{"id":348793,"date":"2025-08-16T08:05:17","date_gmt":"2025-08-16T08:05:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348793\/"},"modified":"2025-08-16T08:05:17","modified_gmt":"2025-08-16T08:05:17","slug":"eine-steile-lernkurve-im-umgang-mit-geheimem-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348793\/","title":{"rendered":"Eine steile Lernkurve im Umgang mit geheimem Wissen"},"content":{"rendered":"<p>Interkulturelle Einsichten zu einer Jahrzehnte zur\u00fcckliegenden Forschungsexpedition des Frobenius-Instituts nach Australien<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"346\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5.1_WAC_Shed_10_KD-500x346.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85059\"  \/>Frobenius-Expedition 2022: Richard Kuba und Christina Henneke beraten sich 2022 inmitten von Felsbildkopien mit Vertretern der indigenen Bev\u00f6lkerung in Derby, Nordwestaustralien.<br \/>Foto  Kim Doohan<\/p>\n<p><strong>Vor 85 Jahren reiste eine kulturanthropo\u00adlogische Expeditionsgruppe aus Frankfurt nach Nordwestaustralien, um die Kultur der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaften zu erkunden. Es entstand eine wechselvolle Beziehung, nicht ohne Missverst\u00e4ndnisse \u2013 und heute umso mehr gepr\u00e4gt vom Willen zur Verst\u00e4ndigung.<\/strong><\/p>\n<p>Maliba war einer der ersten Orte, zu dem der indigene Guide Lorri die deutsche Expedition gef\u00fchrt hatte. Im Schutz eines Felsvorsprungs kampierten die Expeditionsteilnehmer vom V\u00f6lkermuseum der Stadt Frankfurt, heute Weltkulturen Museum, und dem Institut f\u00fcr Kulturmorphologie, heute Frobenius-Institut f\u00fcr kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt, vom 15. bis 28. Juni 1938 inmitten goldbrauner, zerkl\u00fcfteter Sandsteinfelsen und weiter Ebenen mit vertrockneten Gr\u00e4sern und grellgr\u00fcnen, \u00adstacheligen B\u00fcscheln. Hier, im fast menschenleeren Nordwesten Australiens, weit weg vom nationalsozialistischen Deutschland, das die Freiheit der Wissenschaft immer mehr einschr\u00e4nkte, wollten deutsche Ethnologen die Kultur der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft erforschen, einer Gruppe der australischen Ureinwohner, zu der auch Lorri geh\u00f6rte. Besonders interessierten sich die Forscher f\u00fcr die Felsmalereien von Maliba, die von Larlan erz\u00e4hlen, der Erschaffung von Himmel, Meer, Land und allem, was sich darin befindet. Und von den Sch\u00f6pfungswesen, die sie Wanjina nannten. Eine jahr\u00adtausendealte Kultur, selbst in der entlegenen Steppenregion des Kimberley bedroht von Vertreibung durch europ\u00e4ische Siedler und eingeschleppte Krankheiten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/5.1_Foto_Lorri-1-332x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85058\"\/>Der indigene Guide Lorri f\u00fchrte das Expeditions\u00adteam von 1938 zu den Felsbildst\u00e4tten.<br \/>Foto: Fotoarchiv Frobenius-Institut<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"336\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5.1_Foto_HelmutPetri-500x336.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85056\"  \/>Helmut Petri leitete die Expedition zur Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft im Kimberley-Gebiet im Nordwesten Australiens im Jahr 1938. <br \/>\u00a0Foto: Fotoarchiv Frobenius-Institut<br \/>\nEine Beziehung, die bis heute anh\u00e4lt<\/p>\n<p>\u00bbVor mehr als 80 Jahren reisten Forscher und K\u00fcnstlerinnen des Frobenius-Instituts in das Wanjina-Wunggurr-Country und trafen unsere Vorfahren. Sie lernten viele Dinge, sie sammelten Objekte der materiellen Kultur und machten vielerlei verschiedene Aufzeichnungen, die sie nach Frankfurt zur\u00fcckbrachten. Im Jahr 2023 reisten vier Mitglieder der Wanjina-Wunggurr-Community nach Frankfurt, um diese Aufzeichnungen zu sichten und Werke f\u00fcr die Ausstellung \u203aCOUNTRY BIN PULL\u2019EM\u2039 herzustellen. Die von uns co-kuratierte Ausstellung (\u2026) will zeigen, dass wir, die Traditional Owners der Wanjina Wunggurr, noch hier sind und unsere Kultur stark ist\u00ab, schreiben Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinschaft in einem Gru\u00dfwort zur Ausstellung im Weltkulturen Museum in Frankfurt, die gemeinsam mit dem Frobenius-Institut kuratiert wurde und noch bis zum 31.