{"id":344655,"date":"2025-08-14T17:15:10","date_gmt":"2025-08-14T17:15:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344655\/"},"modified":"2025-08-14T17:15:10","modified_gmt":"2025-08-14T17:15:10","slug":"russland-fuehrt-in-der-ukraine-einen-abnutzungskrieg-dw-14-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/344655\/","title":{"rendered":"&#8222;Russland f\u00fchrt in der Ukraine einen Abnutzungskrieg&#8220; \u2013 DW \u2013 14.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>DW: Herr Reisner, in den vergangenen Tagen gab es viele Berichte dar\u00fcber, dass <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> ein Durchbruch in der Region Donezk gelungen ist. Was ist Ihre Meinung dazu? <\/p>\n<p>Markus Reisner: Man muss zuerst feststellen, dass wir zwar einen Einbruch in die ukrainischen Verteidigungsstellungen sehen &#8211; dieser Einbruch hat auch Raum gewonnen, man sch\u00e4tzt bis zu 13 Kilometer, aber man kann noch nicht von einem sogenannten operativen Durchbruch sprechen.<\/p>\n<p>Wir haben also im Moment eine unklare Situation, aber wir haben\u00a0eindeutig den Umstand, dass russische Kr\u00e4fte n\u00f6rdlich von Pokrowsk und weiter vorgesto\u00dfen sind. Das sind aber vor allem noch Kr\u00e4fte\u00a0in St\u00e4rke von kleineren Gruppen &#8211;\u00a0Trupps oft bis zu 15 Mann stark, aber noch kein schweres Ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Das ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ukraine-krieg\/t-60978725\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> versucht, mit vollem Einsatz von Drohnen ein Nachsto\u00dfen von schwerem Ger\u00e4t zu verhindern. Es kommt jetzt darauf an, ob die ukrainische Seite es schafft, sogenannte operative Reserven rasch heranzuf\u00fchren, um diesen Einbruch abzuriegeln und vielleicht sogar in der Tiefe zu umfassen und zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Sie sprechen von ukrainischen Reserven. Viele Beobachter sind der Meinung, dass es an Personal fehlt. Stimmen Sie dem zu?<\/p>\n<p>Ja, das ist leider der Fall. Letztes Jahr hat Russland die Initiative zur\u00fcckgewonnen. Das Momentum ist seitdem bei der Russischen F\u00f6deration. Das ist deswegen f\u00fcr die Russische F\u00f6deration m\u00f6glich gewesen, weil sie einfach sukzessive immer mehr an Personal, Ausr\u00fcstung und Ger\u00e4t herangef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"68253855\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/68253855_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Portrait von Oberst Markus Reisner\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Markus ReisnerBild: Kurt Kreibich\/Bundesheer<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht h\u00e4tte die Ukraine letztes Jahr eine Entscheidung treffen m\u00fcssen: die Mobilisierung der 18- bis 25-J\u00e4hrigen. Das ist eine ganz schwierige politische Entscheidung, deren Konsequenzen weitreichend sind. Aber wir sehen, dass die Ukraine jetzt genau jene Soldaten brauchen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Bis wohin k\u00f6nnte die russische Armee vorr\u00fccken, wenn dieser Durchbruch anh\u00e4lt? <\/p>\n<p>Die russische operative Einsatzf\u00fchrung l\u00e4sst sich an drei Abschnitten festmachen. Wir haben den sogenannten Nordabschnitt &#8211; den Raum zwischen Sumy und Charkiw. Der Mittelabschnitt ist der Raum von Kupjansk bis hinunter nach Saporischschja. Und wir haben den S\u00fcdabschnitt von Saporischschja bis nach Cherson.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Russen in ihren Angriffen im Norden und im S\u00fcden darauf abzielen, die ukrainischen Kr\u00e4fte zu binden und zu \u00fcberdehnen, ist das Schwergewicht der russischen Anstrengungen nach wie vor der mittlere Abschnitt. Hier sind die f\u00fcnf Hotspots: Kupjansk, Siwersk, Kostjantyniwka, Pokrowsk und Nowopawliwka. Das sind jene St\u00e4dte, wo sich m\u00f6glicherweise gerade Kessel bilden.