{"id":343721,"date":"2025-08-14T08:43:09","date_gmt":"2025-08-14T08:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343721\/"},"modified":"2025-08-14T08:43:09","modified_gmt":"2025-08-14T08:43:09","slug":"humanitaere-hilfe-in-gaza-helfer-in-gaza-fuerchten-neue-regeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/343721\/","title":{"rendered":"Humanit\u00e4re Hilfe in Gaza: Helfer in Gaza f\u00fcrchten neue Regeln"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Die Kiste f\u00e4llt trotz Fallschirm so schnell zu Boden, dass sich Muhannad Zakaria Eid\u00a0inmitten der herbeigeeilten Menschenmenge nicht mehr in Sicherheit bringen kann. Der Teenager aus dem <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/gazastreifen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gazastreifen<\/a> wird von den abgeworfenen Hilfsg\u00fctern erschlagen, ein Video von seinem Versuch, an Essbares zu gelangen, wurde in den vergangenen Tagen vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Hilfslieferungen aus der Luft, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-08\/luftbruecke-gazastreifen-bundeswehr-lebensmittel-nahostkonflikt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit denen Staaten wie Deutschland<\/a> zuletzt versuchen, die Hungersnot in Gaza ein wenig zu lindern, wurden vielfach kritisiert: zu gef\u00e4hrlich, zu teuer, zu ineffektiv im Vergleich zu Hilfslieferungen \u00fcber den Landweg.\u00a0Doch die israelischen Beh\u00f6rden verweigern vielen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) seit Anfang M\u00e4rz die Einfuhrgenehmigungen f\u00fcr dringend ben\u00f6tigte Transporte, die Nahrungsmittel und medizinische G\u00fcter in den vom Krieg stark zerst\u00f6rten K\u00fcstenstreifen bringen k\u00f6nnten.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">An diesem Donnerstag ver\u00f6ffentlichten deshalb mehr als 100 Akteure der humanit\u00e4ren Hilfe ein gemeinsamen Statement, gerichtet an &#8222;alle Staaten und Spender&#8220;. Darin fordern sie unter anderem ein\u00a0Ende der &#8222;Instrumentalisierung von Hilfe&#8220;. Die NGOs beklagen, die Einfuhren w\u00fcrden mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, dass die Organisationen dazu &#8222;nicht berechtigt&#8220; seien. Allein im Juli sollen so mehr als 60 Antr\u00e4ge abgelehnt worden sein.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zu den Unterzeichnern des Statements geh\u00f6ren <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/hilfsorganisation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hilfsorganisationen<\/a> wie \u00c4rzte ohne Grenzen (MSF), der Norwegian Refugee Council (NRC) und Oxfam. Allein die Hilfsorganisation Anera gibt an, dass ihre Hilfsg\u00fcter im Wert von sieben Millionen US-Dollar feststeckten \u2013 darunter mehr als 700 Tonnen Reis, mit denen sechs Millionen Mahlzeiten in Gaza zubereitet werden k\u00f6nnten.\n<\/p>\n<p>        Beinahe t\u00e4glich neue Hungertote        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bereits am Dienstag hatten die Au\u00dfenminister mehrerer EU-Staaten sowie weiterer L\u00e4nder wie Kanada und Japan das israelische Vorgehen kritisiert. <a href=\"https:\/\/www.eeas.europa.eu\/eeas\/joint-statement-aid-gaza-and-restrictions-facing-ngos_en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">In einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung<\/a> forderten sie Israels Regierung dazu auf, Genehmigungen f\u00fcr alle Hilfslieferungen internationaler NGOs zu erteilen und &#8222;essenzielle humanit\u00e4re Akteure&#8220; nicht mehr an ihrer Arbeit zu hindern. Deutschland geh\u00f6rt nicht zu den Unterzeichnern.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags den US-Sonderletter &#8222;Was jetzt, America?&#8220; sowie das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bis Ende Juli sind laut den Vereinten Nationen <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news\/item\/27-07-2025-malnutrition-rates-reach-alarming-levels-in-gaza--who-warns\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in diesem Jahr bereits 74 Menschen in Gaza an Mangelern\u00e4hrung gestorben<\/a>. Allein 63 davon waren es vergangenen Monat, darunter 25 Kinder. Auch seit Anfang August meldet die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbeh\u00f6rde in Gaza beinahe t\u00e4glich neue Hungertote.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Hintergrund der Verweigerungen sind im M\u00e4rz in Kraft getretene <a href=\"https:\/\/www.gov.il\/en\/pages\/interministerial_team_registration_humanitarian_organizations_foreign_employees\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neue Richtlinien<\/a>\u00a0f\u00fcr NGOs, die in den von Israel besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten arbeiten, darunter in Gaza: Seit Beginn des Jahres ist f\u00fcr die Registrierung der Organisationen und ihrer Mitarbeiter nicht mehr das israelische Wohlfahrtsministerium zust\u00e4ndig, sondern das Ministerium f\u00fcr Diasporaangelegenheiten und die Bek\u00e4mpfung von Antisemitismus. Es wird von dem rechten Hardliner Amichai Chikli geleitet, der Anfang Juli mit weiteren Likud-Ministern <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/likud-ministers-urge-netanyahu-to-annex-west-bank-by-the-end-of-the-month\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die unmittelbare Annexion<\/a> des Westjordanlandes gefordert hatte.