{"id":351789,"date":"2025-08-17T13:39:11","date_gmt":"2025-08-17T13:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351789\/"},"modified":"2025-08-17T13:39:11","modified_gmt":"2025-08-17T13:39:11","slug":"paul-klee-und-das-innere-leuchten-welches-werk-regisseurin-elsa-sophie-jach-hoffnung-schenkt-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351789\/","title":{"rendered":"Paul Klee und das innere Leuchten: Welches Werk Regisseurin Elsa-Sophie Jach Hoffnung schenkt &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Es ist Ende Juli kurz vor der Sommerpause, wobei weder von Sommer noch von Pause etwas zu sp\u00fcren ist. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-residenztheater-regisseurin-elsa-sophie-jach-kaethchen-von-heilbronn-1.5705795\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Elsa-Sophie Jach<\/a> kommt gerade von der Probe, tr\u00e4gt Pulli und Regenjacke und l\u00e4chelt einem warm entgegen. Sommer ist vermutlich auch eine Einstellungssache. Wer die 33-j\u00e4hrige Regisseurin kennt, wei\u00df, wie intensiv sie sich mit Literatur auseinandersetzt, was Sprache ihr bedeutet. Umso \u00fcberraschender ist es, dass ihr auf die Frage, welches Kunstwerk ihr Hoffnung gibt, \u201evor allen Dingen ein K\u00fcnstler eingefallen ist\u00a0\u2013 und zwar Paul Klee\u201c, sagt sie, \u201eganz konkret ein Bild von ihm, n\u00e4mlich der Goldfisch\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Paul Klee, der 1879 geborene Maler und Grafiker, der eng mit der K\u00fcnstlergruppe \u201eDer Blaue Reiter\u201c verbunden war, als Kunstprofessor lehrte und dessen Werke von den Nationalsozialisten als \u201eentartet\u201c diffamiert wurden, schuf \u201eDer Goldfisch\u201c 1925. F\u00fcr Elsa-Sophie Jach liegt viel Hoffnung und Fantasie, Leuchtkraft, etwas Verspieltes und Verr\u00e4tseltes in diesem Bild. Und f\u00fcr sie gibt es\u00a0\u2013 hier kommt ihre Liebe zur Sprache dazu\u00a0\u2013 ein Gedicht von Klee, das, \u201eauch wenn es sich nicht darauf bezieht, f\u00fcr mich viel damit zu tun hat\u201c, wie sie sagt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Im Regen, besch\u00fctzt von einem gro\u00dfen Sonnenschirm, liest Jach die ersten Zeilen vor: \u201eDiesseitig bin ich gar nicht fa\u00dfbar.\/Denn ich wohne grad so gut bei den Toten,\/wie bei den Ungeborenen.\/Etwas n\u00e4her dem Herzen der Sch\u00f6pfung als \u00fcblich.\/Und noch lange nicht nahe genug.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Im Bild wie in den Gedichtzeilen sei die Sehnsucht sp\u00fcrbar, \u00fcber den Moment des Diesseitigen hinauszugehen, sagt Jach. \u201eIch glaube, das ist, was man in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kunst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunst<\/a> versucht: Dass man etwas \u00fcber die Gegenwart erz\u00e4hlt, und sich gleichzeitig von ihr l\u00f6st, einen Schritt \u00fcber sie hinausgeht, Bez\u00fcge herstellt zu etwas Utopischem, Zukunftsgerichtetem oder zu vergangenen Zeiten, um etwas \u00fcber die Gegenwart zu erfahren.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Woher diese Faszination kommt, ist klar, wenn man Elsa-Sophie Jachs Theaterarbeiten kennt. Ihre Inszenierungen sind nie eindimensional, nie nur in einem Text und in einer Zeitebene verhaftet. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-residenztheater-werther-ein-theatralischer-leichtsinn-johannes-nussbaum-elsa-sophie-jach-kritik-1.5607701\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Goethes \u201eWerther\u201c<\/a> verschneidet sie mit Texten von Karoline von G\u00fcnderrode, beim <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kaethchen-von-heilbronn-elsa-sophie-jach-residenztheater-muenchen-1.5708454\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eK\u00e4thchen von Heilbronn\u201c<\/a> nimmt sie Christa Wolf hinzu, in ihrer <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/romeo-und-julia-muenchner-residenztheater-elsa-sophie-jach-li.3252607\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eRomeo und Julia\u201c-Inszenierung<\/a> webt sie feministische Perspektiven ein oder Passagen aus \u201eHamlet\u201c. Die Zeit geht durch ihre Arbeiten durch, Schicht f\u00fcr Schicht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/cf46e771-9791-4fb7-b8e2-c1195b93ff23.jpg\"   alt=\"Regisseurin Elsa-Sophie Jach ist seit der Spielzeit 2022\/23 Hausregisseurin am Residenztheater.