{"id":348745,"date":"2025-08-16T07:36:23","date_gmt":"2025-08-16T07:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348745\/"},"modified":"2025-08-16T07:36:23","modified_gmt":"2025-08-16T07:36:23","slug":"waldbraende-in-frankreich-spanien-und-dem-gesamten-europaeischen-mittelmeerraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348745\/","title":{"rendered":"Waldbr\u00e4nde in Frankreich, Spanien und dem gesamten europ\u00e4ischen Mittelmeerraum"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/cb828d05-b648-4fd2-8388-b479638dd569\" style=\"max-height:100%\"\/>Feuerwehrleute bei einem Waldbrand im nordwestspanischen Santa Baia De Montes am 14. August 2025 [AP Photo\/Lalo R. Villar]<\/p>\n<p>Am 10. August gab die Pr\u00e4fektur von Aude in S\u00fcdfrankreich bekannt, dass der Waldbrand, der das D\u00e9partement fast eine Woche lang verw\u00fcstet hatte, von der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht wurde. Doch im S\u00fcden Frankreichs und \u00fcberall in Europa, wo es im Zusammenhang mit der globalen Erderw\u00e4rmung immer wieder zu Waldbr\u00e4nden gekommen ist, w\u00e4chst die Wut.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die europ\u00e4ischen Staaten ihre Milit\u00e4retats um hunderte Milliarden Euro erh\u00f6hen, um Krieg gegen Russland zu f\u00fchren, verweigern die Beh\u00f6rden die Bereitstellung der notwendigen Mittel zur Brandbek\u00e4mpfung, geschweige denn zur Bew\u00e4ltigung der globalen Klimakrise.<\/p>\n<p>In Aude starb eine Frau in ihrem Haus, und 25 Menschen wurden verletzt, darunter 20 Feuerwehrleute. Die Sachsch\u00e4den des Brands in Aude belaufen sich auf 36 zerst\u00f6rte und 20 besch\u00e4digte Wohnh\u00e4user und 62 zerst\u00f6rte Fahrzeuge. Dieser Brand, der 16.000 Hektar W\u00e4lder, landwirtschaftliche Gebiete und Wohnh\u00e4user verw\u00fcstet hat, wurde zum gr\u00f6\u00dften Brand des Jahrhunderts in Frankreich und \u00fcbertraf das Ausma\u00df des Brandes von 1949.<\/p>\n<p>Berichten zufolge funktioniert die Stromversorgung im gesamten D\u00e9partement wieder, doch bei den Telefonnetzen und der Trinkwasserversorgung gibt es weiterhin Probleme. In den Gemeinden Durban, Coustouge, Villes\u00e8que-des-Corbi\u00e8res, Th\u00e9zan, Jonqui\u00e8res, Quintillan, Villeneuve-les-Corbi\u00e8res und Fontjoncouse haben die Beh\u00f6rden den Einwohnern davon abgeraten, Leitungswasser zu trinken.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Hitzewelle anh\u00e4lt, arbeiten etwa 1.000 Feuerwehrleute und 58 Soldaten daran, neue Br\u00e4nde zu verhindern. Die Pr\u00e4fektur erkl\u00e4rte, ihre Aufgabe sei es, \u201edie Feuerwehr und den Zivilschutz durch die Bek\u00e4mpfung von Brandherden zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Angetrieben von diesen extremen Bedingungen w\u00fcten im gesamten europ\u00e4ischen Mittelmeerraum Waldbr\u00e4nde, vor allem auf der iberischen Halbinsel. In Spanien sind innerhalb weniger Tage hunderttausend Hektar Land niedergebrannt, haupts\u00e4chlich in Kastilien-Le\u00f3n sowie in Galicien. Zwei Angeh\u00f6rige der freiwilligen Feuerwehr kamen dabei ums Leben. Mindestens elf Hauptverkehrsstra\u00dfen sind davon betroffen, und in Madrid und Galicien wurde der Zugverkehr eingestellt.<\/p>\n<p>In Zamora und C\u00e1ceres wurden aufgrund der Br\u00e4nde mehr als 5.000 Einwohner evakuiert. Besonders besorgniserregend ist der Brand in Jarilla (C\u00e1ceres), wo 700 Einwohner evakuiert wurden. In Galicien ist die Lage ebenfalls schwierig, insbesondere in Ourense, wo mehrere Br\u00e4nde bis zu 20.000 Hektar Land zerst\u00f6rt haben und der Zugverkehr eingestellt werden musste.<\/p>\n<p>Diese Katastrophen ereignen sich nach \u00fcber einem Jahrzehnt drastischer K\u00fcrzungen der Etats f\u00fcr Forstwirtschaft. Im Jahr 2009 lagen in Spanien die staatlichen Investitionen in die Forstwirtschaft mit 1,7 Milliarden Euro auf dem H\u00f6chststand. Bis 2022 sind sie um 26 Prozent auf 1,295 Milliarden Euro gesunken. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser K\u00fcrzungen erfolgte im Bereich Brandpr\u00e4vention, der um mehr als die H\u00e4lfte gek\u00fcrzt wurde. Experten haben diesen Einbruch der Pr\u00e4ventionsausgaben direkt mit den zunehmenden Waldbr\u00e4nden in Verbindung gebracht, die Spanien derzeit verw\u00fcsten.