{"id":345305,"date":"2025-08-14T23:13:13","date_gmt":"2025-08-14T23:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/345305\/"},"modified":"2025-08-14T23:13:13","modified_gmt":"2025-08-14T23:13:13","slug":"ausstellung-im-domforum-koeln-verbindet-glaube-geschichte-und-menschen-1700-jahre-glaubensbekenntnis-von-nicaea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/345305\/","title":{"rendered":"Ausstellung im Domforum K\u00f6ln verbindet Glaube, Geschichte und Menschen: 1700 Jahre Glaubensbekenntnis von Nic\u00e4a"},"content":{"rendered":"<p>Das \u00f6kumenische Konzil von Nic\u00e4a 325 und das dort von Bisch\u00f6fen und weiteren Klerikern verabschiedete \u00f6kumenische Glaubensbekenntnis sind wirkm\u00e4chtig bis in unsere Gegenwart. Anerkannt von der gesamten Christenheit, wird darin Jesus Christus als \u201ewesensgleich\u201c mit Gott in dessen biblischer Einheit bekannt. Einberufen von Kaiser Konstantin, ist das Konzil nicht nur kirchen- und theologiegeschichtlich, sondern auch weltgeschichtlich bedeutsam. Diesem Ereignis vor 1700 Jahren, dem ersten Glaubensbekenntnis der fr\u00fchen Christenheit und dessen Einfluss widmet sich die diesj\u00e4hrige Sommerausstellung im Domforum K\u00f6ln: \u201eDer Dom als Bekenntnis des Glaubens\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ausstellung in \u00f6kumenischer Kooperation entwickelt <\/strong><\/p>\n<p>Entwickelt wurde sie vom Domforum und der Dombauh\u00fctte in enger \u00f6kumenischer Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk K\u00f6ln und der evangelischen Melanchthon Akademie (MAK). Autoren der Pr\u00e4sentation sind MAK-Leiter Dr. Martin Bock, Dr. des. Matthias Deml (Leiter des Dombauarchivs der K\u00f6lner Dombauh\u00fctte), Harald Schl\u00fcter (stellvertretender Leiter des Domforums und Referent f\u00fcr Dom- und Kirchenf\u00fchrungen) und Dr. Rainer Will (stellvertretender Leiter des Katholischen Bildungswerks K\u00f6ln). Sie haben die Texte paarweise verfasst. Bei der Vorstellung der Schau informierten sie zudem unter anderem \u00fcber ihre Herangehensweise und Fragestellungen.<\/p>\n<p><strong>Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens anhand exemplarischer Objekte\u00a0 <\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-63804\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/DSC_6591.Domforum.-Ausstellung.-1700-Jahre-oekumenisches-Glaubensbekenntnis-von-Nicaea.-c-E.-Broich-.jpeg\" alt=\"Martin Bock.\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>Martin Bock.<\/p>\n<p>Die Ausstellung umfasst vier Stelen mit Bildern beispielhaft ausgesuchter Ausstattungsst\u00fccke des Doms und erl\u00e4uternden Texten. Es wird aufgezeigt, \u201ewie auf dem Hintergrund der kirchen- und theologiegeschichtlichen, geistes- und kulturhistorischen Entwicklung sich im Laufe der Jahrhunderte mit Fragen des Glaubens in der Kirche auseinandergesetzt wurde\u201c, so Will. Und wie man in die jeweilige Zeit hinein diese Glaubensfragen \u00fcbersetzte. Sie bietet in einem fruchtbaren Dialog zwischen Kunst und Theologie laut Will Seitenblicke auf unterschiedliche Folgen der Wirkungsgeschichte des Konzils und des Glaubensbekenntnisses von Nic\u00e4a.<\/p>\n<p><strong>\u00d6kumenische Dimension der Ausstellung<\/strong><\/p>\n<p>Wie Dombaumeister Peter F\u00fcssenich betonte Martin Bock die \u00f6kumenische Dimension der Ausstellung. Der K\u00f6lner Dom sei nicht nur Ausdruck des katholischen Glaubens. Weil er in seiner Baugeschichte sozusagen durch das Zeitalter des Konfessionalismus seit dem 16. Jahrhundert gegangen sei, sei er ebenso Ausdruck des christlichen Glaubens insgesamt. So suchten und f\u00e4nden in ihm alle K\u00f6lnerinnen und K\u00f6lner, auch evangelische und anderskonfessionelle Christinnen und Christen immer einen Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr den gemeinschaftlichen christlichen Glauben. \u201eNicht \u00fcberall, aber an vielen Stellen. Und genau um diese haben wir uns in dieser Ausstellung bem\u00fcht.\u201c<\/p>\n<p>Zugleich verbinde das 1700 Jahre alte Glaubensbekenntnis von Nic\u00e4a heute nicht nur katholische und evangelische, sondern orthodoxe und altorientalische Kirchen miteinander. Obwohl es in so anderer Zeit entstanden sei, tr\u00fcgen im \u00d6kumenischen Rat der Kirchen mit Sitz in Genf \u00fcber 350 Kirchen dieses Glaubensbekenntnis mit. Das habe Gr\u00fcnde, die immer wieder zu dem Wesentlichen des christlichen Glaubens zur\u00fcckf\u00fchrten: \u201eDer Glaube an den einen Gott, der diese Welt geschaffen hat und den wir auch trotz aller Spannungen und Gef\u00e4hrdungen nicht von dieser Welt trennen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-63803 alignright\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/DSC_6620.Domforum-Ausst.