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Regisseurin Elsa-Sophie Jach ist seit der Spielzeit 2022\/23 Hausregisseurin am Residenztheater. (Foto: Magnus Lechner)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Wenn die 33-J\u00e4hrige \u00fcber ihre Ideen von Theater, \u00fcber die Bedeutung von Kunst, \u00fcber Literatur spricht, tut sie dies sehr reflektiert, man merkt, wie sie die Materie mit Kopf und Herz durchdrungen hat. Bei Paul Klees \u201eGoldfisch\u201c ist es indes ein \u201eintuitiver Zugang\u201c, wie sie selbst sagt. Ihre Mutter hat ihr, als sie ein Kind war, das Werk zuerst als Postkarte gezeigt, mit \u201enachhaltiger Wirkung\u201c bis heute. F\u00fcr sie erz\u00e4hle das Bild von einer ganz gro\u00dfen \u201eFinsternisbedrohung\u201c und gleichzeitig von \u201eeiner Art inneren Wahrheit\u201c. \u201eMan kann sich etwas bewahren, egal, was um einen herum passiert. Man muss auf das vertrauen, was in einem liegt\u201c, sagt Jach. \u201eIch glaube, dass sich mir das Bild deshalb als sehr mutmachend eingepr\u00e4gt hat.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">W\u00e4hrend der Regen weiter auf den Sonnenschirm prasselt, erz\u00e4hlt Elsa-Sophie Jach von den Proben. Im Oktober wird sie die Urauff\u00fchrung von Rainald Goetz&#8216; \u201eLapidarium\u201c auf die gro\u00dfe B\u00fchne bringen, der Autor hatte sie sich explizit als Regisseurin gew\u00fcnscht. Und nat\u00fcrlich redet sie auch \u00fcber Sprache und Literatur und \u00fcber ein Buch, an das die Regisseurin ebenfalls im Zusammenhang mit Hoffnung denken musste: Sylvia Plaths \u201eDie Glasglocke\u201c. M\u00fcsste sie eines benennen, w\u00e4re dies ihr Lieblingsbuch, sagt Jach, obwohl es weder fr\u00f6hlich noch utopisch sei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-residenztheater-regisseurin-elsa-sophie-jach-kaethchen-von-heilbronn-1.5705795\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;schockverliebt_ins_theater&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;kultur_in_muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;sz.1.5705795&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenmuenchen-residenztheater-regisseurin-elsa-sophie-jach-kaethchen-von-heilbronn-15705795\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/1c5c1020-c48d-4812-97bc-978e84fad042.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Regisseurin Elsa-Sophie Jach<\/p>\n<p>:Schockverliebt ins Theater<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Seit dieser Spielzeit ist Elsa-Sophie Jach Hausregisseurin am M\u00fcnchner Residenztheater &#8211; mit 31 Jahren. Jetzt kommt ihr &#8222;K\u00e4thchen von Heilbronn&#8220; heraus. Den Klassiker traut man ihr eben zu. Ein Portr\u00e4t.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eDie Glasglocke\u201c spielt in den Sechzigerjahren, teils in New York, die junge, talentierte Studentin Esther Greenwood erlebt eine Depression. Sylvia Plath, die selbst daran litt und Suizid beging, l\u00e4sst ihre Protagonistin die tiefe Phase durchwandern und \u00fcberstehen. Auch hier also\u00a0\u2013 wie bei Klees \u201eGoldfisch\u201c\u00a0\u2013 eine Finsternis und ein Leuchten. \u201eMich beeindruckt, wie sie das schafft, von der Psychiatrie-Erfahrung, der elektrischen Therapie zu berichten und zugleich von diesem Weg, sich daraus zu k\u00e4mpfen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Menschen, denen es gelinge, immer weiterzugehen, sich nicht erdr\u00fccken zu lassen von dem, was um einen herum passiere, sondern dies k\u00fcnstlerisch verarbeiten, \u201edas ist etwas, das mir sehr viel Trost gibt\u201c, sagt Jach. Zugegeben: Das k\u00f6nnte d\u00fcster klingen, bei der 33-J\u00e4hrigen wird es zu etwas Hoffnungsvollem. Sie faszinieren K\u00fcnstler, Autorinnen, \u201edie das Gef\u00fchl kennen, wenn der Boden br\u00fcchig wird. Die sich von dieser Br\u00fcchigkeit aber nicht verschlucken lassen, sondern die beginnen, auf dieser Br\u00fcchigkeit zu tanzen, auf diesen einzelnen Eisschollen\u00a0\u2013 und das in Kunst verwandeln.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">In der SZ-Serie \u201eEin St\u00fcck Hoffnung\u201c empfehlen K\u00fcnstler aus <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> und Bayern Werke, die sie optimistisch stimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist Ende Juli kurz vor der Sommerpause, wobei weder von Sommer noch von Pause etwas zu sp\u00fcren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":351790,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,2392,2075,1268,44712,72871,149,3372],"class_list":{"0":"post-351789","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-kultur-in-muenchen","12":"tag-kunst","13":"tag-muenchen","14":"tag-paul-klee","15":"tag-residenztheater","16":"tag-sueddeutsche-zeitung","17":"tag-theater-muenchen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115044389079707218","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/351789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=351789"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/351789\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/351790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=351789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=351789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=351789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}