{"id":351879,"date":"2025-08-17T14:26:13","date_gmt":"2025-08-17T14:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351879\/"},"modified":"2025-08-17T14:26:13","modified_gmt":"2025-08-17T14:26:13","slug":"ueberwachungsstaat-grossbritannien-online-safety-act-spaltet-die-nation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/351879\/","title":{"rendered":"\u00dcberwachungsstaat Gro\u00dfbritannien? Online Safety Act spaltet die Nation"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ende Juli ist in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/grossbritannien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gro\u00dfbritannien<\/a> eines der weltweit strengsten Internetgesetze in Kraft getreten. Das Ziel des sogenannten Online Safety Act (OSA): Minderj\u00e4hrige vor sch\u00e4dlichen Inhalten im Internet sch\u00fctzen. Doch die Realit\u00e4t sieht ganz anders aus: Erwachsene aus London und Manchester m\u00fcssen nun ihre P\u00e4sse hochladen, Selfies an eine biometrische Pr\u00fcfsoftware senden oder Bankdaten freigeben, um lediglich auf Websites zuzugreifen \u2013 ob bei Musikstreamingplattformen oder Pornoseiten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ofcom, die britische Medienaufsicht, treibt das Gesetz der sozialdemokratischen Regierung mit hoher Schlagzahl voran. Vier internationale Betreiber, die zusammen auf 34 Pornoseiten mit \u00fcber neun Millionen monatlichen Nutzern kommen, werden derzeit untersucht. \u201eDiese Gesetze haben nichts mit Zensur zu tun oder damit, Erwachsene beim Zugang zu legalen Inhalten zu \u00fcberwachen\u201c, so der Wissenschafts- und Technologieminister Peter Kyle. \u201eWer etwas anderes behauptet, spielt mit der Sicherheit von Kindern.\u201c<\/p>\n<p>Seit Einf\u00fchrung des Gesetzes: VPN-Dienste werden massenweise runtergeladen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Auch wenn die Regierung von Premier <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/britischer-premier-keir-starmer-bereit-zu-truppenentsendung-in-die-ukraine-li.2295462\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Keir Starmer<\/a>\u00a0erz\u00e4hlt, es gehe bei dem Gesetz \u201enicht um Zensur\u201c, sondern um Kinderschutz, zeigten die vergangenen Tage, dass es bis zum vollumf\u00e4nglichen digitalen \u00dcberwachungsstaat nicht mehr weit ist. Die verlangten \u201ehochwirksamen\u201c Alterspr\u00fcfungen bedeuten n\u00e4mlich, dass sensible biometrische Daten bei Drittanbietern wie Yoti hinterlegt werden, wobei oft unklar ist, was genau mit diesen Informationen langfristig geschieht. F\u00fcr die Briten ohne g\u00fcltige Ausweise oder eigene Handys und Computer bedeutet der OSA eine faktische Internetsperre.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Opposition sowie B\u00fcrgerrechts- und Datenschutzorganisationen kritisieren das Internetgesetz scharf. \u201eDas ist eine Bedrohung f\u00fcr die Privatsph\u00e4re der Nutzer, schr\u00e4nkt die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ein und schlie\u00dft Menschen ohne Ausweis oder eigene Ger\u00e4te vom Netz aus\u201c, warnt Organisation Electronic Frontier Foundation. Dass die technische Infrastruktur f\u00fcr diese Kontrollen erst jetzt geschaffen werde, sorgt ebenso f\u00fcr Unruhe. Was einmal installiert sei, lasse sich leicht f\u00fcr andere Zwecke einsetzen \u2013 von politischer Inhaltsfilterung bis hin zu fl\u00e4chendeckender Verhaltens\u00fcberwachung.