{"id":344055,"date":"2025-08-14T11:46:10","date_gmt":"2025-08-14T11:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344055\/"},"modified":"2025-08-14T11:46:10","modified_gmt":"2025-08-14T11:46:10","slug":"das-passiert-wenn-russland-in-der-ukraine-gewinnt-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344055\/","title":{"rendered":"Das passiert, wenn Russland in der Ukraine gewinnt"},"content":{"rendered":"<p class=\"initial richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Jahr 2029? 2028? Oder <a href=\"https:\/\/ga.de\/news\/politik\/ausland\/tusk-warnt-vor-konflikt-mit-russland-schon-2027_aid-131858201\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">doch schon 2027<\/a>? So oder so, es sind keine allzu gro\u00dfen Zeitfenster, in denen westliche Expertisen Russland dazu in der Lage sehen, zu einer <a href=\"https:\/\/ga.de\/news\/politik\/ausland\/putin-kuendigt-weitere-aufruestung-der-flotte-an_aid-131874633\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ernsthaften Bedrohung f\u00fcr Nato-Staaten<\/a> zu werden. Zwar wei\u00df niemand, was im Kreml besprochen wird und welche Dynamik der Krieg in der Ukraine noch gewinnen kann, wenn nicht doch noch eine Friedensl\u00f6sung oder zumindest eine Waffenruhe vereinbart werden kann. Minderheitsmeinungen wie die des amerikanischen Geopolitikers George Friedman gehen gar davon aus, dass Russland schon jetzt verloren hat, weil es in dreieinhalb Jahren nicht vermocht hat, die Ukraine zu besiegen. Die vehementen russischen Angriffswellen der vergangenen Tage und Wochen bei zugleich stockenden Waffenlieferungen des Westens vermitteln einen anderen Eindruck: Dass es wom\u00f6glich nicht mehr lange dauern k\u00f6nnte, bis die Ukraine die Waffen strecken muss. Doch was w\u00fcrde das bedeuten? L\u00e4ngst wird ein russischer Sieg in Modellen und Man\u00f6vern durchgespielt. Mit folgenden Szenarien:<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In bemerkenswerter Offenheit hatte der Bundesnachrichtendienst k\u00fcrzlich seine Einsch\u00e4tzung an die \u00d6ffentlichkeit lanciert, Russland schaffe bis zum Ende des Jahrzehnts wohl alle Voraussetzungen, einen \u201egro\u00dfma\u00dfst\u00e4blichen konventionellen Krieg\u201c f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Hoffnung bietet dabei nicht nur die Tatsache, dass die Betonung auf \u201ek\u00f6nnen\u201c liegt.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Einmarsch der russischen Armee in Deutschland<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Forderungen nach Wiederherstellung von \u201eKriegst\u00fcchtigkeit\u201c, Resilienz und Zivilschutz kalkulieren zwar den theoretischen Extremfall ein. Ernsthaft rechnet mit russischen Panzerarmeen in Mittel- und Westeuropa derzeit aber niemand. Nicht nur, dass eine Invasion in L\u00e4ndern wie Polen, Deutschland, Finnland oder Schweden und damit in Nato-Gebiet f\u00fcr Russland wohl eine Nummer zu gro\u00df w\u00e4re \u2013 auch gibt es \u00fcber rhetorisches S\u00e4belrasseln hinaus keine belastbaren Quellen, auf deren Grundlage man dem Kreml Angriffspl\u00e4ne unterstellen k\u00f6nnte. Dass es sich der Westen dennoch nicht allzu bequem machen sollte, h\u00e4ngt mit etwas anderem zusammen.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Strategische Ziele Russlands<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der russische Angriffskrieg in der Ukraine kristallisiert sich zunehmend als Mittel zum Zweck heraus. Denn Putins wichtigstes strategisches Ziel ist nicht die Annexion der Ukraine, sondern eine neue Sicherheitsordnung in Europa, eine zentrale Rolle Russlands mit eigenem imperialen Einflussraum und die R\u00fcckabwicklung der Nato-Osterweiterung auf den Stand von 1997. Aks Minimalziel sollen nach Putins Willen die US-Truppen aus Polen und dem Baltikum verschwinden. Kalk\u00fcl des russischen Pr\u00e4sidenten: Je gr\u00f6\u00dfer die russischen Erfolge an der Front, je mehr die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine schwindet,desto besser <a href=\"https:\/\/ga.de\/news\/politik\/ausland\/selenskyj-neue-verhandlungen-mit-russland-am-mittwoch_aid-131541339\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">werden die Ziele einzufordern sein<\/a>.