{"id":352329,"date":"2025-08-17T18:29:23","date_gmt":"2025-08-17T18:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/352329\/"},"modified":"2025-08-17T18:29:23","modified_gmt":"2025-08-17T18:29:23","slug":"starmer-scholz-und-das-britische-paradox-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/352329\/","title":{"rendered":"Starmer, Scholz und das britische Paradox"},"content":{"rendered":"<p>\n<strong>Falls der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der britische Premier Keir Starmer eine Rechtfertigung f\u00fcr ihr sonnt\u00e4gliches Treffen gebraucht h\u00e4tten, dann h\u00e4tte US-Pr\u00e4sident Donald Trump p\u00fcnktlich abgeliefert. Hilft Trump bei einem Neustart der Beziehungen zwischen der EU und Gro\u00dfbritannien?<\/strong>\n<\/p>\n<p>\nLondon \u2013 Der amerikanische Pr\u00e4sident Donald Trump hat seine Ank\u00fcndigung umgesetzt und\u00a0 neue Z\u00f6lle auf Importe aus Kanada, Mexiko und China verh\u00e4ngt.\u00a0Die EU werde bald folgen, warnte er.\n<\/p>\n<p>\nGro\u00dfbritannien und die Europ\u00e4ische Union sind sich inzwischen einig, dass sie dieser neuen US-Regierung lieber gemeinsam gegen\u00fcberstehen. Das Wiederauflebenlassen der vom Brexit gekappten Beziehungen d\u00fcrfte dabei helfen.\n<\/p>\n<p>\n\u201eEs ist sehr wichtig, dass wir eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Vereinigten K\u00f6nigreich und der EU haben, wenn es darum geht, wie wir das breitere Verh\u00e4ltnis zu den USA gestalten\u201c, sagte Bundeskanzler Scholz am Sonntag auf die Frage nach Trumps Z\u00f6llen. Es sei ein \u201eguter Moment\u201c f\u00fcr London und Br\u00fcssel, die Beziehungen zu verbessern.\n<\/p>\n<p>\nStarmer, der Premierminister der britischen Labour-Regierung, strebt seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr eine engere Zusammenarbeit mit den EU-Verb\u00fcndeten an und hat ein <a href=\"https:\/\/www.thetimes.com\/uk\/politics\/article\/britain-germany-defence-pact-0f6g6p5hv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">umfassendes Abkommen<\/a> mit Br\u00fcssel im Blick. Das sei auch ein zentrales Ziel des bilateralen Treffens am Sonntag gewesen, wie es aus deutschen Regierungskreisen hie\u00df. Die beiden Regierungschefs hatten sich auf dem Landsitz des Premierministers in Checkers getroffen.\n<\/p>\n<p>\nStarmers wird seine EU-Anbandlungsversuche am Montag fortsetzen:\u00a0 Als erster Premierminister seit dem Brexit\u00a0 wird er an einem Treffen des Europ\u00e4ischen Rates teilnehmen. Thema der Sitzung ist die St\u00e4rkung der Sicherheitsbeziehungen.\n<\/p>\n<p>\nAber die von Starmer versprochene umfassende \u201eNeuausrichtung\u201c der EU-UK-Beziehungen wird kompliziert bleiben. Das schwierige Verh\u00e4ltnis zwischen Gro\u00dfbritannien und Deutschland &#8211; der gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der EU &#8211; zeigt, wie viele Hindernisse noch im Weg stehen.\n<\/p>\n<p>Sag nicht \u201eWiedereintritt\u201c<br \/>\nF\u00fcnf Jahre nach dem britischen EU-Austritt am 31. Januar 2020 meinen 55 Prozent der Briten, dass das Vereinigte K\u00f6nigreich sich der EU wieder ann\u00e4hern sollte. Nur 10 Prozent bevorzugen Distanz, wie aus einer aktuellen Umfrage des Thinktanks European Council on Foreign Relations hervorgeht.<\/p>\n<p>\nEine verbesserte Zusammenarbeit in Verteidigungs-, Sicherheits- und Handelsfragen k\u00f6nnte die Folgen abmildern, sollten die USA ein weniger zuverl\u00e4ssiger Partner werden.\n<\/p>\n<p>\nStarmer k\u00f6nnte diesen Aufschwung gut gebrauchen. Er k\u00e4mpft mit seinen ehrgeizigen Wachstumszielen, die in den letzten Wochen im Zuge steigender Kosten f\u00fcr Kredite R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten. Steigende Kreditkosten sind ein Zeichen f\u00fcr schwindendes Vertrauen der Investoren.\n<\/p>\n<p>\nDoch der Teufel steckt im Detail. Besonders deutlich wird das in der Migrationsfrage.\n<\/p>\n<p>\nBeide Seiten haben ein Interesse daran, legale und illegale Zuwanderung besser zu steuern, doch der Brexit ist schuld an vielen Ineffizienzen.\n<\/p>\n<p>\nGerade Unternehmen auf der einen Seite des \u00c4rmelkanals, die f\u00fcr ein paar Stunden Fachkr\u00e4fte von der anderen Seite brauchen, m\u00fcssen mindestens <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/guidance\/visa-processing-times-applications-outside-the-uk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">drei Wochen<\/a> auf ein Visum warten.\n<\/p>\n<p>\nHier prallen britische und deutsche Vorstellungen aufeinander.\n<\/p>\n<p>\nDie Bundesregierung setzt sich f\u00fcr ein \u201eJugendmobilit\u00e4tsabkommen\u201c ein, das jungen Menschen mehr Bewegungsfreiheit zwischen beiden L\u00e4ndern erm\u00f6glichen w\u00fcrde.\n<\/p>\n<p>\nDie britische Regierung unter Starmer reagiert jedoch \u00e4u\u00dferst <a href=\"https:\/\/www.euractiv.com\/section\/politics\/news\/why-an-eu-uk-youth-mobility-deal-is-so-hard-and-how-it-could-work\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">empfindlich<\/a> auf alles, was an die ungeliebten Verpflichtungen der EU-Mitgliedschaft erinnern k\u00f6nnte. Alles, was nach einer R\u00fcckkehr zur europ\u00e4ischen Freiz\u00fcgigkeit aussieht, ist ein rotes Tuch.