{"id":344613,"date":"2025-08-14T16:53:11","date_gmt":"2025-08-14T16:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344613\/"},"modified":"2025-08-14T16:53:11","modified_gmt":"2025-08-14T16:53:11","slug":"auf-der-suche-nach-dem-borstenwurm-im-karlsruher-aquarium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344613\/","title":{"rendered":"Auf der Suche nach dem Borstenwurm im Karlsruher Aquarium"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 14.08.2025 17:40 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Er war zwischenzeitlich gut zwei Meter lang und dennoch hat ihn bis heute niemand gesehen. Seit Jahren lebt ein Borstenwurm im Riesenaquarium in Karlsruhe gut versteckt. Jetzt sollen ihm Kameras auflauern.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn einem riesigen Aquarium im Museum f\u00fcr Naturkunde Karlsruhe lebt seit zehn Jahren ein Borstenwurm wie ein Phantom. Er hinterl\u00e4sst zwar Spuren, seinen Kopf hat bis heute noch niemand gesehen. Jetzt machten sich Wissenschaftsjournalisten und Forschende gemeinsam mit Kameras auf die Suche nach dem Wurm.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Ich habe ihn zwei Mal ganz kurz gesehen in all den Jahren&#8220;, sagt Hannes Kirchhauser. Er leitet das Vivarium im Staatlichen Museum f\u00fcr Naturkunde in Karlsruhe. Der Biologe hat das Aquarium vor rund zehn Jahren aufgebaut. Seitdem muss er mit ansehen, wie das unbekannte Wesen immer wieder nachts seine m\u00fchsam gez\u00fcchteten Korallen anknabbert.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Der Biologe Kirchhauser leitet das Vivarium im Staatlichen Museum f\u00fcr Naturkunde in Karlsruhe.\n                    <\/p>\n<p>    Eine neue Art?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn diesem Fr\u00fchjahr fischte der Biologe ein etwa 1,5 Meter langes und mehr als zwei Zentimeter dickes Borstenwurmst\u00fcck aus dem Aquarium. Die roten Kiemen bewegten sich noch. Hannes Kirchhauser dachte zuerst, er h\u00e4tte das Phantom endlich gefangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWas er noch nicht wusste: Der Borstenwurm hatte ihn schon wieder ausgetrickst. &#8222;Der Kopf fehlt oder sogar ein St\u00fcck K\u00f6rper. Wir werden jetzt das Aquarium beobachten, ob es weitere Fra\u00dfspuren gibt&#8220;, sagte Kirchhauser nach der Entdeckung. Und er musste nicht lange warten. Schon kurz danach gab es ein Lebenszeichen des Borstenwurms. Er biss in Korallen und baute Schleimr\u00f6hren. Die R\u00f6hren helfen den W\u00fcrmern unter anderem, sich zu verstecken. In Flagranti konnte der Biologe das Phantom aber wieder nicht erwischen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Zu sehen ist eine Schleimr\u00f6hre. Durch sie kann sich der Wurm gut verstecken und so lange unendeckt bleiben.\n                    <\/p>\n<p>    DNA-Untersuchungen bringen kein eindeutiges Ergebnis<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie DNA-Untersuchungen\u00a0des Wurmst\u00fccks ergaben bisher nur, dass es sich bei dem Tier um einen Verwandten des Bobbitwurms aus dem Pazifik handeln muss. Eindeutig identifizieren lie\u00df sich das gefundene Wurmst\u00fcck allerdings nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Mitarbeiter im Museum f\u00fcr Naturkunde in Karlsruhe nennen ihn auch deshalb &#8222;Phantom&#8220;, weil sie das Tier ohne den Kopf nicht bestimmen k\u00f6nnen. Es k\u00f6nnte sich bei dem Borstenwurm in Karlsruhe sogar um eine neu entdeckte Art handeln, vermutet der Direktor des Staatlichen Museums f\u00fcr Naturkunde Karlsruhe, Martin Husemann:\u00a0&#8222;Es ist nat\u00fcrlich sehr spannend, weil es potenziell eine neue Art sein k\u00f6nnte und man relativ wenig von diesen gro\u00dfen Tieren wirklich auch in Sammlungen hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Biss an einer Koralle: Der Wurm verrr\u00e4t sich immer wieder durch seine Fressspuren.