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Bannt eine Entscheidung in der Ukraine durch ein \u201esaturiertes\u201c Russland die Kriegsgefahr in Europa?<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ganz im Gegenteil, sagen Experten wie der Politikberater Nico Lange oder Carlo Masala von der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen. Masala hat in einem Essay mit dem Titel \u201eWenn Russland gewinnt\u201c ein literarisches Szenario gezeichnet. Im Ausgangspunkt seiner \u00dcberlegungen erh\u00e4lt Russland im Zuge von Verhandlungen jenes Territorium, in dem seine Truppen aktuell in der Ukraine stehen \u2013 etwa ein Viertel des ukrainischen Staatsgebietes. Auf kleiner Flamme schwelt der Konflikt weiter, immer wieder kommt es zu Partisanenaktionen. Die Folge: erhebliche Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me sowohl innerhalb der Ukraine als auch aus der Ukraine hinaus \u2013 dorthin, wo bereits viele Ukrainer leben, nach Polen und Deutschland zum Beispiel.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Hybride Kriegsf\u00fchrung gegen Deutschland<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Folgt man Masala, so ist genau dies vom Kreml auch beabsichtigt, weil die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me in Ziell\u00e4ndern wie Deutschland gesellschaftliche Debatten und innenpolitische Spannungen erzeugen. Erst recht dann, wenn die politischen R\u00e4nder unter Verweis auf den russischen Sieg in der Ukraine behaupten k\u00f6nnen: \u201eWir haben es euch ja gleich gesagt!\u201c Tats\u00e4chlich sind klassische Mittel der hybriden Kriegsf\u00fchrung auf operativer Ebene in Deutschland bereits Realit\u00e4t: Desinformationskampagnen durch Streuung von Falschmeldungen, Zerst\u00f6rung von Seekabeln, nukleare Drohungen, Cyberattacken. Sand im f\u00f6deralistischen Getriebe k\u00f6nnte das (ohnehin angekratzte) Vertrauen in Institutionen weiter aush\u00f6hlen \u2013 und mit ihr die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr eine bewaffnete Auseinandersetzung. Und das k\u00f6nnte noch wichtig werden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es ist das so genannte Narwa-Szenario, das Carlo Masala in seinem B\u00fcchlein ausschm\u00fcckt: 80\u2005Prozent der knapp 55.000\u2005Einwohner des estnischen St\u00e4dtchens nahe der Grenze zu Russland sprechen russisch. Erst k\u00fcrzlich hat das estnische Parlament \u2013 in Wirklichkeit, nicht im Szenario \u2013 Ausl\u00e4ndern das Kommunalwahlrecht entzogen. Fiktion ist indes (noch) der Rest von Masalas Buch: Konfrontationen zwischen Staat und russischer Minderheit in Estland verst\u00e4rken sich, aus Demonstrationen werden Unruhen und schlie\u00dflich ein fingierter Aufstand. \u00c4hnlich wie in der Ukraine schl\u00fcpft Russland in die propagandistisch nutzbare Rolle der Schutzmacht, notfalls hilft ein Trick \u00e0 la \u201eSender Gleiwitz\u201c 1939, als die Deutschen einen Vorwand f\u00fcr den Einmarsch in Polen konstruierten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wom\u00f6glich passiert all das an einem Wochenende, wom\u00f6glich hat Russland bereits eine Volksabstimmung organisiert, gibt russische Sim-Karten aus und macht den Rubel zum Zahlungsmittel. Und wom\u00f6glich sind die europ\u00e4ischen Staaten gerade mit ganz anderen Problemen besch\u00e4ftigt: zum Beispiel mit Gespr\u00e4chen \u00fcber Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus Subsahara-Afrika, wo die russische Wagner-Gruppe an der Serie von Milit\u00e4rputschs \u2013 zuletzt in Burkina Faso 2022, Niger und Gabun 2023 \u2013 keineswegs v\u00f6llig unbeteiligt war.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Test der Nato-Beistandspflicht<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eMourir pour Dantzig?