{"id":343673,"date":"2025-08-14T08:16:14","date_gmt":"2025-08-14T08:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343673\/"},"modified":"2025-08-14T08:16:14","modified_gmt":"2025-08-14T08:16:14","slug":"wundersaurier-aus-stuttgart-247-millionen-jahre-altes-fossil-aus-dem-elsass-stellt-evolution-auf-den-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343673\/","title":{"rendered":"Wundersaurier aus Stuttgart: 247 Millionen Jahre altes Fossil aus dem Elsass stellt Evolution auf den Kopf"},"content":{"rendered":"<p>Ein Wunder, das hat gro\u00df zu sein. So wie das Wunder von Bern, das ein Land ver\u00e4ndert hat. Oder die sieben Weltwunder, allesamt imposant, riesig und durch die schiere Gr\u00f6\u00dfe einsch\u00fcchternd. Wenn man also einen Wundersaurier anschauen darf, dann wappnet man sich f\u00fcr einen Giganten. Doch als sich der Reporter gemeinsam mit Forscher Stephan Spiekman dem Wunder n\u00e4hert, stellt er fest: Das Wundersame offenbart sich auf den zweiten Blick. Der Wundersaurier ist mehr Urmel als Jurassic Park.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.7a8a59fc-aaa5-428f-bb02-35e9862bae86.original1024.media.jpeg\"\/>     Die uralten Steine.    Foto: Lichtgut    <\/p>\n<p>Ein Modell des Sauriers steht auf einem Tisch, es hat die Gr\u00f6\u00dfe einer Eidechse mit einem auff\u00e4lligen Kamm am R\u00fccken. Daneben liegen zwei Steine. Fundst\u00fccke aus dem Elsass. Sie sind \u2013 und da wird es sehr sehr wundersam \u2013 247 Millionen Jahre alt. Eine Zahl, die man sich mit unserem S\u00e4ugetier-Hirn nicht vorstellen kann. Damals war der Mensch noch ein entfernter Gedanke. Vor 2,6 Millionen Jahren hat unsere Gattung den Heimwerker in sich entdeckt, die ersten Werkzeuge benutzt. Vor 300\u2009000 Jahren tauchte der moderne Mensch auf, der Homo Sapiens, unser direkter Vorfahr. W\u00e4re die Erde nicht 3,6 Milliarden Jahre alt, sondern 24 Stunden, dann w\u00e4ren wir erst eine Minute vor Mitternacht auf der Bildfl\u00e4che erschienen. <\/p>\n<p>Im Elsass entdeckt <\/p>\n<p>Der Mirasaura grauvogeli war um einiges fr\u00fcher dran, er lebte am Beginn der Trias in W\u00e4ldern. Es war warm und trocken, es gab einen riesigen Kontinent Pang\u00e4a. W\u00fcsten und Savannen pr\u00e4gten die Landschaft. Die Welt geh\u00f6rte den Reptilien, den Sauriern. Was wir aus dieser Zeit wissen, graben und k\u00e4mmen Menschen wie Spiekman oder der els\u00e4ssische Naturforscher Louis Grauvogel aus dem Boden.<\/p>\n<p>Jene zwei unfassbar alten Steine hat Grauvogel vor 90 Jahren gefunden und in seiner Sammlung aufbewahrt. In einer Scheune in den Vogesen, gemeinsam mit gut 5300 versteinerten Insekten, Schalentieren, Fischen, Amphibien und Pflanzen. Grauvogels Tochter Lea arbeitete sich durch die Fossilien, gab die Sammlung schlie\u00dflich 2019 ans <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Naturkundemuseum\" title=\"Naturkundemuseum\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Naturkundemuseum<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. Ein Gl\u00fccksfall. Vor allem f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ausgrabung-in-trossingen-der-groesste-saurierfriedhof-europas.f79816fa-037d-4325-b55a-eefb84f7de2a.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Herr der Dinos, Rainer Schoch, Chef der Pal\u00e4ontolgie in Stuttgart<\/a>. Beim Pr\u00e4parieren fielen ihm und seinen Mitarbeitern die zwei Steine auf, der gut erhaltene Abdruck eines Reptils und eines Fl\u00fcgels. Oder war es gar kein Fl\u00fcgel? Auftritt Stephan Spiekman. Der Holl\u00e4nder kam \u00fcber Z\u00fcrich und London nach Stuttgart, um sich mit Schoch den Steinen zu widmen. <\/p>\n<p>Ein einziges Mal hatte man aus dem Trias eine \u00e4hnliche Struktur gefunden. In Kirgisistan. Schlechter erhalten. Und sie gab R\u00e4tsel auf: Denn auch darauf war etwas zu erkennen, was wie Fl\u00fcgel aussah. Aber Federn? In diesem Zeitalter? Was man da entdeckt hatte, blieb r\u00e4tselhaft. Bis Spiekman ans Werk ging. Und eine \u201eFederalternative\u201c entdeckte, die bei \u201eso fr\u00fchen Reptilien aus evolution\u00e4rer Sicht von gro\u00dfer Bedeutung und kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist\u201c. Ein Wundersaurier halt. <\/p>\n<p>Ein winzigstes Teil nach Irland geschickt <\/p>\n<p>Das sagt sich so leicht dahin. Aber es war ein langer Prozess vom Fossil zum Wunder. 