\u00a0August 2025 zu sehen ist. Gezeigt werden neben zeitgen\u00f6ssischen Werken der indigenen Delegation auch Objekte wie Malereien auf Baumrinden oder Schilde, die Expeditionsteilnehmer 1938 im Tausch erwarben. Dabei ignorierten die Forscher damals allerdings mitunter Vorgaben zum Umgang mit Objekten. Und \u00fcbersahen, wenn die Angeh\u00f6rigen der Wanjina-Wunggurr-Community diese Transaktionen weniger als Tauschgesch\u00e4fte denn als Begr\u00fcndung pers\u00f6nlicher spiritueller Beziehungen betrachteten. Solche Erwerbungskontexte sind ein wichtiges Thema in der gemeinsamen Ausstellung. Ebenfalls prominent zu sehen sind Expeditions-\u00adFotografien und monumentale Felsbildkopien aus dem Felsbildarchiv des Frobenius-Instituts. Das Institut, das nach seinem Gr\u00fcnder Leo \u00adFrobenius benannt wurde, feiert in diesem Jahr 100-j\u00e4hriges Bestehen in Frankfurt. In seinem Auftrag schufen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in Afrika und Australien Kopien indigener Felsbilder. Frobenius war davon \u00fcberzeugt, dass gemalte Kopien die spirituelle Essenz der Felsbilder besser transportieren konnten als Fotografien. Hervorgegangen ist die Ausstellung \u00bbCOUNTRY BIN PULL\u2019EM \u2013 Ein gemeinsamer Blick zur\u00fcck\u00ab aus dem Forschungsprojekt \u00bbDie deutschen \u00adethnografischen Expeditionen in die Kimberley-Region, Nordwestaustralien. Forschungsgeschichtliche Bedeutung, digitale Repatriierung und gemeinsame Interpretation des indigenen Kulturerbes\u00ab am Frobenius-Institut f\u00fcr kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und der University of Western Australia (UWA) in Perth.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-center has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\">AUF DEN PUNKT GEBRACHT<\/p>\n<ul style=\"background-color:#eeeeee\" class=\"wp-block-list has-background\">\n<li>Vor 85 Jahren reiste eine deutsche Expedition nach Nordwestaustralien, um die Kultur der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft zu erforschen. Die Expedition verlief nicht ohne Missverst\u00e4ndnisse und kulturelle Unterschiede, war jedoch zugleich von dem Bestreben gepr\u00e4gt, das Wissen der indigenen Gemeinschaft zu dokumentieren.<\/li>\n<li>2023 reisten Mitglieder der Wanjina-Wunggurr-Community nach Frankfurt, um die Sammlungen der Expedition zu sichten. Gemeinsam mit heutigen Forschenden aus Frankfurt wurde die Ausstellung \u00bbCOUNTRY BIN PULL\u2019EM\u00ab konzipiert, die zeitgen\u00f6ssische Werke und historische Objekte zeigt.<\/li>\n<li>Die Forschung zwischen den verschiedenen Wissenskulturen der deutschen Ethnologen und der indigenen Gemeinschaft brachte Konflikte, etwa in Bezug auf den Umgang mit geheimem und heiligem Wissen. Das Projekt betont die Notwendigkeit, kulturelle Sensibilit\u00e4t zu zeigen und respektvoll mit traditionellem Wissen umzugehen, auch wenn dies einen \u00bbKulturclash\u00ab darstellt.<\/li>\n<li>Durch die Zusammenarbeit wurden neue Erkenntnisse zu den Felsmalereien gewonnen. Die ethnologische Forschung und die m\u00fcndlichen \u00dcberlieferungen der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaften erg\u00e4nzen einander und erm\u00f6g\u00adlichen eine tiefere, ganzheitliche Interpretation der Felsbildst\u00e4tten, die 1938 von den deutschen Forschern nur teilweise verstanden wurden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Seele des \u00bbCountry\u00ab<\/p>\n<p>Den Ansto\u00df daf\u00fcr gab Prof. Martin Porr von der University of Western Australia, der durch die Lekt\u00fcre des Expeditionsberichts eines Frobenius-\u00ad\u00adForschers auf die Frankfurter Sammlungen aufmerksam geworden war und die Wanjina-Wunggurr-Community darauf hinwies. \u00bbDie indigenen Gemeinschaften verf\u00fcgen zwar inzwischen \u00fcber Rechte auf ihr Land, leben aber dort, wohin sie 1956 umgesiedelt wurden \u2013 weit au\u00dferhalb des Landes ihrer Ahnen. Das hat soziale Probleme nach sich gezogen und zum Zerfall der traditionellen Gesellschaft beigetragen. Die Mitglieder der Wanjina-Wunggurr-Community waren an den Sammlungen interessiert, weil sie sich wieder st\u00e4rker mit ihrem \u203aCountry\u2039 und ihrer traditionellen Kultur verbinden wollen\u00ab, erkl\u00e4rt Dr. Richard Kuba, der das Forschungsprojekt gemeinsam mit Prof. Martin Porr leitete. Die Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft glaubt, dass ihr Land \u2013 das Country \u2013 von Kr\u00e4ften beseelt ist, die in Verbindung mit Menschen treten. Sie glauben, dass diese Kraft ihres Countrys die deutschen Forscher vor mehr als 80 Jahren in die Kimberley-Region zog: COUNTRY BIN PULL\u2019EM, das Land, das sie rief. Und dass diese Begegnung eine Beziehung begr\u00fcndet, die bis heute anh\u00e4lt. Zu verdanken ist das deutsch-australische Forschungsprojekt auch der F\u00f6rderung durch die University of Western Australia und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). So konnten die Projektbeteiligten Sammlungsobjekte, Expeditionsberichte, -fotos und Felsbildkopien digitalisieren und der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft online zug\u00e4nglich machen. Die Wissenschaftler des Projekts reisten im Juli 2023 gemeinsam mit Traditonal Owners der Wanjina-Wunggurr-Community erneut zu einigen Felsbildst\u00e4tten \u2013 und empfingen im November 2023 gemeinsam mit dem Weltkulturen Museum eine Delegation der Wanjina-Wunggurr-Gemeinschaft in Frankfurt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/5.1_camp_of_the_frobenius_expedition_with_agnes_schulz_andreas_lommel_and_gerta_kleist_1938_-1-500x346.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85055\"\/>Frobenius-Expedition 1938: Agnes Schulz, Andreas Lommel und Gerta Kleist bei der Mittagspause im Camp im westaustralischen Port Hedland.<br \/>Foto: Fotoarchiv Frobenius-Institut, Frankfurt am Main<br \/>\nVon gegens\u00e4tzlichen Wissenskulturen und \u00fcberraschenden L\u00f6sungen<\/p>\n<p>Dort wollten die Traditional Owners, Personen, die aufgrund von Abstammung und Lebens\u00aderfahrung Rechte an bestimmten Orten halten, wissen, wie ihre Gemeinschaft und ihre kulturellen Werte in den Notizb\u00fcchern und Ver\u00f6ffentlichungen der Expeditionsteilnehmer von 1938 dargestellt wurden, die in den Archiven des Frobenius-Instituts aufbewahrt werden. In der Felsbildsammlung und unter den Objekten des Weltkulturen Museums sp\u00fcrten die Traditional Owners Objekte und Darstellungen auf, die der \u00dcberlieferung zufolge als heilig oder geheim gelten und den Blicken uneingeweihter Personen wie Familienfremden, Frauen oder jungen Menschen verborgen sein sollten. \u00bbAnw\u00e4rter werden in indigenen Kulturen \u00fcber Jahre an Traditionen herangef\u00fchrt. Wer was sehen darf, wird \u00fcber Initiationsriten geregelt\u00ab, erkl\u00e4rt \u00adEthnologe Kuba. M\u00e4nner h\u00e4tten Geheimwissen gegen\u00fcber Frauen, Frauen gegen\u00fcber M\u00e4nnern, niemand d\u00fcrfe alles wissen. \u00bbWissenschaftler hingegen treten f\u00fcr Open Access ein, offenen Zugang zu Wissen f\u00fcr alle. Insofern ist das zun\u00e4chst einmal ein kompletter Kulturclash\u00ab, r\u00e4umt Richard Kuba ein. \u00bbAls Ethnologe mit Verpflichtung zur kultursensiblen Forschung muss ich solche Traditionen allerdings respektieren.