{"id":347639,"date":"2025-08-15T20:51:10","date_gmt":"2025-08-15T20:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/347639\/"},"modified":"2025-08-15T20:51:10","modified_gmt":"2025-08-15T20:51:10","slug":"der-wuerzburger-domorganist-stefan-schmidt-ist-duesseldorfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/347639\/","title":{"rendered":"Der W\u00fcrzburger Domorganist Stefan Schmidt ist D\u00fcsseldorfer"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Pn3wIVKI_jI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieses Youtube-Video<\/a> ist kameratechnisch ein Spezialfall. Es zeigt nichts als die Wahrheit: in weiter Entfernung ein einsam schaffender Musiker, keinen direkten Kontakt zu Menschen hat er, man m\u00fcsste zu ihm vermutlich \u00fcber eine Wendeltreppe hochklettern. Zudem gibt es nur diese eine Kameraeinstellung, der Mann befindet sich in 50 Metern Abstand, kein Blick auf H\u00e4nde oder F\u00fc\u00dfe, man sieht nur seinen ruhig sich bewegenden R\u00fccken. Mancher h\u00e4tte ihn gern aus der Kamera-N\u00e4he gesehen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Mann auf dem Video sitzt an einer ber\u00fchmten Berliner Orgel und hei\u00dft Stefan Schmidt. Nicht nur in Deutschland, sondern international z\u00e4hlt er zur ersten Riege seiner Zunft. Seine Gesamteinspielungen der Orgelwerke von C\u00e9sar Franck und Maurice Durufl\u00e9 \u2013 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7dc_QD7UOkQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Toccata op. 5 spielt er sensationell<\/a> \u2013 z\u00e4hlen zu den Referenzaufnahmen, dar\u00fcber hinaus gilt er als grandioser Improvisator. Seit 2005 ist er Domorganist in W\u00fcrzburg. Im kommenden Jahr wird er 60 Jahre alt. Und er ist geb\u00fcrtiger D\u00fcsseldorfer, Jahrgang 1966; bis zu seiner Berufung nach Franken war er Kantor an St. Peter in D\u00fcsseldorf-Friedrichstadt, wo er auch geboren wurde. Nun sind wir zu Besuch bei ihm am Kiliansdom, und wie man so sagt: Es geht ihm pr\u00e4chtig. Und er spielt auch so.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Stefan Schmidt ist ein Mann der langen Strecken, die er mit beeindruckender Kondition absolviert. Die stellt er aber nicht selbstgef\u00e4llig aus, er macht kein Bohei um sie und um sich. Schmidt ist, wie er immer ist. Jenes Youtube-Video entstand im vergangenen Oktober bei den 1. Berliner Orgelimprovisationstagen. Er spielte auf der Orgel der Auenkirche in Berlin-Wilmersdorf (90 Register auf vier Manualen), ein riesiges Instrument, das zweitgr\u00f6\u00dfte in der Hauptstadt, dessen Farbenreichtum Schmidt, der Meister der Erfindung, in einem Ritt durch die Stile nutzte. Lauter Chor\u00e4le als Inspiration f\u00fcr Bearbeitungen \u2013 und jede Improvisation g\u00e4nzlich individuell. Mal romantisch versponnen, mal franz\u00f6sisch-modern klirrend, mal barock gezirkelt. In seiner Version \u00fcber \u201eNun danket all und bringet Ehr\u201c legte er den Choral als Cantus firmus mit Zungenstimme in den Tenor, \u00fcber dem zwei Linien ihre Kapriolen absolvierten, im Bass lie\u00df das Pedal aparte Tupfer vernehmen. Eine kombinatorische Stegreif-Meisterleistung. Man k\u00f6nnte sie glattweg abschreiben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kann man das lernen? In gewissem Ma\u00dfe ja. Braucht man trotzdem das Improvisations-Gen? Unbedingt. Gibt es motivierende Orgeln, auf denen ein Improvisationskonzert unter gl\u00fccklichsten Sternen steht, und andere, bei denen man immer noch sehr ordentliche Leistungen abliefert, ohne dass der Organist von sich selbst entz\u00fcckt w\u00e4re? Ja. Seine Hausorgel in W\u00fcrzburg (f\u00fcnf Manuale, 87 Register, im Jahr 1968 von der Bonner Firma Klais erbaut) kennt Schmidt nat\u00fcrlich am allerbesten, seit 20 Jahren verw\u00f6hnt er die Domgemeinde mit seinem Spiel. Und wenn er seinem Besucher nun die Domorgel vorf\u00fchrt, m\u00f6chte der sich am liebsten \u00fcber Nacht hier einschlie\u00dfen lassen und alle Register ziehen und doch nicht fertig werden mit der Klangerkundung. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?app=desktop&amp;v=Y_N4yqTffOs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier nach dem Gottesdienst die Widor-Toccata erleben: der Wahnsinn<\/a><\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die W\u00fcrzburger Orgel hat ein Geschwisterchen im Dom, n\u00e4mlich die Querhausorgel, die man aber auch vom Hauptspieltisch auf der Orgelempore bedienen kann. Das f\u00fchrt zu wundervollen Surround-Effekten bei den Kirchg\u00e4ngern: Sie haben die Illusion, als seien zwei Organisten gleichzeitig am Werk. Schmidt genie\u00dft diese Raum-Echo-Wirkungen, wobei f\u00fcr den Musiker die Zeitverz\u00f6gerung zur Querhausorgel ein gewisses Handicap ist; schnelle St\u00fccke funktionieren nicht so gut \u00fcber die Entfernung. In jedem Fall ist die akustische Kontrolle \u00fcber den Orgelklang im Kirchenraum \u00fcberraschend pr\u00e4zise, sagt Schmidt mit seinem leisen, feinen Humor: \u201eKein Schwimmfest.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Manche Leute reisen von fern an, um Schmidt sonntags spielen und zaubern zu h\u00f6ren \u2013 wenn er nicht gerade auf Konzertreise ist. Oder in D\u00fcsseldorf unterrichtet: Seit 1994 \u2013 dies passt ebenfalls unter das Motto der langen Strecken \u2013 lehrt er Orgel und Improvisation an der Robert-Schumann-Hochschule; 2006 erfolgte die Berufung zum Honorarprofessor. Neulich blieb er etwas l\u00e4nger am Rhein: Bei den Feierlichkeiten zur Einweihung der neuen Riesenorgel in der D\u00fcsseldorfer Dreifaltigkeitskirche gab er ein Konzert unter der \u00dcberschrift \u201eHeiliger Geist\u201c mit Werken von Jeanne Demessieux, Johann Sebastian Bach und Maurice Durufl\u00e9.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">D\u00fcsseldorfer Musikfreunde kennen Schmidt aus seinen j\u00fcngeren Jahren sehr gut. Er studierte an der Robert-Schumann-Hochschule das Fach Katholische Kirchenmusik in der Orgelklasse von Prof. Paul Heuser, 1991 legte er das A-Examen ab. Danach strebte Schmidt nach den h\u00f6heren Weihen, er erlangte sie an der Musikhochschule des Saarlandes bei keinem Geringeren als Prof. Daniel Roth in Gestalt des Konzertexamens im Fach Orgelinterpretation; Roth war \u00fcber Jahrzehnte Titularorganist an Saint-Sulpice in Paris und gilt noch immer als einer der Gro\u00dfmeister seines Fachs. Danach wechselte Schmidt als Kantor nach St. Peter in D\u00fcsseldorf. In dieser Zeit bet\u00e4tigte er sich musikalisch \u00fcberaus vielseitig. Neben seiner Besch\u00e4ftigung als Kirchenmusiker, Konzertorganist und Dozent gr\u00fcndete und leitete er das Vocalensemble Ars Cantandi und war als Pianist ein gefragter Liedbegleiter.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In den kommenden Wochen ist Schmidt abermals oft auf Reisen, lange Strecken sind h\u00e4ufig darunter. Aus der Ferne bringt er Impressionen und Inspirationen wieder nach W\u00fcrzburg zur\u00fcck. Am 24. September gastiert Schmidt in der \u201eRausch\u201c-Reihe im Essener Dom, am 25. Oktober in St. Meinolf in Hagen. Eine Spezialit\u00e4t Schmidts sind Live-Improvisationen zu Stummfilm-Klassikern, so am 10. Oktober im W\u00fcrzburger Dom und am 16. November in St. Wolfgang zu Regensburg, wo er seine Kl\u00e4nge F.W. Murnaus \u201eFaust\u201c unterlegt. Solche Auff\u00fchrungen bereiten Schmidt riesige Freude, da er den Film sehr gut kennt, wei\u00df er, was wann kommt \u2013 und er kann sich mit dem Meisterwerk vor Augen improvisierend treiben lassen: \u201eLampenfieber habe ich da nie, im Gegenteil.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ganz sicher wird er in dieser Auff\u00fchrung diverse S\u00e4tze aus Goethes Werk im Kopf haben. Der wichtigste, die zahllosen Tasten, Kn\u00f6pfe und Pfeifen einer Orgel bedenkend, geht so: \u201eGreift nur hinein ins volle Menschenleben!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dieses Youtube-Video ist kameratechnisch ein Spezialfall. 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