{"id":352634,"date":"2025-08-17T21:30:27","date_gmt":"2025-08-17T21:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/352634\/"},"modified":"2025-08-17T21:30:27","modified_gmt":"2025-08-17T21:30:27","slug":"kirchenasyl-balanceakt-zwischen-humanitaet-und-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/352634\/","title":{"rendered":"Kirchenasyl \u2013 Balanceakt zwischen Humanit\u00e4t und Recht"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Beim Thema Kirchenasyl hakt es in der Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden in Bayern und dem Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (Bamf). Die Kirchen k\u00e4men ihrer Pflicht fortlaufend nicht nach, das Kirchenasyl f\u00fcr den Betroffenen zu beenden, sollte das Bamf entschieden haben, dass kein H\u00e4rtefall vorliegt. Das teilte ein Beh\u00f6rdensprecher in N\u00fcrnberg mit.\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Kirchengemeinden sehen die Lage etwas anders. In einer 2015 getroffenen Vereinbarung zwischen Kirche und Bamf sei es gar nicht vorgesehen, dass der Fl\u00fcchtling bei einem negativen Bescheid aus N\u00fcrnberg das Kirchenasyl zu verlassen habe, hei\u00dft es einhellig bei katholischer und evangelischer Kirche in Bayern. \u201eIn der Regel verl\u00e4sst dieser das Kirchenasyl trotz negativer Pr\u00fcfung nicht, da er weiterhin Angst vor einer Menschenrechtsverletzung hat\u201c, erkl\u00e4rte eine Sprecherin der evangelischen Landeskirche in M\u00fcnchen.\u00a0<\/p>\n<p>Nothilfe im Einzelfall<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Kirchenasyl soll Fl\u00fcchtlingen in besonderen H\u00e4rtef\u00e4llen Schutz bieten. \u201eKirchenasyl ist als &#8222;ultima ratio&#8220; immer Nothilfe in einem konkreten Einzelfall\u201c, erl\u00e4uterte das Katholische B\u00fcro Bayern. Im Freistaat h\u00e4tten sich Stand Mitte Juli 28 Menschen, davon vier Kinder, in acht katholischen Gemeinden im Kirchenasyl befunden.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auch bei der evangelisch-lutherischen Kirche geht es verglichen mit der Gesamtzahl der Asylsuchenden (2024: rund 36.000 Asylerstantr\u00e4ge in Bayern) nur um wenige F\u00e4lle von Kirchenasyl &#8211; derzeit sind es 19. \u201eKirchenasyl wird von den Kirchengemeinden sehr zur\u00fcckhaltend gew\u00e4hrt\u201c, wie die Sprecherin der Landeskirche sagte. Pro Woche erhalte der Berater f\u00fcr Kirchenasyl Anfragen von 20 und 25 Menschen f\u00fcr ein Kirchenasyl. \u201eDie Mehrheit wird abgelehnt.\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Vereinbarung zwischen Kirchen und Bamf sieht vor, dass die Beh\u00f6rde gemeldete Kirchenasyl-F\u00e4lle noch einmal individuell pr\u00fcft. Dazu legen die Kirchen dem Bamf ein Dossier vor, dass den H\u00e4rtefall &#8211; zum Beispiel nachgewiesene gesundheitliche Probleme &#8211; ausf\u00fchrlich begr\u00fcndet. Die Vereinbarung betrifft allerdings nur F\u00e4lle, bei denen die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Asylverfahren noch bei einem anderen EU-Mitgliedsland liegt.<\/p>\n<p>Beh\u00f6rde dringt auf Akzeptanz ihrer Entscheidung<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eRechtsstaatliche Entscheidungen sind zu akzeptieren, besonders, wenn sie im Rahmen des Kirchenasylverfahrens nochmals auf pers\u00f6nliche H\u00e4rten hin \u00fcberpr\u00fcft wurden\u201c, sagte der Bamf-Sprecher. \u201eDie Einhaltung dieser Grundregeln ist essenziell, um die Akzeptanz des Kirchenasyls bei Beh\u00f6rden, Gerichten und \u00d6ffentlichkeit aufrechterhalten zu k\u00f6nnen und weiter zu st\u00e4rken.\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sprich: Aus Beh\u00f6rdensicht muss ein Gefl\u00fcchteter das Kirchenasyl und Deutschland verlassen, sollte das Bamf seinen Fall abermals mit negativem Ausgang gepr\u00fcft haben &#8211; das Asylverfahren soll dann in dem f\u00fcr den Gefl\u00fcchteten zust\u00e4ndigen Mitgliedstaat durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Beh\u00f6rde: Ausreisepflicht erschwert<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eKirchenasyl wird zwar als Ausdruck einer christlich-humanit\u00e4ren Tradition respektiert, jedoch obliegt es dem Staat allein, eine Entscheidung dar\u00fcber zu treffen, ob eine Person ein Bleiberecht erh\u00e4lt\u201c, erkl\u00e4rte der Bamf-Sprecher.