<\/p>\n<p>In Portugal wurden Tausende Feuerwehrleute zur Bek\u00e4mpfung der seit mehreren Wochen andauernden Br\u00e4nde eingesetzt. Besonders heftig w\u00fcten sie in der Stadt Arganil, wo mehr als 900 Feuerwehrleute mit einer \u201esehr unvorteilhaften\u201c Lage konfrontiert sind, wie die Beh\u00f6rden am Donnerstag erkl\u00e4rten. Mindestens drei weitere Br\u00e4nde w\u00fcten in S\u00e1t\u00e3o, Cinf\u00e3es und Trancoso.<\/p>\n<p>In Griechenland brach in Keratea s\u00fcdlich von Athen ein gro\u00dfer Waldbrand aus, durch den die Region Attika verw\u00fcstet und mindestens eine Person get\u00f6tet wurde. Die griechischen Beh\u00f6rden erlie\u00dfen Evakuierungsbefehle, w\u00e4hrend mindestens 260 Feuerwehrleute, unterst\u00fctzt von vielen freiwilligen Zivilisten, den Brand bek\u00e4mpften.<\/p>\n<p>In Albanien, wo seit Juli fast 34.000 Hektar niedergebrannt sind, hat der Staat etwa 800 Soldaten zur Unterst\u00fctzung der Feuerwehr an vierzehn aktiven Fronten mobilisiert. Laut dem albanischen Verteidigungsministerium beteiligten sich sieben Hubschrauber und L\u00f6schflugzeuge aus den VAE, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Kroatien und Griechenland an der Brandbek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Auch in den t\u00fcrkischen Regionen \u00c7anakkale und Bayrami\u00e7 kam es zu Waldbr\u00e4nden, und die Beh\u00f6rden mussten insgesamt 654 Einwohner evakuieren.<\/p>\n<p>Diese Br\u00e4nde in S\u00fcdeuropa sind nicht einfach lokale Probleme, die auf nationaler Ebene gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Sie sind das Ergebnis der Unf\u00e4higkeit des kapitalistischen Nationalstaatensystems, die globale Klimakrise zu bew\u00e4ltigen. Diese Krise ist unbestreitbar der Katalysator f\u00fcr die internationale Welle von Br\u00e4nden und Hitzewellen, die Europa erfasst haben.<\/p>\n<p>Professor Richard Allan von der Universit\u00e4t Reading erkl\u00e4rte gegen\u00fcber FranceInfo, die Hitzewelle, die \u201esich jetzt bis auf das Vereinigte K\u00f6nigreich ausbreitet, ist nach historischen Standards erstaunlich schwerwiegend. Immer l\u00e4ngere, heftigere und h\u00e4ufigere Hitzewellen sind jedoch eine vorhersehbare Folge der steigenden Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosph\u00e4re, die haupts\u00e4chlich auf unseren Verbrauch fossiler Brennstoffe zur\u00fcckgeht.\u201c<\/p>\n<p>Beno\u00eet Reymond, der nationale Experte der Abteilung f\u00fcr Waldbrandschutz der franz\u00f6sischen nationalen Forstwirtschaftsbeh\u00f6rde, erkl\u00e4rte, dass diese Bedingungen den beispiellosen Brand in Aude verursacht haben: \u201eIn den ersten sieben bis acht Stunden erfasste er 10.000 Hektar. Damit war er fast doppelt so gro\u00df wie der Brand in Gonfaron im Jahr 2021, der bereits au\u00dfergew\u00f6hnlich war. Wir k\u00f6nnen noch keine exakte Geschwindigkeit angeben, aber die durchschnittliche Geschwindigkeit lag wahrscheinlich bei \u00fcber f\u00fcnf Stundenkilometern.\u201c<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte weiter: \u201eDas sind eindeutig direkte Folgen des Klimawandels, die wir seit Jahren prognostizieren.\u201c Die Erderw\u00e4rmung und die daraus folgende Trockenheit sind fatal f\u00fcr die Vegetation und setzen B\u00e4ume klimatischen Belastungen aus, die sie noch nie erlebt haben. Unter solch knochentrockenen Bedingungen entstehen leicht Br\u00e4nde.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Professor Levent Kurmaz von der Universit\u00e4t Bo\u011fazici in Istanbul erkl\u00e4rte bereits w\u00e4hrend der Br\u00e4nde 2021 gegen\u00fcber The Independent: \u201eRund um das gesamte Mittelmeer werden wir bis zum Ende des Jahrhunderts W\u00fcstenklima haben. &#8230; In der s\u00fcdlichen T\u00fcrkei, wie auch in Griechenland und Italien, wird ein \u00e4hnliches Klima herrschen wie in Kairo oder Basra im S\u00fcdirak.\u201c<\/p>\n<p>Laut den aktuellen Prognosen von M\u00e9t\u00e9o-France, der offiziellen meteorologischen Beh\u00f6rde Frankreichs, w\u00fcrde ein Anstieg der globalen Temperaturen um 2,7 Grad die Zahl der Tage mit hoher Brandgefahr in Frankreich verdoppeln. Bis 2100 w\u00fcrde bei einem Anstieg um 4 \u00b0C in einigen Szenarien \u201ein ganz Frankreich hohe Brandgefahr bestehen: im Norden halb so hoch wie heute im Mittelmeerraum, im S\u00fcden eine doppelt so hohe Brandgefahr wie heute\u201c.