{"id":348822,"date":"2025-08-16T08:22:13","date_gmt":"2025-08-16T08:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348822\/"},"modified":"2025-08-16T08:22:13","modified_gmt":"2025-08-16T08:22:13","slug":"boehmermann-vs-britt-der-grosse-streit-um-schwer-verliebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/348822\/","title":{"rendered":"B\u00f6hmermann vs. Britt: Der gro\u00dfe Streit um &#8222;Schwer verliebt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Diese Telegeschichte beginnt am 4. M\u00e4rz 2012 auf dem Spartenkanal ZDFkultur. An diesem Abend l\u00e4uft die erste Ausgabe der neuen Reihe &#8222;Roche &amp; B\u00f6hmermann&#8220;. Eine Talkshow &#8222;ganz im Stil des fr\u00fchen Fernsehens, nur neu gemacht&#8220;, soll es werden. Daher d\u00fcrfen die G\u00e4ste w\u00e4hrenddessen rauchen und Alkohol trinken. Sie sprechen in sperrige Mikrofone, die auf dem gro\u00dfen, runden Tisch in der Mitte platziert sind. Alles ist in dunklem Schwarz gehalten. Als einzige sichtbare Dekoration prangt \u00fcber dem Tisch eine gro\u00dfe ringf\u00f6rmige Lampe. Die Szenerie erinnert eher an einen Bunker, in dem sich m\u00e4chtige M\u00e4nner f\u00fcr eine Verschw\u00f6rung treffen, als an eine moderne Fernsehshow.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>In diesem Rahmen empfangen die beiden Gastgeber:innen Charlotte Roche und Jan B\u00f6hmermann den Musiker Sido, die Politikerin Marina Weisband, den Choreografen Jorge Gonz\u00e1lez, den Fotografen Sven Marquardt und die TV-Moderatorin Britt Hagedorn. Sie sitzen zwar von Beginn an am Tisch, werden jedoch erst nacheinander durch einen launigen Einspielfilm vorgestellt.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Nach rund 45 Minuten ist Britt Hagedorn dran, die damals vor allem f\u00fcr ihren Daily Talk &#8222;Britt&#8220; in Sat.1 bekannt ist. Mit seiner markanten Stimme tr\u00e4gt Sprecher William Cohn ihre Einf\u00fchrung vor: &#8222;In der Sendung der Frau ohne Nachnamen w\u00fcnschen sich Menschen mit schlechten Z\u00e4hnen, die nicht wissen, wo bei authentisch die beiden Hs hinkommen, gegenseitig auf den L\u00fcgendetektor. Bestenfalls. Gerne l\u00e4sst die 40-j\u00e4hrige studierte Kulturwissenschaftlerin Britt Hagedorn auch einfach mal nur m\u00f6glichst adip\u00f6se Halbdebile minutenlang zu Autoscooter-Techno strippen.&#8220; Was f\u00fcr ein Einstieg.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Anders als bei den \u00fcbrigen G\u00e4sten schl\u00e4gt B\u00f6hmermann bei ihr von Beginn an einen sp\u00fcrbar anderen Ton an. Anstatt mit ihr \u00fcber kleine Anekdoten zu sprechen, will er sie offenbar \u00fcberrumpeln: &#8222;Du hast ja vornehmlich Assis in der Sendung&#8220;, steigt er ein. Hagedorn pariert diesen ersten Angriff, indem sie sich selbst eine gewisse Derbheit zuspricht. Sie betont, sich nicht f\u00fcr die schlechten Z\u00e4hne ihrer G\u00e4ste zu interessieren, sondern f\u00fcr die Menschen dahinter. Ein erwartbarer Konter.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8222;Wieso beleidigst du die denn so?&#8220;&#13;<\/p>\n<p>\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1322147745.jpg\" alt=\"Schwer verliebt\" title=\"Schwer verliebt\" width=\"100%\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\u00a9 Sat.1<\/p>\n<p>\t\t\tDieses Wortgefecht ist lediglich der Anfang. Eigentlich m\u00f6chte B\u00f6hmermann viel lieber \u00fcber Britts zweites Projekt &#8222;Schwer verliebt&#8220; sprechen. Diesmal appelliert er an ihren Intellekt, an die studierte Kulturwissenschaftlerin in ihr: &#8222;Ist es wirklich eine gute Idee, einen Menschen, der am Rande zur geistigen Behinderung steht, in so eine Flirtsendung einzuladen?