{"id":353246,"date":"2025-08-18T03:50:20","date_gmt":"2025-08-18T03:50:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353246\/"},"modified":"2025-08-18T03:50:20","modified_gmt":"2025-08-18T03:50:20","slug":"bauhaus-juwel-erwacht-muenchens-alte-synagoge-strahlt-wieder-in-farbenpracht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353246\/","title":{"rendered":"Bauhaus-Juwel erwacht: M\u00fcnchens alte Synagoge strahlt wieder in Farbenpracht"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (epd). Die alte Synagoge im quirligen M\u00fcnchner G\u00e4rtnerplatzviertel muss man ein bisschen suchen. An der Reichenbachstra\u00dfe, neben stolzen Gr\u00fcnderzeitfassaden, steht ein schlichtes B\u00fcrogeb\u00e4ude. Dessen Hinterhof beherbergt jenes architektonische Juwel, in dem j\u00fcdisches Leben nun neu sprie\u00dfen soll: Am 15. September wird die fr\u00fchere M\u00fcnchner Hauptsynagoge nach jahrelanger Restauration neu er\u00f6ffnet. Zur Feier wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.<\/p>\n<p>Dass dieses Ereignis \u00fcberhaupt stattfindet, ist vor allem einem Menschen zu verdanken: der Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander. 2013 gr\u00fcndete sie den Verein &#8222;Synagoge Reichenbachstra\u00dfe&#8220;, um das Geb\u00e4ude &#8211; eine der wenigen Bauhaus-Synagogen weltweit &#8211; vor dem Verfall zu retten. &#8222;Was f\u00fcr eine Energie!&#8220;, sagen Leute bewundernd \u00fcber die bekannte Publizistin, die dieses Gro\u00dfprojekt durchgezogen hat.<\/p>\n<p>Rachel Salamander: Farbmagie Gustav Meyersteins wieder erstrahlen lassen<\/p>\n<p>Was Salamander bei der Stange hielt, war die Aussicht, wie die Synagoge innen k\u00fcnftig aussehen sollte: wieder in jener &#8222;Farbmagie&#8220;, in der Architekt Gustav Meyerstein (1889-1975) sie 1931 erstrahlen lie\u00df. Vor dem Hintergrund des aufkeimenden Nationalsozialismus setzte der Stil der &#8222;Neuen Sachlichkeit&#8220; auf klare Linien und funktionale Formen.<\/p>\n<p>Die Synagoge war minimalistisch und modern, &#8222;zur\u00fcckhaltend und schlicht&#8220;, sagt Salamander, doch ihre Innengestaltung &#8222;muss ein wahrer Farbenrausch gewesen sein&#8220;. Die Zeitung &#8222;Das J\u00fcdische Echo&#8220; schreibt 1931 von der &#8222;beherrschenden Lichtf\u00fchrung&#8220; und &#8222;in wirksamen zarten Farben gehaltenen Glasfenstern&#8220;. So wird es nun wieder: die W\u00e4nde in Blaut\u00f6nen, die Ostnische sandgelb, die Emporen cremewei\u00df, die Seitenfenster originalgetreu nachgestaltet und die Decke aus halbtransparenten Glasfeldern &#8211; so versprechen es erste Bilder und die Simulation der M\u00fcnchner Architekten &#8222;Hilmer &amp; Sattler und Albrecht&#8220;.<\/p>\n<p>Nach 1900 hatten sich im Viertel viele ostj\u00fcdische Familien niedergelassen. Ihr Betsaal wich 1931 Meyersteins Synagogenbau. Die &#8222;Reichenbachschul&#8220; (vom jiddischen Wort &#8222;Schul&#8220; f\u00fcr &#8222;Synagoge&#8220;) war laut dem J\u00fcdischen Museum neben der liberal-konservativen Synagoge in der Herzog-Max-Stra\u00dfe und der orthodoxen Synagoge in der Herzog-Rudolf-Stra\u00dfe einer von drei gro\u00dfen Synagogenbauten in M\u00fcnchen und der letzte neu errichtete sakrale Bau M\u00fcnchens vor 1933.