<\/p>\n<p>Diese Katastrophe ist nicht unvermeidlich, allerdings treiben die kapitalistischen M\u00e4chte der Welt genau darauf zu. Da sie von ihren reaktion\u00e4ren nationalen Interessen angetrieben werden, k\u00f6nnen sie die wirtschaftliche Koordinierung und Planung nicht durchf\u00fchren, die f\u00fcr eine globale Verringerung der Treibhausgasemissionen notwendig w\u00e4ren. Nachdem die Nato-Staaten hunderte Milliarden Euro f\u00fcr ihren Krieg gegen Russland in der Ukraine verschwendet haben, verh\u00e4ngen sie jetzt massive Sparma\u00dfnahmen. Das Geld der Arbeiter wird nicht zur L\u00f6sung der Klimakrise benutzt, sondern zur Militarisierung der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die \u00f6kologische Irrationalit\u00e4t des Imperialismus wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Europa und die USA den Handel mit Schwellenl\u00e4ndern wie China einstellen, in denen ein Gro\u00dfteil der weltweiten Produktion emissionsfreier Energieinfrastruktur konzentriert ist.<\/p>\n<p>Unter Arbeitern w\u00e4chst die Wut \u00fcber die katastrophale Art, wie die herrschende Klasse die Ressourcen verwaltet. Nachdem im Stadtteil Estaque im Norden von Marseille 750 Hektar Land durch einen Brand verw\u00fcstet wurde, legte eine Gruppe von Anwohnern eine Beschwerde ein, um die Vernachl\u00e4ssigung der Bev\u00f6lkerung durch die Beh\u00f6rden anzuprangern und den offiziellen Umgang mit der Krise zu kritisieren.<\/p>\n<p>Einer davon, Adrien, verurteilte die fehlende Vorbereitung der Rettungsdienste und die \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden, die keine Evakuierung organisiert hatten: \u201eMeine Frau rief mich in Panik an. Da war ein Feuerwehrfahrzeug ohne Schl\u00e4uche oder sonst irgendwas, und die Flammen waren nur noch f\u00fcnf Meter entfernt. Wir sind nat\u00fcrlich weggerannt, mit einem Baby in den Armen. &#8230; Wir bekamen eine Textnachricht, dass eine Ausgangssperre ausgerufen wurde. Aber wenn sich das Feuer auf den eigenen Garten ausbreitet, rennt man weg.\u201c<\/p>\n<p>Ihre Nachbarin Dominique erkl\u00e4rte: \u201eIch hatte Angst. Niemand war da, es gab keinen Alarm und keine Hubschrauber. Ich wei\u00df, Feuer. Was mich traumatisiert hat, war die Stille. Wenn ich eine Beschwerde einreiche, ist das ein Versuch zu heilen. Man will verstehen und Antworten bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Eine angemessene Reaktion auf die \u00f6kologische Krise erfordert den Aufbau einer internationalen Bewegung unter Arbeitern, um die marode kapitalistische Oligarchie zu entmachten und die technologischen und industriellen Ressourcen der Welt unter die demokratische Kontrolle der arbeitenden Bev\u00f6lkerung zu bringen, damit die grundlegenden sozialen Bed\u00fcrfnisse der Menschheit erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Feuerwehrleute bei einem Waldbrand im nordwestspanischen Santa Baia De Montes am 14. August 2025 [AP Photo\/Lalo R. Villar]&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":348746,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,97090,548,663,3934,3980,156,13,9446,15865,14,97091,15,12,4026,6448],"class_list":{"0":"post-348745","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-aude","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-france","15":"tag-frankreich","16":"tag-headlines","17":"tag-klimakrise","18":"tag-mittelmeerraum","19":"tag-nachrichten","20":"tag-nationalstaatensystem","21":"tag-news","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-spanien","24":"tag-waldbraende"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115037299289233308","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/348745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=348745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/348745\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/348746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=348745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=348745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=348745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}