{"id":3442,"date":"2025-04-03T00:10:22","date_gmt":"2025-04-03T00:10:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/3442\/"},"modified":"2025-04-03T00:10:22","modified_gmt":"2025-04-03T00:10:22","slug":"mit-sirna-und-schwamm-effekt-erfolgreich-gegen-multiresistente-pilze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/3442\/","title":{"rendered":"Mit siRNA und Schwamm-Effekt erfolgreich gegen multiresistente Pilze"},"content":{"rendered":"<p>Einen innovativen Ansatz zur Behandlung systemischer Infektionen mit dem Schimmelpilz Aspergillus fumigatus haben <a href=\"https:\/\/pubs.rsc.org\/en\/content\/articlelanding\/2025\/nr\/d4nr03225j\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschende des Universit\u00e4tsklinikums W\u00fcrzburg ver\u00f6ffentlicht<\/a> [1]. Sie setzten erstmals erfolgreich siRNA gegen einen humanpathogenen Pilz ein. Um die siRNA in die Pilzzellen zu schleusen, verpackten die Wissenschaftler sie in anionische Liposomen. Zus\u00e4tzlich betteten sie Amphotericin B in die Doppellipidschicht ein, damit die Liposomen die Zellmembran durchdringen k\u00f6nnen. Das Polyen-Antimykotikum wirkt erh\u00f6ht die Permeabilit\u00e4t der Plasmamembran in den Pilzzellen.<\/p>\n<p>In Liposomen verpackte siRNA stoppt Pilzwachstum<\/p>\n<p>Die verwendete siRNA war gegen drei Gene gerichtet, die f\u00fcr die Transkriptionsfaktoren hapB, hapX und sreA codieren. Durch zweimalige Anwendung konnten die Forschenden das Wachstum von A. fumigatus \u00fcber einen Zeitraum von zehn Tagen inhibieren.<\/p>\n<p>Seniorautor Prof. Andreas Beilhack zeigt die Bedeutung der Studie auf, die als Titelbeitrag in der Fachzeitschrift Nanoscale erschien: Weltweit nehmen Infektionen mit Aspergillus fumigatus zu, und immer h\u00e4ufiger treten Resistenzen gegen g\u00e4ngige Antimykotika auf. Bei einer systemischen Infektion mit A. fumigatus liegt die Mortalit\u00e4t bei bis zu 85%. Beilhack betont, dass die siRNA-Strategie auch gegen andere Pilzarten eingesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Fresh-up siRNA<\/p>\n<p class=\"has-pale-cyan-blue-background-color has-background\">Kleine interferierende RNAs, kurz siRNA (small interfering RNA) sind kurze, doppelstr\u00e4ngige RNA-Molek\u00fcle. Ihre Sequenz ist komplement\u00e4r zu einem Ausschnitt der mRNA eines ausgew\u00e4hlten Gens. In der Zelle bildet eine H\u00e4lfte des Doppelstrangs mit Proteinkomponenten den RNA-induced silencing complex (RISC). Dieser bindet an die zum siRNA-Strang komplement\u00e4re mRNA-Sequenz, spaltet sie und verhindert so selektiv deren Translation.<\/p>\n<p>Ebenfalls innovativ an den Forschungsergebnissen: Als Infektionsmodell wurden keine M\u00e4use, sondern Insektenlarven eingesetzt, um die Zahl der Tierversuche an S\u00e4ugetieren zu reduzieren.<\/p>\n<p>Mandimycin: Phospholipide als neues Target<\/p>\n<p>Es wirkt fast zu perfekt, um wahr zu sein: Ein chinesisches Autorenteam <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-08678-9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">beschreibt in der Fachzeitschrift Nature<\/a> die Entdeckung eines neuartigen Antimykotikums, das gegen hochgradig arzneimittelresistente Pilzst\u00e4mme wirksam ist [2]. Mandimycin, ein nat\u00fcrliches Molek\u00fcl, das vom Bakterium Streptomyces netropsis gebildet wird, geh\u00f6rt strukturell in die Klasse der Polyen-Antimykotika, wie auch Nystatin oder Amphotericin B. Es tr\u00e4gt jedoch drei Desoxyzucker, im Gegensatz zu den anderen Polyenen, die jeweils nur einfach glykosyliert sind. Dieser kleine Unterschied scheint jedoch zu einem neuartigen Wirkmechanismus zu f\u00fchren: F\u00fcr Nystatin und Amphotericin B ist in den Lehrb\u00fcchern zu lesen, dass sie an Ergosterole in der Zellmembran der Pilze binden und so die Membranpermeabilit\u00e4t erh\u00f6hen. Neuere Untersuchungen mittels Festk\u00f6rper-NMR-Spektroskopie beschreiben die Wirkung von Amphotericin B dagegen als eine Art \u201eSchwamm\u201c, der Ergosterolmolek\u00fcle aus der Membran \u201eaufsaugt\u201c und sie so durchl\u00e4ssiger macht.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Mandimycin postulieren die Autoren einen solchen \u201eSchwamm-Effekt\u201c. Wie sie in vitro zeigen konnten, reagiert es jedoch nicht mit Ergosterolen, sondern mit den Phospolipiden der Pilzzellmembran. Durch Bindung dieser essenziellen Phospholipide k\u00f6nne Mandimycin einen Membrankollaps verursachen, so die Theorie der Forschenden. In vitro zeigt Mandimycin keine Kreuzresistenzen mit anderen Antimykotika. Sowohl in vitro als auch im Mausmodell war es gegen zahlreiche multiresistente Pilzst\u00e4mme wirksam, unter anderem Candida auris, Cryptococcus neoformans und Aspergillus fumigatus.<\/p>\n<p>Weitere Vorteile von Mandimycin: Im Gegensatz zu Amphothericin B zeigt es in Zellkultur und im Mausmodell nur eine geringe Nephrotoxizit\u00e4t und ist deutlich besser wasserl\u00f6slich, was die Applikation erleichtert. In der Klinik muss sich das neue Antimykotikum allerdings erst noch beweisen.<\/p>\n<p>Literatur: <\/p>\n<p>[1] Yu Y et al. Enhanced antifungal activity of siRNA-loaded anionic liposomes against the human pathogenic fungus Aspergillus fumigatus. Nanoscale. 2025;17(12):7002-7007, doi: 10.1039\/d4nr03225j<br \/>[2] Deng Q et al. A polyene macrolide targeting phospholipids in the fungal cell membrane.<br \/>Nature 2025 Mar 19, doi: 10.1038\/s41586-025-08678-9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einen innovativen Ansatz zur Behandlung systemischer Infektionen mit dem Schimmelpilz Aspergillus fumigatus haben Forschende des Universit\u00e4tsklinikums W\u00fcrzburg ver\u00f6ffentlicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3443,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[590,3277,3279,3278,3282,3283,3280,29,30,141,232,3285,14,15,3284,3281,1986],"class_list":{"0":"post-3442","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-aktuell","9":"tag-apotheke","10":"tag-apotheken","11":"tag-apotheker","12":"tag-arznei","13":"tag-arzneimittel","14":"tag-deutsche","15":"tag-deutschland","16":"tag-germany","17":"tag-gesundheit","18":"tag-health","19":"tag-interpharm","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-pharma","23":"tag-pharmazie","24":"tag-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114271133624984109","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}