{"id":344107,"date":"2025-08-14T12:15:12","date_gmt":"2025-08-14T12:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344107\/"},"modified":"2025-08-14T12:15:12","modified_gmt":"2025-08-14T12:15:12","slug":"fortuna-duesseldorf-der-wechsel-von-shon-weissman-ist-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344107\/","title":{"rendered":"Fortuna D\u00fcsseldorf: Der Wechsel von Shon Weissman ist gescheitert"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Auftaktniederlagen gegen Arminia Bielefeld und Hannover 96 ist der Fehlstart in die neue Saison f\u00fcr Fortuna D\u00fcsseldorf perfekt. Abseits des Platzes stand Fortuna unterdessen weiter oben im Interesse nationaler und internationaler Medien. So platzte ein Wechsel des israelischen Fu\u00dfballnationalspielers Shon Weissman, was in der vergangenen Woche f\u00fcr hitzige Debatten sorgte. F\u00fcr gew\u00f6hnlich ist ein solcher Vorgang \u00bbbusiness as usual\u00ab, doch im Falle Weissmans wird intensiv diskutiert: Denn trotz erfolgreichem Medizin-Check scheiterte die Verpflichtung \u2013 f\u00fcr die einen an menschenverachtenden Social-Media-Postings und f\u00fcr die anderen an Antisemitismus.<\/p>\n<p>Dabei schien der Plan zun\u00e4chst klar: Die Fortuna hatte noch Bedarf in der Offensive. Der 29-j\u00e4hrige Angreifer vom spanischen Zweitligisten FC Granada passte perfekt ins Profil. Die sich anbahnende Verpflichtung weckte auch das Interesse der Fans am Rhein, sodass zeitnah von ihm geteilte \u2013 inzwischen aber gel\u00f6schte \u2013 Aussagen des Fu\u00dfballers publik wurden. Diese Aussagen standen im Kontext mit den Massakern und der systematisch ver\u00fcbten sexuellen Gewalt der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023, bei denen \u00fcber 1200 Menschen ermordet wurden und etwa 250 Geiseln genommen wurden (von denen noch 50 im Gazastreifen festgehalten werden). Weissman teilte und likte in sozialen Netzwerken Aussagen, in denen unter anderem gefordert wurde, \u00fcber Gaza \u00bb200 Tonnen Bomben\u00ab abzuwerfen oder den K\u00fcstenstreifen \u00bbauszul\u00f6schen\u00ab.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Bei einer Petition kamen nur 60 Unterschriften zusammen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Botschaften, f\u00fcr die Weissman sich sp\u00e4ter entschuldigen sollte, doch Fortuna-Fans und anti-israelische Accounts griffen die Postings auf. Auch eine Petition gegen den Transfer wurde gestartet, die trotz der medialen Aufmerksamkeit nur knapp 60 Unterschriften erhielt. W\u00e4hrend sich der digitale Mob formierte, vermischten sich legitime Kritik an den geteilten Inhalten und israelbezogener Antisemitismus zunehmend.<\/p>\n<p>Der Verein reagierte z\u00f6gerlich und am Ende unklar. Statt offensiv zu kommunizieren, ob man zu Weissman steht oder seine Aussagen kritisch sieht, wurde ein kommunikatives Vakuum erzeugt. In einer kurzen Nachricht auf der Plattform \u00bbX\u00ab hie\u00df es, dass \u00bbvon einer Verpflichtung abzusehen\u00ab sei, ohne dies angemessen zu begr\u00fcnden. Auch die J\u00fcdische Gemeinde D\u00fcsseldorf meldete sich kurze Zeit sp\u00e4ter \u00f6ffentlich zu Wort und reagierte auf die \u00bbAnti-Israel-Kampagne\u00ab sowie das Veto des Fortuna-Aufsichtsrats: \u00bbFortuna wirft Shon Unglaubw\u00fcrdigkeit vor, da er verschiedene Hass-Posts auch weit nach dem 7. Oktober 2023 gelikt haben soll und er somit nicht aus dem Affekt, wie er selbst sagte, gehandelt haben soll.\u00ab<\/p>\n<p>Weissman ist nicht der erste Fu\u00dfballspieler, dem seine Social-Media-Aktivit\u00e4ten  zum Verh\u00e4ngnis werden<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorfs st\u00e4dtischer Antisemitismus\u00adbeauftragter Wolfgang Rolshoven vermittelte daraufhin f\u00fcr vergangenen Freitag ein kl\u00e4rendes Gespr\u00e4ch zwischen der Vereinsf\u00fchrung und der J\u00fcdischen Gemeinde. Im Nachgang hie\u00df es vonseiten der Gemeinde, der Verein habe erl\u00e4utert, wie die \u00bbEntscheidung gegen eine Verpflichtung getroffen worden sei\u00ab. Vom Zweitligisten hei\u00dft es: \u00bbWir haben am Ende festgestellt, dass sich seine in den sozialen Medien get\u00e4tigten Aussagen und der anschlie\u00dfende Umgang damit nicht mit unseren Werten in Einklang bringen lie\u00dfen.\u00ab<\/p>\n<p>Adam Lahav, in D\u00fcsseldorf lebender Deutsch-Israeli und Co-Betreiber des hebr\u00e4ischsprachigen Blogs und Podcasts Fussball.co.il \u00fcber die Fu\u00dfballkultur und Geschichte in Deutschland, ist der \u00dcberzeugung, dass Weissman nicht nur aus nachvollziehbaren Emotionen nach dem 7. Oktober gehandelt habe. Daf\u00fcr spr\u00e4chen auch seine Social-Media-Aktivit\u00e4ten vor dem Terrorangriff der Hamas: \u00bbWeissman teilte nicht nur problematische Inhalte, sondern antwortete auch auf Postings von Itamar Ben-Gvir mit Kommentaren wie \u203aRespekt!