&#8220; Hagedorn bleibt abgekl\u00e4rt. Mit solchen Vorw\u00fcrfen scheint sie sich schon oft auseinandergesetzt zu haben. Umso leichter f\u00e4llt es ihr, den Spie\u00df umzudrehen und B\u00f6hmermann Arroganz zu unterstellen: &#8222;Wieso beleidigst du die denn so? [\u2026] Du erhebst dich in einer Weise \u00fcber die Leute.&#8220;&#13;<\/p>\n<p>Als Gegenargument f\u00fchrt sie den &#8222;Code of Conduct&#8220; ein und erl\u00e4utert: &#8222;Der sogenannte \u201aCode of Conduct\u2018 sieht vor, dass Menschen, die am Rande zur geistigen Behinderung stehen und damit nicht mehr in der Lage sind, selbstreflektierte Entscheidungen zu treffen, gar nicht vor eine Kamera gezogen werden d\u00fcrfen.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Kurze Randnotiz: Diese Vereinbarung wurde im Jahr 1998 unter den privaten Rundfunkveranstaltern getroffen, <a href=\"http:\/\/dwdl.de\/sl\/f35c11\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">als die nachmitt\u00e4glichen Talkshows zunehmend ins Schmuddelfernsehen abdrifteten<\/a>.\u00a0Bereits wenige Monate sp\u00e4ter stellte die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) jedoch fest, dass die Verhaltensgrunds\u00e4tze in der Praxis kaum noch beachtet wurden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Diskussion zwischen Hagedorn und B\u00f6hmermann. Weiterhin steht die Frage im Raum, ob in Britts Flirtsendung &#8222;Menschen, die am Rande der geistigen Behinderung stehen&#8220; vorgef\u00fchrt werden. &#8222;Wie wird das denn getestet?&#8220;, hakt Charlotte Roche ein, die das Gespr\u00e4ch bislang sichtlich am\u00fcsiert verfolgt. &#8222;Das ist eine hochinteressante Frage&#8220;, antwortet Hagedorn. &#8222;Es wird schlicht und ergreifend geguckt, ob die Leute ganz normal mit dir reden k\u00f6nnen. Und wenn du das Gef\u00fchl hast, da kann jemand noch reflektieren, ist das gut.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8222;Musste mich hinterher vier Stunden unter die Dusche stellen&#8220;&#13;<\/p>\n<p>Es ist schnell absehbar, dass sich Britt Hagedorn von Jan B\u00f6hmermann weder in die Ecke dr\u00e4ngen noch zu einer Distanzierung von ihrer eigenen Arbeit bewegen l\u00e4sst. Der junge Moderator will sich trotzdem nicht geschlagen geben. Seinen n\u00e4chsten Versuch beginnt er mit einer Selbstoffenbarung: &#8222;Ich bin ein riesiger Fan von \u201aSchwiegertochter gesucht\u2018 und habe gedacht, dann finde ich bestimmt auch \u201aSchwer verliebt\u2018 gut. Aber ich musste mich hinterher vier Stunden unter die Dusche stellen und sauber machen, weil ich das vor mir selbst nicht verantworten kann \u2013 und das will was hei\u00dfen.&#8220; Einen klaren Vorwurf formuliert er nicht, seine Hilflosigkeit wird derweil immer deutlicher.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Erst am Ende bringt er wenigstens den Ansatz eines fundierten Arguments: &#8222;Ihr stellt blo\u00df, dass Leute den Wunsch nach einer Partnerschaft haben. Und Ihr kreiert Situationen, in der zwei Menschen, die offensichtlich nicht miteinander auf einem Bett sitzen wollen, auf ein Bett zusammensetzt. Das filmt ihr und guckt, wie sie versuchen, sich anzufassen. Und nat\u00fcrlich sieht das peinlich und lustig aus. Und das ist der Grund, warum Ihr das macht.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Da B\u00f6hmermann nicht konkreter wird, kann Hagedorn den Ball leicht zur\u00fcckspielen: &#8222;Dass die nicht zusammen auf einem Bett sitzen wollen \u2013 wer hat dir das gesagt?