\u00ab Und L\u00f6sungen suchen, mit denen alle am Forschungsprozess Beteiligten leben k\u00f6nnten. Also bittet man die Traditional Owners um Freigabe von Fotografien und Felsbildkopien f\u00fcr Ausstellungen und Publikationen. Wo keine zu bekommen ist, sensibilisieren Ethnologen und Kuratoren wie Richard Kuba das Publikum f\u00fcr die Gr\u00fcnde. Da ist etwa die Publikation \u00fcber die Frobenius-Expedition, die bis 2011 nur auf Deutsch existierte: Das Buch, das Geheimnisse der Indigenen offenbarte, wurde ohne deren Wissen von einem australischen Verlag ins Englische \u00fcbersetzt und verbreitet. Als Frobenius-Forscher ihren indigenen Partnern das Buch zur Kenntnis schickten, lie\u00dfen diese es einfach verschwinden, nicht wissend, dass das Buch ja in hundertfacher Auflage gedruckt worden war. Ein Exemplar ist nun in der gemeinsam kuratierten Ausstellung im Weltkulturen Museum zu sehen \u2013 mit geschw\u00e4rzten Passagen und herausgerissenen Seiten, was die Notwendigkeit interkultureller R\u00fccksichtnahme verdeutlicht. In australischen Museen hat Kuba erlebt, dass m\u00e4nnliche Kuratoren Sammlungsbest\u00e4nde betreuen, die nach indigener Vorstellung vor Frauen geheim zu halten sind, und Kuratorinnen solche, die M\u00e4nnern verborgen bleiben m\u00fcssen. \u00bbDas ist\u00ab, staunt der erfahrene Ethnologe, \u00bbeine komplett andere Art, mit Wissen umzugehen. In Australien haben meine Kolleginnen und Kollegen und ich eine steile Lernkurve hingelegt.\u00ab<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"375\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5.1_WGAC-Image-4-10-07-2023-CH-375x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85060\"  \/>Rosilyn Karadada (links) und<br \/>Angelina Karadada (rechts)<br \/>mit historischen Bildern<br \/>ihres Vaters und Gro\u00dfvaters<br \/>aus dem Frobenius-Archiv.<br \/>Die Aufnahme entstand 2023<br \/>in Kalumburu.<br \/>Foto: Christina Henneke<br \/>\nR\u00fcckkehr nach Maliba<\/p>\n<p>Kuba kam auch in Maliba aus dem Stauen nicht heraus. 85 Jahre nach seinen Institutsvorg\u00e4ngern besuchte er mit seiner Kollegin Christina Henneke, Co-Projektleiter Martin Porr und den Traditional Owners John Wunargnu Rastus und Rona Gungnunda Charles die Felsbildstellen Maliba\u202fI und II, um die Expeditionsberichte von 1938 mit m\u00fcndlichen \u00dcberlieferungen der \u00adbeiden Traditional Owners abzugleichen und \u00addaraus neue Erkenntnisse zu den jahrtausende\u00adalten Felsmalereien zu gewinnen.<\/p>\n<p>Durch Rufen teilen die Traditional Owners den Wanjina mit, dass sie sich n\u00e4hern und Besuch mitbringen. Es ist ihre Art, dem \u00bbCountry\u00ab \u00adRespekt zu erweisen, auf dass sein \u00bbSpirit\u00ab die Besucher mit dem versorgt, was sie ben\u00f6tigen. Eilig rei\u00dft John Wunargnu Rastus einen Ast aus einem Busch, zupft die Bl\u00e4tter ab und schichtet sie zu einem Haufen. Er entz\u00fcndet das Feuer. Mithilfe von Wasser, dass er aus einer Trink\u00adflasche sch\u00fcttet, steigt ein w\u00fcrzig duftender Rauch auf. Die Besucherinnen und Besucher m\u00fcssen hindurchschreiten. Nun gelten sie als gereinigt, bereit, die St\u00e4tte zu betreten. \u00bbEs entstand eine sakrale Atmosph\u00e4re, fast wie in einer Kirche\u00ab, erinnert sich Kuba. Gemeinsam finden Ethnologen und Traditional Owners beim Abgleich von Expeditionsberichten und Felsbildst\u00e4tten eine Erkl\u00e4rung, warum der indigene Guide Lorri 1938 eine der kunstvollen Malereien als \u00bbrubbish\u00ab \u2013 also wertlos \u2013 bezeichnet haben k\u00f6nnte: Von den damaligen Frobenius-Forschern unbeachtet, befindet sich neben der Malerei die Zeichnung eines Geisterwesens. Es gilt als unheilbringend f\u00fcr Nichteingeweihte, und weder Lorri noch die damaligen deutschen Ethnologen h\u00e4tten es sehen d\u00fcrfen. Doch einer der Frobenius-Forscher hatte sich der Aufsicht Lorris entzogen und die Felsbildstelle entdeckt. Beim Begutachten der Bilder verbl\u00fcffen die indigenen Begleiter Richard Kuba: Rastus und Charles kennen die Namen der abgebildeten Sch\u00f6pferwesen; ihre \u00dcberlieferungen, jahrtausendealt, wirken schl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Aus Einzelteilen entsteht ein Ganzes<\/p>\n<p>Die Frankfurter Gruppe begreift, was der Expedition von 1938 verborgen blieb, weil sie die zu erforschenden Orte nach pragmatischen Gesichtspunkten wie m\u00f6glichst schneller Erreichbarkeit ausgew\u00e4hlt hatte: Die Felsbildstellen in der Kimberley-Region, Steinkreise in der Landschaft, Felsen oder Fl\u00fcsse f\u00fcgen sich in der \u00adVorstellung der Wanjina-Wunggurr-Kultur zu einem Parcours, einer Abfolge von Bildern, die eine Geschichte erz\u00e4hlen. Eine Geschichte von der Erschaffung von Himmel, Meer, Land und allem, was sich darin befindet. Und von den Sch\u00f6pferwesen, die sie Wanjina nennen, John Wunargnu Rastus genauso wie Lorri, sein Gro\u00dfvater.