\u2039 und \u203aMan muss sie alle vertreiben\u2039\u00ab, so Lahav.<\/p>\n<p>Weitere Screenshots von teilweise gel\u00f6schten Kommentaren, die der \u00bbJ\u00fcdischen Allgemeinen\u00ab vorliegen, lassen laut Lahav zumindest eine ideologische N\u00e4he zu Benjamin Netanjahus rechtsextremen Koalitionspartnern vermuten.<\/p>\n<p>Shon Weissman ist nicht der erste Fu\u00dfballspieler, dem seine Social-Media-Aktivit\u00e4ten rund um einen deutschen Verein zum Verh\u00e4ngnis werden. Beispielsweise wurde 2019 der damalige Spieler des FC St. Pauli, Cenk S\u0327ahin, freigestellt, weil er die t\u00fcrkischen Milit\u00e4rangriffe auf die kurdischen Gebiete in Nordostsyrien in einem Instagram-Posting unterst\u00fctzt hatte.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Antworten auf Posts von Israels Minister Itamar Ben-Gvir brachten den Fu\u00dfballer in die Kritik.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u00c4hnlich handelte nach dem 7. Oktober 2023 auch der 1. FSV Mainz 05 gegen\u00fcber dem Spieler Anwar El Ghazi, nachdem dieser sich im Herbst 2023 israelfeindlich ge\u00e4u\u00dfert hatte \u2013 wobei im Juli 2024 das Arbeitsgericht Mainz zugunsten von El Ghazi entschied und die fristlose K\u00fcndigung f\u00fcr unwirksam erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Im Nachgang der Entscheidung von Fortuna D\u00fcsseldorf sah sich der Verein mit diversen Anschuldigungen konfrontiert. Der \u00bbFocus\u00ab-Kolumnist Jan Fleischhauer ging sogar so weit, dass er bei Welt-TV erkl\u00e4rte: \u00bbMan kann jetzt sagen \u2013 Fortuna D\u00fcsseldorf ist gesichert arisch.\u00ab Eine Kritik, die der D\u00fcsseldorfer und Gr\u00fcnder des BVB-Fanklubs \u00bbIsraelische Borussen\u00ab, Adam Lahav, nicht nachvollziehen kann, denn \u00bballein die Entscheidung, ihn in der h\u00e4rtesten Phase der internationalen Kritik an der israelischen Regierung zu verpflichten, war eine bewusste Geste\u00ab. Zudem beteiligte sich Fortuna \u2013 beim 4:3-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern am 21. Oktober 2023 \u2013, wie viele weitere Erst- und Zweitligisten, an der von der Deutschen Fu\u00dfball Liga empfohlenen Schweigeminute f\u00fcr die Opfer des Hamas-Terrors.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite steht die berechtigte Kritik an Weissmans politischen Positionen, auf der anderen Seite der antisemitische Hass, den J\u00fcdinnen und Juden in der \u00d6ffentlichkeit besonders erleben. Anders als Weissman hat sich der 25-j\u00e4hrige Daniel Peretz politisch nichts zuschulden kommen lassen. Der Bundesliga\u00adaufsteiger Hamburger SV lieh ihn in der Sommerpause vom Liga-Konkurrenten FC Bayern aus.<\/p>\n<p>Der israelische Nationaltorh\u00fcter steht seit 2023 beim deutschen Rekordmeister unter Vertrag. Daniel Peretz, der ebenfalls die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt, ist online massiven antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, wie andere israelische Spieler in Deutschland vor ihm. F\u00fcr Adam Lahav ist mit der Entscheidung von Fortuna D\u00fcsseldorf klar: \u00bbWenn Aussagen als Aufruf zu Gewalt gegen ein ganzes Volk verstanden werden, dann zieht man die Rote Karte.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach den Auftaktniederlagen gegen Arminia Bielefeld und Hannover 96 ist der Fehlstart in die neue Saison f\u00fcr Fortuna&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":344108,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[573,574,3364,29,3405,30,411,570,576,572,80,14,1209,16,575,571],"class_list":{"0":"post-344107","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-duesseldorf","13":"tag-germany","14":"tag-israel","15":"tag-juedische-allgemeine","16":"tag-juedisches-leben","17":"tag-kommentare","18":"tag-kultur","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nordrhein-westfalen","21":"tag-politik","22":"tag-religion","23":"tag-wochenzeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115027072521542092","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=344107"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344107\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/344108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=344107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=344107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=344107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}