&#8220; \u2013 &#8222;Das war jetzt ein Fallbeispiel&#8220;, r\u00e4umt er kleinlaut ein. Woraufhin Britt nachlegt: &#8222;Glaubst du ernsthaft, dass Redakteure sich da hinsetzen und sagen: \u201aSetz dich mit dem auf ein Bett\u2018? Was denkst du, was wir f\u00fcr Daumenschrauben haben?&#8220; Eine gute Frage und ein gar nicht so willk\u00fcrlich gew\u00e4hltes Fallbeispiel, wie sich im Laufe dieser Telegeschichte noch herausstellen wird.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>In seiner Talkshow geht B\u00f6hmermann auf die Gegenfrage nicht ein. Stattdessen sucht er den Ausweg aus der unangenehmen Lage: &#8222;Ich besitze nat\u00fcrlich die Gr\u00f6\u00dfe zu sagen: \u201aOkay, dann habe ich mich vielleicht geirrt.\u2018 [\u2026] Dann ziehe ich die Wortmeldung zur\u00fcck und behaupte, das sind gute Sendungen.&#8220; Danach l\u00e4sst er die bisherige Aufzeichnung bis zum Vorstellungsfilm von Britt (f\u00fcr das Fernsehpublikum sichtbar) zur\u00fcckspulen und beendet sie schlie\u00dflich. In einer Nachbesprechung, die ebenfalls Teil des Konzepts ist, gesteht er im Zwiegespr\u00e4ch mit Charlotte Roche reum\u00fctig: &#8222;Ich werde nie wieder G\u00e4ste angehen, nur weil ich mir vorher vorgenommen habe, es zu tun. Das macht keinen Sinn.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8222;Dem\u00fctigungsfernsehen&#8220;&#13;<\/p>\n<p>Obwohl Jan B\u00f6hmermann in der Auseinandersetzung keine gute Figur abgab, hatten seine Einlassungen durchaus ihre Berechtigung. Vom ersten Tag ihrer Ausstrahlung stand die Sendung &#8222;Schwer verliebt&#8220; heftig in der Kritik \u2013 und zwar genau f\u00fcr die Punkte, die er gegen\u00fcber Britt Hagedorn ansprach. Blo\u00df war er nicht gut genug vorbereitet, um die erfahrene Moderatorin wirklich packen zu k\u00f6nnen. An Material daf\u00fcr h\u00e4tte es nicht gefehlt.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Was Hagedorn im Gespr\u00e4ch als seinen subjektiven &#8222;Eindruck&#8220; abtat, hatten viele andere Journalist:innen vor ihm \u00e4hnlich formuliert. Daniela Zinser stufte die Reihe im &#8222;Spiegel&#8220; beispielsweise als &#8222;Dem\u00fctigungsfernsehen&#8220; ein, das die Teilnehmenden &#8222;entw\u00fcrdigt&#8220; und in dem &#8222;ganz normale Menschen&#8220; zu &#8222;Freaks gemacht werden&#8220;. Antje Raupach sprach in der &#8222;Berliner Morgenpost&#8220; ebenso von einer &#8222;Freakshow&#8220;. Die &#8222;N\u00fcrnberger Zeitung&#8220; erkannte in ihr eine &#8222;perfide Vorf\u00fchrung&#8220; von Personen, von denen manche &#8222;wom\u00f6glich eher \u00e4rztliche Hilfe als einen Partner&#8220; br\u00e4uchten. Und die &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; beklagte, dass in solchen Programmen &#8222;reihenweise Mitb\u00fcrger verheizt&#8220; w\u00fcrden, &#8222;die eigentlich unseren Schutz verdient h\u00e4tten.&#8220;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8222;Mit Herz und H\u00fcftgold&#8220;&#13;<\/p>\n<p>Als sogenannte Kuppelshow definierte sich die Produktion &#8222;Schwer verliebt&#8220;. Dem urspr\u00fcnglich aus \u00d6sterreich stammenden Konzept lag eine vertraute Anordnung zugrunde. Ein gutes Dutzend Singles wurde in einer Auftaktepisode vorgestellt, f\u00fcr die sich interessierte Zuschauende bewerben konnten. Jeweils zwei von ihnen wurden in das h\u00e4usliche Umfeld der Kandidat:innen eingeladen. Nach einem kurzen Kennenlernen entschieden sich die Singles jeweils f\u00fcr eine Begleitung, mit der sie eine Woche verbringen wollten. Ein Kamerateam dokumentierte die Momente ihrer zaghaften Ann\u00e4herung.