{"id":346182,"date":"2025-08-15T07:26:10","date_gmt":"2025-08-15T07:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/346182\/"},"modified":"2025-08-15T07:26:10","modified_gmt":"2025-08-15T07:26:10","slug":"koeln-die-roemer-umweltsuender-ohne-schlechtes-gewissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/346182\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln | Die R\u00f6mer &#8211; Umwelts\u00fcnder ohne schlechtes Gewissen"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (dpa) &#8211; Die R\u00f6mer bauten Br\u00fccken, die nach 2.000 Jahren noch stehen &#8211; \u00fcberall in Europa finden sich Beispiele, in Deutschland etwa in Trier. Die Autobahnbr\u00fccken der 1960er und 70er Jahre dagegen zerbr\u00f6ckeln schon nach 50 Jahren, so dass sie nun mit riesigem Aufwand ersetzt werden m\u00fcssen. Waren die R\u00f6mer damit Meister der Nachhaltigkeit? \u00abEher nicht\u00bb, sagt Kathrin Jaschke vom R\u00f6misch-Germanischen Museum in K\u00f6ln.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abSie konnten super Br\u00fccken bauen, und die waren nat\u00fcrlich auch daf\u00fcr gedacht, m\u00f6glichst lange stehen zu bleiben. Aber es ging ihnen dabei nicht um Nachhaltigkeit\u00bb, sagt Jaschke. \u00abH\u00e4tten sie unseren Spannbeton gekannt, h\u00e4tten sie den mit Sicherheit auch benutzt. Er bietet architektonisch v\u00f6llig andere M\u00f6glichkeiten.\u00bb<\/p>\n<p>Das r\u00f6mische Imperium stellte die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Umwelt- und Klimabelastung der Menschheitsgeschichte dar. Die bekannte britische Althistorikerin Mary Beard berichtet in ihrer BBC-Doku \u00abRome &#8211; Empire without Limit\u00bb, dass man in 2.000 Jahre alten Eisschichten aus Gr\u00f6nland Auswirkungen der r\u00f6mischen Zivilisation auf die Umwelt mit blo\u00dfem Auge erkennen kann: In dem Eis ist in kleinen Luftblasen deutlich mehr Methan aus der Atmosph\u00e4re abgelagert als in den noch \u00e4lteren, aber auch in den darauf folgenden j\u00fcngeren Eisschichten.\u00a0<\/p>\n<p>Schmelz\u00f6fen verpesteten die Luft mit Blei<\/p>\n<p>Das Methan d\u00fcrfte durch die enormen Viehbest\u00e4nde und das Verbrennen von Holz freigesetzt worden sein. \u00abWir denken heute etwas anders dar\u00fcber, aber ich glaube, die R\u00f6mer w\u00e4ren sehr angetan gewesen, wenn sie gewusst h\u00e4tten, dass ihr Impact noch so lange nachweisbar sein w\u00fcrde\u00bb, vermutet Beard.\u00a0<\/p>\n<p>Ebenso l\u00e4sst sich im arktischen Eis eine h\u00f6here Bleikonzentration aus der R\u00f6merzeit feststellen, verursacht durch das Betreiben von Schmelz\u00f6fen zur Gewinnung von Silber. Die \u00d6fen besa\u00dfen Schornsteine, damit die giftigen D\u00e4mpfe m\u00f6glichst hoch in die Luft geblasen wurden. Der Kontrast zwischen der r\u00f6mischen Welt und jener der davor bestehenden keltischen Eisenzeit war buchst\u00e4blich atemberaubend.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDie R\u00f6mer haben gnadenlos ausgebeutet, zum Beispiel auch einen Kahlschlag unter den W\u00e4ldern angerichtet. Sie hatten einen irren Holzverbrauch, zum Beispiel f\u00fcr ihre beheizten B\u00e4der, die Thermen\u00bb, sagt Kathrin Jaschke.\u00a0<\/p>\n<p>Holz aus dem Schwarzwald &#8211; weil`s in K\u00f6ln keine B\u00e4ume mehr gab<\/p>\n<p>Die stellvertretende Direktorin des K\u00f6lner Museumsdienstes bietet hin und wieder F\u00fchrungen zum Thema \u00abR\u00f6mer und Nachhaltigkeit\u00bb an. In K\u00f6ln &#8211; das als R\u00f6merstadt gegr\u00fcndet wurde &#8211; war der Wald in der Umgebung bald weitgehend abgeholzt, so dass mit gro\u00dfem Aufwand Baumst\u00e4mme aus dem Schwarzwald \u00fcber den Rhein herbeigeschafft werden mussten. Die komplette Entwaldung gro\u00dfer Landstriche ist allerdings ein Ph\u00e4nomen der fr\u00fchen Neuzeit.<\/p>\n<p>Die Natur habe die R\u00f6mer durchaus fasziniert, sie h\u00e4tten sich als altes Bauernvolk gesehen und das l\u00e4ndliche Leben gesch\u00e4tzt, so Jaschke. Gute Natur sei f\u00fcr sie allerdings immer gez\u00e4hmte Natur gewesen, weil sie die Naturgewalten in Form von Unwettern oder gar Vulkanausbr\u00fcchen noch viel st\u00e4rker gef\u00fcrchtet h\u00e4tten als heutige Menschen.