\n<\/p>\n<p>\nDas deutsche Lobbying f\u00fcr das Mobilit\u00e4tsabkommen hat einige in der Downing Street ver\u00e4rgert. Am Tag von Scholz&#8216; Besuch in Chequers <a href=\"https:\/\/www.thetimes.com\/uk\/politics\/article\/keir-starmer-eu-reset-talks-trade-trump-china-q3z0vz8zv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">berichtete<\/a> die Times unter Berufung auf anonyme Quellen, dass der deutsche Botschafter in London durch \u201ewenig hilfreiche Briefings\u201c Unmut erregt habe.\n<\/p>\n<p>Sorry, keine Rosinenpickerei<br \/>\nUnterdessen bleibt Br\u00fcssel wachsam gegen\u00fcber britischen Versuchen des \u201eRosinenpickens\u201c.<\/p>\n<p>\nStarmers konservative Vorg\u00e4nger h\u00e4tten versucht, bilaterale Mobilit\u00e4tsabkommen mit wirtschaftlich starken EU-Staaten wie Deutschland auszuhandeln, erkl\u00e4rte eine mit dem Anliegen vertraute Quelle gegen\u00fcber Euractiv. Wohl auch, weil Migration aus \u00e4rmeren osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern w\u00e4hrend des Brexit-Referendums als S\u00fcndenbock herhalten musste.\n<\/p>\n<p>\nDoch Berlin und andere Hauptst\u00e4dte h\u00e4tten dies abgelehnt. Der Versuch, einzelne EU-Staaten gegeneinander auszuspielen, sei f\u00fcr sie ein Tabu, hie\u00df es weiter.\n<\/p>\n<p>Gibt Gro\u00dfbritannien die EU doch nicht auf?<br \/>\nUnter Starmer haben Gro\u00dfbritannien und Deutschland Fortschritte bei einem bilateralen Freundschaftsvertrag gemacht. Dieser sollte den Rahmen f\u00fcr eine engere parlamentarische und kulturelle Zusammenarbeit schaffen.<\/p>\n<p>\nDie Verhandlungen sollten letzten Monat abgeschlossen werden. Doch dann scheiterte die deutsche Ampelregierung, und die Gespr\u00e4che wurden ausgesetzt \u2013 voraussichtlich bis zur Bildung einer neuen Regierung, was bis zum sp\u00e4ten Fr\u00fchjahr dauern k\u00f6nnte.\n<\/p>\n<p>\nSolche Abkommen sind ohnehin nicht mehr als Symbolpolitik. Starmer wei\u00df, dass echter Fortschritt nur im direkten Umgang mit allen EU-L\u00e4ndern m\u00f6glich ist. Daf\u00fcr braucht es aber ein Mandat aus den EU-Hauptst\u00e4dten \u2013 und das d\u00fcrfte fr\u00fchestens nach einem gemeinsamen Gipfel erteilt werden, der momentan f\u00fcr April oder Mai erwartet wird.\n<\/p>\n<p>\nAber schon die Frage nach dem richtigen Ansatz k\u00f6nnte f\u00fcr Meinungsverschiedenheiten zwischen den 27 EU-L\u00e4ndern sorgen.\n<\/p>\n<p>\nSollte ein Kooperationsabkommen \u00fcber Sicherheit in einem separaten Abkommen vorangestellt werden? Das w\u00e4re Gro\u00dfbritannien leichter zu verkaufen, aber bei einigen EU-L\u00e4ndern wie Frankreich weniger beliebt? Oder sollte das Thema als Teil eines umfassenden Abkommens behandelt werden?\n<\/p>\n<p>\nMit anderen Worten: Das alte britische Paradoxon bleibt bestehen.\n<\/p>\n<p>\n\u201eIch will eine enge Beziehung in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen, in Energie, im Handel und unserer Wirtschaft\u201c, sagte Starmer in Chequers \u2013 um dann ein gro\u00dfes \u201eAber\u201c hinterherzuschieben.\n<\/p>\n<p>\nDie Vorteile einer engeren EU-Zusammenarbeit m\u00fcssten \u201eohne eine R\u00fcckkehr in die EU\u201c m\u00f6glich sein.\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/GettyImages-2168071090-800x600.jpg\" class=\"attachment-4x3 size-4x3 wp-post-image ea-media-unrolled ea-media-formatted img-responsive\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/europa-kompakt\/news\/ungewisse-zukunft-ueber-umfassenden-deutsch-britischen-abkommen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutsch-britischer Staatsvertrag wird vorerst auf Eis gelegt<\/a><\/p>\n<p>Ein umfassender bilateraler Vertrag zwischen Deutschland und Gro\u00dfbritannien wird nicht wie geplant ratifiziert werden und steht vor einer ungewissen Zukunft, wie Euractiv erfahren hat. Dies gef\u00e4hrdet eine der zentralen au\u00dfenpolitischen Priorit\u00e4ten des britischen Premierministers Keir Starmer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Falls der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der britische Premier Keir Starmer eine Rechtfertigung f\u00fcr ihr sonnt\u00e4gliches Treffen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":229906,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-352329","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115045529563505754","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=352329"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352329\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/229906"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=352329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=352329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=352329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}