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In einer Parlamentspetition fordern mittlerweile mehr als 500.000 Unterzeichner die Aufhebung des Gesetzes. Nigel Farage, der in aktuellen Umfragen mit seiner rechten Reform-UK-Partei mit 31 Prozent deutlich vor der Labour-Partei (21 Prozent) und den Konservativen (17 Prozent) liegt, spricht von \u201eeinem an der Grenze zur Dystopie liegenden Staat\u201c, sollte der Online Safety Act im Vereinigten K\u00f6nigreich nicht zur\u00fcckgenommen werden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Allen voran der Reichweiteneinbruch bei bekannten <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/sex-in-berlin-der-etwas-andere-ratgeber-li.2347084\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pornoseiten<\/a> ist derzeit eines der Topthemen bei den Briten. Kaum war der OSA in Kraft, st\u00fcrzten die Zugriffszahlen auf Seiten wie Pornhub und XVideos fast um die H\u00e4lfte ab; die Plattform OnlyFans verzeichnete binnen einer Woche ein Minus von \u00fcber zehn Prozent. Zugleich laden sich immer mehr Briten \u2013 auch Politiker \u2013 VPN-Dienste auf ihre Handys. Im App-Store-Chat z\u00e4hlen derzeit VPN-Apps, mit denen IP-Adressen und Standorte verschleiert werden k\u00f6nnen, zu den am meisten heruntergeladenen Apps in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Aylo, die Muttergesellschaft von Pornhub, meint jedoch, solche Alterspr\u00fcfungen seien \u201eineffektiv, unkoordiniert und gef\u00e4hrlich\u201c. In einem Statement schreibt das Unternehmen: \u201eDie Menschen haben nicht aufgeh\u00f6rt, Pornos zu schauen. Sie sind nur in dunklere Ecken des Internets ausgewichen, die keinen Altersnachweis verlangen. In der Praxis machen die Gesetze das Internet f\u00fcr Erwachsene und Kinder gef\u00e4hrlicher.\u201c<\/p>\n<p>Britisches Online-Gesetz: Ziehen die Europ\u00e4er nach?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das Gesetz trifft jedoch nicht nur die Erotikbranche, sondern auch die gro\u00dfen Player der sozialen Medien. Dem Online Safety Act zufolge haben Social-Media-Betreiber wie TikTok, Instagram und Facebook von kommendem Jahr an die Pflicht, ihre Nutzer, insbesondere Kinder und Jugendliche, vor potenziell sch\u00e4dlichen Inhalten zu sch\u00fctzen: etwa Inhalte zu Suizid oder Essst\u00f6rungen. Betreiber m\u00fcssen demnach Alterskontrollen einsetzen oder sie riskieren Bu\u00dfgelder von bis zu zehn Prozent ihres globalen Umsatzes.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Plattformen wie <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/twitter\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">X<\/a> und Reddit haben bereits Alterskontrollen eingef\u00fchrt \u2013 mit teils unbeabsichtigten Nebenwirkungen. Politische Inhalte verschwanden hinter Altersbarrieren, weil Algorithmen sie f\u00e4lschlich als \u201enur f\u00fcr Erwachsene\u201c einstuften. Die Grundstimmung im Netz ist derweil eindeutig. \u201eIch denke, dass es sich um eine sch\u00e4dliche Gesetzgebung handelt, die vielen Unternehmen schaden und niemanden sch\u00fctzen wird\u201c, schreibt ein User auf Reddit. Das Gesetz k\u00f6nne auch als Waffe eingesetzt werden, da sehr vage kommuniziert werde, was \u201esch\u00e4dlicher Inhalt\u201c eigentlich bedeute, kommentiert ein anderer.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Das britische Internetgesetz hat zudem Signalwirkung \u00fcber das Vereinigte K\u00f6nigreich hinaus. Franz\u00f6sische Gerichte haben k\u00fcrzlich best\u00e4tigt, dass Pornoseiten Alterspr\u00fcfungen verlangen d\u00fcrfen, die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/eu\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> testet im Rahmen des Digital Service Act (DAS) eine eigene Alters\u00fcberpr\u00fcfungs-App. In Australien verabschiedete die Regierung sogar schon ein Social-Media-Verbotsgesetz f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige. Der britische OSA verdeutlicht jedoch, wie schnell sich eine vermeintliche Schutzma\u00dfnahme in ein umfassendes, von der Regierung beherrschtes Kontrollinstrument verwandeln kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ende Juli ist in Gro\u00dfbritannien eines der weltweit strengsten Internetgesetze in Kraft getreten. 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