia hat ihren litauischen Arbeitsvertrag erst f\u00fcnf Tage vor ihrer Abreise nach Wismar unterschrieben. Weil sie nie in Litauen war und auch nie zuvor f\u00fcr Maviga Pro gearbeitet hat, h\u00e4tte sie in Deutschland versichert werden m\u00fcssen, erkl\u00e4rt Stefanie Albrecht: &#8222;Frau Ciocia war vorher ja gar nicht im litauischen Sozialversicherungssystem gemeldet. Sie h\u00e4tte zwar von Maviga Pro nach Wismar entsendet werden d\u00fcrfen, aber nicht mit der g\u00fcnstigeren Sozialversicherung in Litauen, sondern mit der teureren Sozialversicherung in Deutschland.&#8220; Festgeschrieben ist das in der EU-Verordnung 987\/2009 zur &#8222;Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit&#8220; &#8211; die Praxis in diesem Fall also illegal.<\/p>\n<p>    Meyer Werft und NIT verweisen auf Maviga Pro<\/p>\n<p class=\"\">\nDie Meyer Werft antwortet auf NDR Anfrage schriftlich, dass f\u00fcr diesen Fall ausschlie\u00dflich die Firma NIT direkter Vertrags- und Ansprechpartner sei. NIT habe eine L\u00f6sung gefunden, die bereits umgesetzt werde. Die Firma NIT best\u00e4tigt auf NDR Anfrage die Gesch\u00e4ftsbeziehung mit Maviga Pro. Aufgrund der Vorw\u00fcrfe habe Maviga Pro &#8222;Belege f\u00fcr bestehende Kranken- und Sozialversicherungen vorgelegt, welche die Absicherung der betreffenden Personen belegen&#8220;, hei\u00dft es von NIT. Auch den Umstand der noch ausstehenden Zahlungen habe Maviga Pro &#8222;unb\u00fcrokratisch beheben&#8220; k\u00f6nnen. NIT schreibt au\u00dferdem: &#8222;Wir m\u00f6chten darauf hinweisen, dass\u00a0NIT\u00a0keine arbeitsrechtliche Bewertung abgeben kann, da es sich hierbei um ein Vertragsverh\u00e4ltnis zwischen Maviga Pro und deren Arbeitnehmern handelt.&#8220; Maviga Pro \u00e4u\u00dfert sich gegen\u00fcber dem NDR zu den Vorw\u00fcrfen nicht. Die &#8222;unb\u00fcrokratische&#8220; L\u00f6sung sieht so aus: Mitte Juli hat Maviga Pro die Rechnung f\u00fcr die Beinschiene von Anamaria Ciocia bezahlt und ihr den ausstehenden Nettolohn von 500 Euro \u00fcberwiesen. Richtig freuen kann sie sich dar\u00fcber nicht, denn sie ist sicher: Ohne Hilfe von CORRECT h\u00e4tte sich niemand gemeldet.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/screenshot1866272.webp\" alt=\"Ein Kran auf dem Werftgel\u00e4nde in Wismar\" title=\"Ein Kran auf dem Werftgel\u00e4nde in Wismar | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die einen freuen sich \u00fcber neue Arbeitspl\u00e4tze. Andere sorgen sich, weil Wismar ein Standort f\u00fcr Kriegsschiffe wird.<\/p>\n<p>    Generalunternehmer haftet nur f\u00fcr ausstehenden Nettolohn<\/p>\n<p class=\"\">\nMit dem sogenannten Arbeitnehmer-Entsendegesetz ist auch der Generalunternehmer &#8211; also Meyer und NIT &#8211; haftbar. Allerdings betrifft das nur den ausstehenden Nettolohn, falls der durch den Subunternehmer nicht gezahlt wird. Recht durchzusetzen sei deshalb ein riesiges Problem, sagt Stefanie Albrecht. Anamaria Ciocia m\u00fcsste von Rum\u00e4nien aus in Deutschland klagen &#8211; gegen litauisches Recht. Oder in Litauen selbst wegen Unrecht, das in Deutschland passiert ist. Diese M\u00f6glichkeiten haben Betroffene nur sehr selten. Stefanie Albrecht sch\u00e4tzt, dass von 100 betroffenen ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften einer vor Gericht Recht bekommt: &#8222;Es w\u00e4re besser, wenn es in Deutschland so gesetzlich geregelt w\u00e4re, dass man sich gar nicht an die Subunternehmer im Ausland wenden muss, sondern sich direkt an den Generalunternehmer wenden und auch klagen kann.