{"id":349983,"date":"2025-08-16T19:16:18","date_gmt":"2025-08-16T19:16:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/349983\/"},"modified":"2025-08-16T19:16:18","modified_gmt":"2025-08-16T19:16:18","slug":"film-die-farben-der-zeit-von-cedric-klapisch-im-kino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/349983\/","title":{"rendered":"Film \u201eDie Farben der Zeit\u201c von C\u00e9dric Klapisch im Kino"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Beginnen wir mit Suzanne Lindon. In der zweiten Staffel der Serie \u201eEn th\u00e9rapie\u201c \u2013 der besten aller Variationen auf das israelische Original \u201eBe tipul\u201c \u2013 spielte sie die Architekturstudentin Lydia, die sich weigert, sich ihrer Brustkrebsdiagnose zu stellen und eine Behandlung anzufangen, aus Angst vor den Ver\u00e4nderungen ihres K\u00f6rpers, vor der Reaktion ihrer Eltern und Freunde, vor dem sozialen Stigma, eine Kranke zu sein. Sie war gro\u00dfartig in dieser Rolle, scheu, verletzlich und zugleich impulsiv und von verborgener Wildheit, ein menschliches R\u00e4tsel und durchsichtig wie Glas.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das alles ist sie auch in \u201eDie Farben der Zeit\u201c, einem Film von C\u00e9dric Klapisch, nur dass sie jetzt einen Schleierhut mit breiter Krempe, einen steifen Rock und eine Reisetasche tr\u00e4gt. Sie verl\u00e4sst ihr Heimatdorf und besteigt ein Postboot nach Paris, und ein blonder Junge, ihre Jugendliebe, l\u00e4uft noch eine Weile neben ihr her, bevor er am Horizont verschwindet und die Geschichte sich einschifft ins unbekannte, allzu bekannte neunzehnte Jahrhundert, in dem sie spielt.<\/p>\n<p>Wei\u00dfdornhecken und alte Fotografien<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Klapischs Film spielt auch im Hier und Heute, und dort f\u00e4ngt er auch an, mit einer Testamentser\u00f6ffnung, bei der so \u00adviele Leute zusammenkommen, dass man von einer Er\u00adben\u00adver\u00adsamm\u00adlung reden kann. Vier von ihnen, ein Bienenz\u00fcchter, eine Managerin, ein Franz\u00f6sischlehrer und ein junger Fotograf, sind mit der Erblasserin n\u00e4her verwandt, so dass sie das allen zugefallene Gut, ein Landhaus in der Normandie, in Augenschein nehmen d\u00fcrfen. Sie finden Wei\u00dfdornhecken, sperrige T\u00fcren, staubige M\u00f6bel, alte Fotografien und Briefe, ein Skizzenbuch. Das Haus soll einem Solarpark weichen, die neuen Interessenten bieten einen guten Preis.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aber dann beginnt Seb, der Fotograf, zu tr\u00e4umen. Er tr\u00e4umt von Ad\u00e8le, die an \u00adeinem Sommermorgen die T\u00fcr hinter sich abschlie\u00dft und aufs Postboot steigt, um nach ihrer Mutter im fernen Paris zu suchen. Sie findet sie zwischen Pl\u00fcsch und Plunder in einem Bordell, aus dem sie geschockt zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe flieht, ohne ein Zimmer f\u00fcr die Nacht. Zum Gl\u00fcck hat sie auf dem Boot zwei junge M\u00e4nner kennengelernt, die in der Hauptstadt Karriere machen wollen, der eine als Maler, und als sie die beiden in einer Kneipe am Montmartre wiedertrifft, bekommt sie sowohl Unterkunft als auch Arbeit. Bald steht sie dem einen wie dem anderen Modell, und Kleider n\u00e4hen kann sie auch.