-Der-Dom-als-Bekenntnis-des-Glaubens.-c-E.-Broich-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/>\u201eIn einer Zeit, in der auch damals sehr viele Spaltungen und Spannungen in der Welt waren, vielleicht gar nicht so un\u00e4hnlich zu heute, ist das Glaubensbekenntnis von Nic\u00e4a ein sehr gelungener langfristiger theologischer Versuch, Spaltungen zu \u00fcberwinden\u201c, ist Bock zuversichtlich. Denn er sei gelungen durch kluge und denkw\u00fcrdige Formulierungen. \u201eDenkw\u00fcrdig in dem Sinne, dass l\u00e4ngst nicht nur die Theologie, sondern auch die Philosophie und die Kunstgeschichte immer wieder die M\u00f6glichkeit hatten, sich an diesen Formulierungen zu reiben, und in ganz unterschiedlicher Zeit daf\u00fcr einen Ansto\u00df f\u00fcr das heutige Denken zu finden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Erste Stele: Altchristliches Baptisterium und vermuteter fr\u00fchchristlicher Versammlungsort in K\u00f6ln <\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nimmt die Ausstellung den vermuteten fr\u00fchchristlichen Versammlungsort in K\u00f6ln in der heutigen Domgegend in den Blick. Ebenso das altchristliche Baptisterium am Dom als K\u00f6lns \u00e4ltester Taufort. \u201eDas Glaubensbekenntnis von Nic\u00e4a ist im Kern ein Taufbekenntnis. Darauf kommen wir immer wieder als Anhaltspunkt zur\u00fcck\u201c, so Will.<\/p>\n<p><strong>Zweite Stele: \u201eVon der Antike bis zum Mittelalter\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Am Gerokreuz k\u00f6nne man sehr sch\u00f6n unsere Idee als Ausstellungsmacher verdeutlichen, so Schl\u00fcter.\u00a0\u201eDas Christentum geht hervor aus der j\u00fcdischen Religion als einer Religion der Bilderlosigkeit \u2013 und w\u00e4hlt das Bild. Das ist das eine. Das andere ist aber, dass es das in einer Form tut, daf\u00fcr steht Nic\u00e4a, dass es sagt, in Jesus Christus, im Mensch gewordenen Gott, wesensgleich mit Gott Vater, ist Gott sichtbar in der Welt und das macht m\u00f6glich, Bilder zu schaffen\u201c, erl\u00e4uterte er. In der fr\u00fchen Kirche habe es eine gro\u00dfe Zur\u00fcckhaltung gegeben, Jesus als den Gekreuzigten darzustellen. Das Gerokreuz geh\u00f6re auf jeden Fall zu den \u00e4ltesten Bildwerken dieser Art in dieser Gr\u00f6\u00dfe und in dieser Pr\u00e4senz. Es gehe im gotischen Dom heute fast unter. In den Vorg\u00e4ngerbauten sei es in der Mitte aufgestellt gewesen. \u201eDie Wirkmacht dieses Bildes in seiner Modernit\u00e4t ragt auch heute heraus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Gerokreuz bildete im Vorg\u00e4ngerbau des K\u00f6lner Doms das zentrale christologische Zeichen\u201c, so Bock. Der Dreik\u00f6nigenschrein einerseits mit der Geburt Jesu, und andererseits sozusagen der tote Christus am Kreuz. \u201eDas ist bis heute auch eine Provokation, die uns selber zu denken gibt: Wie kann es sein, dass in diesem toten Menschen Gott anwesend und gleichzeitig aber auch nicht einfach anwesend ist?\u201c, formulierte Bock mit Blick auch auf die Philosophie des 19. Jahrhunderts und auf die\u00a0 weltweite Auseinandersetzung mit dem Nihilismus. Das gehe bis hinein in die Frage, ob wir angesichts aller Abgr\u00fcnde in der Welt noch an Gott glauben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Dritte Stele: \u201eKonfession und Konfessionalismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die 3. Stele besch\u00e4ftigt sich mit der Zeit des Dombaus vom 13. bis 16. Jahrhundert, mit den konfessionellen und kulturellen Spannungen in der Reformation. Auf ihr findet sich auch die 1544, also erst nach der Bauunterbrechung 1528 gefertigte Kanzel. Bis heute wird die vom franz\u00f6sischen Schriftsteller Victor Hugo als \u201esehr h\u00fcbsch erfunden und sehr h\u00fcbsch in Eichenholz geschnitzt\u201c gew\u00fcrdigte Renaissance-Kanzel regelm\u00e4\u00dfig als Predigtort genutzt. Als \u00e4lteste in K\u00f6ln erhaltene verweist sie laut Deml in die Zeit der Glaubensspaltung. Auch auf die wenige Jahre zuvor eingeleiteten Reformvorhaben des K\u00f6lner Erzbischofs Hermann von Wied. Zun\u00e4chst scharfer Gegner der Reformation, so Will, habe sich durch Begegnungen etwa mit Bucer und Melanchthon \u201ein ihm die \u00dcberzeugung von der Notwendigkeit von Kirchenreformen\u201c verfestigt. Die Einladung an diese und andere evangelische Theologen nach K\u00f6ln, um diese im Bistum umzusetzen, rief den \u201eentschiedenen Widerstand vor allem des Domkapitels\u201c hervor. Von Wied wurde suspendiert und exkommuniziert.