&#8220;<\/p>\n<p>    Caravan: &#8222;\u00dcbelt\u00e4ter finden immer Schlupfl\u00f6cher&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nMirela Caravan vom Nationalen Gewerkschaftsblock in Rum\u00e4nien versucht vor Ort so viele Menschen wie m\u00f6glich aufzukl\u00e4ren, bevor sie sich auf ein Jobangebot im Ausland einlassen. Um den Missbrauch von grenz\u00fcberschreitender Entsendung zu verhindern, m\u00fcssten auch die Gewerkschaften grenz\u00fcberschreitend zusammenarbeiten: &#8222;Ein Gesetz ist ein lebendiges Gebilde und muss aktualisiert und ge\u00e4ndert werden, denn die \u00dcbelt\u00e4ter finden immer Schlupfl\u00f6cher und alle m\u00f6glichen Wege, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Daher ist eine solche transnationale Infrastruktur sehr wichtig.&#8220; Der Verein CORRECT hat mehrere Zweigstellen in MV und in anderen Bundesl\u00e4ndern. Der Deutsche Gewerkschaftsbund betreibt das bundesweite Netzwerk &#8222;Faire Mobilit\u00e4t&#8220;, das Beratungen in verschiedenen Sprachen anbietet.<\/p>\n<p>    Ciocia: &#8222;Am Ende tut \u00fcberhaupt niemand etwas&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">\nAnamaria Ciocia h\u00e4tte sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass ihr so etwas in Deutschland passiert. Aber sie kennt andere Rum\u00e4nen, die \u00c4hnliches erlebt haben &#8211; jedoch nicht dar\u00fcber sprechen. Entweder weil sie Monate lang darauf hoffen, ihren Lohn doch noch zu bekommen oder schon wieder in einem ganz anderen Land unterwegs sind. So wie ihre Kollegen, mit denen sie in Wismar war: Die sind schon wieder auf einer Werft in Spanien. Auch Anamaria Ciocia w\u00e4re jetzt dort, wenn sie wieder laufen k\u00f6nnte. F\u00fcr den Unfall kann niemand etwas, sagt sie, aber sehr wohl f\u00fcr den Umgang damit: &#8222;Ich finde, alle sind verantwortlich. Auch Meyer sollte wissen, was bei den Firmen auf der Baustelle passiert und was die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen sind. Wenn die Verantwortung von einem auf den anderen geschoben wird, tut am Ende \u00fcberhaupt niemand etwas.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Kreuzfahrtschiff: Werden Werftarbeiter in Wismar ausgebeutet (26 Min) Stand: 14.08.2025 06:48 Uhr Auf der Meyer Werft in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":343492,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[590,331,332,1349,96044,3364,29,30,13,96043,66058,1351,66057,5203,1352,66056,1353,14,1350,15,1354,66059,12,96045,8148,2850],"class_list":{"0":"post-343491","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuell","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-aktuelles","12":"tag-ausbeutung","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-landkreis-nordwestmecklenburg","18":"tag-meck-pomm","19":"tag-mecklenburg-vorpommern","20":"tag-mecklenburg-vorpommern-aktuell","21":"tag-meyer","22":"tag-mv","23":"tag-mv-nachrichten","24":"tag-mv-news","25":"tag-nachrichten","26":"tag-neuigkeiten","27":"tag-news","28":"tag-news-mv","29":"tag-radio-mecklenburg-vorpommern","30":"tag-schlagzeilen","31":"tag-subunternehmen","32":"tag-werft","33":"tag-wismar"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115025703542504813","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=343491"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343491\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/343492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=343491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=343491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=343491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}