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Suzanne Lindon also ist Ad\u00e8le, die \u00adParisreisende des Jahres 1895, und auch in der Rahmenhandlung gibt es ein paar bekannte Gesichter des franz\u00f6sischen Kinos, etwa Vincent Macaigne als Bienenz\u00fcchter oder C\u00e9cile de France als Museumsexpertin. Aber eigentlich ist \u201eDie Farben der Zeit\u201c ein Film ohne Stars. Es geht nicht um Einzelauftritte, sondern um Gruppen, Beziehungen, Milieus. C\u00e9dric Klapisch ist ein Spezialist f\u00fcr Milieugeschichten, er hat sie in \u201e. . . und jeder sucht sein K\u00e4tzchen\u201c und den Filmen der \u201eAuberge Espagnole\u201c-Trilogie mit durchschlagendem Erfolg erz\u00e4hlt. Diesmal geht es um das Milieu der Er\u00adben von heute und das der K\u00fcnstler von damals. Die Beziehung zwischen ihnen stiften die Tagtr\u00e4ume des Fotografen Seb. Doch dem Regisseur gen\u00fcgt das nicht, er sucht nach einer st\u00e4rkeren Klammer. Im Mus\u00e9e de l\u2019Orangerie filmt Seb einen \u00adModeclip vor Monets \u201eSeerosen\u201c (eines der Models st\u00f6rt sich an den Farben des Bildes). Und im Paris von 1895 trifft Ad\u00e8le den echten Claude Monet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Zwiegespr\u00e4ch mit H\u00fcten: Szene aus C\u00e9dric Klapischs Film\" height=\"1818\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/zwiegespraech-mit-hueten-szene.jpg\" width=\"2727\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Zwiegespr\u00e4ch mit H\u00fcten: Szene aus C\u00e9dric Klapischs FilmStudiocanal<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das ist der Punkt, an dem der Film ins Gef\u00e4llige kippt. Die Parisreise der lebenshungrigen Ad\u00e8le mit der Mutter-Tochter-Begegnung im Freudenhaus und der sich anbahnenden M\u00e9nage-\u00e0-trois im K\u00fcnstler-Bistro hatte immerhin noch einen Hauch von Drama. Aber mit jedem Karriereschritt des M\u00e4dchens mit dem Schlei\u00ader\u00adhut dreht sich die Handlung ein St\u00fcck weiter in Richtung Geschichtstourismus. In den Kreisen, in die ihre neuen Freunde sie einf\u00fchren, verkehrt Ad\u00e8le bald ebenso selbstverst\u00e4ndlich mit Monet (Olivier Gourmet) wie mit Victor Hugo und dem greisen Nadar. Und in der Gegenwart finden das Er\u00adben\u00adquar\u00adtett bald heraus, dass eine Skizze von Le Havre aus dem Besitz ihrer Vorfahrin tats\u00e4chlich von der Hand des gro\u00dfen Impressionisten stammt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ad\u00e8les Mutter, erfahren wir, hatte eine Aff\u00e4re mit dem Maler, als er \u201eImpression, Sonnenaufgang\u201c schuf, die Ikone seines Zeitalters. Man h\u00e4tte der jungen Frau, die vielleicht seine Tochter ist, die ganze Wucht dieser Entdeckung geg\u00f6nnt. Aber der Film tischt sie nur auf wie ein St\u00fcck kandierte Vergangenheit. Und die Regie l\u00e4sst Suzanne Lindon gerade in dem \u00adAugenblick im Stich, in dem sie ihr Talent wirklich ausspielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das franz\u00f6sische Kino blickt in j\u00fcngster Zeit gerne nostalgisch auf die Kunst seiner Vorv\u00e4ter zur\u00fcck. Vincent Macaigne hat zuletzt den Maler Pierre Bonnard gespielt (F.A.Z. vom 4. Juni), und auch Renoir war schon dran. Dabei g\u00e4be die Kinogeschichte selbst gen\u00fcgend Stoff f\u00fcr Thriller und Melodramen her. Der Sohn des ber\u00fchmten Renoir beispielsweise war ein ebenso ber\u00fchmter Filmregisseur. Aber vielleicht scheuen die heutigen Erben ja den Vergleich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beginnen wir mit Suzanne Lindon. 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