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"340\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5.1_Foto-ausstellung-500x340.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85061\"  \/>Die Ausstellung \u00bbCountry bin pull\u2019em\u00ab im Frankfurter Weltkulturen Museum dokumentiert die grenz- und kulturen\u00fcbergreifende Auseinandersetzung mit der Expedition von 1938. In diesem Raum wird die Dokumentation der Felsbildstellen Bradwodingari und Koralyi von damals und heute gegen\u00fcbergestellt.<br \/>Foto: Wolfgang G\u00fcnzel<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Zur-Person_Kuba_650x650_web-500x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-85236\" style=\"width:150px\"  \/>Foto: Peter Steigerwald<\/p>\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Zur Person<\/strong><br \/>Dr. Richard Kuba, Jahrgang 1963, hat in M\u00fcnchen und Paris Ethnologie und afrikanische Geschichte studiert und wurde in Bayreuth mit einer Arbeit \u00fcber die vorkoloniale Geschichte Westafrikas promoviert. Seit 2005 ist Kuba am Frobenius-Institut f\u00fcr das ethnologische Bildarchiv, das Felsbildarchiv und das Nachlass\u00adarchiv verantwortlich und hat das Online-Bildarchiv des Instituts aufgebaut. Kuba kuratierte bereits zahlreiche Ausstellungen, unter anderem im Berliner Martin-Gropius-Bau (2016) und im Museum Rietberg in Z\u00fcrich (2021).<br \/><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/forschung\/eine-steile-lernkurve-im-umgang-mit-geheimem-wissen\/mailto:kuba@em.uni-frankfurt.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kuba@em.uni-frankfurt.de<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/JonasKrumbein_Foto_privat_bitte_dieses_verwenden-500x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-84999\" style=\"width:150px\"  \/>Foto: privat<\/p>\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><strong>Der Autor<\/strong><br \/>Jonas Krumbein, Jahrgang 1985, hat in Freiburg und Durham (England) Geschichts- und Politikwissenschaft studiert und arbeitet nebenberuflich als freier Journalist.<br \/><a href=\"https:\/\/aktuelles.uni-frankfurt.de\/forschung\/eine-steile-lernkurve-im-umgang-mit-geheimem-wissen\/mailto:j.m.krumbein@icloud.co\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">j.m.krumbein@icloud.co<\/a><\/p>\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"https:\/\/www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de\/34831594\/aktuelle_Ausgabe\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Zur gesamten Ausgabe von Forschung Frankfurt 1\/2025: Sprache, wir verstehen uns!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Interkulturelle Einsichten zu einer Jahrzehnte zur\u00fcckliegenden Forschungsexpedition des Frobenius-Instituts nach Australien Frobenius-Expedition 2022: Richard Kuba und Christina Henneke&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":348794,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1829],"tags":[29,97099,2050,2051,30,2052],"class_list":{"0":"post-348793","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankfurt-am-main","8":"tag-deutschland","9":"tag-forschung-frankfurt-1-25","10":"tag-frankfurt","11":"tag-frankfurt-am-main","12":"tag-germany","13":"tag-hessen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115037413545371508","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/348793","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=348793"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/348793\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/348794"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=348793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=348793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=348793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}