{"id":351786,"date":"2025-08-17T13:37:19","date_gmt":"2025-08-17T13:37:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351786\/"},"modified":"2025-08-17T13:37:19","modified_gmt":"2025-08-17T13:37:19","slug":"rom-koeln-sehnsuchtsort-italien-italo-schlager-sind-im-trend-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351786\/","title":{"rendered":"Rom\/K\u00f6ln | Sehnsuchtsort Italien: Italo-Schlager sind im Trend"},"content":{"rendered":"<p>Rom\/K\u00f6ln (dpa) &#8211; Einst bel\u00e4chelt als Urlaubsbeschallung, heute sorgt er f\u00fcr ausverkaufte Hallen: Der Italo-Schlager erlebt eine Renaissance. Er f\u00fcllt Arenen, steht in den Charts und trendet in den sozialen Medien. Zwischen ironischer Distanz und echter Begeisterung feiert ihn ausgerechnet eine Generation, die seine Bl\u00fctezeit nur aus Erz\u00e4hlungen kennt.<\/p>\n<p>Sogar online pr\u00e4gt er Bilder: Unter dem Hashtag #italovibes tauchen unz\u00e4hlige Clips auf. Italien erscheint darin als makellose Kulisse: Sehensw\u00fcrdigkeiten, Aperitivo-Szenen, Postkarten-Romantik. Sp\u00e4testens seit dem Eurovision Song Contest 2025 ist auch eine Zeile im kollektiven Ohr eingebrannt: \u00abMi amore, espresso macchiato per favore\u00bb. Der Este Tommy Cash, Espresso-Tasse in der Hand, sang von Pasta und Mafia und landete mit dieser \u00dcberdosis Klischee einen viralen Hit.<\/p>\n<p>Gardasee im Kopf, Retroflucht im Ohr<\/p>\n<p>F\u00fcr Eric Pfeil, der mit seinem Buch \u00fcber hundert Klassiker des Italo-Pops (\u00abAzzurro\u00bb) und den vielen Geschichten drumherum einen Bestseller landete, steckt dahinter ein wiederkehrendes Muster: \u00abDas ist Italien mit St\u00fctzr\u00e4dern, Italien mit Abstandhalter, Italien mit Humor\u00bb, sagt der K\u00f6lner Journalist der Deutschen Presse-Agentur.<\/p>\n<p>Dass dieser Sound weiterhin Menschen begeistert, \u00fcberrascht Pfeil nicht. Der Schlager sei die stumpfste Form des Eskapismus. Die italienische Variante biete dabei \u00abunschuldiges Gebiet\u00bb: \u00abMan ist gar nicht mehr mit der eigenen Kultur verhaftbar, sondern man kann eine Gardasee-hafte Italienwelt weg imaginieren\u00bb, so der Autor. Es ist eine Welt der Erinnerungen an sch\u00f6ne Urlaube &#8211; \u00abals alles in Ordnung war\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Wo alles begann<\/p>\n<p>Bevor der Italo-Sound auf Tiktok zum Hintergrund f\u00fcr Aperol-Clips wurde, geh\u00f6rte er auf die gro\u00dfe B\u00fchne: das Sanremo-Festival der 1960er und 70er. Es folgten Hits, die halb Europa mitsang, wie etwa Adriano Celentano mit \u00abAzzurro\u00bb oder Umberto Tozzi mit \u00abTi Amo\u00bb. F\u00fcr deutsche Ohren war es stets ein Versprechen von Sonne, Meer und Ferien.<\/p>\n<p>Doch das Italien jener Zeit war keine heile Welt. Politische Polarisierung, Attentate und Stra\u00dfenk\u00e4mpfe pr\u00e4gten das Land. Die Jugend suchte einen Ausweg \u2013 und fand ihn in neuen Kl\u00e4ngen. Ende der 70er hielten Synthesizer Einzug, Produktionen wurden g\u00fcnstiger, Beats internationaler. Jeder konnte Musik machen.\u00a0<\/p>\n<p>Es war Selbsterm\u00e4chtigung \u2013 oft mit einer spielerischen Albernheit, wie der internationale Hit \u00abBoys, Boys, Boys\u00bb von Sabrina Salerno zeigte. Der Taufname \u00abItalo Disco\u00bb stammt vom deutschen Labelchef Bernhard Mikulski, der Ende der 70er eine Kompilation unter diesem Titel ver\u00f6ffentlichte.\u00a0<\/p>\n<p>Absturz und R\u00fcckkehr<\/p>\n<p>Ende der 80er verlor Italo-Disco an Strahlkraft. Was blieb, waren kleine Fan-Szenen und vereinzelte DJ-Sets. Und der sehnsuchtsvolle Urlauber, der sich gerne an Sonnencreme und Strand erinnern wollte.\u00a0<\/p>\n<p>Nach den 2010ern kam die Wiederentdeckung \u2013 erst in Nischen, dann in der Meme-Kultur mit grellen Kost\u00fcmen und \u00fcbertriebener Mimik, perfekt f\u00fcrs Internet. Heute f\u00fcllen Bands wie Roy Bianco &amp; Die Abbrunzati Boys oder Crucchi Gang Hallen, Streamingzahlen gehen in die Millionen.<\/p>\n<p>Pfeil sieht darin mehr als nur einen Algorithmus-Effekt: Auch eine junge Indie-Generation habe eine Neigung dazu, \u00absehr regressiv in eine sichere Welt fl\u00fcchten zu wollen\u00bb. Musik sei immer Eskapismus, betont Pfeil. Auch Historiker Tobias Becker sagte dazu einmal der dpa: Nostalgie sei nicht nur R\u00fcckkehr in die Vergangenheit, sondern auch Kritik an der Gegenwart. In Krisenzeiten wirkten vergangene Jahrzehnte stabiler, klarer, leichter. Der Italo-Sound liefert genau dieses Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Musikalisches Touristenmen\u00fc<\/p>\n<p>Doch ist Italien nur Schlager? Pfeil kritisiert, dass deutsche H\u00f6rer oft nur ein \u00abmusikalisches Touristenmen\u00fc\u00bb serviert bekamen: \u00abIch will den Gardasee, ich will bestimmte Gerichte da essen, ich will mein Aperitivo, und es wird alles nicht zu wild.\u00bb Der aktuelle Hype wiederhole viele dieser Klischees, meist gepr\u00e4gt von internationalen K\u00fcnstlern.<\/p>\n<p>Die Zukunft k\u00f6nnte jedoch eine neue Form der Sehnsucht bringen \u2013 ein Italien jenseits der Postkartenmotive. \u00abItalien ist ein Land, das immer schon mit Krisen zu tun hatte. Man k\u00f6nnte viel davon lernen\u00bb, sagt Pfeil. Doch bis dahin bleibt der Italo-Hype das, was er am besten kann: Eskapismus, ein Hauch Selbstironie und eine Prise Kitsch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rom\/K\u00f6ln (dpa) &#8211; Einst bel\u00e4chelt als Urlaubsbeschallung, heute sorgt er f\u00fcr ausverkaufte Hallen: Der Italo-Schlager erlebt eine Renaissance.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":350931,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,2507,30,984,355,1420,2549,810,1209],"class_list":{"0":"post-351786","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-freizeit","10":"tag-germany","11":"tag-international","12":"tag-italien","13":"tag-koeln","14":"tag-leute","15":"tag-musik","16":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115044381194185604","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/351786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=351786"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/351786\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/350931"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=351786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=351786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=351786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}