\n                    <\/p>\n<p>    Etwa 10.000 verschiedene Borstenwurmarten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Museum schickte Professor Markus B\u00f6ggemann von der Universit\u00e4t Vechta ein St\u00fcck des Borstenwurms zur Untersuchung. Er kennt als Experte f\u00fcr Borstenw\u00fcrmer mehr als 10.000 verschiedene Arten. Dazu geh\u00f6ren unter anderem auch Wattw\u00fcrmer in der Nordsee. Viele Borstenw\u00fcrmer ern\u00e4hren sich wie eine Art M\u00fcllabfuhr oft von Dingen, die auf dem Boden liegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei der F\u00fctterung im Meereswasseraquarium bekommen die Fische in Karlsruhe oft St\u00fccke von Seelachs, Doraden und auch Garnelen und Salinenkrebse. Die Haie bekommen gro\u00dfe St\u00fccke vom Wolfsbarsch. Die Wissenschaftler stellten nun fest, dass die Karlsruher damit wohl auch das Phantom \u00fcber die Jahre gut gef\u00fcttert haben: B\u00f6ggemann fand Fischst\u00fccke und Gr\u00e4ten vom Wolfsbarsch in einem St\u00fcck des abgetrennten Wurmdarms.<\/p>\n<p>    Wurm trennte sich vom Gro\u00dfteil seines K\u00f6rpers<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie gef\u00e4hrlichen Gr\u00e4ten konnte der Borstenwurm offenbar nur zusammen mit einem gro\u00dfen Teil seines K\u00f6rpers loswerden. &#8222;Er hat sein Hinterende abgeschmissen. Also der Magen-Darm-Trakt hat anscheinend nicht mehr richtig funktioniert und aus diesem Grunde hat er sich dann lieber vom Rest des K\u00f6rpers getrennt&#8220;, sagt B\u00f6ggemann.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber: &#8222;Alles Entscheidende, was er braucht in seinem Magen-Darm-Trakt, Verdauungstrakt, im vorderen Teil, ist vorhanden. Und deswegen wird er wohl auch weiterhin leben. Jetzt wird er wahrscheinlich noch vielleicht 10 bis 15 Zentimeter lang mit schon regenerierendem Hinterende sein.&#8220;<\/p>\n<p>    ARD-Wissenschaftsredaktion unterst\u00fctzt bei der Suche<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBei der Jagd nach dem nun viel kleineren Borstenwurm sollte darum die SWR-Wissenschaftsredaktion helfen. Uwe Gradwohl, Leiter der Redaktion Wissen Aktuell, und sein Team positionieren zwei Kameras vor dem Meereswasseraquarium so, dass diese alle Lieblingsstellen des Borstenwurms \u00fcber Nacht im Blick haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir haben Kameras genommen, die bei uns im S\u00fcdwestrundfunk nicht so h\u00e4ufig im Einsatz sind, aber sich f\u00fcr diesen Zweck sehr eignen. Die sehr lichtempfindlichen Bildsensoren k\u00f6nnen noch allerhand rausholen aus der Dunkelheit&#8220;, erkl\u00e4rt der Redaktionsleiter. &#8222;Eigentlich sieht man mit dem blo\u00dfen Auge in dem Korallenriff nichts.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Nachtaufnahmen aus dem Aquarium wurden direkt in das Funkhaus des SWR in Baden-Baden \u00fcbertragen. Hier war Gradwohl beim ersten Blick auf die Bilder \u00fcberrascht dar\u00fcber, wie gut er die Korallen und die vorbeischwimmenden Haie und Rochen erkennen konnte. &#8222;Die Kameras kitzeln noch einiges raus und das ist schon wirklich ein wunderh\u00fcbsches Bild. Nur der Wurm, der fehlt halt immer noch.