<\/p>\n<p>Und was macht Russland hier? Es wendet genau dieselbe Taktik an, so wie wir das auch in den vergangenen Monaten gesehen haben &#8211; zum Beispiel bei der ukrainischen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dossier-kursk-offensive-der-ukraine\/a-69935783\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Operation in Kursk<\/a>. Es versucht, durch weitreichenden Einsatz von Drohnen seine Aggression so zu unterst\u00fctzen, dass die ukrainische Logistik unterbrochen wird. Und damit sind dann diese St\u00e4dte nicht mehr haltbar.<\/p>\n<p>Es gibt im Mittelabschnitt einige wichtige Knotenpunkte und Verkehrslinien, die f\u00fcr die ukrainische Logistik wie wichtige Arterien fungieren. Russland versucht jetzt durch seinen Vorsto\u00df, so rasch wie m\u00f6glich und so viele wie m\u00f6glich von diesen Knotenpunkten einzunehmen oder Linien zu unterbrechen, damit es hier zu keiner weiteren Versorgung der in Bedr\u00e4ngnis geratenen ukrainischen Verb\u00e4nde kommt.<\/p>\n<p>Wenn man den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/warum-ist-der-donbass-so-wichtig-f\u00fcr-russland\/a-61523314\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donbass<\/a> betrachtet, dann sieht man, dass gerade Kramatorsk und Slowjansk zwei Bollwerke, eine Art Festungsst\u00e4dte sind. Und Russland versucht nat\u00fcrlich hier auch gro\u00dfr\u00e4umig\u00a0eine m\u00f6gliche Umfassung, um sie in Besitz zu nehmen. Gelingt das? Das wird man sehen. Aber das ist\u00a0die Absicht der Russen, die sie seit letztem Jahr verfolgen.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen in dieser Situation die L\u00e4nder tun, die auf der Seite der Ukraine stehen?<\/p>\n<p>Es hat Jahre gebraucht, bis der Westen verstanden hat, dass Russland hier versucht, die strategische Tiefe der Ukraine zu brechen. Es ist wichtig zu verstehen, dass es ein Abnutzungskrieg ist. Viele von uns haben keine Vorstellung, was es bedeutet, einen Abnutzungskrieg zu f\u00fchren. Hier geht es nicht um einen raumzentrierten Ansatz, sondern um einen Ansatz, der auf die Ressourcen abzielt. Und derjenige, der mehr Ressourcen, der mehr Kraft hat, hat dann Erfolg.<\/p>\n<p>Auf der taktischen Ebene haben die Russen sich in den letzten Jahren und Monaten immer wieder neu angepasst und viele ihrer Taktiken machen sehr wohl Sinn und entsprechen auch einer gewissen Logik.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, dass wir dieses Eingest\u00e4ndnis endlich zur Kenntnis nehmen. Denn erst dann kann man den Gegner wirklich auch so bek\u00e4mpfen, wie es auch notwendig w\u00e4re. Indem man sich die Situation sch\u00f6nredet, wird man die Situation nicht zugunsten der eigenen Kr\u00e4fte entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist das Ergebnis dieses Einbruchs unter anderem dem Umstand geschuldet, dass man sich eigentlich \u00fcber Monate der Realit\u00e4t verweigert hat, und genau das r\u00e4cht sich jetzt.<\/p>\n<p>Oberst Dr. Markus Reisner ist Generalstabsoffizier im \u00f6sterreichischen Bundesheer. Er leitet seit M\u00e4rz 2024 das Institut f\u00fcr Offiziersausbildung an der Theresianischen Milit\u00e4rakademie.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Alyona Zhuravlyova<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DW: Herr Reisner, in den vergangenen Tagen gab es viele Berichte dar\u00fcber, dass Russland ein Durchbruch in der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":344656,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-344655","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-russia","14":"tag-russian-federation","15":"tag-russische-foederation","16":"tag-russland","17":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115028251383919398","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=344655"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344655\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/344656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=344655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=344655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=344655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}