\u201c (Sterben f\u00fcr Danzig?) lautete im Fr\u00fchjahr\u20051939 eine pazifistische Parole in Frankreich \u2013 dessen Regierung dennoch auf den deutschen Angriff auf Polen mit der Kriegserkl\u00e4rung reagierte. Ob heute alle 32\u2005Nato-Staaten und ihre W\u00e4hler \u2013 allen voran die USA unter Trump \u2013 eine Aggression Russlands gegen einen vergleichsweise kleinen baltischen Staat uneingeschr\u00e4nkt mit dem in Artikel\u20055 des Nato-Vertrags festgeschriebenen Beistandsfall und all seinen Konsequenzen quittieren w\u00fcrden? Krieg mit Russland? Sterben f\u00fcr Tallinn? Die Zweifel daran halten sich hartn\u00e4ckig. Daran \u00e4ndern auch die Drohungen von US-Pr\u00e4sident Trump gegen Russland vor dem Alaska-Gipfel nichts. Allein eine Diskussion dar\u00fcber, so ist sich etwa Carlo Masala sicher, w\u00fcrde das Ende der Nato einl\u00e4uten \u2013 und Russland m\u00f6glicherweise nach einer kurzen Verschnaufpause zum n\u00e4chsten, etwas gr\u00f6\u00dferen Schlag ermuntern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Indem man in hohem Tempo Abschreckungspotenzial entwickelt, wie etwa mittels der 5000 k\u00fcnftig dauerhaft in Litauen stationierten Bundeswehrsoldaten (bei gleichzeitig aus Kaliningrad auf deutsche St\u00e4dte gerichteten atomwaffenf\u00e4higen Raketen), sagt die herrschende Meinung in Europa. Hei\u00dft: <a href=\"https:\/\/ga.de\/news\/politik\/deutschland\/bundeswehr-soll-kuenftig-schneller-waffen-kaufen-koennen_aid-131653201\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tempo bei der Beschaffung<\/a>, Redundanzen auf allen Ebenen und die Bev\u00f6lkerung an den Gedanken gew\u00f6hnen, dass zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwingen Gefangene geh\u00f6ren, Verwundete und Gefallene. Eine Konfliktsituation auf Augenh\u00f6he, das klingt wie eine auf Dauer angelegte Mischung aus Limes und Eisernem Vorhang vom Nordkap bis ans Schwarze Meer. Eine solche \u201eL\u00f6sung\u201c d\u00fcrfte auf Dauer nicht nur f\u00fcr beide Seiten und ihre Bev\u00f6lkerungen teuer werden, sondern lie\u00dfe sich wohlwollend als Stabilit\u00e4t, realistisch als geopolitische Spaltung lesen, bei der die Eskalationsgefahr permanent mitschwingt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vor diesem Hintergrund klingen die Worte des ehemaligen Nato-Generalsekret\u00e4rs Jens Stoltenberg nach, der im vergangenen Dezember davor warnte, die Gefahr eines Krieges mit Russland zu \u00fcberzeichnen. Man d\u00fcrfe \u201ekeine selbsterf\u00fcllenden Prophezeiungen konstruieren\u201c, sagte er damals dem Handelsblatt, und weiter: \u201eWenn wir so sprechen, als ob ein Krieg bevorsteht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passiert. Das ist gef\u00e4hrlich.\u201c Nicht nur f\u00fcr die Akteure in Deutschland gilt es zu vermeiden, fahrl\u00e4ssig in einen bewaffneten Konflikt mit Russland zu schlittern.<\/p>\n<p><strong class=\"font-bold dark:text-white-solid\">Wie umgehen mit einem Sieger Russland?<\/strong>      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Einen echten Plan daf\u00fcr scheint im Westen derzeit niemand zu haben. Selbst bei einem Patt in der Ukraine w\u00fcrde nach rationalem Ermessen Russland weder seine eroberten Gebiete abgeben und schon gar nicht seine Atomwaffen. Eine realistische Idee f\u00fcr einen modus vivendi, der hinsichtlich der Sicherheitsinteressen aller Beteiligten einen gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen gemeinsamen Nenner findet, ist weder im pazifistischen Lager ersichtlich noch bei jenen, die weiterhin entschieden f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Ukraine mit Waffen eintreten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Reichlich fern erscheint da jene Hoffnung, die in Podiumsdiskussionen zuletzt immer h\u00e4ufiger Gestalt annimmt: ein neuer Michail Gorbatschow. Doch dessen Charmeoffensive begann bekanntlich, als eine hoffnungslos verschuldete Sowjetunion im Begriff war, den Kalten Krieg zu verlieren. Die aktuell beschriebenen Szenarien aber gehen nun einmal von einer anderen Pr\u00e4misse aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Jahr 2029? 2028? Oder doch schon 2027? 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