2022 haben sie begonnen. Und mussten erst einmal schauen, was erhalten war. Um die Fossilien zu sch\u00fctzen, \u00fcberzog man sie fr\u00fcher mit Leim und Lacken. Diese Schicht galt es zu entfernen, um festzustellen, ob Fragmente des Reptils erhalten geblieben waren. Um das mal ganz arg verk\u00fcrzt so zusammenzufassen, f\u00fcr alle unter uns, die nicht Pal\u00e4ontologie studiert haben, sondern als Kind einen Dinosaurierpulli getragen und ihr Wissen bei \u201eWas ist was\u201c oder tats\u00e4chlich bei \u201eJurassic Park\u201c gesammelt haben. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.a5b61e1b-754f-4991-bcb1-86cdfd0d1694.original1024.media.jpeg\"\/>     Der Kopf ist nun gut zu erkennen.    Foto: Lichtgut    <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sagt Spiekman, man habe dann winzige Organellen mit Melaninpigmenten nachweisen k\u00f6nnen. Dann einen Mikrometer, ein unvorstellbar winziges Teil, aus einem unvorstellbar alten Stein, gekratzt. Und nach Cork geschickt in Irland. Dort untersuchte man es und fand heraus, dass es keine \u00c4hnlichkeit gab zu Haaren von S\u00e4ugetieren oder Schuppen von Reptilien. Aber zu Federn. \u201eDie Evolution hat tats\u00e4chlich bereits sehr fr\u00fch, lange vor den Dinosauriern, eine Alternative zur Feder entwickelt\u201c, sagt Schoch. Die \u00e4lteste bekannte Dinosaurierfeder ist 150 Millionen Jahre alt. Also 100 Millionen Jahre j\u00fcnger als unser Wundersaurier. <\/p>\n<p> Ein Flieger? <\/p>\n<p>Konnte der kleine <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Saurier\" title=\"Saurier\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Saurier<\/a> tats\u00e4chlich fliegen? Nein, diese \u00fcberlappenden Hautausw\u00fcchse waren tats\u00e4chlich ein Kamm, federartig, aber nicht so verzweigt und ver\u00e4stelt wie Fl\u00fcgel. Nun liege die Vermutung nahe, dass sich der Saurier damit entweder gr\u00f6\u00dfer, also abschreckender auf Feinde, oder h\u00fcbscher, also anziehender f\u00fcr Freunde machen wollte. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.f705e8f9-5465-4914-bff6-ce911a698eaa.original1024.media.jpeg\"\/>     Das Urmel aus dem Elsass h\u00e4tte gr\u00fcn sein k\u00f6nnen.    Foto: Lichtgut    <\/p>\n<p>Aber warum wei\u00df man, wie er aussah? Als man vorsichtig an einem der Steine kratzte, fand man, neben dem Skelett verborgen, den Kopf. Den konnte man tats\u00e4chlich mit dem Computertomografen durchleuchten. Entdeckte eine schmale fast zahnlose Schnauze, mit der der Saurier Insekten aus Baumh\u00f6hlen w\u00fchlen konnte. Im gew\u00f6lbten Sch\u00e4deldach fand sich eine noch nicht geschlossene Fontanelle, das hei\u00dft, der Saurier wuchs noch, war ein Jungtier. Aus all diesen Infos konnte man ein lebensechtes Modell erstellen, die Farbe allerdings ist geraten. Gr\u00fcn erscheint aus Gr\u00fcnden der Tarnung plausibel. Der Saurier konnte gut greifen, sowohl mit seinen Krallen als auch seinem Schwanz, ein Klettermaxe also, deshalb sitzt er auf einem Ast. Fliegen konnte er allerdings nicht. Aber auch so ist er ein gro\u00dfes Wunder. Auch wenn er eher klein daher kommt \u2013 das Urmel aus dem Elsass. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Wunder, das hat gro\u00df zu sein. 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