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Beh\u00f6rde zufolge akzeptieren Kirchengemeinden Entscheidungen des Bundesamtes dann aber h\u00e4ufig nicht &#8211; Fl\u00fcchtlinge blieben fortlaufend bis zum Ablauf der \u00dcberstellungsfrist in ein eigentlich f\u00fcr sie zust\u00e4ndiges Land im Kirchenasyl. \u201eInfolgedessen wird den zust\u00e4ndigen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden der Vollzug der Ausreisepflicht erschwert, und mehr Asylantr\u00e4ge m\u00fcssen im nationalen Verfahren entschieden werden\u201c, erl\u00e4uterte der Beh\u00f6rdensprecher.<\/p>\n<p>Gericht sieht nicht Kirchen am Zug<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Bayerische Oberste Landesgericht urteilte im Februar 2022: \u201eDie Vereinbarung mit dem Bamf enth\u00e4lt keine Verpflichtung kirchlicher Entscheidungstr\u00e4ger zur aktiven Beendigung des &#8222;Kirchenasyls&#8220; (&#8230;).\u201c\u00a0<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Laut evangelischer Landeskirche ist es eine Entscheidung des Gefl\u00fcchteten, ob er in den R\u00e4umen der Kirchengemeinde bleibt, und nicht eine der Kirchengemeinde.\u00a0<\/p>\n<p>289 F\u00e4lle von Kirchenasyl 2024 in Bayern<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Im vergangenen Jahr war die Zahl der F\u00e4lle von Kirchenasyl in Bayern etwas zur\u00fcckgegangen. Der Freistaat verzeichnete 289 F\u00e4lle, nachdem es im Jahr zuvor 327 waren, wie das Bamf und das Innenministerium zu Jahresbeginn mitteilten. In den Jahren zuvor war die Zahl der F\u00e4lle jeweils gestiegen (2020: 110, 2021: 120, 2022: 230).<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">2024 wurden bundesweit 1.878 Dossiers f\u00fcr ein Kirchenasyl beim Bamf eingereicht. In nur einem Fall erkannte die Beh\u00f6rde demnach eine au\u00dfergew\u00f6hnliche H\u00e4rte an &#8211; und damit ist nicht das EU-Land f\u00fcr das Asylverfahren des Fl\u00fcchtlings zust\u00e4ndig, dessen Boden er zuerst betrat, sondern Deutschland. Laut Bamf \u201estellen die gemeldeten Kirchenasylf\u00e4lle nach fachlicher Einsch\u00e4tzung des Bundesamtes ganz \u00fcberwiegend keine H\u00e4rtef\u00e4lle dar\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/5f4fda86-11b5-48be-9117-98d676e85f9d.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Kirchenasyl soll Fl\u00fcchtlingen in besonderen H\u00e4rtef\u00e4llen Schutz bieten. (Symbolbild)\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Kirchenasyl soll Fl\u00fcchtlingen in besonderen H\u00e4rtef\u00e4llen Schutz bieten. (Symbolbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand\/dpa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Beim Thema Kirchenasyl hakt es in der Zusammenarbeit zwischen den Kirchengemeinden in Bayern und dem Bundesamt f\u00fcr Migration&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":352635,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[3274,772,3364,29,5249,30,382,3783],"class_list":{"0":"post-352634","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-kirche","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-fluechtlinge","13":"tag-germany","14":"tag-migration","15":"tag-nuernberg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115046240966468133","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=352634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352634\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/352635"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=352634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=352634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=352634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}