<\/p>\n<p><strong>Vierte Stele: \u201eGegenwart und Ausblick\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die 4. Stele besch\u00e4ftigt sich mit der Gegenwart und gibt einen Ausblick in die Zukunft hinein. Die ausgew\u00e4hlten Ausstattungsst\u00fccke sollen beispielhaft daf\u00fcr stehen, wie der christliche Glaube in seiner sch\u00f6pfungstheologischen, eucharistischen und pfingstlichen Dimension heute neu entdeckt und erz\u00e4hlt wird. Vorgestellt wird unter anderem das 2007 eingeweihte S\u00fcdquerhausfenster. Es verdankt sich einem Entwurf von Gerhard Richter. Auf 106 qm vereint es 11.263 Glasquadrate in 72 verschiedenen Farben. Schl\u00fcter sieht in diesem v\u00f6llig abstrakten Kunstwerk ein Fenster, das \u2013 im Gegenzug zum Gerokreuz \u2013 sozusagen das Bild verweigert. Ein bilderloses Werk, das sich mit seinen Spiegelungen gleichzeitig den geometrischen Formen des Ma\u00dfwerks unterordnet. Und sich damit einf\u00fcgt \u201ein ein gro\u00dfes Ordnungsprinzip, mit dem die Gotik diesen riesigen Bau vom Kleinsten bis ins Gr\u00f6\u00dfte entwickelt hat\u201c.<\/p>\n<p><strong>Bilder m\u00fcssen transzendiert werden<\/strong><\/p>\n<p>Schl\u00fcter sieht in diesem Fenster gewisserma\u00dfen Ordnung und Chaos vereint. Es lege mit Blick auf Nic\u00e4a nochmal den Gedanken nahe, \u201edass Gott hier auch wieder in Begriffen benannt wird, die eigentlich in diese Abstraktion hineinreichen: Gott als Licht vom Licht zu bezeichnen und ihn als den Sch\u00f6pfer, durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist.\u201c Auch und gerade das Richter-Fenster stehe fast didaktisch f\u00fcr die Botschaft, das Bilder auch wieder transzendiert werden m\u00fcssten. \u201eDas ist auch die Aufgabe der Erkl\u00e4rung in F\u00fchrungen vor Ort. Dass wir nicht an den Bildern kleben bleiben, sondern sie auch wieder loslassen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Lauf- und \u00d6ffnungszeiten der Pr\u00e4sentation<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausstellung im Foyer des Domforums, Domkloster 3, ist bis einschlie\u00dflich 31. August 2025 zu sehen: montags bis samstags von 9.30 bis 17 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr. S\u00e4mtliche Ausstellungstexte und -bilder finden sich in einer Brosch\u00fcre vereinigt. Diese ist vor Ort erh\u00e4ltlich, ebenso in der MAK sowie der Pressestelle des Evangelischen Kirchenverbandes K\u00f6ln und Region.<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: Engelbert Broich <br \/>Foto(s): Engelbert Broich <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das \u00f6kumenische Konzil von Nic\u00e4a 325 und das dort von Bisch\u00f6fen und weiteren Klerikern verabschiedete \u00f6kumenische Glaubensbekenntnis sind&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":345306,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[96417,96418,96419,29,35951,96420,96421,30,96422,96423,96424,58029,96425,1420,2029,10489,1209,49167,96426,96427,96428,96429,96430],"class_list":{"0":"post-345305","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-1700-jahre-nicaea","9":"tag-baptisterium-koeln","10":"tag-christlicher-glaube-koeln","11":"tag-deutschland","12":"tag-dombauhuette","13":"tag-domforum-koeln","14":"tag-gerhard-richter-fenster","15":"tag-germany","16":"tag-gerokreuz","17":"tag-glaubensbekenntnis-von-nicaea","18":"tag-katholisches-bildungswerk-koeln","19":"tag-kirchenbau-koeln","20":"tag-kirchenkunst-koeln","21":"tag-koeln","22":"tag-koelner-dom","23":"tag-melanchthon-akademie","24":"tag-nordrhein-westfalen","25":"tag-oekumene-koeln","26":"tag-oekumenische-ausstellung","27":"tag-reformation-koeln","28":"tag-renaissance-kanzel","29":"tag-suedquerhausfenster","30":"tag-taufbekenntnis"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=345305"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345305\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/345306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=345305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=345305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=345305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}