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Britt Hagedorn fungierte als Gastgeberin und Erz\u00e4hlerin aus dem Off. Die ersten Junggesellen und Junggesellinnen wurden am 3. Juli 2011 vorgestellt. Die daran anschlie\u00dfende regul\u00e4re Staffel mit zehn Ausgaben startete am 6. November 2011 und war sonntags um 19.00 Uhr in Sat.1 zu sehen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Das Alleinstellungsmerkmal des Formats bestand darin, dass es \u00fcbergewichtige Personen in den Mittelpunkt der Partnersuche r\u00fcckte. Von &#8222;Pfundskandidaten&#8220; mit &#8222;kleinen P\u00f6lsterchen&#8220; oder von Menschen mit &#8222;Herz und H\u00fcftgold&#8220; sprach die Moderatorin in ihren Texten betont liebevoll, um das inh\u00e4rente &#8222;Fat-Shaming&#8220; zu verschleiern. Offiziell rechtfertigte sie die geh\u00e4ssige Grundidee damit, dass das Programm eigentlich ein Unterst\u00fctzungsangebot f\u00fcr &#8222;mollige Menschen&#8220; sei. Sie h\u00e4tten es ja besonders schwer, die Liebe ihres Lebens zu finden. &#8222;Wegen ihrer Pfunde trauen sich viele nicht, \u00fcber ihren Schatten zu springen und ihren Schwarm anzusprechen. Aber damit ist jetzt Schluss&#8220;, versprach sie beim Start in die Kamera.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Ein Fingerzeig darauf, wohin die Reise wirklich ging, bot die Er\u00f6ffnung jeder Ausgabe. In einer kurzen Einstellung begr\u00fc\u00dfte Hagedorn das Publikum mit den Worten: &#8222;Die nachfolgende Sendung pr\u00e4sentieren wir Ihnen in 16:9-Breitbild.&#8220; Hierbei schob sie mit den Armen die schwarzen Balken des Bildformats unter quietschendem Ger\u00e4usch auseinander. Dicke brauchen schlie\u00dflich mehr Platz, um ins Bild zu passen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"#\" title=\"Gro\u00dfbild im Popup-Fenster\" target=\"iview\" onclick=\"javascript:open('\/\/www.dwdl.de\/images\/1755260971_schwer-verliebt-britt.png', 'popup-beispiel', 'width=1200,resizable=yes')\"><br \/>\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1755260971_schwer-verliebt-britt.png\" alt=\"Schwer verliebt, Britt\" title=\"Schwer verliebt, Britt - Gro\u00dfbild im Popup-Fenster\" width=\"100%\"\/><\/a><br \/>\n\t\t\t\t\u00a9 Screenshot Sat.1<br \/>\n\t\t\t\tBritt Hagedorn schiebt unter Quietschger\u00e4uschen das Bild auseinander, um darauf hinzuweisen, dass nun ein Format mit dicken Menschen folgt.<br \/>\n\t\t\t&#13;<\/p>\n<p>Bei der Zusammenstellung der Teilnehmenden entschied sich die Redaktion auffallend oft f\u00fcr Menschen, die aus bildungsfernen und sozialschwachen Milieus zu kommen schienen. Dass dies Entscheidungskriterien waren, wies der Sender nat\u00fcrlich von sich. Stattdessen betonte Sprecherin Diana Schardt in einem Statement: &#8222;F\u00fcr uns war wichtig, dass sie authentisch sind \u2013 und die Hoffnung auf eine neue Liebe noch nicht aufgegeben haben.&#8220; Aha.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#8222;Aber bitte mit Sahne&#8220;&#13;<\/p>\n<p>Die Auserw\u00e4hlten wurden vor allem anhand ihrer abseitigen Hobbys oder ihrer Sammelleidenschaften voneinander unterschieden. Zudem wurden kleine Schrullen, Gewohnheiten oder Vorlieben zum Wesenskern der Kandidat:innen stilisiert. Versehen mit vermeintlich sympathischen Adjektiven erhielten sie auf diese Weise alle ihre jeweiligen Zuschreibungen verpasst. So gab es den &#8222;fr\u00f6hlichen Fl\u00f6tenspieler&#8220;, &#8222;den treuen Tr\u00f6delfreund&#8220;, &#8222;den einsamen Kirchg\u00e4nger&#8220;, &#8222;den ehrenamtlichen Gassigeher&#8220; oder &#8222;den sanften Schneekugelsammler&#8220;.