&#8220;<\/p>\n<p>    Wurm wohl schon von Anfang an im Aquarium<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmerhin wei\u00df Kirchhauser vom Museum f\u00fcr Naturkunde inzwischen, wie der Borstenwurm ins Aquarium nach Karlsruhe kam: Mit Lebendgestein aus Indonesien, gleich beim Aufbau des Korallenriffs vor rund zehn Jahren. Von seiner Erfahrung bei der Korallenzucht profitieren die Aquarianer anderer gro\u00dfer Schauaquarien und auch Coral-Gardening-Projekte. &#8222;Wir z\u00fcchten Korallen genau wie sie und das kann man dann alles als sehr sch\u00f6n r\u00fcber transferieren in solche Projekte&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p>    Vier N\u00e4chte beobachten die Kameras das Aquarium<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVier N\u00e4chte haben die Kameras das Meereswasseraquarium in Karlsruhe beobachtet. Insgesamt haben Uwe Gradwohl und das Team der ARD-Wissenschaftsredaktion mehr als 70 Stunden Material gesichtet. Vor der Linse schwammen Haie, Rochen und viele kleine Fische. &#8222;Viel Material, leider extrem wenig Wurm, also weder einen langen noch den k\u00fcrzeren Wurm. Wir haben bislang nichts gesehen&#8220;, sagt Uwe Gradwohl.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Team der SWR-Wissenschaftsredaktion baut die Kameras erst einmal wieder ab. Und das Phantom im Karlsruher Naturkundemuseum hat anscheinend genau darauf gewartet.<\/p>\n<p>    Die Kameras sind weg &#8211; das Phantom ist wieder da<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDenn schon bei einem seiner n\u00e4chsten Tauchg\u00e4nge findet Hannes Kirchhauser neue Wurmspuren. Der Borstenwurm baute Schleimr\u00f6hren genau dort, wo die Beobachtungskameras vorher standen. Und er hat auch noch immer Hunger auf Korallen. Das beweisen neue Bisspuren.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Wieder Fra\u00dfspuren: Der Wurm bedient sich weiter an den gez\u00fcchteten Korallen.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Phantom macht es der Wissenschaft nicht leicht. Die Suche geht weiter, sagt Uwe Gradwohl. Und auch Hannes Kirchhauser will noch nicht aufgeben. Er geht Ende des Sommers in den Ruhestand. Bis dahin will er das Phantom in seinem Korallenriff wenigstens ein einziges Mal gesehen haben.<\/p>\n<p>Ab 20 Uhr: Livestream zum Mitsuchen<\/p>\n<p>            Nachts im Aquarium: Am Donnerstag, den 14. August, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/live\/V49rTP9QxBk\" title=\"Link zum SWR-Livestream\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\"><strong>streamt der SWR ab 20 Uhr live<\/strong><\/a> aus dem Aquarium in Karlsruhe. <strong>Bis 6 Uhr morgens<\/strong> kann jede und jeder den Borstenwurm mitsuchen. Auch zu entdecken sind: die Riff-Haie Amadeus und Karla, der Blaupunktrochen, die nachtaktiven Soldatenfische\u00a0und der verschlafene Doktorfisch.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 14.08.2025 17:40 Uhr Er war zwischenzeitlich gut zwei Meter lang und dennoch hat ihn bis heute niemand&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":344614,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[5602,96282,29,30,13,8903,14,15,12,1886,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-344613","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-aquarium","9":"tag-borstenwurm","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-headlines","13":"tag-karlsruhe","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-tiere","18":"tag-top-news","19":"tag-top-meldungen","20":"tag-topmeldungen","21":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115028164839718830","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=344613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344613\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/344614"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=344613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=344613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=344613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}