<\/p>\n<p>Synagoge: Immer wieder repariert, aber nie saniert<\/p>\n<p>1938, in der Reichspogromnacht, verw\u00fcsten die Nationalsozialisten das Gotteshaus schwer. Nur wegen der dichten Nachbarbebauung brennen sie es nicht nieder. Nach dem Krieg wird die Synagoge notd\u00fcrftig instand gesetzt. Ab 1947 dient sie den in M\u00fcnchen verbliebenen J\u00fcdinnen und Juden der frisch gegr\u00fcndeten orthodoxen Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) wieder als Hauptsynagoge und wird zum Zentrum j\u00fcdisch-religi\u00f6sen Lebens.<\/p>\n<p>Immer wieder wird das Haus repariert, aber nie saniert. 2006 er\u00f6ffnet mit &#8222;Ohel Jakob&#8220;, vorangetrieben von Charlotte Knobloch, am St.-Jakobs-Platz die neue Hauptsynagoge der IKG. Die liberale j\u00fcdische Gemeinde Beth Shalom hat ihre eigene Synagoge. Das Geb\u00e4ude an der Reichenbachstra\u00dfe ger\u00e4t in Vergessenheit. Als sie das verfallene Gotteshaus gesehen habe, sagt Salamander, habe ihr das &#8222;einen Stich&#8220; versetzt. Sie gr\u00fcndet mit dem Anwalt Ron C. Jakubowicz den Verein mit dem Ziel, die Synagoge wieder in den Originalzustand zu bringen.<\/p>\n<p>Dazu musste Geld eingeworben werden. Von den 12,6 Millionen Euro Baukosten tragen die Stadt M\u00fcnchen, der Freistaat Bayern und der Bund je 30 Prozent, die \u00fcbrigen zehn Prozent bringt der Verein durch private Spenden auf. Ab 2021 wurde das Haus entkernt, es wurden Dach, Fundament und Geb\u00e4udetechnik erneuert, dann begannen die Innenarbeiten. Die Architekten rekonstruierten viel nach den alten Baupl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Gotteshaus soll Erg\u00e4nzung zu Ohel Jakob werden<\/p>\n<p>Beim Restaurations-Richtfest 2024 wurde die neue Lichtinstallation eingeweiht, die im Boden eingelassen ist und die Eckdaten der Synagoge anzeigt. Im Fr\u00fchjahr 2025 erhielt der Synagogenverein ein besonderes Schmuckst\u00fcck: originale Bauhaus-Stoffe, handgewebt von der j\u00fcdischen K\u00fcnstlerin Gunta St\u00f6lzl (1897-1983) aus M\u00fcnchen, geschenkt von ihrem Enkel Ariel Aloni aus den USA. Ein Tuch dient als Vorhang f\u00fcr den Thoraschrein.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig soll die Synagoge ein ritusf\u00e4higes Gotteshaus bleiben, so sieht es das Nutzungskonzept vor. Gerade auch religi\u00f6se Feste wie Hochzeiten oder Bar Mizwas sollen hier stattfinden. So k\u00f6nne sie f\u00fcr die Kultusgemeinde eine sch\u00f6ne Erg\u00e4nzung zu Ohel Jakob sein, sagt Salamanders Pressesprecher Ralf Geissler.<\/p>\n<p>Die Synagoge will aber auch ein Ort f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sein: f\u00fcr Schulklassen, mit Vortr\u00e4gen \u00fcber j\u00fcdisches Leben, mit F\u00fchrungen durchs Viertel, geistlichen Konzerten oder einfach zum Besuchen. Als kunsthistorisch bedeutsames Baudenkmal, das allen M\u00fcnchner B\u00fcrgern zur\u00fcckgegeben wird, soll sie zum kulturellen Hotspot werden &#8211; laut Salamander zu einem der &#8222;hippsten Orte der Stadt&#8220;.<\/p>\n<p>Ob k\u00fcnftig der Verein die Synagoge weiter betreibt oder ob die IKG sie \u00fcbernimmt, ist noch offen. Auch am Sicherheitskonzept wird noch gearbeitet. Laut Geissler wird sie gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen wie alle Synagogen in Deutschland, inklusive Polizeipr\u00e4senz. Trotz der Lage im Hinterhof.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcnchen (epd). Die alte Synagoge im quirligen M\u00fcnchner G\u00e4rtnerplatzviertel muss man ein bisschen suchen. 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