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Ein solches Vorgehen war auch aus anderen Formaten bekannt. Insbesondere &#8222;Bauer sucht Frau&#8220; und &#8222;Schwiegertochter gesucht&#8220; dienten un\u00fcbersehbar als Vorbilder. Doch bei &#8222;Schwer verliebt&#8220; trieb die Redaktion das Prinzip erkennbar auf die Spitze. Die musikalische Untermalung geriet mit Songs wie &#8222;Aber bitte mit Sahne&#8220; niedertr\u00e4chtig, die Absurdit\u00e4t der Inszenierungen fast b\u00f6sartig. Sitzpolster wackelten, wenn die Teilnehmenden sich darauf niederlie\u00dfen. Die Zeichnung einer naiven Sexfantasie zwischen zwei Barbie-Puppen wurde minutenlang gen\u00fcsslich ausgeschlachtet.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Singles wurden nackt in der Badewanne mit Quietscheentchen, beim Schwimmen (inklusive Bauchklatscher) oder bei der Massage (nat\u00fcrlich mit fl\u00fcssiger Schokolade als \u00d6l) gefilmt. Sie gaben gestelzte Ansagen von sich, verschickten unbeholfene Kussgesten in die Kamera und mussten unentwegt essen. Klar, durchweg ungesund, fleischhaltig und s\u00fc\u00df. Erdbeeren dick mit Zucker bestreut, W\u00fcrstchen, Buletten, D\u00f6ner oder am besten Nutella direkt aus dem Glas. Wie es Dicke eben so machen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Auf diese Weise zeichnete die Show etwa das Bild eines 47-j\u00e4hrigen Mannes, dem seine Mutter die Haare k\u00e4mmte und der vor allem wissen wollte, ob die potentiellen Partnerinnen einen F\u00fchrerschein besa\u00dfen. Ein anderer, der mithilfe der Sendung einen Mann suchte, musste sich zun\u00e4chst vor seinem Vater outen. Dieser Schritt war unterlegt mit dem Song &#8222;YMCA&#8220;.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Die Behauptung, dass die montierten Bilder die Protagonist:innen entw\u00fcrdigen, lie\u00df sich leicht aufstellen. Sie blendete allerdings die M\u00f6glichkeit aus, dass diese vielleicht Gefallen an ihrer Darstellung fanden und sich \u00fcber die daraus resultierende Aufmerksamkeit freuten. \u00c4hnliche Ph\u00e4nomene waren l\u00e4ngst aus Castingshows und anderen Reality-Formaten bekannt. So schwer es manchmal f\u00e4llt, das einzusehen \u2013 es gibt Menschen, die sich bewusst l\u00e4cherlich machen, um gesehen zu werden. Nicht selten empfinden sie ihr Verhalten gar nicht als L\u00e4cherlichkeit. Selbst bei &#8222;Schwer verliebt&#8220; gab es zwei Singles aus der ersten Staffel, die offenbar kein Problem mit ihrer Darstellung hatten und im zweiten Durchlauf wieder antraten.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Doch der Fall &#8222;Schwer verliebt&#8220; birgt eine besondere Brisanz in sich. F\u00fcr sie lohnt es sich, die Ereignisse von damals noch einmal ausf\u00fchrlich zu rekapitulieren. Die Produktion sah sich n\u00e4mlich Vorw\u00fcrfen der Manipulation und der Repression gegen\u00fcber ihren Teilnehmenden ausgesetzt. Die schwersten Anschuldigungen kamen von einer Kandidatin, die sogar ihren Vertrag offenlegte und dadurch zum Spielball der Medien wurde.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Was sie dem Team konkret vorwarf, welche mediale Lawine ihre Enth\u00fcllungen ausl\u00f6sten und wie fies Sat.1 darauf reagierte, erz\u00e4hlt der zweite Teil dieser Telegeschichte, der am kommenden Samstag erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diese Telegeschichte beginnt am 4. 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