\n<\/p>\n<p>                        Strenge Auflagen und vage Regeln        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die neuen Guidelines f\u00fcr NGOs sehen unter anderem vor, dass Informationen \u00fcber Spendengeber preisgegeben werden und Listen mit Namen sowie sensible Personendaten aller Mitarbeiter vorgelegt werden m\u00fcssen, einschlie\u00dflich pal\u00e4stinenischer und ausl\u00e4ndischer. Bis Anfang September haben die Organisationen Zeit, die umf\u00e4nglichen Unterlagen vorzulegen. Sonst droht ihnen, ihre Arbeit einstellen zu m\u00fcssen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Au\u00dferdem k\u00f6nnen Genehmigungen f\u00fcr Organisationen und ihre Mitarbeiter aus mehreren Gr\u00fcnden nicht erteilt oder\u00a0binnen 60 Tagen\u00a0aufgehoben werden. Dazu z\u00e4hlen etwa Rassismus und das Leugnen des Holocausts. Aber auch eher vage formulierte Punkte wie die Teilnahme an &#8222;Delegitimierungskampagnen&#8220; gegen den Staat Israel. Ein weiterer Grund ist die &#8222;schriftliche oder verbale Unterst\u00fctzung&#8220; von Rechtsverfahren gegen Israelis im Ausland oder vor einem internationalen Gericht &#8222;wegen Handlungen, die sie im Rahmen ihrer Pflichten bei den israelischen Armee oder in einer Sicherheitsbeh\u00f6rde&#8220; ausge\u00fcbt haben. Letzteres ist wohl vor allem mit Blick auf das V\u00f6lkermordverfahren gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) zu betrachten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In ihrem Statement warnen die NGOs nun unter anderem davor, dass diese Kriterien politisch instrumentalisiert werden und dazu dienen w\u00fcrden, ihre Arbeit zu kontrollieren und zu zensieren.\n<\/p>\n<p>        Kritik am aktuellen Verteilsystem        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Dieses Vorgehen kommt nicht zuletzt der Gaza Humanitarian Foundation zugute&#8220;, sagt Chris Whitman von der deutschen Hilfsorganisation medico international, die das Statement ebenfalls unterzeichnet hat. Die GHF, eine private Stiftung, die mit amerikanischen Sicherheitsunternehmen zusammenarbeitet und seit Anfang Mai im Gazastreifen aktiv ist und Lebensmittel verteilt, wurde bereits im Vorfeld von vielen Hilfsorganisationen kritisiert, da sie humanit\u00e4re Prinzipien nicht einhalte. Bislang wurden in der Umgebung der GHF-Verteilstellen und auf dem Weg <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2025\/08\/1165552\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dahin laut UN rund 1.400 Menschen<\/a> get\u00f6tet und Hunderte weitere verletzt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Martin Ke\u00dfler, Leiter der Diakonie\u00a0Katastrophenhilfe, die das Statement ebenfalls mittr\u00e4gt, sagte der ZEIT, dass die pal\u00e4stinensischen Partnerorganisationen die Auswirkungen der wenigen verf\u00fcgbaren Hilfen in Gaza derzeit deutlich sp\u00fcren. Die Diakonie bringt selbst keine Hilfsg\u00fcter nach Gaza, ihre Partner sind von den verf\u00fcgbaren Hilfsg\u00fctern vor Ort abh\u00e4ngig, die andere Akteure in das Kriegsgebiet bringen. Statt Nahrungsmittel oder Hygieneprodukte zu verteilen, sei die Arbeit der Partner momentan auf psychosoziale Beratung beschr\u00e4nkt. &#8222;Wir brauchen einen Waffenstillstand&#8220;, sagt Ke\u00dfler, &#8222;aber mindestens sichere Zug\u00e4nge und Korridore f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe, die \u00fcberall dahin gelangt, wo die Menschen sind.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Kiste f\u00e4llt trotz Fallschirm so schnell zu Boden, dass sich Muhannad Zakaria Eid\u00a0inmitten der herbeigeeilten Menschenmenge nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":343722,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[738,13,25907,27,96116,1166,411,96117,14,15,16,12,10,8,9,11,103,104],"class_list":{"0":"post-343721","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-gazastreifen","9":"tag-headlines","10":"tag-hilfslieferung","11":"tag-hilfsorganisation","12":"tag-humanitaere-hilfe-in-gaza","13":"tag-hungersnot","14":"tag-israel","15":"tag-kuestenstreifen","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-politik","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-top-news","21":"tag-top-meldungen","22":"tag-topmeldungen","23":"tag-topnews","24":"tag-welt","25":"tag-world"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115026238257816560","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343721","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=343721"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/343721\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/343722"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=343721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=343721"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=343721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}