\u00a0<\/p>\n<p>Die negativen \u00f6kologischen Folgen ihres Handelns h\u00e4tten sie durchaus gesehen, etwa Bodenerosion aufgrund von Entwaldung. \u00abEs war ihnen durchaus bewusst, dass das nicht so clever ist, aber das hat sie nicht dazu gebracht, ihr Verhalten zu \u00e4ndern. Im Zweifel ist man einfach weitergezogen. Es war woanders halt noch genug da.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt lebten im gesamten R\u00f6mischen Weltreich etwa 80 Millionen Menschen &#8211; so viele wie heute allein in Deutschland. Es gab also insgesamt noch viel weniger Menschen und dementsprechend mehr Natur.\u00a0<\/p>\n<p>Bekannt sind die R\u00f6mer als gro\u00dfe Recycler &#8211; Metall und Glas wurden h\u00e4ufig wiederverwendet. So gibt es Legion\u00e4rshelme mit mehreren eingravierten Namen: Sie wurden also weiterverkauft oder vererbt.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDas geschah aber nicht, weil damit Ressourcen geschont wurden, sondern weil es preiswerter war\u00bb, stellt Arch\u00e4ologin Jaschke klar. \u00abVom Mindset her war es eher eine Wegwerfgesellschaft, nur musste man es sich leisten k\u00f6nnen.\u00bb Dass Abfall nur an bestimmten Stellen entsorgt werden durfte, geschah vor allem aus Hygienegr\u00fcnden.\u00a0<\/p>\n<p>Damals gab es in Europa noch L\u00f6wen &#8211; bis die R\u00f6mer kamen<\/p>\n<p>Was Tiere betrifft, so rotteten die R\u00f6mer etwa die damals noch in Griechenland verbreiteten L\u00f6wen aus, weil sie sie in gro\u00dfer Zahl f\u00fcr ihre Tierk\u00e4mpfe in den Arenen ben\u00f6tigten. \u00abBald gab es auch keine Flusspferde mehr in dem Teil des Nils, den die R\u00f6mer beherrschten, und auch keine Nash\u00f6rner\u00bb, so Jaschke. Im Umland von K\u00f6ln oder Trier wurden vor allem B\u00e4ren und W\u00f6lfe gefangen.\u00a0<\/p>\n<p>Einer, der die Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen anprangerte, war der Historiker Plinius der \u00c4ltere. Die \u00abheilige Mutter Erde\u00bb m\u00fcsse erdulden, dass sie \u00fcberall dort, wo Edelmetalle und andere Rohstoffe vermutet w\u00fcrden, durchl\u00f6chert und aufgesch\u00fcrft werde, kritisierte er. \u00abWir dringen in ihre Eingeweide und suchen nach Sch\u00e4tzen. Der Mensch hat gelernt, die Natur herauszufordern\u00bb, so Plinius.\u00a0<\/p>\n<p>Allerdings ging es auch ihm nicht um Ressourcenschonung an sich. Was ihn st\u00f6rte, war die Gier nach Luxus, nach Gold- und Silberschmuck &#8211; die ber\u00fchmte r\u00f6mische Dekadenz. Im Jahr 79 nach Christus kam Plinius selbst beim Ausbruch des Vesuvs ums Leben.<\/p>\n<p>Ist die heutige Menschheit den R\u00f6mern \u00fcberlegen? \u00abDass man sich den \u00f6kologischen Folgen seines Handelns bewusst ist, aber dennoch nicht umdenkt, ist doch ein Ph\u00e4nomen, dass es heute genauso gibt\u00bb, findet Jaschke.<\/p>\n<p>\u00abWir wissen alle, wie sch\u00e4dlich Plastik ist &#8211; aber wir verwenden es trotzdem, weil es praktisch ist. Dieses Denken w\u00fcrden die R\u00f6mer sofort wiedererkennen. Deshalb w\u00fcrde ich sagen: Die R\u00f6mer sind uns von der Mentalit\u00e4t her sehr nahe. Wir wissen zwar viel mehr als sie \u00fcber \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge, aber unser Verhalten passen wir deshalb noch lange nicht an.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6ln (dpa) &#8211; Die R\u00f6mer bauten Br\u00fccken, die nach 2.000 Jahren noch stehen &#8211; \u00fcberall in Europa finden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":346183,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,30,2989,1563,1420,2147,1209,383],"class_list":{"0":"post-346182","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-geschichte","11":"tag-klima","12":"tag-koeln","13":"tag-museen","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-umwelt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115031597648890215","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=346182"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346182\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/346183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=346182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=346182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=346182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}